Wahrscheinlich gibt es kein Auto, das in der US-amerikanischen Musikkultur derart oft besungen wurde, wie dieses: der "Eff Uann Fifftie". Pick-up für das Volk, millionenfach verkauftes Arbeitstier der Farmer, Handwerker und Hausbesitzer.
Benutzt, zerkratzt, verbeult, aber immer unzerstörbar seit neun Generationen. Der Kleinste in Fords F-Serie. Und der Günstigste. Über das ganze Land verteilt steht er vor Häusern, die oft kaum größer sind als dieser Truck.

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In den vergangenen Jahren hat er sich zu einem digitalen Hightech-Modell weiterentwickelt. Kleinere, sparsamere Motoren, weniger Verbrauch, weniger Dreck. Aber immer mit diesen armdicken Endrohren und dem Sound des guten alten V8.
Und nun das: Ich rolle mit dem neuesten Ford F-150 über den legendären Sunset Boulevard in LA, kein Auspuffrohr am Heck, zu hören ist nur das Abrollen der fetten Reifen (auch dieses wunderbare Geräusch ist in zahllosen Countrysongs besungen).
Ford F-150 Lightning
Für Großstadt-Cowboys: Der elektrische Ford F-150 nimmt die engen Kurven der Hollywood Hills.

Als der Himmel über Hollywood beginnt, von strahlend zu dunkelblau zu wechseln, zeigt mein Ford sein wahres Gesicht. Der weiße LED-Bogen über der gesamten Front und die rote Horizontalleuchte am Heck verraten es Kennern (und davon gibt es hier viele): Ich fahre den F-150 Lightning, den neuen, vollelektrischen Pick-up.

Im Elektro-Ford quer durch Kalifornien

Und die Leute bleiben stehen, gucken, drehen fast durch, und wer wieder zu sich kommt, spricht mich an, gratuliert mir, fragt: "Wo hast du den her? Was kostet der? Was kann der ziehen? You lucky guy!"
Ja, ich bin ein Glückspilz auf meinem Weg von Hollywood über die Highways quer durch Kalifornien. Strom westwärts. 2500 Kilometer in einem Auto, das den US-Markt revolutionieren kann. Weil ein derart beliebtes Modell das Zeug dazu hat, Menschen für eine neue Technik zu begeistern. Auch wenn der Einstiegs-Lightning gerade noch einmal teurer wurde und jetzt 48.769 Dollar netto kostet.
Bei der High-End-Version, die ich fahre (Platinum), stehen 98.669 Dollar auf dem Preisschild. Da flaut die Begeisterung bei manchem (Großstadt-)Cowboy schnell wieder ab. Aber fürs gleiche Geld mit Strom statt mit Sprit durch den Staub zu brettern, das wird auch für traditionelle Trucker wegen der Benzinpreise immer verlockender.
Ford F-150 Lightning
Erst Lightning, dann Regenbogen: Übernachtung in der Westernstadt Lone Pine.

Also los. Die beiden Motoren auf Knopfdruck mit Strom aus dem riesigen 131-kWh-Akku versorgen und kurz mal zeigen, wie gewaltig auch ein Drei-Tonnen-Pick-up beschleunigen kann.

Beim Ampelstart hängt der E-Pick-up viele Sportwagen locker ab

Nachdem einige Sportwagenfahrer an der Ampel neben mir wohl nur "What the truck?" denken, als ich sie stehen lasse, stelle ich das Fahrprogramm um von "Sport" auf "Normal" und reite mit meinem Lightning raus aus der großen Stadt und auf die Landstraße.
Erstes Ziel: die Westernstadt Lone Pine. Für die 330 Kilometer dorthin bräuchte ich theoretisch gar nicht zu laden, denn mein Lightning hat eine Reichweite von 480 Kilometern (maximal sind sogar 514 Kilometer möglich).

Der Verbrauch ist höher als erwartet

Doch der Verbrauch ist höher als erwartet, obwohl ich den Ford rollen lasse und Tempo 130 nicht übersteige. Also nur zur Sicherheit ein Zwölf-Minuten-Ladestopp an der Schnellladestation in der Wüste.
In Lone Pine hat der Besitzer des Motels, in dem ich übernachte, tausend Fragen zum Auto. Und staunt, als er erfährt, dass ich bidirektional laden kann, also auch einen Tesla mit Strom versorgen. Oder er seine Werkzeuge an die Steckdosen auf der Ladefläche anschließen kann.
Wo ich denn mein Gepäck habe, fragt er mit Blick auf die leere Fläche hinter der Doppelkabine. Wortlos und per Knopfdruck lasse ich die Fronthaube hochklappen, und er blickt staunend auf meine beiden Koffer, die in dem 400-Liter-Frunk (Front Trunk) Platz haben.

Die Ausstattung des F-150 Lightning ist mehr als edel

Überhaupt, die Ausstattung: mehr als edel. Volldigitales Cockpit, modernste Konnektivität, ein riesiger 15,5-Zoll-Touchscreen, 360-Grad-Kamera, digitale Waage für die Ladefläche. Dazu BlueCruise, Fords autonomes Fahren auf Level 2. Das und viel mehr unter einem Glasdach und dem weiten Himmel Kaliforniens.
Ich verlasse Lone Pine auf dem wundervollen Highway 395 Richtung Reno. Bis dahin sind es 423 Kilometer. Die 395 ist eigentlich eine Landstraße, perfekt für den Lightning, der jetzt gut 28 kWh verbraucht.
Ford F-150 Lightning
Hier bleibt man besser nicht mit leerem Akku liegen: Ford F-150 Lightning im Inyo-Nationalpark.

Ich finde meine Lieblings-Countryband im Digitalradio und höre sie aus 18 Bang-&-Olufsen-Lautsprechern. In Reno kann ich in einer Hotelgarage kostenlos laden – mit nur 6,6 kW. Aber ich habe ja die ganze Nacht.
In der Spielerstadt verliere ich 100 Dollar am Black-Jack-Tisch, aber gewinne 32 Meilen westwärts einen neuen Freund. Kurt, GM-Pick-up-Fahrer aus dem Ort Truckee, will alles über meinen Lightning wissen. Aber überzeugen kann ich ihn nicht. "Ich würde einen Diesel-Hybrid nehmen. Der wenig verbraucht, aber keine Ladestation braucht."

Nach 10 Minuten an der Ladesäule 150 km mehr Reichweite

Ich verbrauche jetzt weniger Strom auf dem Weg nach San Francisco. Weil es fast 2000 Höhenmeter runtergeht und ich den Lightning wieder rollen lasse. An einem 350-kW-Lader wird Energie mit guten 170 kW in den Akku gepumpt; nach zehn Minuten habe ich Strom für weitere 150 km.
Ford F-150 Lightning
Brücken-Technologie: Ford F-150 Lightning am Golden Gate.

Denn am nächsten Tag kommt die Mammutstrecke. Von San Francisco zurück nach Los Angeles: gut 600 Kilometer. Auf halber Strecke, auf der Harris Ranch, mache ich 40 Minuten Mittagspause für ein 400-Gramm-Steak. In der Zwischenzeit hat mein Truck 79 kWh geladen, genug für die zweite Etappe nach Hollywood.
"Big wheels keep on turnin'", singe ich und frage mich, ob Ford den F-150 Lightning auch nach Deutschland bringt. Ich weiß, dass sich Martin Sander, Fords E-Auto-Chef für Europa, gerade dieselbe Frage stellt.
Als es Nacht wird über dem Sunset Strip, zwischen den Nachtclubs und Strip-Schuppen, sündige auch ich noch einmal. Ich schalte für ein paar Meilen den Propulsion Sound an, der meinem elektrischen Reiter ein klassisches Motorengeräusch verpassen soll. Aber es klingt künstlich. Das hat der F-150 nicht verdient. Den E-Antrieb schon.

Technische Daten und Preis: Ford F-150 Lightning

• Antrieb je ein E-Motor pro Achse; Allrad; Einganggetriebe
• Leistung 426 kW (580 PS)
• max. Drehmoment 1050 Nm
• Akkukapazität 131 kWh (netto)
• max. Reichweite 480 km
• Ladeleistung bis 170 kW
• L/B/H 5911/2032/1989 mm
• Leergewicht 3130 kg
• Nutzlast 839 kg
• Anhängelast 3,8 t
• 0–100 km/h 4,5 s
• Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
• Testverbrauch 28,4 kWh/100 km
• Testwagenpreis 98.669 Dollar (netto)