Ob sich der neue Ford Focus erheblich besser verkauft als sein Vorgänger, bleibt abzuwarten. Das hängt auch stark davon ab, was der VW-Konzern gegen Ende 2019 mit dem Golf 8 vorstellt. Dennoch glauben wir, dass der Focus sich in jedem Fall von der jährlichen 50.000er-Marke deutlich absetzen kann. Ford hat nach eigener Aussage mit der Entwicklung des neuen Focus auf einem leeren Blatt Papier begonnen. Diese Aussage bestätigen wir gern, denn mit seinem Vorgänger teilt sich der kompakte Kölner so gut wie nichts mehr. Leicht buckelig, ein wenig gedrungen – so haben wir den alten Focus in Erinnerung. Sein Nachfolger stellt eine deutlich sportlichere Silhouette auf den Asphalt. Die Preise starten für den Focus mit 65 Ps bei 18.700 Euro (bei Carwow ab 15.661 Euro).
Die Haube präsentiert sich mit mehr Länge, und vor allem die Heckpartie überzeugt mit breiten Backen und schicker Focus-Signatur auf der Klappe. In puncto Abmessungen sieht es wie folgt aus: 18 Millimeter länger, 15 Millimeter flacher und inklusive Außenspiegel zwei Millimeter breiter als der Vorgänger. Viel auffälliger sind die neuen LED-Scheinwerfer inklusive LED-Rückleuchten (ab 1150 Euro) mit kamerabasiertem Kurvenlicht und Fernlichtassistent. Wer sich an technischen Spielereien erfreut, die zudem der Sicherheit dienen, sollte hier sein Kreuzchen setzen.

Mit an Bord ist jetzt auf Wunsch auch ein Head-up-Display

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Video: Ford Focus (2018)

Unterwegs im neuen Focus

Damit endet das Programm an Helferlein aber natürlich noch nicht. Spurhalte- und Notbremsassistent fahren serienmäßig mit, für 300 Euro (nur Trend und Cool & Connect, sonst Serie) liefert Ford mit der FordPass-App Informationen über Standort und Betriebszustand des Wagens und bietet darüber hinaus die Möglichkeit, einzelne Funktionen aus der Ferne zu steuern. Erstmals verfügt der Focus über ein Head-up-Display; für das Projektionsscheibchen aus Plastik berechnet Ford faire 450 Euro. Weitere 550 Euro legen Sie im Technologie-Paket I respektive II (Paket II nur mit Automatikgetriebe) gut an. Sowohl der adaptive Tempomat, der bis 200 km/h automatisch regelt und die Geschwindigkeit entsprechend der Verkehrsschilderkennung anpasst, als auch der Ausweichassistent und eine Falschfahrer-Warnfunktion sind enthalten. Letztere warnt Sie akustisch und optisch, wenn die akute Gefahr droht, dass Sie zum Geisterfahrer werden. 
Haben Sie sich für die Achtstufen-Automatik entschieden, können Sie sich über einen teilautonomen Stauassistenten mit Stop & Go-Funktion und Fahrspurüberwachung freuen. Wer beim Parken seine Schwierigkeiten hat, investiert noch mal mindestens 400 Euro in das EasyParking-Paket Plus. Dann übernimmt der Focus die Lenkarbeit für dieses Manöver; Gas und Bremse müssen Sie allerdings noch selbst bedienen. Dazu gesellen sich Parksensoren vorn und hinten sowie eine Rückfahrkamera mit guter Auflösung. Beim sportlichen ST empfehlen wir Ihnen das Performance-Paket mitzubestellen. 1200 Euro bringen neben einem Rennstrecken-Modus für das Fahrwerk, Ambientebeleuchtung, rot lackierte Bremssättel sowie eine Launch Control und Zwischengasfunktion.
Überblick: Alles zum Ford Focus

Das Interieur ist vollständig neu gestaltetet

Ford Focus
Ergonomisch tadelloses Cockpit mit guter Materialanmutung. Legen Sie Wert auf mehr Luxus, könnte die Linie Vignale für Sie von Interesse sein.
Schlaglochreiche Straßen nimmt der Focus schon mit dem neuen Standardfahrwerk und der Verbundlenker-Hinterachse gelassen. Mit stets dynamischer Note zirkelt der Kompakte zügig durch Kurven, ohne den Komfortaspekt aus dem Fokus zu verlieren. In den Fünftürer-Modellen mit größeren Motoren sowie dem Turnier setzt Ford dann auf eine Multilink-Hinterachse. Fragwürdig: Das einstellbare Fahrwerk mit adaptiver Dämpferregelung bietet Ford einzig und allein für den fünftürigen 2.0 EcoBlue für 1000 Euro extra an. Das aktuelle Topmodell, der ST, läuft mit dem entsprechend sportlich abgestimmten Fahrwerk bereits vom Band. Er kostet in der Basis 35.700 Euro (bei Carwow ab 5177 Euro günstiger).
Beachtung verdient auch das vollständig neu gestaltete Interieur, das sich am Fiesta orientiert, mit nun sichtlich schlankerem Armaturenträger. Ford hat auf Kritik reagiert und die Bedienung weiter vereinfacht. Dank der logischen Anordnung aller Elemente – nur die Klimaregler liegen etwas zu tief – bedarf es nun keines Studiums der Bedienungsanleitung mehr. Auf volldigitale Instrumente wie im vor Kurzem präsentierten Kuga verzichten die Kölner. Ein zwischen den Instrumenten liegendes Display muss bis zum Facelift reichen, steht der LCD-Variante in seinem Funktionsumfang aber in nichts nach.

Echtlederausstattung gibt's nur in der höchsten Ausstattungslinie

Ford Focus
Selbst bei Übergröße (1,97 m) bietet der Focus ausreichend Knie-und Fußraum zum Vordermann, die Kopffreiheit passt ebenfalls.
Dank der neu entwickelten C2-Plattform dürfen sich alle fünf Passagiere über mehr Platz freuen. Schon die normalen, aber unserer Meinung nach etwas zu hoch positionierten Sitze bieten ausreichend Komfort. Gegen die Zahlung von 400 Euro (500 Euro bei Trend sowie Cool & Connect) können Sie auf 18-fach einstellbare Ergonomiesitze umsteigen, die Sitzheizung steht mit 300 Euro in der Liste. Den Platzgewinn spüren vor allem die Fondpassagiere dank des längeren Radstands (+ 52 Millimeter), dünnerer Vordersitzlehnen und des flacheren Mitteltunnels. Dazu kommen die großen Türen, die einen komfortablen Einstieg ermöglichen, und der Türkantenschutz (Teil des Easy-Parking-Pakets (ab 450 Euro), der unliebsame Kratzer verhindert. Schade auf der anderen Seite: Wo die Türverkleidung vorn mit einer ansprechenden Kunstleder-Verkleidung aufwarten kann, bestücken die Kölner hinten lediglich die Armlehne mit Kunstleder, der übrige Teil der Tür präsentiert sich mit wenig einladendem Hartplastik. Auch die Lautsprecherverkleidung am oberen Teil wird dem Anspruch nicht so richtig gerecht. 
Eine Echtlederausstattung verknüpft Ford nur mit der höchsten Ausstattungslinie Vignale. Darunter rangiert eine Leder-Stoff-Variante (850 Euro) für ST-Line und Titanium. Da wir Ihnen die Linie Cool & Connect empfehlen, für die keine Lederausstattung erhältlich ist, raten wir alternativ zum Ausstattungsniveau Titanium oder der ST-Line. Noch eine Anmerkung zum Schluss: Sollten Sie sich für einen Focus in der Vignale-Linie entscheiden, spendiert Ford im Rahmen jeder Inspektion eine Fahrzeugaufbereitung und einmal im Monat, halten Sie sich an die Intervalle, eine kostenlose Wäsche Ihres Focus. Für den Ford Focus mit 150 Ps starkem 1,5 Ecoboost-Motor und der Titanium-Ausstattung gibt es momentan bei Carwow eine Extra-Ersparnis von 10.147 Euro.

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Kaufberatung Ford Focus
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Von

Christoph Richter