Auf die Literleistung kommt es bei diesen beiden Kombis an. Und damit meinen wir hier nicht unbedingt, was hinten reinpasst. Zugegeben, darin sind Octavia und Focus auch nicht schlecht. Bis zu 1740 Liter schluckt der Skoda Octavia Combi RS und immer noch 1516 Liter der Ford Focus ST Turnier. Uns geht es hier dennoch eher um Hubraum und PS, denn den Reiz dieser Kombinationskraftwagen machen ihre Motoren aus. 110 PS Literleistung im RS und sogar 125 PS im ST – viel mehr hat ein DTM-Renner auch nicht zu bieten.

Überblick: Alle News und Tests zum Skoda Octavia RS

Video: Octavia RS vs. Focus ST

Turbo-Kombis

Bei jeweils zwei Liter Hubraum ergibt das 220 PS im Octavia und sogar 250 PS im Ford. Mindestens genauso beeindruckend: das Drehmoment. Dank Turboaufladung zerren im Ford maximal 360 Nm an den Vorderrädern, mit 350 Nm massiert der Skoda den Asphalt. Entsprechend hochkarätig sind die Fahrleistungen. In 6,8 Sekunden schießen beide aus dem Stand auf Tempo 100. Dabei verfehlt der Focus die Werksangaben trotz optimaler Testbedingungen um drei Zehntelsekunden. Das kann daran liegen, dass der Ford vor Kraft kaum laufen kann. Selbst auf trockener Piste drehen bei Vollgas bis in den dritten Gang die Räder durch. Bei den Zwischenspurts von 60 auf 100 km/h und von 80 auf 120 km/h behält der Skoda die Nase ganz knapp vorn. In der Motorenwertung liegen die Kontrahenten letztlich gleichauf. Keine Frage, beide Triebwerke machen höllisch Spaß. Der Skoda verdankt seinen Antrieb einem Griff ganz oben ins VW-Regal. Kein Geringerer als der Golf GTI muss als Organspender herhalten. Ganz sicher eine gute Wahl.

Überblick: Alle News und Tests zum Ford Focus ST

Ford Focus ST Turnier
Giftig, aber beherrschbar: Bei abgeschaltetem ESP lässt der Focus in Kurven gerne das Heck raushängen.
Bild: Roman Raetzke
Bei Ford soll der noch stärkere Eco-Boost-Vierzylinder über den Verlust des herrlich klingenden Volvo-Fünfzylinders im Vorgänger hinwegtrösten. Mal hören, ob das gelingt. Weil beide Motoren von Haus aus äußerst kultiviert sind, gibt es Nachhilfe in Sachen Motorengeräusch. Im Ford sorgt ein "Sound Symposer" beim Gasgeben für kernigen Klang im Innenraum. Bei Skoda heißt das System "Soundaktuator" und lässt sich bei Bedarf abstellen. Der Skoda findet eben immer einen Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit. So fällt sein Fahrwerk schon arg straff aus, die Federung arbeitet aber deutlich geschmeidiger als im Ford. Der gibt bei gemütlicher Gangart jede kleine Unebenheit fast ungefiltert an die Bandscheiben weiter und schüttelt die Insassen schon mal heftig durch. Familienfreundlich und alltagstauglich geht anders. Sportliche Härte zeigt auch die Focus-Lenkung beim Beschleunigen aus niedrigen Geschwindigkeiten. Dafür reagiert sie im Grenzbereich direkter auf Lenkbefehle. Und das ist auch gut so, denn in schnellen Kurven setzt das Focus-Heck selbst mit eingeschaltetem ESP schon mal zum Überholen an
Ein Spaß für Könner, eine Adrenalindusche für Laien. Zwar lässt sich der übersteuernde Focus jederzeit gut beherrschen, fährt aber nicht so narrensicher wie der im Grenzbereich stur untersteuernde Skoda. Überraschend: Obwohl alltagstauglicher abgestimmt, zeigt der Tscheche dem Kölner auf der Rundstrecke seine große Heckklappe. Respektable 1,3 Sekunden nimmt er ihm im Contidrom ab. Bei der Höchstgeschwindigkeit sieht es anders aus. Der Ford schafft mit 248 Kilometern pro Stunde tatsächlich 4 km/h mehr als der Skoda.

Heiße Kompakte im Duell: Ford Focus ST trifft VW Golf GTI

Skoda Octavia Combi RS Ford Focus ST Turnier
Ford Focus ST und Skoda Octavia RS können durchaus auch auf der Rennstrecke überzeugen.
Bild: Roman Raetzke
Auf der Autobahn wird der Ford seinem Konkurrenten aber kaum wegfahren können. Das liegt auch an seinem mangelnden Überholprestige. Immer wieder bremsen andere Verkehrsteilnehmer seinen Vorwärtsdrang. Da hilft dem Focus ST auch nicht seine Lackierung in knalligem Colorado-Rot. Beim Octavia RS ist es fast noch schlimmer. Sein unschuldiges Weiß und seine sachliche, ruhige Front lassen ihn wie einen braven Vertreterkombi wirken. Der RS ist nur auf den zweiten Blick als sportlichster Octavia zu erkennen. Das gilt auch im Innenraum, der das schlichte Außendesign gekonnt fortsetzt. Überall Funktionalität statt Effekthascherei. Ganz anders der Focus, der auch hier seine Sportlichkeit betont. Zusatzinstrumente, gelochte Pedale und enge Recaro-Sitze lassen keinen Zweifel an seinen Ambitionen aufkommen. Auch das aufpreispflichtige Navi mit seinem winzigen Bildschirm und das Radio passen ins Konzept – denn ihre Bedienung verlangt hin und wieder auch Denksport. Besser, weil übersichtlicher und intuitiver zu bedienen, ist das optionale Navi mit Acht-Zoll-Display im Skoda. Überhaupt glänzt der RS mit vielen praktischen Details, die es im Focus selbst gegen Aufpreis nicht gibt. Konsequent sportlich, wie der Focus ST sich zeigt, verzichtet der sogar auf eine Start-Stopp-Anlage, die im Octavia RS zur Serienausstattung gehört. Ebenso wie Bi-Xenon-Licht und Sitze in Teilleder.
Angesichts solcher Qualitäten lässt sich kaum glauben, dass der Octavia ausstattungsbereinigt weniger kostet als der Focus. Unterm Strich bleibt der Skoda der ausgewogenere Sportkombi. Das heißt aber nicht, dass der Focus ST ein schlechtes Auto ist. Auf der Rennstrecke fasziniert er, macht mehr Spaß – weil er den ambitionierten Fahrer mehr fordert. Nachholbedarf hat der Ford nur bei einer weiteren Disziplin, die mit Literleistung zu tun hat. 9,4 Liter Super nimmt der Ford auf der Normrunde. Skoda reichen 7,7 Liter. Noch so eine Literleistung, auf die sie bei Skoda stolz sein können.

Fazit

von

AUTO BILD
Beide Kombis sind Gute-Laune-Geräte: Der Mix aus praktischem Nutzen und reichlich Temperament lockt manchen Papi vom Sofa hinters Lenkrad. Dabei kann der Skoda mit viel Platz, kräftigem und sparsamem Motor sowie Top-Rundenzeiten auf der Rennstrecke den Vergleich deutlich gewinnen. Dem Ford fehlt es dagegen an Feinschliff.