Ford Mustang Mach-E GT, Nio EL6: Test
Elektro-Duell mit knapp 1000 PS: Nio EL6 fordert Mustang Mach-E heraus

Viel Kraft ist typisch Elektro. Hohe Preise ebenfalls. Da sind Nio EL6 und Ford Mustang Mach-E leider keine Ausnahmen. Vergleich der saftigen E-SUV.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Mag ja sein, dass der Elektro(verkaufs)motor zuletzt etwas ins Stottern geraten ist. Faszinierend ist die Sache mit der Kupferspule als Antrieb aber nach wie vor: Da hat ein kompaktes SUV wie der Ford Mustang lässige 487 (!) PS und spurtet in rund vier Sekunden auf Tempo 100, soll laut Ford sogar 490 Kilometer weit kommen.
Krass – warum nur wollen so wenige Leute so etwas Cooles kaufen? Wohl, weil der berühmte Pappenstiel unflätig im Weg steht? Tatsächlich kostet ein 358 kW starker Mustang Mach-E GT 77.300 Euro – aua. Wäre ein Chinese die Lösung? So etwas wie den Mustang gibt es nämlich auch vom Hersteller Nio. Deren EL6 hat auch fast 500 PS, rennt ähnlich schnell wie der Ford, will allerdings mit nur 53.500 Euro bezahlt werden. Schon besser!
Aber Achtung: Zu diesem Preis verkauft Nio das Auto OHNE Batterie. Soll der EL ähnlich reiselustig mit Akkus bestückt sein wie der Mustang, kostet ein EL6 dann plötzlich stolze 74.500 Euro.
Bei der Reichweite liegt der Nio vorne
Das geht oberflächlich betrachtet ja fast als Gleichstand durch. Wir tauchen aber traditionell tiefer ein. Der Vergleichstest der beiden starken Elektro-SUV holt die feinen Unterschiede hervor und klärt auch in Nuancen Vor- und Nachteile. Vor allem die "elektrischen". Hier kommt der Nio besser weg. Der größere Akku und die belastbarere Ladearchitektur machen den Unterschied.

Mehr Reichweite im Akku: Mit seinen 100 kWh schafft der Nio EL6 385 Kilometer – immerhin 35 mehr als der Ford Mustang Mach-E.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
So holt er aus seinem 100 kWh großen Akkublock echte (nach unserem Verbrauchszyklus ermittelte) 385 Kilometer Reichweite, schlägt so den Mustang um immerhin 35 Kilometer. Damit fängt der Nio auch den leichten Mehrverbrauch im Vergleich zum Ford ab – er benötigt mit 28,3 kWh auf 100 Kilometer rund eine halbe Kilowattstunde mehr Energie als der Mustang.
Fahrzeugdaten
Modell | Ford Mustang Mach-E GT | Nio EL6 (100 kWh) |
|---|---|---|
Motor Bauart vorn/hinten | Synchronelektromotor | Asynchron-/Synchronelektromotor |
Einbaulage | je ein Motor vorn und hinten | je ein Motor vorn und hinten |
Spitzenleistung | 358 kW (487 PS) | 360 kW (490 PS) |
Dauerleistung | 200 kW (272 PS) | 100 kW (136 PS) |
Systemdrehmoment | 860 Nm | 700 Nm |
Vmax | 200 km/h | 200 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Reifentyp | Pirelli P Zero Elect | Pirelli P Zero Elect |
Radgröße | 8 x 20" | k. A. |
Testwagenbereifung | 245/45 R 20 Y | 265/45 R 21 V |
Reichweite* | 490 km | 517 km |
Verbrauch* | 21,2 kWh/100 km | 20,9 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität | 98,7/91 kWh (brutto/netto) | 100 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 10,5/150 kW | 11/180 kW |
Ladeanschluss | vorn links im Kotflügel | hinten links |
Ladezeit (10–80 %; DC-Ladung) | 45 Minuten | 30 Minuten |
Vorbeifahrgeräusch | 71 dB(A) | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/750kg | 1200/750 kg |
Stützlast | 30 kg | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 402–1420 l + 100 l vorn | 579–1430 l |
Länge/Breite/Höhe | 4743/1881–2097**/1613 mm | 4854/1995–2212**/1703 mm |
Radstand | 2984 mm | 2915 mm |
Grundpreis | 77.300 Euro | 74.500 Euro (inkl. Batterie) |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 77.300 Euro | 77.000 Euro |
Gleichzeitig lädt der chinesische Wagen schneller. Nio mag dem Modell nämlich bis zu 180 kW starke Ladevorgänge (DC) zumuten. Entsprechend ist er nach einer halben Stunde von 10 bis 80 Prozent geladen. Der Ford benötigt für den gleichen Vorgang dank 30 kW geringerer Ladeleistung fast eine Dreiviertelstunde Zeit an der Stromsäule. (Elektroautos mit der größten Ladeleistung.)
Der Mustang ist spürbar leichter
Weitere drei Aspekte sprechen für den Nio. Ein EL6 ist geräumiger, er gibt sich komfortabler und zeigt sich belastbarer als ein Mustang. So bedingt der längere Radstand mehr Platz für die Fondpassagiere, in den Kofferraum passt mehr Gepäck (579 Liter statt 402 Liter), der EL6 wirkt zudem innen offener, luftiger und in der Folge auch übersichtlicher. Die bequemere Grundhaltung machen wir an den satter tragenden Sitzen, am leiseren Laufgeräusch und an der nachgiebigeren Federung fest.

Ganz schön elegant: Der Nio-Innenraum gefällt mit nussfarbener Einrichtung und großen Displays, ist frei von Tand – so geht's.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Darüber hinaus verwöhnt der Nio über tolle Ausstattungsdetails. So lässt sich die Lehne der (bequemeren) Fondbank elektrisch in der Neigung justieren. Außerdem klimatisiert eine an die Wärmepumpe des Elektrosystems gekoppelte Drei-Zonenanlage den Innenraum – mehr Auto kommt also aus China.
Sprinten können beide E-SUV ziemlich gut
Auch mehr Gewicht. Denn der EL6 ist über 2,4 Tonnen schwer, überstimmt damit den ebenfalls nicht gerade leichtgewichtigen Ford um über 100 Kilogramm. Da bleiben Fahrleistungen auf der Strecke, seine Mehr-PS jedenfalls kann er nicht in Mehr-Tempo ummünzen. Beide Autos leisten sich keine Schwächen im schnellen Antritt – Allradantrieb hilft hier unauffällig und effektiv.

Mustang vorbei: Der Mach-E erledigt den Sprint auf Tempo trotz Leistungsnachteil in 4,2 Sekunden – der EL6 braucht 4,3.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Beide Modelle lassen ihre Kräfte zudem über ein Eingang-Getriebe auf die Antriebsräder los. Kuriosum im Nio: Die N-Stellung des Getriebes lässt sich nur über einen Menüpunkt per Berührbildschirm darstellen – was soll denn so was?
Messwerte
Modell | Ford Mustang Mach-E GT | Nio EL6 (100 kWh) |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 1,8 s | 2,0 s |
0–100 km/h | 4,2 s | 4,3 s |
0–130 km/h | 6,6 s | 6,7 s |
0–160 km/h | 12,4 s | 10,5 s |
0–200 km/h | 20,4 s | 19,3 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 2,0 s | 1,9 s |
80–120 km/h | 2,7 s | 2,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 2305/412 kg | 2415/428 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 51/49 % | 49/51 % |
Wendekreis links/rechts | 12,7/12,7 m | 12,5/12,6 m |
Sitzhöhe | 660 mm | 695 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 34,6 m | 37,8 m |
aus 100 km/h warm | 33,7 m | 36,1 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 58 dB(A) | 57 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) | 68 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) | 72 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 20,0 kWh/100 km | 20,8 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 27,7 kWh/100 km (+31 %) | 28,3 kWh/100 km (+35 %) |
Sportverbrauch | 36,0 kWh/100 km | 35,2 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km | 0 g/km |
Reichweite | 350 km | 385 km |
Im Mustang Mach-E steckt mehr Dynamik
Der Ford ist zudem nicht nur eine Portion leichter als der Nio – es fühl sich auch mehr danach an. Das Auto lässt sich über die mitteilsamere Lenkung feiner führen, mag sich emsiger von Kurve zu Kurve winden, liegt präziser auf schlechten Oberflächen. Wichtigster Aspekt der besseren Ford-Dynamik: Der Mach E steht nach einer Notbremsung aus Tempo 100 Km/h heraus rund drei Meter früher als der EL6 – egal ob mit kalter Bremsscheibe oder glühend temperierter Anlage. Offensichtlicher haben Fords Fahrwerk-Entwickler mit mehr Herzblut konstruiert.

Besserer Kurvenkünstler: Der Mustang Mach-E ist nicht nur 100 Kilogramm leichter als der EL6, er fühlt sich auch dynamischer an.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das gilt auch für den Stand der Vernetzung. Im Mustang Mach E steckt mehr moderne Ware. Beispielsweise lassen sich Apple-Smartphones oder Android-Geräte mit dem Multimediasystem koppeln. Dafür arbeitet das Sprachsystem im Nio wacher, die Technik nimmt auch Stimmen-Befehle zu Fahrzeugfunktionen (z.B. Fenster öffnen) klaglos und zuverlässig entgegen. Dennoch kann sich der Ford in der Eigenschaftswertung an die Spitze knabbern. Trotz Platznachteil und weniger Leistungsfähigkeit beim Transportieren steckt im Mach E also das vollwertiger Auto.
Platzierung
Modell | Ford Mustang Mach-E GT | Nio EL6 (100 kWh) |
|---|---|---|
Punkte* | 536 | 529 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | In der Gesamtbilanz günstiger, fahraktiver, ähnlich schnell wie der Nio – dabei besser vernetzt. | Größer, bequemer und in der Ladeleistung besser aufgestellt. Im Gesamtpaket dennoch nur Zweiter. |
Bei den Kosten liegt der Nio hinten
An dieser Stelle zurück auf Anfang: Und der Ford ist sogar das unter dem Strich günstigere Modell. Weil der Mustang trotz höherem Kaufpreis die Kosten über eine viel günstigere Versicherungseinstufung zurück holt. In Zahlen: der Nio kostet jährlich allein über die Vollkasko über 1000 Euro mehr als der Ford. Da nützen ihm auch sein langes Versprechen zur Mängelfreiheit (5 Jahre Garantie) und die variablen Wartungsintervalle nichts. Zählen wir zusammen, kommt von Ford das günstigere Modell, das modernere Auto, das spaßigere Gerät.
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