Formel 1: 1000. WM-Rennen (6)

Todesfälle und Sicherheitsentwicklung

Die Formel 1 hat schon 25 Tote allein an den Rennwochenenden gefordert. Doch schlimme Unfälle sind immer seltener – dank extremer Sicherheitsentwicklung.
Auch beim 1000. WM-Rennen wird auf den Zuschauertickets auf die Gefahren hingewiesen werden, die der Motorsport mit sich bringt. Doch heute können sich die Besucher vor Ort weitgehend sicher sein, dass sie nicht Zeuge eines tödlichen Unfalls werden – und vor allem, dass sie selbst unversehrt bleiben. Das war nicht immer so: Beim Italien-GP 1928 starben 41 Menschen, als Emilio Materassi in die Zuschauer flog, in Italien 1961 beim Crash von Wolfgang Graf Berghe von Trips waren es 14 Menschen, beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1955 sogar 84.
Die Rennsportvergangenheit kennt nicht nur Ruhm, Glanz und Lorbeerblätter, sondern auch Tod, Blut und Schmerz. 25 Rennfahrer sind allein an einem Formel-1-Rennwochenende gestorben, dazu kommen sieben, die beim Indy 500 verunglückten, als das Rennen von 1950 bis 1960 noch Weltmeisterschafts-Status hatte. Und dazu kommen 14 Fahrer, die bei Testfahrten oder bei nicht zur WM zählenden Formel-1-Läufen ihr Leben lassen mussten. 49 Formel-1-Fahrer starben bei anderen Rennen, die sie oft parallel zur Formel 1 bestritten haben.
Das sind die brutalen Zahlen der Formel 1. Es gibt aber auch ermutigende Statistiken zum Thema. 19 der 25 Fahrer starben in den 50er, 60er und 70er Jahren. Seit den 80er Jahren sank die Zahl der Todesfälle auf fünf. Im aktuellen Jahrtausend starb mit Jules Bianchi (Japan 2014) sogar „nur“ nochPilot. Und dieser Todesfall war eine Verkettung unglücklichster Umstände.
Die Sicherheitsentwicklung in der Formel 1 ist vielversprechend. Sie war in den Anfangsjahren aber auch katastrophal. Erst seit 1952 müssen die Fahrer einen Helm tragen, erst seit 1967 besteht Gurtpflicht. Trotzdem haben nicht alle Fahrer die Gurte richtig gespannt – was beispielsweise Jochen Rindt 1970 in Monza zum Verhängnis wurde. Der Österreicher hatte Angst, im Auto bei ausbrechendem Feuer eingeklemmt zu sein.

Formel 1: Startunfälle

Diese Angst war nicht unberechtigt. Viele Formel-1-Fahrer verbrannten bei lebendigem Leib. Die Chassis waren lange Zeit aus Magnesiumlegierungen, die ebenso leicht entflammbar waren wie die Strohballen am Streckenrand. Stuart Lewis-Evans in Marokko 1958, Lorenzo Bandini in Monaco 1967, Jo Schlesser in Frankreich 1968 und Roger Williamson in Zandvoort 1973 sind der Flammenhölle zum Opfer gefallen. Ronnie Peterson hätte seinen Feuerunfall 1978 überlebt, starb im Krankenhaus aber an einer Embolie. Heute hat jedes Formel-1-Auto Feuerlöscher an Bord, die in der Regel automatisch anspringen, sobald Feuer im Cockpit ausbricht – ein inzwischen sehr unwahrscheinlicher Fall. Seit 1975 tragen die Fahrer zudem feuerfeste Kleidung.

Die Gefahrenquellen der Formel 1

Halo hat wohl schon ein Menschenleben gerettet

Eine zweite Gefahrenquelle waren Überschläge, weil Fahrer aus dem Cockpit geschleudert oder vom eigenen Auto erdrückt worden sind. So wie Luigi Musso 1958 in Frankreich oder Gilles Villeneuve 1982 in Belgien. Heute müssen die Überrollbügel über der Airbox einer Belastung von 27 Tonnen Stand halten.
Seit 2018 kommt außerdem ein Titanbügel über dem Kopf des Fahrers zum Einsatz – und rettete wohl beim Startcrash in Belgien Charles Leclerc das Leben. Der Bügel namens Halo muss einer Belastung von zwölf Tonnen von oben, 4,7 Tonnen von vorn und 9,5 Tonnen von der Seite verkraften. Das offene Cockpit eines Formel-1-Rennwagens wurde Alan Stacey 1960 in Belgien (Vogel ins Gesicht geflogen), Piers Courage 1970 (von einem Rad erschlagen), Mark Donohue 1975 in Österreich (gegen einen Zaunpfahl gekracht) und Tom Pryce in Südafrika 1977 (von Feuerlöscher eines Streckenpostens erschlagen) zum Verhängnis.
Dank miserabler Leitplanken wurden diese wegen der offenen Cockpits für Chris Bristow 1960 in Belgien und Helmut Koinigg in Watkins Glen 1974 zur Guillotine. Die Streckenbegrenzungen waren oft eine Katastrophe. Onofre Marimón, Peter Collins und Carel Godin de Beaufort starben, weil sie mit ihren Fahrzeugen gegen Bäume krachten!
Unvorstellbar auch die Tatsache, dass es erst seit 1978 einen permanenten Arzt in der Formel 1 gibt, erst seit 1980 ist ein Streckenkrankenhaus Pflicht, sogar erst seit 1986 ein Rettungshubschrauber. Mangelnde ärztliche Versorgung nach Unfällen führte vor allem bei Testfahrten zu vielen der tödlichen Unglücke.
Dagegen ist die Formel 1 heute sicherer als Fußball: kein zwickender Meniskus, keine Platzwunden, keine Knochenbrüche. Die Formel-1-Fahrzeuge müssen irrsinnigen Belastungen bei Crashtests standhalten: Das Monocoque (die Sicherheitszelle) wird mit 20 Tonnen von vorn und 25 Tonnen von der Seite belastet. An der Strecke absorbieren sogenannte Tecpro-Barrieren (Mischung aus Schaumstoff, Stahl und Wasser) bei Einschlägen einen Großteil der Unfallenergie. Die Räder sind durch Stahlseile am Cockpit befestigt und fliegen nach Unfällen nicht mehr unkontrollierbar durch die Luft.
Doch die Bestrebungen nach mehr Sicherheit werden auch in den nächsten 1000. Grand Prix weitergehen.
Die Liste der Todesfälle in der Formel 1
Onofre Marimón (MaseratI) Deutschland-GP 1954
Luigi Musso (Ferrari) Frankreich-GP 1958
Peter Collins (Ferrari) Deutschland-GP 1958
Stuart Lewis-Evans (Vanwall) Marokko-GP 1958
Chris Bristow (Cooper-Climax) Belgien-GP 1960
Alan Stacey (Lotus-Climax) Belgien-GP 1960
Wolfgang Graf Berghe von Trips (Ferrari) Italien-GP 1961
Carel Godin de Beaufort (Porsche) Deutschland-GP 1964
John Taylor (Brabham-BRM) Deutschland-GP 1966
Lorenzo Bandini (Ferrari) Monaco-GP 1967
Jo Schlesser (Honda) Frankreich-GP 1968
Gerhard Mitter (BMW) Deutschland-GP 1969
Piers Courage (De-Tomaso-Ford) Niederlande-GP 1970
Jochen Rindt (Lotus-Ford) Italien-GP 1970
Roger Williamson (March-Ford) Niederlande-GP 1973
François Cevert (Tyrrell-Ford) USA-GP 1973
Helmut Koinigg (Surtees-Ford) USA-GP 1974
Mark Donohue (Penske-Ford) Österreich-GP 1975
Tom Pryce (Shadow-Ford) Südafrika-GP 1977
Ronnie Peterson (Lotus-Ford) Italien-GP 1978
Gilles Villeneuve (Ferrari) Belgien-GP 1982
Riccardo Paletti (Osella-Ford) Kanada-GP 1982
Roland Ratzenberger (Simtek-Ford) Imola-GP 1994
Ayrton Senna (Williams-Renault) Imola-GP 1994
Jules Bianchi (Marussia-Ferrari) Japan-GP 2014

Alle bisherigen Teile der Serie zum 1000. WM-Rennen:

1) Der erste GP: So fing alles an: Hier klicken
2) Die Weltmeister – Wer war der Beste? Hier klicken
3) Die schlechtesten Formel-1-Fahrer aller Zeiten: Hier klicken
4) Diese Hersteller waren schon in der Formel 1: Hier klicken
5) Die ältesten Formel-1-Fahrer aller Zeiten: Hier klicken

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance

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