Andreas Seidl (45) will es nicht hören, wenn man ihn für den Aufschwung des traditionsreichen McLaren-Rennstalls verantwortlich macht. McLaren funktioniere nur als Team gut, so der Bayer. Einer alleine würde gar nichts bewirken.
Fest steht aber: Spätestens nach vergangenem Sonntag, als McLaren beim GP Italien in Monza einen genauso spektakulären wie auch verdienten Doppelsieg landete, machen die Experten gerade Seidl als wichtigsten Erfolgsfaktor aus. So sagt sein Fahrer Daniel Ricciardo, der in Monza vor Teamkollege Lando Norris ins Ziel kam. "Es herrscht eine tolle Stimmung. Alle ziehen an einem Strang, haben dabei offensichtlich auch Spaß – trotz Stress und den für niemanden einfachen Bedingungen zu Corona-Zeiten. Trotzdem schafft es Andreas mit seinem Führungsstil, die Motivation stets hoch zu halten.“
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Der Australier, der als größte Frohnatur im ansonsten eher spröden Vollgaszirkus gilt, fügt augenzwinkernd gegenüber Auto Bild hinzu: „Andreas ist Deutscher und die sind ja bekannt für ihre effiziente, ganz auf Erfolg basierte Arbeitsweise. Als ich bei Red Bull war, habe ich das erste Mal von einem gewissen Sebastian Vettel gelernt, was deutsche Gründlichkeit bedeutet.“
Die Zahlen beweisen jedenfalls: Seit Seidl im Mai 2019 beim McLaren-Rennteam das Zepter schwingt, geht es stetig aufwärts. 2019 war für den ehemaligen BMW- und Porsche-Führungsingenieur, noch da, um zu lernen. Warum hat McLaren seit 2012 nicht mehr gewonnen? Was waren die Gründe für den Fall in die sportliche Bedeutungslosigkeit? Wo liegen die Stärken, die man fördern, wo die Schwachstellen, die man abstellen muss? Darüber musste sich der Niederbayer erst ein Bild machen und das Team entsprechend organisieren.
Schon 2020 trug die Umstrukturierung Seidls erstaunliche Früchte. McLaren fuhr mehrmals wieder aufs Podium, wurde in der Konstrukteurswertung überraschender Dritter – noch vor Ferrari. Der Wechsel von Renault zu Mercedes als Motorlieferant war der nächste Schritt zurück in die Erfolgsspur und wieder ganz nach oben. Mit dem vorläufigen Höhepunkt des Doppelsieges in Monza, dem ersten Sieg McLarens nach neun Jahren des Hinterherfahrens.
McLaren Teamchef Andreas Seidl
Trotzdem winkt Seidl ab. Er lässt es nicht gelten, dass der Erfolg nur einen Vater hat. „Ich habe lange Zeit passioniert Fußball gespielt“, sagt der bekennende FC Bayern-Fan, „und dabei habe ich gelernt, dass man nur als Team erfolgreich sein kann. Das Wichtigste für mich ist zu vermitteln, dass Motorsport ebenfalls ein Mannschaftssport ist.“
Allein: Das langfristige Ziel, dass er sich 2019 setzte, hat er schon jetzt erreicht. McLaren ist wieder ein Topteam geworden. Doch beim letzten Schritt, dem Gewinn des Titels, bittet er noch um Geduld. Erst 2024 sei McLaren in der Lage, aus eigener Kraft die WM zu gewinnen. Denn noch gebe es Defizite im Vergleich zu den beiden großen Teams von Mercedes und Red Bull, zum Beispiel bei der Infrastruktur. Die seien erst mit der Inbetriebnahme eines neuen Windkanals beseitigt.
Es spricht für Seidl, dass der ehemalige Fußballer lieber den Ball flach hält. Es spricht aber auch für ihn, dass prominente Zeitgenossen ihn sehr wohl als entscheidenden Baustein bei der McLaren-Wiederauferstehung sehen. „Andreas ist durch und durch ein Racer, der den ganzen Motorsport, nicht nur die Formel 1 versteht“, lobt Sebastian Vettel. Der viermalige Weltmeister kennt den Bayern durch häufige Gespräche auf privater Ebene sehr gut.
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Auch Ralf Schumacher hält sehr viel von Seidl. Der sechsfache GP-Sieger lernte ihn in seiner Zeit bei BMW-Williams kennen und schätzen. Dort arbeitete Seidl als Motoringenieur an Schumachers Auto. Der heutige Sky-Experte: "Andy ist extrem talentiert, extrem strukturiert. Das Comeback von McLaren hat ganz sicher mit ihm zu tun."
Andere Experten glauben sogar, dass McLaren schon früher als 2024 um den Titel mitfahren kann. So ist sich Ex-Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone bei Auto Bild sicher: "Wäre ich Sebastian Vettel gewesen, hätte ich mich statt um ein Cockpit bei Aston Martin um einen Vertrag mit McLaren bemüht. Mit dem Mercedes-Motor wird McLaren schon bald wieder zu alter Stärke zurückfinden. Wäre ich Fahrermanager, wüsste ich jedenfalls, wo ich meinen Schützling in Zukunft unterzubringen hätte."

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Von

Ralf Bach