Seit Beginn der Hybrid-Ära in der Formel 1 Anfang 2014 hat immer ein Mercedes die WM-Wertung angeführt. Bis zu Sebastian Vettels Auftaktsieg am Sonntag in Melbourne. „Wir haben viel gewonnen (51 Siege in 59 Rennen; d. Red.) in den letzten drei Jahren und hatten einen außergewöhnlichen Lauf“, erklärte Mercedes-Sportchef Toto Wolff nach dem Rennen. „Wir wussten aber auch, dass der Moment kommen würde, wo jemand anders einen besseren Job gemacht hat. Dieser Moment ist heute gekommen.“ Wolff strich die Gründe dafür heraus: „Wir waren einfach nicht schnell genug, die Reifen haben zu schnell abgebaut und unser Stopp war zu früh.“
Mercedes
Ferrari kochte Mercedes am Sonntag tatsächlich ab
So kam es, dass Lewis Hamilton, der in Führung liegend bereits nach 17 Runden an der Box Halt machte, sich fünf Umläufe später auf einmal hinter Sebastian Vettel auf der Strecke wiederfand - und Toto-Wolff in der Mercedes-Box zweimal kräftig mit der Faust auf den Tisch schlug. Dem Österreicher war sofort klar: Mercedes hat soeben den Sieg verspielt. Im Nachhinein konnte Wolff schon wieder schmunzeln über die Szene, die sämtliche TV-Kameras formatfüllend auf alle Bildschirme transportierten. „Ich muss wohl an meiner Emotionalität während des Rennens arbeiten. Ich sollte professionellen Rat einholen“, scherzte er.

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Als „Weckruf“ wollte der 45-Jährige Ferraris Triumph mit etwas Abstand dennoch einordnen. „Der wichtigste Weckruf ist immer der in der Früh. Beim ersten Rennen ist der Früh. Deswegen bin ich froh, dass er jetzt schon kommt“, urteilte auch F1-Aufsichtsrat Niki Lauda. Mercedes' Strategie - die Experten hatten den einzigen Boxenstopp der Silberpfeile im Rennens deutlich später erwartet - verteidigte Lauda aber: „Es hätte keinen Unterschied gemacht. Wenn wir Lewis später reinbringen, macht Ferrari eben einen Undercut und ist auch vorbei.“ Lauda: „Sie hatten heute das schnellere Paket, deshalb haben sie gewonnen.“
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Wolff
Lauda und Wolff: Viel fehlte nicht auf die Roten
Auch Wolff bekräftigte: „Der frühe Stopp war nicht Lewis' alleinige Entscheidung.“ Der Vizeweltmeister hatte sich am Funk über den starken Verschleiß seiner ultrasoften Reifen im ersten Stint beschwert, das Team entsprechend reagiert. Eine folgenschwere Fehlkalkulation. Nun gelte es, die Niederlage gegen Ferrari zu akzeptieren und „noch stärker zurückzukommen“, so Wolff. Die jetzt kommende Phase sei „persönlichkeitsbildend“, meinte der Österreicher und forderte: „Wir müssen jeden Stein umdrehen. Denn das ganze Jahr wird ein heißer Ritt.“
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Ferrari und Red Bull habe man schon immer als „ebenbürtige Gegner“ gesehen, versicherte Wolff. Niki Lauda wollte Mercedes noch nicht ganz so schnell wie sein Landsmann in die Rolle des neuen Herausforderers schieben. „Viel hängt auch mit dem Albert Park hier zusammen“, meinte Lauda über die in ihrer Charakteristik sehr eigene Stadtstrecke im Herzen Melbournes. „Am interessantesten ist deswegen, was nun bei den nächsten beiden Rennen in China und Bahrain passiert. Wenn Ferrari da auch vorne ist, dann werde ich unruhig.“ Aber erst dann. Lauda: „Sollte das Pendel dort zurückschwingen in unsere Richtung, dann verstehe ich den heutigen Tag schon besser.“