Es hat sich einiges geändert bei Ferrari-Junior Mick Schumacher (22) in seinem ersten Formel-1-Jahr. Nach einem Drittel der Saison schon sind die vorher so fröhlichen Gesichtszüge, die ein Kind wie kurz vor der Bescherung am Heiligabend hat, jenen gewichen, die davon zeugen, dass seine unbekümmerte Kindheit in der Formel 1 vorbei ist.
Die Antworten werden knapper – und sie nicht mehr gewürzt mit einem Lächeln. Zwei Beispiele: „Nikita (Mazepin, der Teamkollege bei Haas, die Red.) hat nach dem ersten Rennen gesagt, sein Auto sei schwerer. Warum?“, lautet eine Frage. Knappe Antwort von Schumacher: „Da müssen sie das Team fragen.“ Oder: Ob er sich vorstellen könne, im nächsten Jahr statt bei Haas, bei Alfa Romeo zu fahren – dem anderen Team, das Ferrari unterstützt. Wieder kurze Antwort, wieder mit zusammengekniffenen Mundwinkeln. „Im Moment ist mein Kopf hier und jetzt und was nächstes Jahr passiert, ist noch offen.“
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Vorbei sind die Zeiten, als Schumacher junior große, euphorischen Reden hielt, nur um der ganzen Welt zu zeigen, wie glücklich er ist, in der Königsklasse des Automobilsports angekommen zu sein.
Für alle sichtbar: Die Stimmung bei Haas ist angeschlagen. Für die Misstöne sorgt dabei besonders das Lager von Schumachers Teamkollege Nikita Mazepin. Der fühlt sich benachteiligt gegenüber dem Deutschen mit den legendären Familien-Wurzeln. Nach seiner erneuten Niederlage im teaminternen Duell beim Großen Preis der Steiermark konnte der Russe nicht mehr mit seiner Meinung hinter dem Berg halten: „Wenn du viele Runden hast, lange Geraden, und ein sehr schweres Auto verglichen mit dem anderen Auto im Team, dann ist es schwierig, vorne zu bleiben“, kotzte sich Mazepin aus.
Dabei sagte er noch nicht einmal  die Unwahrheit: Denn Mazepin fährt in der Tat gegenwärtig ein etwas älteres Chassis als Schumacher. Das gab Haas-Teamchef Günther Steiner am Donnerstag vor dem GP von Österreich am Red-Bull-Ring in Spielberg zu. Problem: Das ältere Chassis werde im Laufe der Zeit durch regelmäßige Reparaturen immer schwerer. Steiner: „Es ist ein Jahr alt, mit ihm wird seit einem Jahr gefahren. Normalerweise machst du jedes Jahr ein neues. Und sicher, ein Chassis wird über ein Jahr hinweg nicht leichter..“
Allein: Dass dies ein entscheidender Nachteil sei, wie Mazepin behauptet, will Steiner so nicht stehen lassen: „Der Unterschied ist nicht gigantisch. Es sind keine 20 Kilo, auch keine zehn. Natürlich macht dich ein schwereres Auto nicht schneller. Aber wie viel Zeit, das hängt von vielen Dingen ab, und ich will bei dem genauen Gewicht nicht ins Detail gehen.“ Einen großen Leistungsunterschied mache der Unterschied also nicht. Da hält aber der unbequeme Mazepin dagegen: „Es verschiebt die Gewichtsverteilung, und das verschiebt das Setup – von der mechanischen Perspektive sind das einige Faktoren.“
Steiners Friedensmission ist gefährlich.
Steiner steht jetzt zwischen den Fronten. Auf der einen Seiten darf er es sich nicht mit Mazepin verderben, dessen Vater Dimitri, ein russischer Chemie-Oligarch, mit geschätzten 40 Millionen Euro seinem Sohn nicht nur das Cockpit gekauft, sondern das finanzschwache US-Team so vermutlich vor dem Ruin bewahrt hat. Auf der anderen Seite muss er Ferrari bei Stimmung halten. Die Italiener liefern die komplizierten Hybridmotoren zum günstigeren Preis, haben dafür aber das Recht, einen ihrer Nachwuchsfahrer zu platzieren – in dieser Saison Mick Schumacher.
Steiner, der wegen seiner ehrlichen und direkten Art durch die drei Netflix-Staffeln längst zum Kultstar der Königsklasse mutiert ist, muss sich vorkommen, wie ein chancenloser Mittelsmann, der ständig zwischen den völlig verschiedenen Interessen der Supermächte USA und Russland vermitteln muss. Dazu kommt: Er wollte in diesem Jahr so gut wie kein Geld mehr ausgeben, um sich ganz auf die Entwicklung für 2022 zu konzentrieren – wenn es ein völlig neues Fahrzeugreglement gibt. Deshalb ist zu vermuten, dass das Versprechen, dass Mazepin im Sommer ein neues und damit leichteres Chassis bekommt, so nicht im ursprünglichen Budgetplan stand – sondern ein Kompromiss ist, um Familie Mazepin nicht völlig gegen sich aufzubringen.
Allein: Steiners Friedensmission ist gefährlich. Denn ABMS erfuhr: Mazepin senior hat angeblich sogar schon vorher Geld geboten, damit die beiden Haas-Piloten das Chassis tauschen. Steiner soll abgelehnt haben. Diese Gerechtigkeit kam bei Mazepin nicht gut an. Jetzt will der Russe noch mehr Einfluss im Team. Ginge es nach dem Oligarchen, würde längst der Brite Oliver Oakes das Team leiten, für das sein Sohn fährt. Oakes (33), ein ehemaliger Rennfahrer, wurde von Vater Mazepin engagiert, um seinen Sohn zu managen.
Ferrari wiederum verlangt von Steiner und seinem Haas-Team, alles für die Förderung von Mick Schumacher zu tun. Der Südtiroler Statthalter vom US-amerikanischen Teambesitzer Gene Haas ist in der Bredouille. Der Spagat geht an die Nerven, manchmal schlägt deshalb das Temperament des Netflix-Stars durch: „Kann schon sein, dass bei uns der eine Fahrer die Fans hat und der andere das Geld“, sagte er erstaunlich offen bei einem Interview mit Sky vergangene Woche.
Mick Schumacher spürt derweil, dass es bei Haas längst nicht mehr reicht, schneller zu sein als der Teamkollege. Er spürt den Machtkampf im Team, er spürt den großen Einfluss von Geldgeber Mazepin. Deshalb kann er sich durchaus vorstellen – wahrscheinlich will er es sogar – im nächsten Jahr lieber bei Ferraris zweiten Partner-Team Alfa Romeo zu fahren. Dort hat die Scuderia ebenfalls das Recht, ein Cockpit mit einem eigenem Fahrer zu besetzen.
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Eins davon hat im Moment der Italiener Antonio Giovinnazzi. Der Ferrari-Junior aber macht einen guten Job. Seine Leistung und sein italienischer Pass machen es deshalb unwahrscheinlich, dass Schumacher ihn ersetzen kann. Der Deutsche muss jetzt eher hoffen, dass Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen, ein Kultstar wie Steiner, endlich und endgültig den Helm an den Nagel hängt. Das soll nach der Sommerpause im August entschieden werden.

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Ralf Bach