Nach dem schweren Unfall im Zweikampf mit Silverstone-Sieger Lewis Hamilton (Mercedes) macht WM-Spitzenreiter Max Verstappen (Red Bull) dem siebenmaligen Champion schwere Vorwürfe. “Diese Feierlichkeiten während ich noch in der Klinik war, sind respektlos und unsportlich”, schreibt Verstappen bei Instagram.
Der Holländer ärgert sich dabei über den überschwänglichen Jubel Hamiltons, der seinen Heimsieg ausgiebig gefeiert und sich selbst als “sehr stolz” auf seine Leistung bezeichnet hat.
Verstappen musste nach dem Unfall bei Tempo 280 in Copse Corner zum Check in eine Klinik, weil er über Schwindel geklagt hatte. “Ich bin froh, dass ich okay bin”, so der Niederländer: “Es war ein harter Einschlag mit 51 G, aber ich fühle mich besser. Die Strafe gegen Lewis hilft uns überhaupt nicht und bringt nach seiner gefährlichen Aktion keine Gerechtigkeit.”
Fest steht: Nach dem Crash zwischen den WM-Rivalen kochen die Gemüter bei Red Bull und Mercedes hoch. Die Teamchefs kämpfen nach dem Großbritannien-GP mit genauso harten Bandagen wir ihre Piloten zuvor auf der Strecke. Über allem steht die Frage: Wer war schuld am Crash?
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Für Red Bull-Teamchef Christian Horner natürlich Hamilton. “So etwas erwartet man nicht von einem siebenfachen Weltmeister”, sagt er und spricht von einem “Fast-Verbrechen” und einer “Verzweiflungstat”. Ganz anders sieht es naturgemäß Mercedes-Pendant Toto Wolff. “Ich glaube, wenn es nach Regelwerk geht, ist keine Strafe gerechtfertigt. Das ist einfach so”, urteilt der Wiener – und damit anders als die Kommissare, die Hamilton im Rennen zehn Strafsekunden aufbrummen.
Für Horner viel zu wenig: "Es ist keine Strafe, wenn einer danach noch das Rennen gewinnt", sagt der Brite über Sieger Hamilton und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie zuvor Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko. "Er hat an der gefährlichsten Stelle überholt, Max hatte einen 51g-Unfall und kann von Glück reden, dass er unverletzt ist."
Schon in Runde eins kommt es zum Crash der Rivalen
Nicht in Ordnung ist für den Red-Bull-Teamchef Hamiltons Gangart beim Duell in Copse-Corner – für Horner ein Zeichen, dass Hamilton im WM-Kampf seine Felle davonschwimmen sieht: "Für mich war das fast verzweifelt. Er hat seine Chance gestern im Sprint verpasst und auch heute den Start nicht hinbekommen. Es war ein sehr gefährliches Verzweiflungsmanöver. Gegen Leclerc hat er das Gleiche dann noch mal gemacht. Das ist ein Sieg, auf den er nicht stolz sein kann."
Mercedes-Boss Toto Wolff verteidigt Hamilton gegen die harten Anschuldigungen: "Lewis ist jemand, der nie Wut im Bauch hat und nie aggressiv fährt oder wen rausschießt. Das haben wir im letzten Jahrzehnt nie von ihm gesehen, und ein Fahrer sieht nicht auf einmal rot und fährt alle über den Haufen. Das sind andere", spielt Wolff auf Verstappens ehemaliges Image als Renn-Rüpel an.
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Zum Unfall selbst sagt Wolff: "Wir sehen zwei Fahrer, die um jeden Zentimeter kämpfen. So ein Unfall sieht immer hässlich aus, gehört aber dazu beim Rennfahren. Die erste halbe Runde war hart, aber Lewis war über die Mitte des Autos hinaus, dann gehört die Kurve dir. Das kann man überall nachlesen, es gibt auch Zeichnungen dazu." Genau so eine schickt Wolff kurz nach dem Crash per Mail an Rennleiter Michael Masi. "Es war einfach diese Skizze, eine Leitlinie im Regelbuch für die Stewards", verrät der Wiener.
Hamilton gewinnt kontrovers, lässt sich danach feiern

Warum aber haben die Regelhüter Hamilton trotzdem eine 10-Sekunden-Strafe aufgebrummt? "Die Strafe haben sie gegeben, weil immer zwei dazugehören, und weil es Highspeed war. Am Ende muss man das so akzeptieren", sagt Wolff, betont aber: "Ich glaube, wenn es nach Regelwerk geht, ist keine Strafe gerechtfertigt. Die zehn Sekunden waren, weil sie dachten, dass beide Anteil hatten oder beide einen Fehler gemacht haben. Ich akzeptiere aber jede Meinung."
Entsprechend verwundert zeigt sich Wolff, dass Red Bull wegen der milden Hamilton-Strafe bereits angekündigt hat, in der Causa weitere Schritte prüfen zu wollen. "Sie werden alles ausloten, was verfügbar ist. Wir werden sehen, was da noch rauskommt. Ich denke aber, es ist eindeutig, wenn man das Buch aufmacht", so Wolff.

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Von

Frederik Hackbarth