In dieser Form geht der WM-Titel wohl auch 2023 nur über Red Bull: Sergio Perez beendet den letzten von drei Testtagen in der Wüste von Bahrain als klarer Spitzenreiter, brennt in 1:30,305 Minuten die schnellste Zeit des Winters in den Asphalt. Bereits am ersten Tag hatte Teamkollege Max Verstappen die Bestzeit für das Team aus Milton Keynes erzielt, nur am Freitag hatte sich der Niederländer ganz knapp Alfa-Romeo-Pilot Guanyu Zhou auf deutlich weicheren und schnelleren Reifen geschlagen geben müssen.
Zwar sorgt Perez am Samstag zu Beginn der Session kurz für eine Unterbrechung, weil ein Messsensor von seinem Heckflügel abfällt, dabei handelt es sich jedoch um kein Problem am Auto - insgesamt lehrt die Performance der Bullen auf der Strecke die Konkurrenz aber schon wieder das Fürchten. Ferrari-Star Charles Leclerc seufzt trotz solider Testfahrten der Roten aus Maranello: "Ich habe das Gefühl wir haben eine Menge Arbeit vor uns. Red Bull wirkte sehr stark diese letzten drei Tage."
Passend dazu auch der Auftritt von Max Verstappen in der Pressekonferenz am Samstag: "Unser Ziel kann natürlich nur der Titel sein", strotzt der Red-Bull-Star nur so vor Selbstbewusstsein und schert sich dabei, anders als Leclerc, reichlich wenig um die Gegner: "Wir sind happy damit, was wir tun und auf nichts anderes konzentrieren wir uns im Moment", sagt der Niederländer.
Formel 1 Testfahrten Bahrain 2023
Bestzeit der drei Testtage: Red Bulls Sergio Perez
Bild: Red Bull

Insgesamt zieht Verstappen ein durchwegs optimistisches Fazit nach seinen Testfahrten: "Es war sehr gut. Ich denke, das Auto funktioniert wirklich gut und wir haben schon viel ausprobieren können. Es waren sehr positive Tage für mich, ich genieße es das Auto zu fahren und wir haben auch dieses Jahr wieder Dinge gefunden und ans Auto gebracht, die noch besser sind. Alles in allem ist es definitiv eine Verbesserung im Vergleich zu letztem Jahr."
Was für eine Ansage vom Weltmeister! Zur Erinnerung: 2022 gewann Verstappen immerhin schon 15 der 22 Rennen, Red Bull sogar 17. Ferrari, die sich in Bahrain erneut als größter Herausforderer präsentieren, schaffte im Vergleich dazu nur vier Siege. Damit es 2023 mehr werden, hat die Scuderia nicht nur die Teamführung mit dem neuen Teamchef Fred Vasseur, sondern auch das Konzept des Autos umgekrempelt, um den Topspeed-Nachteil gegenüber Red Bull wettzumachen.
Leclerc erklärt: "Ich denke, das war der richtige Schritt: Wir haben jetzt weniger Luftwiderstand und die Charakteristiken unseres Autos dafür etwas verändert." Die Folge ist aber: "Wir müssen nun erstmal wieder das richtige Setup finden und daran arbeiten wir. Noch haben wir da nicht den Sweetspot", verrät der Monegasse und fügt an: "Ich erwarte, dass wir auf den Geraden schneller sind, aber dafür etwas mehr Probleme in den Kurven bekommen."
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Red Bull vs. Ferrari: Wieder das Duell um den Titel?
Bild: F1

Gerade am Freitag hatte die Scuderia deshalb Probleme, berichtet Leclerc: "Gestern war es schwerer, heute schon etwas besser. Insgesamt waren es drei intensive Tage, die gute Nachricht ist aber, dass die großen Daten zwischen Fabrik und Strecke übereinstimmen. Trotzdem haben wir noch viel Arbeit vor uns." Die Testfahrten schließt Leclerc am Samstag als Vierter ab, knapp vor Teamkollege Carlos Sainz. Beide haben dabei über sieben Zehntel Rückstand auf Red Bulls Bestmarke.
Maximal als dritte Kraft präsentiert sich aktuell Mercedes, die zum Abschluss der Tests immerhin einen etwas besseren Tag erwischen als noch am Freitag. Der W14 erweist sich aber weiterhin als sensibel, das Handling stellt George Russell und Lewis Hamilton vor Probleme. Zwar kommt Hamilton mit seinem schnellsten Run am Nachmittag bis auf die zweite Position nach vorne, im Vergleich zu Spitzenreiter Perez fehlen aber trotzdem dreieinhalb Zehntel - obwohl Hamilton dabei die eine Stufe schnellere C5-Reifenmischung aufzieht als der Mexikaner.
Ähnliches war auch schon beim Blick auf die Mittags-Bestzeiten zu sehen, als ebenfalls ein Mercedes auf Rang zwei lag: Russell hatte dabei trotz besserer Reifenmischung vier Zehntel Rückstand auf den zwischenzeitlich Führenden Leclerc. In der Endabrechnung am Abend wird der Brite noch hinter Sainz, Yuki Tsunoda (AlphaTauri) und Kevin Magnussen (Haas) auf Rang acht zurückgereicht. Magnussen-Teamkollege Nico Hülkenberg, der einzige Deutsche im Feld, beendet den Tag nach 77 gefahrenen Runden auf der 15. Position.
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Dreher vom Neuling: McLaren-Rookie Oscar Piastri
Bild: F1

Probleme gibt es weiterhin bei McLaren: Lando Norris und Oscar Piastri landen am Samstag beide außerhalb der Top-10. Während bei Norris erneut technische Schwierigkeiten auftauchen, leistet sich der australische Rookie bereits am Vormittag einen Dreher von der Strecke, der allerdings ohne gravierende Folgen bleibt. Im Pech ist auch Valtteri Bottas, der eine Stunde vor der Mittagspause wegen eines technischen Defekts an seinem Alfa Romeo in der Auslaufzone ausrollt. Am Nachmittag ist Bottas aber wieder im Einsatz und erzielt dabei sogar noch die drittschnellste Zeit.
Insgesamt präsentieren sich die Boliden eine Woche vor dem Saisonstart in Bahrain auffallend standfest: Eine Folge des 2023 größtenteils unveränderten technischen Reglements. Die meisten Runden absolvieren AlphaTauri (456) und Williams (439), knapp vor Haas (433). Die Top-Teams Ferrari (417), Red Bull (413) und Mercedes (398) landen in dieser Statistik im Mittelfeld, ebenso wie Alfa Romeo (402) und Aston Martin (387). Alpine (353) und allen voran Sorgenkind McLaren (312) legen die wenigsten Kilometer zurück.
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Technischer Defekt bei Alfa Romeo: Valtteri Bottas strandet
Bild: F1

Bahrain F1 2023 Test: Ergebnis - Tag 3

1. Sergio Perez (Red Bull) 1:30.305 Minuten (C4-Reifen) 122 Runden

2. Lewis Hamilton (Mercedes) 1:30.664 (C5) 49

3. Valtteri Bottas (Alfa Romeo) 1:30.827 (C4) 120

4. Charles Leclerc (Ferrari) 1:31.024 (C4) 67

5. Carlos Sainz (Ferrari) 1:31.036 (C4) 66

6. Yuki Tsunoda (AlphaTauri) 1:31.261 (C4) 63

7. Kevin Magnussen (Haas) 1:31.381 (C4) 87

8. George Russell (Mercedes) 1:31.442 (C5) 83

9. Fernando Alonso (Aston Martin) 1:31.450 (C4) 63

10. Felipe Drugovich (Aston Martin) 1:32.075 (C5) 77

11. Lando Norris (McLaren) 1:32.160 (C3) 20

12. Pierre Gasly (Alpine) 1:32.762 (C3) 56

13. Alex Albon (Williams) 1:32.793 (C5) 136

14. Esteban Ocon (Alpine) 1:33.257 (C3) 60

15. Nico Hulkenberg (Haas) 1:33.329 (C3) 77

16. Oscar Piastri (McLaren) 1:33.655 (C3) 44

17. Nyck de Vries (AlphaTauri) 1:38.244 (C3) 87