Geht es nach Rekordweltmeister Lewis Hamilton, könnte sein schärfster Titelkonkurrent in der Formel 1 2022 nicht in Blau fahren sondern in Rot: "Ferrari hat im vergangenen Jahr kaum entwickelt und die meisten Ressourcen für das 2022er Auto eingesetzt", erklärt der Brite mit Blick auf die Konkurrenz und stellt Mutmaßungen an: "Vielleicht sind sie allen anderen deshalb um Monate voraus?"
Die Testzeiten sind natürlich noch schwer zu lesen, gerade die Top-Teams spielen Verstecken. Dass der Scuderia aus Maranello mit dem F1-75, wie das neue Auto offiziell heißt, aber ein großer Wurf gelungen sein könnte, unterstreichen die Zeiten vom zweiten Testtag in Barcelona schon: Nachdem Ferrari schon zum Auftakt stark unterwegs war und sich nur McLarens Lando Norris mit besseren Reifen geschlagen geben musste, holt Charles Leclerc am Donnerstag die Tagesbestzeit für die Italiener auf dem Circuit de Catalunya.
An die 1:19.689 Minuten des Monegassen kommt keiner heran, Pierre Gasly im AlphaTauri ordnet sich mit zweieinhalb Zehnteln Rückstand als erster Verfolger ein, vor dem erneut starken McLaren, diesmal mit Daniel Ricciardo am Steuer - beide setzen dabei aber auf den schnelleren C4-Reifen, anders als Leclerc auf C3. Hinzu kommt: Noch wichtiger als die Rundenzeit ist bei den Tests die Laufleistung - auch hier liegt Ferrari am Donnerstag vorne: Leclerc und Teamkollege Carlos Sainz, der Fünfter wird, kommen gemeinsam auf 150 Runden.
Zum Vergleich: Mercedes in Person von George Russell (Platz vier, 0,8 Sekunden hinter der Bestzeit) und Lewis Hamilton schafft nur 106. Der siebenfache Weltmeister beendet den Tag zudem als Letzter im Klassement, da die Silberpfeile sich bei ihren Runs auf den Test der neuen Teile konzentrieren und Hamilton überhaupt nur 40 Umläufe abspult.
Für Sergio Perez läuft es nicht rund.

Bei Red Bull, am Mittwoch mit Max Verstappen noch Rundenkönig, ist am zweiten Testtag Sergio Perez im Auto. Für den Mexikaner läuft es aber nicht rund: Platz sieben und nur 78 Runden, obwohl er den ganzen Tag lang im Auto sitzt - und einmal auch steht: Getriebeprobleme lassen Perez noch vor der Mittagspause ausrollen und sorgen für die erste rote Flagge der Testsaison 2022.
Die zweite besorgt am Nachmittag mit Haas eines der Sorgenkinder von Tag eins: Nikita Mazepin wird von einer defekten Benzinpumpe gestoppt. Immerhin: Mit Rang acht landet der Russe trotz nur 42 gedrehter Runden im oberen Mittelfeld des Zeitentableaus. Teamkollege Mick Schumacher kann sein Testprogramm über 66 Umläufe ohne grobe Probleme abspulen, wird am Ende als 13. abgewunken.
Noch besser läuft es beim anderen Deutschen: Sebastian Vettel präsentiert seine Aston Martin wie schon am Vortag nach 74 Runden als guter Sechster, erneut landet der Heppenheimer dabei auch deutlich vor Teamkollege Lance Stroll. Freude kommt bei Vettel am Donnerstag aber trotzdem keine auf, denn den Deutschen beschäftigt die Zuspitzung der bedrohlichen Lage zwischen Russland und der Ukraine, die an diesem Tag die weltweiten Schlagzeilen beherrscht.
Vettel kündigt vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen bereits einen Boykott des Russland GP in Sotschi an.

Vettel kündigt vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen bereits einen Boykott des Russland GP in Sotschi an (Mehr dazu: HIER): "Ich denke, wir sollten dort nicht fahren und ich werde das auch nicht. Mir tun die Menschen leid, die aus dummen Gründen ihr Leben verlieren und ich bin persönlich geschockt und traurig, wenn ich sehe, was da gerade passiert. Meine Entscheidung ist deshalb schon getroffen." Die Formel 1 wartet mit einer offiziellen Absage und Sanktionen hingegen noch ab.
Die Formel-1-Testfahrten in Barcelona gehen am Freitag mit dem dritten und letzten Testtag der Woche in Spanien weiter.

Formel 1: Test in Barcelona
Ergebnis Tag 2:

1. Charles Leclerc (Ferrari) 1:19.689 Minuten - 79 Runden (C3 Reifen)
2. Pierre Gasly (AlphaTauri) 1:19.918 - 147 (C4)
3. Daniel Ricciardo (McLaren) 1:20.288 - 126 (C4)
4. George Russell (Mercedes) 1:20.537 - 66 (C3)
5. Carlos Sainz (Ferrari) 1:20.546 - 71 (C3)
6. Sebastian Vettel (Aston Martin) 1:20.784 - 74 (C3)
7. Sergio Perez (Red Bull) 1:21.430 - 78 (C3)
8. Nikita Mazepin (Haas) 1:21.512 - 42 (C3)
9. Alex Albon (Williams) 1:21.531 47 - (C3)
10. Guanyu Zhou (Alfa Romeo) 1:22.885 - 71 (C3)
11. Nicholas Latifi (Williams) 1:21.894 - 61 (C3)
12. Lance Stroll (Aston Martin) 1:21.920 - 55 (C3)
13. Mick Schumacher (Haas) 1:21.949 - 66 (C3)
14. Esteban Ocon (Alpine) 1:22.164 - 125 (C3)
15. Valtteri Bottas (Alfa Romeo) 1:22.288 - 21 (C3)
16. Lewis Hamilton (Mercedes) 1:22.562 - 40 (C2)

Von

Frederik Hackbarth