Valtteri Bottas nutzt in Abwesenheit von Teamkollege Lewis Hamilton an der Spitze die Gunst der Stunde: Bereits zum neunten Mal in dieser Saison steht der Finne in Istanbul auf dem Podium, am Sonntag aber zum ersten Mal ganz oben. Der Mercedes-Pilot wandelt seine durch Hamiltons Motorstrafe geerbte Pole beim nassen Türkei GP in seinen zehnten Karriere-Sieg um, den ersten seit Russland 2020.
"Das war eines meiner besten Rennen, es fühlt sich wie ein wohlverdienter Sieg an", jubelt Bottas, der auch den Extrapunkt für die schnellste Runde abräumt. "Heute lief alles glatt. Außer einem kleinen Rutscher hatte ich alles unter Kontrolle. Das Auto war super bei diesen Bedingungen, ich konnte das Geschehen diktieren."
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Zweiter wird am Sonntag Max Verstappen vor Red-Bull-Teamkollege Sergio Perez, der Holländer erobert damit die WM-Führung zurück. "Es war heute nicht einfach mit der nassen Strecke. Es ging nur darum, die Reifen zu managen, wirklich pushen konnte ich nicht. Valtteri hatte etwas mehr Pace und konnte deshalb auch besser auf die Reifen schauen", so Verstappen, der trotzdem zufrieden ist: "Ich bin happy mit Platz zwei und dem Podium, weil man bei diesen Verhältnissen schnell Fehler machen kann."
WM-Rivale Hamilton stürmt vom elften Startplatz auf Rang fünf hinter Ferraris Charles Leclerc nach vorne. Das Stenogramm seiner Aufholjagd: Nach Fernando Alonsos Dreher und einem Überholmanöver gegen Sebastian Vettel ist Hamilton nach der ersten Runde Neunter, hängt dann aber bis Runde acht hinter Yuki Tsunoda fest. Kaum ist er am AlphaTauri-Piloten vorbei, geht es voran: In Runde neun schnappt er sich Lance Stroll, zwei Umläufe später Lando Norris. Hamilton ist in dieser Phase eine halbe Sekunde schneller als der Rest des Feldes: In Runde 14 geht er auch an Pierre Gasly vorbei, ist schon Fünfter.
Sebastian Vettel erlebte einen Grand Prix zum Vergessen
Danach benötigt Hamilton Geduld: Erst wird er beim Überrunden fast von Nikita Mazepin abgeräumt, der die blauen Flaggen ignoriert. Sehr zur Freude von Red Bull erweist sich in Runde 34 auch Verstappens Teamkollege Perez als harte Nuss für den Briten: Vier Kurven kämpfen er und Hamilton Rad an Rad, am Ende behält der Mexikaner die Nase vorne. Erst als Perez zum Service abbiegt, hat Hamilton als Vierter freie Fahrt.
In Runde 41 ruft Mercedes ihn für neue Intermediates an die Box, doch der Brite will nicht und darf zunächst draußen bleiben, liegt dadurch als Dritter zwischenzeitlich auf Podiumskurs. Weil in der Schlussphase weiterer Regen droht und Hamiltons Zeiten auf den alten Reifen nicht berauschend sind, holt ihn das Team sieben Runden vor Schluss doch noch zum Reifenwechsel.
Aber die neuen Intermediates überhitzen schnell. Hamilton schimpft: "Ich hätte nicht reinkommen sollen. Ich habe massive Blasenbildung, ich hab's euch gesagt!" Ex-F1-Pilot und Experte Anthony Davidson versteht Mercedes' Entscheidung nicht, dafür aber Hamiltons Frust: "Er hatte die Pace da draußen und war klar vor Perez." Statt bis auf einen Zähler an Verstappen ranzukommen, liegt Hamilton vor dem sechstletzten Rennen in Austin nun sechs Punkte hinter dem Holländer in der WM.
Sebastian Vettel riskiert am Sonntag von allen Piloten am meisten, wechselt als einziger Fahrer zwischenzeitlich auf Trockenreifen. Der Mut des Deutschen wird aber nicht belohnt, Vettel kreiselt gleich mehrfach von der Piste, muss erneut für Intermediates stoppen und wird am Ende als 18. abgewunken.
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Mick Schumacher beendet das Rennen einen Platz hinter Vettel als Vorletzter. Sein tolles Qualifying-Ergebnis wird früh im Rennen von Fernando Alonso zunichte gemacht, der ihn in Runde zwei umdreht und den Haas-Rookie ans Ende des Feldes befördert. Alonso, der für die Aktion eine Fünf-Sekunden-Strafe aufgebrummt bekommt, hat nach dem Start das Messer zwischen den Zähnen, denn dort wird er selbst zum Opfer: Im Dreikampf mit Perez und Pierre Gasly bleibt er auf der Außenbahn über und wird vom AlphaTauri-Piloten umgedreht, der dafür seinerseits fünf Strafsekunden kassiert.

Formel 1 Grand Prix der Türkei

1. Valtteri Bottas (Finnland) – Mercedes 1:31:04,103 Std.
2. Max Verstappen (Niederlande) – Red Bull +14,584 Sek.
3. Sergio Perez (Mexiko) - Red Bull +33,471
4. Charles Leclerc (Monaco) - Ferrari +37,814
5. Lewis Hamilton (Großbritannien) – Mercedes +41,812
6. Pierre Gasly (Frankreich) – Alpha Tauri +44,292
7. Lando Norris (Großbritannien) – McLaren +47,213
8. Carlos Sainz Jr. (Spanien) – Ferrari +51,526
9. Lance Stroll (Kanada) – Aston Martin +1:22,018 Min.
10. Esteban Ocon (Frankreich) – Alpine + 1 Rd.
11. Antonio Giovinazzi (Italien) – Alfa Romeo + 1 Rd.
12. Kimi Räikkönen (Finnland) – Alfa Romeo + 1 Rd.
13. Daniel Ricciardo (Australien) – McLaren + 1 Rd.
14. Yuki Tsunoda (Japan) – Alpha Tauri + 1 Rd.
15. George Russell (Großbritannien) – Williams + 1 Rd.
16. Fernando Alonso (Spanien) – Alpine + 1 Rd.
17. Nicholas Latifi (Kanada) – Williams + 1 Rd.
18. Sebastian Vettel (Heppenheim) – Aston Martin + 1 Rd.
19. Mick Schumacher (Gland/Schweiz) – Haas + 2 Rd.
20. Nikita Masepin (Russland) – Haas + 2 Rd.

Fahrer-Wertung
Stand nach 16 von 22 Rennen

1. Max Verstappen (Niederlande) – Red Bull 262,5 Pkt.
2. Lewis Hamilton (Großbritannien) – Mercedes 256,5
3. Valtteri Bottas (Finnland) – Mercedes 177,0
4. Lando Norris (Großbritannien) – McLaren 145,0
5. Sergio Perez (Mexiko) – Red Bull 132,0
6. Charles Leclerc (Monaco) – Ferrari 119,0
7. Carlos Sainz Jr. (Spanien) – Ferrari 116,5
8. Daniel Ricciardo (Australien) – McLaren 95,0
9. Pierre Gasly (Frankreich) – Alpha Tauri 74,0
10. Fernando Alonso (Spanien) – Alpine 58,0
11. Esteban Ocon (Frankreich) – Alpine 46,0
12. Sebastian Vettel (Heppenheim) – Aston Martin 35,0
13. Lance Stroll (Kanada) – Aston Martin 26,0
14. Yuki Tsunoda (Japan) – Alpha Tauri 18,0
15. George Russell (Großbritannien) – Williams 16,0
16. Nicholas Latifi (Kanada) – Williams 7,0
17. Kimi Räikkönen (Finnland) – Alfa Romeo 6,0
18. Antonio Giovinazzi (Italien) – Alfa Romeo 1,0
19. Mick Schumacher (Deutschland) – Haas 0
20. Nikita Mazepin (Russland) – Haas 0

Konstrukteurs-Wertung
Stand nach 16 von 22 Rennen

1. Mercedes 433,5 Pkt.
2. Red Bull 394,5
3. McLaren 240,0
4. Ferrari 235,5
5. Alpine 104,0
6. Alpha Tauri 92,0
7. Aston Martin 61,0
8. Williams 23,0
9. Alfa Romeo 7,0
10. Haas 0
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Von

Frederik Hackbarth