Gebrauchtwagen-Tipp: Rentnerautos
Diese Autos sind als Gebrauchte häufig im Top-Zustand!

Gepflegt, wenig Kilometer und in einem Top-Zustand: vier Modelle, die als Gebrauchtwagen häufig aus Rentnerhand angeboten werden. Das sind ihre Stärken und Schwächen.
Bild: Sven Krieger
Aus Renterhand! Das klingt wie ein Sechser im Gebrauchtwagen-Lotto. Doch so einfach ist es häufig leider nicht. Modelle wie Mercedes SLK, Opel Meriva, Suzuki Vitara oder Toyota Yaris sind typische Vertreter dieser Gattung. Beim SLK hätte es allerdings fast jeder andere Mercedes sein können. Denn viele ältere Herrschaften gönnen sich im Ruhestand noch ein "g'scheites Auto". Und das kann auch mal etwas flacher sein.
Was oft übersehen wird, sind teils lange Standzeiten und häufiger Kurzstreckenbetrieb. Hinzu kommen eventuell Lackschäden, die oft nur teuer zu beheben sind. Also stets genau hinschauen, auch wenn der Kilometerstand kaum fünfstellig ist – Zahnriemen, Öl und Reifen altern auch im Stand. Die große Krux: Viele dieser Autos landen nicht direkt auf dem Markt, werden meist in Zahlung gegeben. Wer möchte sich schon den wohlverdienten Ruhestand durch abgesagte Besichtigungstermine und freche Preisverhandlungen vermiesen lassen?
Händler schlagen für die unterdurchschnittliche Laufleistung und den Vermerk "aus Rentnerhand" gern kräftig drauf. Für Endkäufer nur dann ein smarter Deal, wenn die Technik wirklich hält, was der Tacho verspricht.
Opel Meriva B
- Bauzeitraum: 2010 bis 2017
- Leistung: 95 bis 140 PS
- Preise: ab 3300 Euro

Hoher Einstieg, gute Übersicht und sehr bequeme Sitze – der Meriva ist wie gemacht für die Generation 70plus.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
5000 Kilometer Jahreslaufleistung sind keine Seltenheit beim Meriva B. In den Gebrauchtbörsen stolpern wir reihenweise über Facelift-Modelle (ab 2014, mit neuen Euro-6-Dieseln), die nach rund zehn Jahren keine 50.000 Kilometer abgespult haben. Dann werden allerdings mindestens 8000 Euro für den Meriva B aufgerufen. Dem Kompaktvan wurden generell eher selten lange Strecken auferlegt.
Obwohl der kleine Opel da keine schlechte Figur abgibt. Im AUTO BILD-Dauertest (1.7 CDTI, 130 PS, Note 2-) begeisterte die Kollegen, dass der Van über Landstraßen und Autobahnen wieselte und Komfort, Geräuschniveau sowie Geradeauslauf bei hohem Tempo überzeugten. Auch bei der HU gab der Meriva B in den ersten Jahren ein besonders gutes Bild ab, landete im TÜV-Report 2014 bei den Zwei- und Dreijährigen ganz vorn.

Zu viele Knöpfe im Meriva-Cockpit, dafür viele Ablagen und guter Komfort.
Bild: Olaf Tamm / AUTO BILD
Schwachstellen: Das hat sich inzwischen geändert, die jetzt deutlich schlechteren TÜV-Noten kommen vor allem aufgrund des häufigen Ölverlusts vor. Steuerketten und Gleitschienen der Benziner gelten als anfällig, eine Reparatur verschlingt schnell 3000 Euro. Besonders hohe Kilometerstände finden sich meist bei LPG-Modellen (ab 5000 Euro), die oft in Italien verkauft wurden.
Toyota Yaris (XP13)
- Bauzeitraum: 2010 bis 2020
- Leistung: 69 bis 212 PS
- Preise: ab 4500 Euro

Rund 3000 Euro mehr als der Benziner kostet der Hybrid-Yaris mit der komfortablen Stufenlosautomatik.
Bild: Sven Krieger
Zwei Dinge fallen beim Yaris auf: die riesige X-Front, mit der Toyota das Facelift (ab 2014) aufregender gestalten wollte. Und seine enorme Zuverlässigkeit. Der kleine Toyota ist bei älteren Fahrern begehrt, entsprechend viele gepflegte Ersthand-Exemplare mit geringer Laufleistung stehen in den Börsen. Besonders beliebt: die Hybrid-Version (ab 7000 Euro) mit stufenloser Automatik. Entspannte Fahrweise und Verbräuche unter vier Litern in der Stadt machen sie zum idealen Kurzstreckenauto. Im AUTO BILD-Dauertest (Note 2) überzeugte der Hybrid auch über 100.000 Kilometer mit kaum nennenswerten Schwächen. In den TÜV-Statistiken landet der Yaris regelmäßig weit vorn.

Simple, aber nicht clevere Bedienung im Yris. Ab 2017 wurden Grafik und Reaktionszeit besser.
Bild: Sven Krieger
Schwachstellen: Der Hybrid ist robust, aber empfindlich bei verschlissenen 12-Volt-Batterien – nach längerer Standzeit springt er nicht mehr an. Die Bremsscheiben werden bei der HU oft bemängelt. Rostanfälligkeit ist auch ein Thema. Beim Schalt-Yaris kommen früh verschleißende Kupplungen häufiger vor.
Mercedes SLK (R 172)
- Bauzeitraum: 2011 bis 2020
- Leistung: 156 bis 422 PS
- Preise: ab 13.000 Euro

Nicht sportlich, sondern vor allem komfortabel abgestimmt. Das macht den letzten SLK/SLC bei älteren Herrschaften besonders beliebt.
Bild: Uli Sonntag
Tiefer Einstieg, hoher Anspruch: Der SLK R 172 wurde oft als gepflegtes Zweit- oder Drittauto genutzt. Häufig stehen weniger als 60.000 Kilometer auf dem Tacho. Meist mit Siebenstufenautomatik (ab 2015 9G-Tronic) und dem 1,8-Liter-Turbo. Die Vierzylinder reichen für den gemütlich abgestimmten SLK, der ab 2016 SLC hieß, vollkommen aus.
Wer auf eigener Achse zum Golfturnier nach Spanien fuhr, griff zum 250 d (ab 15.000 Euro) – effizient, drehmomentstark und besonders langstreckentauglich. Ganz oben thront der SLK 55 AMG mit 5,5 Liter großem Achtzylinder-Sauger – ähnlich selten wie der Diesel. Im Gegensatz zum Selbstzünder ein akustisches Spektakel, aber mindestens 40.000 Euro teuer.

Bild: Uli Sonntag
Schwachstellen: Genau hinhören beim Kaltstart – die Steuerketten der Benziner sind generell anfällig. Daher ist die Wartungshistorie (Ölwechsel am besten jährlich) besonders wichtig. AMG-Schmuck und 19-Zöller? Dann ist es wohl kein Rentnerauto – denn die bevorzugten eher 16-Zoll-Felgen.
Suzuki Vitara (LY)
- Bauzeitraum: seit 2015
- Leistung: 112 bis 140 PS
- Preise: ab 9500 Euro

Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Ein Kompakt-SUV mit Allradantrieb und Hybridtechnik, das nur 1,3 Tonnen auf die Waage bringt? Der Vitara II macht es möglich. Bereits seit zehn Jahren bauen die Japaner die aktuelle Version. Die hat zwar nichts mehr mit dem Ur-Vitara (1988 bis 1998) zu tun, bei dem es sich noch um einen authentischen Geländewagen handelte. Den Nimbus des zuverlässigen Japaners hat aber auch der "Neue" beibehalten.

Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Zuverlässig tauchte der Vitara II im Dauertest bei AUTO BILD auf: erst mit dem sparsamen 120-PS-Fiat-Diesel (bis 2018, ab 10.500 Euro). Ergebnis der fehlerfreien Vorstellung: 4,5 von 5 Punkten. Nur Bedienung, Lackqualität und der raue Antrieb nervten. Dann als Vitara S (140 PS, ab 12.500 Euro, Note 3- durch Liegenbleiber mit abgefallenem Turboschlauch). Zuletzt als Mildhybrid (Note 2+, ab 15.000 Euro), bei dem es für die Konservierung Abzüge gab.
Schwachstellen: Das in der Regel sehr verlässliche Bürschchen leidet, wenn sich seine Besitzer zu viel Offroad-Fähigkeiten versprechen. Beim TÜV fallen allerdings ölige Antriebe ab der ersten HU auf.
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