283 Millionen Euro soll Spyker an General Motors für Saab gezahlt haben. Ob das tatsächlich die Rettung für die 1947 gegründete Traditionsmarke ist, weiß keiner. Kurzfristig aber schon. Die Chefs des niederländischen Sportwagenherstellers wollen keinen der 3400 Saab-Mitarbeiter entlassen. Es geht also weiter bei den schrulligliebenswerten Schweden. Wie lange und wie erfolgreich, hängt jedoch nicht nur vom neuen Management ab, sondern vor allem von der Kauflaune der Kunden. Und die hält sich derzeit in Grenzen. Bestes Indiz: Die Preise für gebrauchte Saab stürzen ab. Was die einst ziemlich teuren Saab plötzlich für Durchschnittsverdiener interessant macht.
Saab 9-3
Ready for take off: Das Cockpit erinnert an die Saab-Geschichte als Flugzeughersteller.
Zum Beispiel den 9-3 zweiter Generation, gebaut von 2002 bis 2009. Der rangiert größenmäßig genau zwischen dem Audi A4 B6 und dem Opel Vectra C, mit dem er sich auch die Bodengruppe teilen musste. Und die Dieselmotoren natürlich. Wobei der 1,9-Liter-Vierzylinder, von GM und Fiat entwickelt, im Saab dank Biturbo bis zu 180 PS und 400 Newtonmeter abliefert. Weitere Saab-Spezialitäten: Weil sich Bio immer gut macht, kamen 2007 auch zwei Benziner für Ethanolbetrieb (E85), 1.8t und 2.0t Bio Power. Kurz vor Feierabend packte Saab auch noch Allradantrieb in den 9-3. Heute steht ein Saab 9-3 TiD, 150 PS, für 11.990 Euro beim Händler, zwei Jahre und zehn Monate jung. Ein echter Schnapper. Denn für so wenig Geld gibt es nicht mal einen Golf gleichen Alters. Gute Zeiten also für Schweden-Fans.

Die Probefahrt von AUTO BILD

Saab 9-3
Störfreudig: Die Elektronik bereitet in vielen 9-3 Ärger.
Unser Testwagen vom Hamburger Händler Tecius & Reimers ist ein 9-3 1.9 TiD Linear mit allem Pipapo, keine drei Jahre alt, unter 12.000 Euro zu haben. Das lässt aufhorchen, schließlich hat der gar nicht alte Schwede mal 35.000 Euro gekostet. Am Kilometerstand – genau 78.000 – kann der Preisverfall nicht liegen, es muss wohl die Furcht vor dem Tod der Marke sein, die den Preis bröckeln lässt. Unser Fahreindruck lässt gemischte Gefühle aufkommen: exakte Schaltung, aber schwammige Lenkung. Auch die Sitze sind französisch-weich, passen irgendwie nicht so recht zum eher poltrigen Fahrwerk. Aber der Diesel zieht zügig aus seinem kleinen Turboloch; die Sitzheizung sorgt für heimelige Wärme an diesem eisigen Wintertag. Unser Urteil ist eine Kaufempfehlung: gutes Auto, gute Ausstattung, guter Preis, erste Hand und unfallfrei – ein Gebrauchtwagen wie aus dem Bilderbuch. Wer Saab mag, kann diesen hier jedenfalls unbesorgt kaufen.

Das macht Ärger

Saab 9-3
Klapperfreudig: Federn und Doppelstangen der Vorderachse.
Zuverlässigkeit ist keine herausragende Stärke des 9-3. Die zweite Generation schneidet zwar besser ab als die erste, leistet sich aber immer noch viele Mängel. Anfällig ist vor allem das Fahrwerk, in den Baujahren 2003 und 2004 kommt es oft zu Federbrüchen an der Vorderachse. Die leidet auch häufig unter ausgeschlagenen Spurstangen, klappernden Domlagern und Koppelstangen sowie quietschenden Stabi-Lagern. Ein generelles Problem stark motorisierter Fronttriebler ist der Reifenverschleiß, beim 9-3 laufen die Reifen zudem schief ab.
Auffällig auch viele defekte Motorsteuergeräte, das Xenonlicht verursacht ebenfalls gelegentlich Elektronikstörungen. Dazu klagen viele 9-3- Fahrer über Motorschäden, wobei geschätzte 50 Prozent aller Motoren ein Chiptuning über sich ergehen lassen mussten. Ein Übel der Diesel: verkoktes Abgas-Rückführungs-Ventil, erkennbar an leuchtender Warnlampe. Auch mit der Verarbeitung sind viele Saab-Freunde unzufrieden, klagen über Klappern und Knistern im Armaturenbrett sowie abblätternden Softlack der Verkleidungen.

Die Teileversorgung

Die wenigsten Sorgen müssen sich Neuwagen-Käufer machen, denn für die Gewährleistung muss auch weiterhin der General-Motors-Konzern geradestehen. Aber auch Fahrer älterer Modelle können darauf vertrauen, dass zahlreiche Spezialisten im Bundesgebiet sich weiter um die Ersatzteilversorgung kümmern. Dies gilt selbst dann, wenn der Verkauf an Spyker scheitert und die Marke Saab komplett von der Bildfläche verschwindet. Denn der Teilehandel ist auch bei den gar nicht so kleinen Stückzahlen ein lukratives Geschäft und wird im Fall der Schweden durch viele Gleichteile mit Opel-Fahrzeugen zusätzlich erleichtert.
Die Restwertkurven gebrauchter Saab zeigen einen deutlichen Abwärtsknick – für Freunde der Marke endlich eine Chance, halbwegs preisgünstig einzukaufen. Furcht, später auf dem Auto sitzenzubleiben, muss niemand haben. Dafür hat die Marke Saab viel zu viele Fans.