Eigentlich ist es so simpel: Man zieht, dreht oder drückt, und die Autotür geht auf.
Aber gut, so simpel ist es dann auch wieder nicht: Ein guter Autogriff ist ergonomisch so gestaltet, dass das möglichst mühelos funktioniert. Und dass man – bei Oldtimern – das Schloss gut auf- und zuschließen kann. Und dass die Aerodynamik nicht leidet. Und dass bei einem Unfall der Türgriff keine Fußgänger verletzt. Und dass Rettungskräfte die Tür gut aufziehen können. Und dass der Griff optisch zum Auto passt.
Hinterer Türgriff des Hyundai Casper, Aufkleber daneben mit Pfeil: "Door Handle Here"
Wenn der Kunde schon ans Auto schreiben muss, wo der Türgriff ist (wie bei diesem Hyundai Casper), sollte dem Designer klar werden: Hier habe ich etwas fundamental falsch gemacht.
Bild: Holger Karkheck / AUTO BILD
Aber vor allen Dingen: Die Gimmicks müssen stimmen. Türgriffe sollen lustige Logos auf den Boden projizieren, elektrisch aus- und einfahren (das soll in China von 2027 an verboten sein) oder am besten unsichtbar sein. Sodass Fahrgäste hilflos neben dem Auto stehen und nicht ohne Hilfe des Besitzers hineinkommen.
Türgriffe ("Wing Grips") am Volvo EX60
Beim Volvo EX60 zieht man die Türen an diesen Häkchen ("Wing Grips") auf.
Bild: Volvo
Der jüngste Coup kommt von Volvo. Die älteren erinnern sich: Das war mal ein Autohersteller, der Wert darauf legte, dass man seine Autos auch mit Fausthandschuhen bedienen kann. Der neue Volvo EX60 hat statt griffiger Griffe kleine "Wing Grips", hinter die man besser nur den kleinen Finger einfädelt. Tipp an Volvo: Verkauft doch Stoffschlaufen mit Volvo-Logo für den Schlüsselbund, die man wie ein Lasso über den Wing Grip legt und an denen man dann zieht. Vielleicht für 49,95 Euro.
Türgriff mit schwarzem Gummi-Stoßelement beim Fiat Multipla
Nicht schön, aber mitgedacht: Türgriff mit integriertem Stoßschutz beim Fiat Multipla.
Bild: F. Roschki / AUTO BILD
Aus welchem Auto übrigens der Styler-Griff ganz oben im Aufmacherfoto herausschnellt, verraten wir weiter unten.

Welche Typen von Auto-Türgriffen gibt es?

Steigen Sie ein, liebe Leser, und kommen Sie mit auf eine kleine Rundfahrt durch die Geschichte des Auto-Türgriffs!

Türgriff als Klinke

Die ersten Autos hatten nicht mal Türen. Die nächsten, die welche hatten, bekamen meist Klinken – wie an Wohnungs- oder Schranktüren. Also mit einer waagerechten Achse und einem Griff, den man in einer angedeuteten Kreisform herunterdrückt. Das Türschloss war teils separat, teils integriert.
Vier Auto-Türgriffe in Klinkenform
Klinken-Klassiker: Designobjekt am Austro-Daimler ADR Bergmeister von 1932 (Foto 1), am Delahaye 175 S mit Saoutchik-Karosserie (2) und am Citroën HY (3). Irre: Die im Wortsinne spießige Klinke am Morgan 4/4 (Foto 4) wurde so bis 2019 hergestellt.
Bild: Bernd Hanselmann / AUTO BILD; Daniel Byrne; Angelika Emmerling / AUTO BILD; Charlie Magee / AUTO BILD

Vier Auto-Türgriffe in Klinkenform
Klinken-Spezialitäten: In der Tür versenkte Klinken beim Land Rover (1) und beim Mercedes L319 (2). Die knubbelige kleine Klinke von der Ente bekam beim Citroën Méhari (3) einen schützenden Windabweiser. An der Schiebetür des VW T2 (4) geht je nach Baujahr die Klinke weiter nach oben oder nach unten.
Bild: Achim Hartmann / Studio Super Plus; Thomas Ruddies / AUTO BILD; Roman Rätzke / AUTO BILD; Sven Krieger / AUTO BILD

Vorteile: verständlich zu bedienen, einfach herzustellen.
Nachteile: je nach Design gefährlich für Fußgänger, stört die Aerodynamik.

Türgriff als Bügel, ...

Die vielleicht beste Idee für Türgriffe in der Geschichte des Automobils war der Bügel: ein solides Stück Metall (später auch Kunststoff), das man herzhaft ergreifen und an dem man nach Herzenslust reißen kann.

... mit Druckknopf ...

Bei vielen Bügeltürgriffen muss man mit dem Daumen einen Knopf drücken, um das Schloss zu entriegeln.
Vier Auto-Türgriffe als Bügeltürgriffe
Bügel-Türgriffe mit Druckknöpfen: kleines Kunstwerk am Hudson Hornet (1); kantiges Designobjekt am Citroën DS 21 Presidentielle (2); schwungvolles Riesenteil am Rolls-Royce Corniche Two Door Saloon (3) und vergleichsweise schlichtes, aber auch sorgfältig geformtes Kunststoff-Modell am Dodge Nitro von 2006 (4).
Bild: Roman Rätzke / AUTO BILD; Citroën; Sven Krieger / AUTO BILD; Martin Meiners / AUTO BILD
Vorteil: Der Bügel ist an beiden Enden fest mit der Tür verschraubt, sehr solide.
Nachteile: Die Knöpfe sind zum Teil schwer hineinzudrücken, auch ergonomisch ist das etwas umständlich, und der Griff schreibt vor, welche Hand man nehmen muss.

… und ohne Druckknopf …

Die meisten Bügeltürgriffe haben auf der einen Seite ihre Achse, man zieht also die andere Seite von der Karosserie weg. Anfangs öffnete sich dort beim Ziehen der Bügel, löste sich also von der Karosserie.
Vier verschiedene Bügeltürgriffe an Autos
Bügel-Türgriffe ohne Druckknöpfe: Alu-Bügel am Opel Olympia Rekord (1); ausgefuchstes Bauteil am Mercedes W 123 (2); "Trigger"-Griff des VW-Konzerns (3). Auf die Türgriffe des VW Golf 6 (Foto 4) hätte auch ein alter VW-Käfer-Werbespruch gepasst: "Es gibt Formen, die man nicht verbessern kann."
Bild: Christian Bittmann, Thomas Starck, Angelika Emmerling und Sven Krieger / alle AUTO BILD
Mercedes entwickelte dann ein Gehäuse rund ums Türschloss, das den Öffnungswinkel des gummierten Bügels begrenzte – damit war der Bügel, auch wenn er herausgezogen war, geschlossen. Feuerwehrleute und Notfallsanitäter lieben diesen Trick.
Andere Hersteller, VW vor allem, hatten lange starre Bügel und dahinter eine Taste – so entriegelte man die Tür meist mit Zeige- und Mittelfinger. In den USA wird das Prinzip "trigger" genannt, Abzug.
Später adaptierte VW das Mercedes-System, vom Golf 3 an zog man den Bügel zu sich heran, und ein Drahtseil innen verhinderte, dass der Bügel sich öffnet.
Vorteile: ergonomisch günstig, im Notfall gut zu öffnen (vor allem bei der Lösung ohne Druckknopf).
Nachteile: Wenn das Türblatt keine tiefe Griffmulde hat, ragt der Bügel seitlich weit heraus – nicht perfekt für Fußgängerschutz und Aerodynamik. Und: Beim Hineingreifen verkratzen oft Fingernägel den Lack der Autotür.

… und mit verkleideter Griffmulde

Dieses letzte Problem haben viele Autohersteller mit einer verchromten Griffschale hinter dem Bügel gelöst.
Vier verschiedene Auto-Türgriffe
Bügel-Türgriffe mit Lackschutz: Beim Opel Rekord P2 (Foto 1) sieht es so aus, als wäre die verchromte Platte für sechs Finger vorgesehen. Organisches Design bei der Borgward Isabella (2); dynamischer 60er-Jahre-Stil beim Renault 4 (Foto 3); runde Mini-Schale für zwei Finger beim Maserati Indy (4).
Bild: Christof R. Schmidt, Toni Bader, Holger Schaper, Roman Rätzke / alle AUTO BILD
Aber verchromtes Metall ist schwer und teuer – so kamen wenige Hersteller auf Aluminium und viele auf Plastik.
Vier verschiedene Auto-Türgriffe
Bügel-Türgriffe mit leichterem Lackschutz: flache, leichte Alu-Schale beim Trabant P50 (1); kreisrunde Kunststoffschale beim durchdesignten Türgriff des Citroën CX (2). Die klobige Form rund um den Griff des Mercedes SEC (C 126, Foto 3) fand Bruno Sacco furchtbar, aber dank ihr verschmutzt der Griff nicht. Höchst bequem zu bedienen sind die senkrechten Bügeltürgriffe des Ur-Smart namens MCC Smart City-Coupé (4).
Bild: Christian Bittmann, Sven Krieger, Markus Heimbach und Bernd Hanselmann / alle AUTO BILD
Druckknopf ohne Bügeltürgriff
Diverse Autos haben einen Druckknopf zum Entriegeln und daneben oder darunter einen kleinen Griff, der nicht bügelförmig ist – in den unterschiedlichsten Formen, also auch mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.
Vier verschiedene Auto-Türgriffe
Die Kombination aus Druckknöpfen und andersartigen Griffen gibt es auch: etwa mit kleinem Haken beim Maserati A6GCS Pininfarina (1), mit starrem Plastikgriff bei der Dyane von Citroën (2), mit Griffmulde darunter beim Opel Speedster (3) oder als kugeliges Stylingelement beim Morgan Aeromax (4).
Bild: Michel Zumbrunn; Sven Krieger, Götz von Sternenfels und Nick Dimbleby / alle drei AUTO BILD

Mulde hinter der Tür und Druckknopf

Ohne sichtbaren Türgriff kommt diese Lösung aus: Man baut in das Türblatt nur den Druckknopf und sieht im Seitenteil dahinter eine Griffmulde vor. Wer einsteigen will, drückt den Knopf und zieht entweder an einem versteckten Griff oder ganz einfach am Türblatt.
Vier verschiedene Auto-Türgriffe
Druckknopf und Mulde: Der Iso Grifo (1) hat eine Griffschale und einen verchromten Rahmen ums Schloss. Schlichter, mit hervorstehendem Schließzylinder, ist es beim Autonova GT (2) und beim Renault 5 (Foto 3). Beim Matra-Simca Bagheera (4) ist der Druckknopf vertieft eingelassen.
Bild: Roman Rätzke, Götz von Sternenfels, Christian Bittmann und Angelika Emmerling / alle AUTO BILD
Vorteile: leicht, günstig herzustellen, aerodynamisch recht gut. Bei flachem oder versenktem Druckknopf sehr guter Fußgängerschutz.
Nachteile: im Notfall schlecht zu öffnen, nicht mit beiden Händen gleich gut zu bedienen.

Sonderfälle: Saab Sonett und Renault Twingo

Beim Saab Sonett III ist nicht eine Mulde hinter der Tür, sondern eine Auswölbung in der Kunststofftür dient als Griff. Die Bedienung ist aber die Gleiche wie oben.
Eine Variante mit Mulde im Seitenteil führte Renault 1993 beim Twingo ein: Anstatt einen Knopf zu drücken, muss man einen Plastikgriff in der Mulde anheben.
Türgriffe von Saab Sonett III und Renault Twingo 1.
Türgriffe von Saab Sonett III und Renault Twingo 1.
Bild: Martin Meiners und Harald Almonat / beide AUTO BILD
Vorteile: jeweils wie oben.
Nachteile: wie oben, Twingo-Öffner fummliger zu bedienen.

Hebel-Türgriffe

Der Flügeltürer Mercedes 300 SL machte ein anderes Prinzip einigermaßen populär: den Hebel. Man drückt das kurze Ende in die Tür hinein, sodass das lange Ende herausschwenkt.
Vier verschiedene Auto-Türgriffe
1952 kam der Alfa Romeo Disco Volante mit diesem eleganten Hebel (1). Extra griffig wie ein medizinisches Gerät: der Türgriff der Flügeltürers Mercedes 300 SL (W 198, Foto 2). Der Jaguar F-Type (ab 2013, Foto 3) übersetzte das Prinzip im Playmobil-Stil. Fast schon wieder altmodisch: Beim Kia EV6 verdeckt der Hebel den traditionellen Schließzylinder (4).
Bild: Sven Krieger (Alfa und Jaguar); Conrad Piepenburg und F. Roschki / alle AUTO BILD
Vorteile: schlank, elegant, leicht und aerodynamisch.
Nachteile: umständlich zu öffnen, nicht sehr sicher.

Klapptürgriffe, waagerecht …

Wie verbessert man die Aerodynamik und schafft eine glatte Optik, ohne allzu große Nachteile zu haben? Diese Frage führte zur zweiten großen Gruppe neben den Bügeltürgriffen: den Klappgriffen.
Das Türblatt bekam eine noch tiefere Mulde oder gar ein Loch, und die Ingenieure konstruierten einen meist geraden Riegel, den man nach oben zieht.
Feinsinnig kann man unterscheiden zwischen Riegeln, die beim Hochziehen im Rahmen des Griffs verschwinden, und Riegeln, die beim Ziehen seitlich nach oben herausschwenken.
Vier verschiedene Auto-Türgriffe
Klapptürgriffe: Beim BMW 2000 SC (Foto 1) und dem Fiat 128 (2) drückt man den Metallriegel nach oben in den Griff, beim Volvo 264 (Foto 3) und dem ersten Audi R8 (4) zieht man sie aus der Tür heraus.
Bild: Christoph Börries, Roman Rätzke, Sven Krieger und Uli Sonntag / alle AUTO BILD
Aerodynamik-Fans erinnern sich an den Audi 80 (Baureihe B3) von 1986 und an das Facelift des cW-Weltmeisters Audi 100 (Baureihe C3) anderthalb Jahre später: Audi wechselte von den "Trigger"-Türgriffen (siehe oben, Bügeltürgriffe) zu völlig bündigen Klapptürgriffen.
Vier verschiedene Auto-Türgriffe
Noch mehr fürs Auge bieten die Klapptürgriffe von Tatra T613-1 (Foto 1), Maserati Biturbo (2), Fiat Ritmo (3) und an der Studie Porsche Mission E Cross Turismo (4).
Bild: Thomas Starck, Aleksander Perkovic und Sven Krieger / alle AUTO BILD; Porsche
Vorteile: Aerodynamik und Fußgängerschutz, siehe oben. Und wie beim Bügeltürgriff ohne Druckknopf kann man den waagerechten Klappgriff wahlweise mit links oder rechts öffnen.
Nachteile: Die Handfläche nach oben zu öffnen wie ein Bettler, ist ergonomisch nicht optimal. Und weil man so wenig Kraft übertragen kann, fühlen diese Griffe sich eher schwergängig an.
Türgriffe von Skoda 1203 und Pagani Utopia
Einzigartige Türgriffe an beiden Enden des Auto-Spektrums: Der Kleintransporter Skoda 1203 bekam 1973 die versenkten "Bomoro"-Griffe – deren Riegel man auch von oben anfassen kann, um daran zu ziehen. Der Klapptürgriff des Pagani Utopia von 2022 ist schmal wie beim Alfa Spider von 1969, aber senkrecht um die Schulter des Autos gewickelt. Edel gestaltet, mit kleinem "Utopia"-Schriftzug.
Bild: Christian Bittmann und Jan Götze / beide AUTO BILD

… oder senkrecht

Das gleiche Prinzip drehten viele Ingenieure um 90 Grad, so dass man zum Beispiel die Fahrertür mit der rechten Hand öffnet.
Auffällig aber: Selten ist der Riegel, an dem man zieht, so groß wie bei waagerechten Klappgriffen. Liegt’s an der Optik? Schließlich hat man an den Seiten von Autos lieber waagerechte Linien; das sieht schnittiger aus als senkrechte, die dem Wind im Weg zu stehen scheinen.
Vier verschiedene Auto-Türgriffe
Diese Riegel klappen um die Hochachse und vertragen höchstens drei Finger: Alfa Romeo Alfetta (1), Mazda MX-… nein, halt, das ist das Original: Alfa Romeo Spider "coda tronca" (2), dann ein echter Mazda, der 929 (Baureihe LA2, Foto 3) und Ferrari California (4).
Bild: Götz von Sternenfels, Lena Willgalis, Roman Rätzke und Uli Sonntag / alle AUTO BILD
So passen in die meisten senkrechten Klapptürgriffe nur drei oder zwei Finger.
Prominente Ausnahmen sind Nissan 350Z und 370Z und natürlich Van-Schiebetüren.
Zwei verschiedene Auto-Türgriffe
Mikrovan trifft Sportwagen: Außer bei Schiebetüren wie am Subaru Libero (1) sieht man selten hohe senkrechte Klappgriffe – hier am Nissan 350Z (2).
Bild: Christian Bittmann und Uli Sonntag / AUTO BILD
Vorteile: Aerodynamik und Fußgängerschutz, teils auch Ästhetik.
Nachteile: Im Notfall ist eine verklemmte Autotür kaum zu öffnen. Türgriff meist zu klein für vier Finger, fühlt sich deshalb teils schwergängig an. Nicht mit jeder Hand gleich gut zu öffnen.

Elektrischer Druckknopf

Wenige Exoten wie die Viper von Chrysler/Dodge hatten früher einen kleinen Druckknopf, der die Tür elektrisch entriegelt. TVR versteckte solche Knöpfe sogar an der Unterseite der Außenspiegel (siehe auch unten, "Versteckte Auto-Türgriffe").
Dann setzten sich solche Entriegelungsknöpfe an Heckklappen durch. Heute, zwei Jahrzehnte später, haben die ersten Großserienautos solche Knöpfchen in ihren Griffmulden.
Junge Flügeltürer wie das Tesla Model X haben einen sichtbaren Druckknopf, der per Elektrik oder Elektrohydraulik die Tür öffnet.
vier verschiedene Druckknöpfe. um Auto-Türen zu öffnen
Druckknöpfe, die eine Elektrik aktivieren, um die Tür zu entriegeln, kennen wir z. B. von TVR (1), dem Ford Mustang Mach-E (2) und dem jüngsten Audi A5 (Baureihe B10, Foto 3). Foto 4: Die Flügeltüren des Tesla Model X öffnen per Knopfdruck, ohne Griff.
Bild: privat; Roman Rätzke, Olaf Itrich und Christoph Boerries / alle drei AUTO BILD
Vorteile: Türen können auch elektronisch leicht geöffnet werden, im Idealfall z. B. nach einem Unfall. Aerodynamik, Fußgängerschutz, mutmaßlich auch Produktionskosten. Keine Öffnung nötig, durch die Wasser oder Schmutz eindringen kann.
Nachteile: Wenn die Batterie leer oder nach einem Unfall die Stromversorgung unterbrochen ist, wird es schwierig. Künstliches Gefühl in den Fingern.

Versteckte Auto-Türgriffe

Als sie neu waren, fanden wir Autojournalisten sie wahnsinnig interessant: Türgriffe, die vom Design kaschiert werden. Also fast unsichtbar sind.
Tja, aber dann steht der liebe Mensch, den man mitnehmen möchte, hilflos an der Tür und kommt nicht rein. Eben weil der Türgriff fast unsichtbar ist. Ein typisches Beispiel für effektheischendes Styling, das selbstverständliche Bedürfnisse von Nutzern ignoriert.
vier verschiedene Türgriffe
Supersportwagen wie dem Lamborghini Countach von 1974 (Foto 1) und der Corvette C8 (Foto 4) lässt man traditionell durchgehen, dass der Türöffner unsichtbar im seitlichen Lufteinlass kauert. Nach dem ersten Nissan Terrano Fünftürer machte der Alfa Romeo 156 (Foto 2) es salonfähig, die hinteren Türgriffe aus schwarzem Plastik herzustellen und am Ende der hinteren Seitenscheibe als Teil der C-Säule zu tarnen, wie zum Beispiel auch beim Renault Zoe (3).
Bild: Fotos: Uli Sonntag, Ingo Barenschee, Christoph Börries und Tobias Kempe / alle AUTO BILD
Vorteile: cleanes Styling, meist gut für Aerodynamik und Fußgängerschutz.
Nachteile: für Passagiere, die das Modell nicht kennen, teils schwierig zu finden. Oft auch noch klein und fummlig zu bedienen.

Mechanische versenkte Pop-up-Türgriffe

Versenkte Türgriffe, die auf Knopfdruck herausschnellten, gab es im mechanischen Zeitalter nur an wenigen (aber besonders schönen) Autos.
drei verschiedene Auto-Türgriffe
Nicht per Hebelwirkung wie beim Mercedes 300 SL Flügeltürer, sondern auf Knopfdruck schnellen diese Schmuckstücke hervor: der umlaufende Chromgriff des Cisitalia 202 von 1947 (Foto 1 – genau, DAS ist auch unser Aufmacherfoto ganz oben!), das schlanke Hebelchen des BMW 507 von 1957 (Foto 2) und, 2012 wieder aufgegriffen, der Bügelgriff des Flügeltürers Mercedes-AMG SLS (3). Für große Menschen ist der aber nicht optimal zu greifen.
Bild: Christian Bittmann, Sven Krieger und Thomas Ruddies / alle AUTO BILD
Vorteile: schlank, elegant, windschnittig, fußgängerfreundlich (so lange der Riegel in der Tür bleibt).
Nachteile: nicht für jeden sofort verständlich; umständlich zu bedienen.

Elektrisch versenkte Pop-up-Türgriffe

Im Zeitalter der Elektronik hat der versenkte Türgriff gerade eine Renaissance erlebt – die vermutlich gleich wieder vorbei ist, wenn China ihn weitgehend verbietet. Türgriffe, die bei einem Unfall automatisch hervorploppen, erlaubt das chinesische Gesetz aber weiterhin.
Das Prinzip: Bei Bedarf fährt der Türgriff elektrisch aus der Karosserie heraus; ansonsten bildet er mit dem Türblatt eine glatte Fläche.
vier verschiedene Auto-Türgriffe
Bei Türgriffen, die in Großserie elektrisch aus- und einfahren, gilt das Tesla Model S (Foto 1) als Pionier. Der Range Rover Velar (2) führte 2017 die Apple-artig rechteckige Form ein, die zuletzt auch der Hyundai Ionic 9 (Foto 4) kopiert. Wenn sich jemand mit dem Schlüssel nähert, fahren beim Porsche Taycan (3) Klapptürgriffe ein wenig heraus.
Bild: Wolfgang Groeger-Meier, Christian Bittmann (Range Rover und Hyundai) und Olaf Itrich / alle AUTO BILD
Vorteile: sehr elegant, optimal für Aerodynamik und Fußgängerschutz. Im Idealfall werden die Türen nach einem Unfall elektronisch geöffnet, oder die Griffe schnappen per Feder nach außen.
Nachteile: Wenn nach einem Unfall die Griffe drinnen bleiben, wird die Rettung der Insassen stark behindert – deshalb wird China solche rein elektrischen Türgriffe verbieten. Auch eine leere Batterie ist ein Problem. Teuer in der Herstellung.

Sonderfall: Pop-in-Türgriff der Corvette C3

Nicht nach außen, sondern nach innen bewegt sich der Türgriff beim Chevrolet Corvette C3. Er liegt fast waagerecht oben auf der Schulter der Tür; man greift hinein, drückt mit den Fingern die verchromte Platte nach unten, entriegelt damit die Tür und kann sie gleich aufziehen.
Auto-Türgriff Chevrolet Corvette C3
Aschenbecher? Nein: Türgriff der Corvette C3.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Vorteile: elegant, ergonomisch okay, aerodynamisch, in Sachen Fußgängerschutz viel besser als der Rest des Autos.
Nachteile: Dichtung nötig, damit kein Wasser in die Tür eindringt. Muss bei Feuchtigkeit und Frost enteist werden. Im Notfall nicht optimal.

Styling-Extras und Optik-Tuning

Wie nahezu jedes Teil am Auto lassen sich auch Türgriffe und -schlösser optisch aufpimpen. Hier ein paar Beispiele.
vier verschiedene Auto-Türgriffe
Beim Cadillac DeVille ist das Türschloss von Lorbeer umkränzt (1) – das adelt schon das Aufschließen jeden Morgen. Irmscher verlieh 2006 dem Irmscher Zafira (2) einen schwungvollen Windabweiser. Wenn das Auto innen voller Leder ist und sogar die Fahrrad-Handgriffe Kuhhaut tragen – warum dann nicht auch die Bügeltürgriffe am Mini? Weil das Mini Paceman Concept (3) 2010 nur eine Studie war. Karbon trotzt der Witterung jedenfalls besser – wie hier beim Maserati Gran Turismo MC Stradale (4) von 2011.
Bild: Michael Struve / AUTO BILD KLASSIK; Sven Krieger / AUTO BILD; Christian Spreitz; Mark Fagelson
Wie man Autotüren mit Schlüsseln, Zahlencodes, Transpondern oder per Smartphone öffnet und verriegelt, ist ein anderes Thema – und soll ein andermal erzählt werden.
Welche Türgriff-Konzepte kennen Sie noch? Welche mögen Sie besonders, welche lehnen Sie ab – und warum? Schreiben Sie uns: per E-Mail an feedback@autobild.de, Betreffzeile: Türgriffe. Wir sind gespannt!