Von wegen Feierabend im Copyshop. Ja, die allermeisten chinesischen Autobauer haben mittlerweile ihre eigene Identität gefunden und müssen nicht mehr kopieren. Doch immer mal wieder stößt man trotzdem noch auf mehr oder minder freche Blaupausen – und nirgendwo passiert das öfter als bei der GWM-Tochter Ora.
Ihre fast schon freche Käfer-Kopie gibt es zwar nur in China. Doch das Gesicht des Vaters aller Volkswagen ziert auch die bei uns erhältlichen Modelle. Und wer das Flaggschiff Ora 07 anschaut, der sieht darin mehr als nur ein bisschen Porsche Panamera.

Ora 5: Macan lässt grüßen

Natürlich sind diese Autos alle schon ein bisschen älter. Doch wer glaubt, Designchef Andrew Dyson hätte mittlerweile auf den Pfad der Tugend zurückgefunden, den belehren die Chinesen mit dem Ora 5 eines Besseren.
GWM Ora 5: Fahrbericht
Stark gewölbte Heckklappe und üppiges Hinterteil – Geschmackssache.
Bild: T. Geiger
Denn der ist zwar eine halbe Nummer größer als der 03 und wächst mit 4,47 Metern Länge und 2,27 Metern Radstand in die Kompaktklasse, aber auch er hat die Scheinwerfer des Käfers und die Kotflügel des 911 – und erinnert deshalb aus manchen Perspektiven an einen Porsche Macan. Nur, dass der ein bisschen zu heiß gewaschen wurde. Und dass er sich einen Brazilian Butt antrainiert hat – so weit wölbt sich die Heckklappe nach außen.

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Aber hey, der Macan ist ja alles andere als ein schlechtes Vorbild. Und hier gibt's – nach den Sommerferien auch bei uns – nicht nur ein ähnlich gezeichnetes Auto, das mit einem Grundpreis in der "zweiten Hälfte der 20.000er" nicht einmal halb so viel kostet wie das Original. Sondern während die Porsche-Fans bei uns den Benzinern hinterherweinen und nur zögerlich zum Stromer greifen, lässt Great Wall Motors den Kunden die Wahl: Benziner, Hybrid oder vollelektrisch – wir bauen den Fünfer so, wie es euch gefällt.

Motoren ohne Porsche-Ambitionen

Aber damit jetzt keine falschen Erwartungen geweckt werden. Spätestens beim Blick unter die Haube ist es vorbei mit den Porsche-Parallelen. Denn die Einstiegsmotorisierung ist ein 1,5-Liter-Turbo mit 160 PS, die E-Version fährt mit 204 PS, und selbst der Hybrid als stärkste Modellvariante muss sich mit 223 PS bescheiden.
GWM Ora 5: Fahrbericht
China kann auch chic. Weiche Materialien, saubere Verarbeitung und mehr Stil als bei manchem Rivalen.
Bild: T. Geiger
Obwohl der Akku kaum mehr als 1 kWh hat, ist man in der Rushhour von Baoding die meiste Zeit elektrisch unterwegs. Das ist gleich doppelt gut, weil der Ora 5 dann erfreulich flott anfährt und vor allem, weil man dann nichts hört vom kratzigen Benziner, der sich bislang noch ganz gerne in den Vordergrund spielt. Aber ein wenig Zeit für Feinschliff haben die Chinesen ja noch, bevor das Auto nach Europa kommt.
Und wenn sie bis dahin noch ein bisschen Strenge ins Fahrwerk brächten und ein wenig Schärfe in die Lenkung, dann wäre das kein Schaden. So jedenfalls mag man sich damit weder die 170 km/h Spitze im E-Modell vorstellen noch die 190 Sachen des Verbrenners.

Chancen in der Kompaktklasse

Gegen den Macan macht er damit keinen Stich. Übrigens auch nicht mit einem 58-kWh-Akku für etwa 430 Kilometer und einer Ladeleistung von 11 kW am Wechsel- und 120 kW am Gleichstrom. Aber in der zweiten Liga der Kompaktklasse – im Ringen mit den vielen SUV aus der Stellantis-Sippe, mit einem Toyota C-HR oder den Koreanern – sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Zumal sich die Chinesen auch hier einen deutlichen Preisvorteil sichern.
GWM Ora 5: Fahrbericht
Der Ora 5 erinnert stark an den Porsche Macan – nur kompakter und deutlich günstiger.
Bild: T. Geiger
Und der geht nicht zu Lasten der Insassen. Denn die Platzverhältnisse sind solide. Nicht umsonst ist der Fünfer im Vergleich zum 03 gute 20 Zentimeter länger und hat mit 2,72 Metern sieben Zentimeter mehr Radstand. Und das Ambiente kann sich sehen lassen: Die in China schier unverzichtbare Bildschirmlandschaft mit gestochen scharfen Grafiken und schnelleren Prozessoren als in den meisten Smartphones, einem App-Store groß wie ein Kaufhaus und nobelpreisverdächtiger KI garnieren die Chinesen deshalb mit reichlich Retro-Elementen bis hin zu den wie aus Messing gefertigten Lautsprechergehäusen und natürlich den Kippschaltern fürs Klima.
Kommt uns irgendwie bekannt vor? Klar, schließlich haben die Chinesen gemeinsam mit BMW den elektrischen Mini entwickelt und übernehmen für die Bayern auch die Produktion. Und statt wie bei vielen chinesischen Billigheimern nur hartes Plastik Marke Hornhauthobel gibt's hier sauber verarbeitete, weich unterschäumte Oberflächen und mehr Chic als in manchem Mini.

Drei Karosserievarianten geplant

Selbst gegen die Verwechslungsgefahr mit dem Macan haben die Chinesen noch etwas in petto. Schließlich ist das, was sie hier so hochtrabend SUV nennen, nur eine von drei Varianten des Baby-Boomers aus Baoding. Wahrscheinlich ziemlich gleichzeitig soll es auch einen zum normalen Golf-Gegner abgerüsteten Hatchback ohne Dachreling und Extra-Bodenfreiheit geben. Und spätestens wenn dann auch noch der Kombi kommt, ist Porsche endgültig aus dem Sinn.