Honda Civic: Kaufberatung
Eine schrecklich spacige Familie

Der Honda Civic fährt seinen eigenen Weg. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten orientiert er sich nicht am VW Golf. AUTO TEST nimmt das Raumschiff der Kompaktklasse unter die Lupe!
- Carl Nowak
Während der VW Golf Numero acht gerade frisch geschlüpft ist, hat Honda bereits die zehnte Auflage des Civic seit 2015 in den Showrooms stehen. Die japanische Kompaktikone debütierte nämlich zwei ganze Jahre vor dem ersten Golf anno 1972. Trotzdem geht es ihm wie vielen Konkurrenzprodukten im Segment: Sie werden von der Wolfsburger MQB-Übermacht auf dem deutschen Markt schier erdrückt. Kleines Beispiel: Während im vergangenen Oktober 19.436 frisch gedruckte Golf-Fahrzeugscheine durch die Büros der deutschen Kfz-Zulassungsstellen flatterten, waren es nur 255 Faltzettel eines Honda Civic.
Honda fährt in vieler Hinsicht eigene Wege
Video: Fahrbericht Honda Civic (2017)
Honda mit Turboherz
Der Fahrer sitzt tiefer als in der Konkurrenz

Clever gemachtes Cockpit mit vielen Ablagen und gestochen scharfem Digitalcockpit. Verarbeitung gut, Materialien teils etwas billig.
Die Einzelradaufhängung hinten arbeitet schön mit
Generell gefällt der Civic in vielen Facetten mit einer gewissen präzisen Leichtigkeit. Das beginnt bei der trotz stattlicher Größe leicht zu bewegenden und immer perfekt schließenden Heckklappe und hört beim Fahrgefühl auf. Denn trotz Mittelklassemaßen bleibt der Civic beim Gewicht auf Golf-Niveau und wiegt je nach Motor und Ausstattung zwischen 1229 und 1430 Kilogramm. Diese Leichtigkeit transportiert der Civic über seine gleichmäßige und kommunikative Lenkung bis zum Fahrer. Mit wenig Seitenneigung huscht der Civic agil über Landstraßen. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten verfügt er über eine Einzelradaufhängung an der Hinterachse, die in Kurven schön mitarbeitet und konträr zu ihren Verbundlenkerpendants nicht das Gefühl aufkommen lässt, man würde die Hinterachse nur als leblose Kofferraumstütze hinter dem Fahrzeug herziehen.
Auch mit Turbolader bleibt die Drehfreude erhalten

Die Benziner bieten eine athletische Leistungsentfaltung und gute Fahrleistungen. Auch verbrauchsseitig überzeugen sie.
Der Type R übertrumpft den Golf GTI deutlich

Der Type R ist die Benchmark im Segment der frontgetriebenen Kompaktsportler. Er klammert aber auch den Alltag nicht aus.
Zurück aus der Type-R-Traumwelt in der Realität. Die zeigt, dass der Civic ein gelungener Wurf mit pfiffigen Ideen ist. Qualitativ bleiben aber einige Schwächen. Viel Hartplastik im Innenraum und das dünne Karosserieblech wirken nicht sonderlich hochwertig. Die klapprigen Lenkradtasten liefern das haptische Erlebnis eines alten Game Boy Advance. Bei dem silbernen Testwagen zeigte die Verschlusslasche der Motorhaube bereits erste Rostansätze. Was vermutlich nur ein einmaliger Lackfehler war, lässt jedoch keinen positiven Qualitätseindruck zurück. Auch das Infotainment bietet zwar moderne Funktionen, wirkt aber in Geschwindigkeit und Darstellung etwas gestrig.
Kaum Einzelextras, alles läuft über Ausstattungslinien

Für LED-Licht muss die Linie "Executive" her. Die serienmäßigen Halogenbrenner sind keine Erleuchtung.
Fazit von Carl Nowak: "Bis auf kleinere Macken in der Qualität gibt es am Honda Civic kaum etwas auszusetzen. Die Motorenpalette ist zwar eher von der schmaleren Sorte, dafür aber fein abgeschmeckt mit dem passenden Antrieb für fast alle Fälle. Im Innenraum begeistert er mit pfiffigen Lösungen, auch wenn wir im Fond die hochklappbaren Magic-Seats des Vorgängers vermissen. Anfang 2020 kommt das Facelift inklusive neuer Direktwahltasten und Lautstärkedrehregler am Infotainment. Egal ob nun Vor-Facelift mit Rabatt oder Facelift-Modell mit neuen Features: Mit dem Honda Civic steht im Segment eine interessante Golf-Alternative zur Wahl."
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