Skeptiker bezeichnen sie als Wanze in der Westentasche, doch Fakt ist: Ohne Smartphones läuft heute nichts mehr. Mal eben die Wetterlage checken, einen Stellplatz buchen oder (ja, darum ging es ursprünglich auch) zu Hause Bescheid geben, dass man wohlbehalten sein Reiseziel erreicht hat – alles per Fingertipp zu machen. Da ist es doch nur folgerichtig, dass diese praktischen Geräte auch in der Welt der Wohnmobile Heimat finden. Hymer hat deshalb eine neue App programmiert, mit der sich alle wesentlichen Funktionen eines Reisemobils steuern und überwachen lassen. Das reicht von der Bedienung der Heizung über das Ausfahren der Sat-Anlage bis hin zum Einstellen der Lichtstimmung, die gerade favorisiert wird. Auch Warnungen per Push-Benachrichtigung erfolgen, wenn beispielsweise der Kühlschrank nicht richtig geschlossen ist.
Damit nicht genug: Als erster Hersteller haben die Baden-Württemberger von ihrem Nachbarn Daimler Zugriff auf die Onboard-Daten des Mercedes Sprinter erhalten. Konkret bedeutet das, dass Reisemobilisten mit der neuen App auch prüfen können, ob ihr beräderter Begleiter genug Diesel im Tank hat oder mal zur Inspektion muss. Außerdem lassen sich individuelle Funktionsabläufe einrichten und Checklisten abarbeiten, damit beispielsweise bei der Abfahrt nicht vergessen wird, das 220-V-Kabel abzuziehen. Weitere Funktionen sollen folgen, denn nach der Hymer-Studie "Connected Mobile Home" in Zusammenarbeit mit dem Center of Automotive Management werden vernetzte (Mobilitäts-)Dienstleistungen stetig an Bedeutung gewinnen. (Alles zum Thema Connectivity im Auto)

Luxuriöses Badezimmer und separates WC im Hymer B-ML I 880

Hymer B-ML I 880
Die Winkelküche bietet richtig viel Stauraum in Auszügen und Doppelanschlag-Kühlschrank.
Das ist er: Da die über Bluetooth und Mobilfunk laufende "Hymer Connect App" ab Modelljahr 2022 in der B-ML-Baureihe serienmäßig sein wird (seit Februar 2021 lassen sich ausgewählte Modelle ab Modelljahr 2020 nachrüsten), schauen wir uns gleich mal eins der dicksten verfügbaren Enden an: den B-ML I 880. Er hat tellergefederte Einzelbetten im Heck, sein größengleicher Bruder 890 ein Queensbett. Davor eröffnet sich ein luxuriöses Badezimmer. Der Waschtisch steht hier separat neben der großen Dusche mit Echtglastüren, gegenüber hat das WC sein eigenes Räumchen. Wird dessen Tür nach vorn geschlossen und die Schiebewand vor dem Schlafzimmer, entsteht ein Separee.
Weiter vorn steht die Winkelküche mit Gas-/Induktionskocher (695 Euro) sowie ordentlich Arbeitsfläche und Stauraum, auf der anderen Seite der Tec-Tower mit Kühl-Gefrier-Kombi und Backofen (690 Euro). Auf ihn folgt die zentralverriegelte Aufbautür mit schön leiser Zuziehhilfe und Keyless Go (990 Euro), neben der eine Längsbank steht. Sie ist wie die drehbaren Pilotensitze Teil der großzügigen L-Dinette. Über ihr schwebt das Hubbett, das gegen 1995 Euro elektrisch fährt und zwei praktische Auszüge für den Umbau zu Längseinzelbetten mitbringt. (Überblick: Alles zum Thema Wohnmobile)

Die Geräuschdämmung ist im integrierten Hymer sehr gelungen

Hymer B-ML I 880
Der neun Meter lange Dreiachser fährt sich einfacher, als es wirken mag.
Das hat er: Eine recht komplette Ausstattung und interessante Unabhängigkeits-Optionen. Hier sei das Autark-Paket Lithium (5490 Euro) mit Smart-Battery-System und Solaranlage sowie Wechselrichter empfohlen. An die Steckdose muss man damit tagelang nicht – wohl aber an die Entsorgungsstation. Das WC muss nämlich mit einer normalen Kassette auskommen. Das smarte Festtank-System Thetford iNDUS, das so gut passen würde, steht (noch) nicht zur Verfügung. So fährt er: Wenn man von den größen- und frontantriebsbedingten Einbußen bei der Wendigkeit absieht, exzellent. Besonders die Geräuschdämmung verdient Lob, aber auch die feinfühlig ansprechende Federung. Zudem sind alle Assistenzsysteme erhältlich, wie der verlässlich arbeitende Abstandsregeltempomat.

Bildergalerie

Hymer B-ML I 880
Hymer B-ML I 880
Hymer B-ML I 880
Kamera
Wohnmobil-Test Hymer B-ML I 880

Fazit

Jetzt ist sie da, die schöne neue Reisemobilwelt, in der Basis und Aufbau optimal vernetzt sind! Die App funktioniert sehr gut und lässt sich so einfach bedienen wie der B-ML I. Das geht übrigens auch ganz klassisch über die Bedienpanels. Nur als Hinweis für die Skeptiker. Urteil: 4,5 von fünf Punkten.