Beim Markennamen Hyundai denkt man an vieles, nur nicht unbedingt an emotionale Sportwagen. Aber die Koreaner haben sich Zeit genommen und ihre Hausaufgaben akribisch erledigt. Von rund 10.000 Erprobungskilometern auf der Nordschleife sprechen sie, zudem sammelte man hier reichlich Erfahrung bei mehreren 24-Stunden-Rennen. Der Einstieg in die Welt der sportlichen Kompakten wurde also generalstabsmäßig vorbereitet. In seinem ersten Vergleichstest trifft der i30 N auf bekannte Haudegen des Segments: den VW Golf GTI im Performance-Trimm und den Peugeot 308 GTi.

Seinen Status als GTI schlechthin verliert der Golf

VW Golf GTI Performance
Ausgereift und durchdacht: Ein Golf ist immer auch praktisch –  das ist beim GTI leider nicht anders.

Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Denkt man einige Jahre zurück, war ein Golf GTI der Kompaktsportler schlechthin. Er gilt als Mitbegründer der Hot Hatches und oft auch als Primus des gesamten Segments. Aber unterhalb des Golf R geht es mittlerweile irgendwie brav zu, denn während die beiden Konkurrenten kräftig auf die Gefühlsschiene setzen, gibt sich der VW schon auffallend distinguiert. Das beginnt bei der überzeugendsten Verarbeitung und den hochwertigsten Materialien im (bis auf das Navi) serienmäßigen Cockpit und setzt sich fort bis zu all den funktionalen Lösungen (Stichwort: 1,5-Liter-Flasche im Türfach), die irgendwie "typisch Golf" sind. Da reichen weder der Hyundai mit seinen teils spröde wirkenden Kunststoffen noch der etwas schickere, aber ergonomisch unkonventionell gestaltete 308 GTi heran.
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Die Einstellmöglichkeiten des i30 N sind enorm

Hyundai i30 N Performance
Individualisierbar: Im i30 N kann der Fahrer fast alles an seine persönlichen Vorlieben anpassen.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Problem beim Franzosen: das kleine Lenkrad, das an sich ja ein netter und auch durchaus griffsympathischer Gag ist, eine fahrerorientierte Sitzposition aber durchaus erschweren kann. Wer beim Fahren die Instrumente vollständig im Blick haben will, der muss entweder das Lenkrad auf Kniehöhe einstellen oder von Natur aus mit einem überproportional langen Oberkörper ausgestattet sein. Der Hyundai i30 N ist von derartigen Extravaganzen weit entfernt. Er greift auf eine vernunftorientierte Basis zurück, von der er sich mit ein wenig Chrom, einem sportlicheren Lederlenkrad und anders skalierten Instrumenten abgrenzt. Und damit auch der Spieltrieb nicht zu kurz kommt, gibt's optional Anzeigen im Infotainmentmonitor für Ladedruck, Drehmoment, G-Kräfte oder die Rundenzeit.Ebenfalls über den Monitor lassen sich diverse Parameter für Antrieb und Fahrwerk individuell einstellen. Im Einzelnen sind das: die adaptiven Dämpfer, die Servolenkung, die Stabilitätskontrolle, das Ansprechverhalten des Motors, die Zwischengasfunktion, die Sportabgasanlage und die aktive E-Sperre. Für jeden einzelnen Parameter gibt es bis zu drei Modi von Normal bis Sport Plus, sodass der "Personalisierung" ein weites Spielfeld eingeräumt wird.
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Peugeot macht es dem sportlich ambitionierten Piloten leicht

Peugeot 308 GTi
Eine Taste und gut ist: Der Peugeot 308 GTi lässt sich durch einen einfachen Tastendruck nachschärfen.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Der Witz: Neben diesem "N Customer" findet sich am Lenkrad noch eine zweite Zielflaggen-Taste für einen fix voreinstellbaren "N-Sportmodus", sodass sich allein die Zahl der Fahrmodi schon einmal auf fünf beläuft. Verglichen damit wirkt der GTI geradezu monoton in seiner Fahrmodus-Konfektion. Zwar bietet auch er vier Modi, darunter auch einen individuell konfigurierbaren, doch belässt er es dort bei den Parametern Fahrwerk, Lenkung, Motor, Sperrdifferenzial und Sound, die noch dazu in lediglich zwei Schritten differenzierbar sind. Und der Peugeot? Der verkneift sich das ganze Modus-Gehampel und setzt auf eine einzige Sporttaste, die dafür alle Synapsen auf einmal schärft. Und siehe da: Es funktioniert genauso gut.
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Wie sich die drei GTIs fahren, sehen Sie in der Bildergalerie.

Fazit

Um Haaresbreite wäre dem Hyundai i30 N Performance ein Einstieg nach Maß geglückt. So muss er sich nur ganz knapp dem motorisch wie querdynamisch noch energischer performenden Peugeot 308 GTi geschlagen geben. Zweite Erkenntnis: Die Zeiten des Golf GTI als Benchmark im Segment der sportlichen Kompakten sind vorerst passé. Hier zeigt der Rookie aus Korea einem der wichtigsten Begründer des Segments, was von dem Kürzel GTI zu erwarten ist. Und das allein ist ja schon ein riesiger Erfolg.