Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad, VW ID.7 GTX: Test
Windkanalwunder vs. Volksvertreter: Ioniq 6 fordert ID.7 heraus

Der renovierte Hyundai Ioniq 6 trifft auf den VW ID.7 GTX. Zwei E-Limousinen, fast fünf Meter lang, mit großem Akku, Allradantrieb und über 300 PS. Wer bietet mehr?
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Sie sind beide eine große Nummer, jeder für sich. Der eine ein herausragender Aerodynamik-Spezialist, der andere das meistverkaufte Elektroauto 2025 bei uns: Hyundai Ioniq 6 und VW ID.7.
Zwei Elektro-Limousinen im Test
Glatt, stromlinienförmig und extrem windschlüpfig der Ioniq. Sein Luftwiderstandsbeiwert liegt mit cw 0,21 besonders niedrig. Verkauft wurde er 2025 bei uns übrigens 1016-mal. Da liegt der VW mit seinen 34.563 Stück deutlich vorn. Er wirkt, so im direkten Vergleich, massiger, mit hoher Front und fülliger Seitenlinie. Aber auch sein cw-Wert von 0,23 zählt immer noch zu den besten.
Viel Platz bieten beide Konkurrenten
Beim Raumangebot nehmen sich beide nicht viel. Im Hyundai sitzt man vorn relativ hoch, die zierlichen Sitze sind nicht übermäßig ausgeformt, aber angenehm gepolstert und insgesamt ganz bequem. Im Ioniq-Fond gibt es besonders viel Platz für lange Beine – die Kniefreiheit ist riesig. Nicht so toll ist es um die Kopffreiheit bestellt. Leute über ungefähr 1,80 Meter müssen den Kopf etwas einziehen.

Im Fond des Ioniq 6 gibt es vor allem eine fast endlose Kniefreiheit, Luft über dem Scheitel ist aber nicht ganz so toll.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im ID.7 ist der Platz vorn ähnlich luftig wie im Hyundai, im Fond sogar noch eine Spur großzügiger. Die ergoActive-Sitze vorn (im Paket 3780 Euro) haben uns sehr gut gefallen. Groß, mit hervorragender Passform, verstellbarer Oberschenkelauflage und dazu Massage, Heizung und Lüftung. Im Fond gibt es auch hier sehr viel Kniefreiheit, wenn auch etwas weniger als im Ioniq (-3 cm). Man sitzt hier nicht ganz so flach über dem Boden, und es gibt vor allem mehr Platz über dem Scheitel (+4,5 cm).
Großer VW-Bildschirm ist zu weit vorne
Eingerichtet ist der ID.7 im aktuellen VW-Design, also mit einem sehr kleinen Fahrerdisplay, das die nötigsten Infos liefert, und dem Touchscreen für Navi und Multimedia. Dieser 15 Zoll große Schirm wiederum steht komplett frei – was weder stilistisch noch funktional eine gute Lösung ist.

Reduziert eingerichtetes ID.7 Cockpit, im GTX mit roten Akzenten. Das Multimedia läuft mittlerweile flüssig, der Touchscreen ist aber zu weit vorne platziert.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Man muss sich jedes Mal vorbeugen, um ranzukommen, nicht ideal. Das Multimedia-System selbst läuft inzwischen flüssig, die Optik ist freundlich, der Funktionsumfang groß und die Menüstruktur in Ordnung.
Fahrzeugdaten
Modell | Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad | VW ID.7 GTX 4Motion |
|---|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotoren | Asynchron-/Synchronelektromot. |
Einbaulage | je ein Motor vorn und hinten | je ein Motor vorn und hinten |
Spitzenleistung | 239 kW (325 PS) | 250 kW (340 PS) |
Dauerleistung | 81 kW (110 PS) | 90 kW (122 PS) |
maximales Drehmoment | 605 Nm | 679 Nm |
Vmax | 185 km/h | 180 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Trommel |
Testwagenbereifung | 245/40 R 20 Y | 235/45–255/40 R 20 T |
Reifentyp | Pirelli P Zero Elect | Bridgestone Potenza Sport |
Radgröße | 8,5 x 20" | 8,5–9,5 x 20" |
Reichweite* | 570 km | 597 km |
Verbrauch* | 15,9 kWh/100 km | 16,3 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität | 84 kWh | 86 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11/260 kW | 11/200 kW |
Ladezeit (10–80%, DC-Ladung) | 18 Minuten | 26 Minuten |
Fach unter Frontklappe | Serie (14,5 l) | – |
Vorbeifahrgeräusch | 64 dB(A) | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/750 kg | 1800/750 kg |
Stützlast | 100 kg | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 401 l + 14,5 l vorn | 523–1586 l |
Länge/Breite/Höhe | 4935/1880–k. A.**/1495 mm | 4961/1862–2141**/1535 mm |
Radstand | 2950 mm | 2971 mm |
Grundpreis | 61.550 Euro | 63.835 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 65.250 Euro | 72.165 Euro |
Im Hyundai ist das Interieur detailverliebter eingerichtet, mit interessantem Material. Und einfacher, selbsterklärender Bedienung. Das gilt zum Beispiel für die Mittelkonsole mit den vielen Tasten und Schaltern und die große Extra-Bedieneinheit fürs Klima.

Der Arbeitsplatz des Ioniq 6: klar gezeichnetes Cockpit mit zwei großen Bildschirmen. Saubere Verarbeitung, interessantes Material.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die beiden 12,3-Zoll-Bildschirme kommen mit schöner Grafik, das Fahrerdisplay ist konfigurierbar, die Instrumente sind klar gezeichnet und sehr gut ablesbar. Der Multimedia-Navi-Touchscreen besitzt äußerst umfangreiche Menüs – die aber klar strukturiert sind. Viele Kurzwahltasten und ein schöner Drehknopf für die Lautstärke erleichtern die Bedienung.
Hyundai-Antrieb ist fein dosierbar
Angetrieben wird der Ioniq 6 von je einem E-Motor vorn und hinten, die Systemleistung liegt bei 325 PS. Im Test sprintete er in 5,2 Sekunden auf 100 km/h, abgeregelt wird bei 185 km/h. Das E-System ist fein dosierbar, die Rekuperation lässt sich mit den Schaltwippen am Lenkrad vierfach verstellen. Dazu gibt es einen One-Pedal-Mode bis zum Stillstand – und zwar in allen Rekuperationsstufen.

Geht ganz gut: Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der Ioniq 6 in schlanken 5,2 Sekunden, abgeregelt wird bei 185 km/h.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Ioniq sprintet energisch los, zieht entschlossen bis 185 km/h durch. Sein Gewicht von 2,1 Tonnen ist – für ein E-Auto dieser Größe – nicht besonders hoch. Er fährt sich handlich, wach und lebendig. Klar, die 20-Zoll-Räder rollen spröde ab, insgesamt liegt der Ioniq straff und verbindlich. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und ausreichend präzise.
VW-Fahrwerk ist betont ausgewogen
Im direkten Vergleich fährt sich der VW weniger temperamentvoll, verhaltener. Er fühlt sich fast eine Nummer größer an. Und schwerer, wiegt ja schließlich mit über 2,3 Tonnen auch 232 Kilogramm mehr als der Ioniq. Er beschleunigt weniger druckvoll, von null bis 100 km/h in 5,5 Sekunden, wird bei 180 km/h abgeregelt. Die schafft er zäher als der Ioniq seine 185 km/h.

Gut abgestimmt: Mit den adaptiven Dämpfern federt der ID.7 feinfühlig und komfortabel. Dazu passt seine fein austarierte Lenkung.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Test-ID.7 war ausgestattet mit auch hier kantig abrollenden 20-Zoll-Rädern (610 Euro) und den adaptiven Dämpfern (DCC-Fahrwerk, im Paket ab 1660 Euro). Damit federt er feinfühlig, sehr komfortabel. Dazu kommt eine fein austarierte Lenkung, mitteilsam, direkt und mit schöner Rückmeldung. Insgesamt fühlt sich das alles fahrstabil und betont ausgewogen an.
Messwerte
Modell | Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad | VW ID.7 GTX 4Motion |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,0 s | 2,2 s |
0–100 km/h | 5,2 s | 5,5 s |
0–130 km/h | 8,3 s | 8,7 s |
0–160 km/h | 12,9 s | 13,0 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 2,7 s | 2,8 s |
80–120 km/h | 3,4 s | 3,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 2101/419 kg | 2333/457 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 50/50 % | 49/51 % |
Wendekreis links/rechts | 12,4/12,4 m | 11,5/11,5 m |
Sitzhöhe | 600 mm | 585 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,9 m | 36,0 m |
aus 100 km/h warm | 35,2 m | 35,1 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 54 dB(A) | 54 dB(A) |
bei 100 km/h | 61 dB(A) | 61 dB(A) |
bei 130 km/h | 65 dB(A) | 65 dB(A) |
bei 160 km/h | 70 dB(A) | 69 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 18,7 kWh/100 km | 17,6 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 27,4 kWh/100 km (+72 %) | 25,4 kWh/100 km (+56 %) |
Sportverbrauch | 33,4 kWh/100 km | 27,7 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km | 0 g/km |
Reichweite | 351 km | 407 km |
Auch der VW wird von je einem E-Motor vorn und hinten angetrieben, die Systemleistung liegt bei 340 PS. Das E-System reagiert schnell und sauber, die Rekuperation lässt sich aber nur in einer Stufe verstellen – mit dem Schalthebel. Einen One-Pedal-Modus bis zum Stillstand gibt es nicht.
Bei der Reichweite liegt der ID.7 vorne
Im Test kam der VW bei moderaten zehn Grad 407 Kilometer weit. Seine Batterie ist 86 kWh groß, geladen werden kann mit 11 kW Wechsel- und 200 kW Gleichstrom. Eine Wärmepumpe berechnet VW mit 1090 Euro.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Batterie im Hyundai – mit 800-Volt-Technik – ist jetzt 84 kWh groß, eine Wärmepumpe Serie. Geladen werden kann mit 11 kW Wechsel- und 260 kW Gleichstrom. Im Test schaffte der Ioniq 6 eine Reichweite von 351 Kilometern.
Platzierung
Modell | VW ID.7 GTX 4Motion | Hyundai Ioniq 6 84 kWh Allrad |
|---|---|---|
Punkte* | 588 | 576 |
Platz | 1 | 2 |
Testnote | 1,8 | 1,9 |
Fazit | Hat den größeren Kofferraum und die größere Reichweite. Umfangreichere Assistenzsysteme. Merklich teurer. | Lädt schneller, Rekuperation vielfach verstellbar. Knapp 7000 Euro günstiger und mit fünf Jahren Garantie |
An der Kasse langt VW stärker zu
Den Ioniq 6 mit 325 PS, Allrad und 84-kWh-Akku gibt es ab 61.550 Euro mit N-Line-Ausstattung. Für den hier getesteten Ioniq 6 mit N-Line-X-Ausstattung berechnet Hyundai ab 65.250 Euro.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der VW ID.7 GTX mit 340 PS, Allrad und 86-kWh-Akku kostet ab 63.835 Euro, beim Testwagen summierte sich die bewertete Ausstattung auf 72.165 Euro. Am Ende liegt der VW ID.7 dann vor dem Hyundai Ioniq 6 – der Bestseller also vor dem Aerodynamik-Champion.
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