Hyundai Kona im Test

Hyundai Kona: Test

Reicht so wenig SUV?

SUVs sind fette Kerle – das war einmal. Längst mischen smarte Typen wie der kleine Kona mit. Wir prüfen, ob der Hyundai genug Größe hat.
Auf die Größe kommt es nicht an. Hauptsache, das Auto ist ein Stückchen höher als Golf und Co – so scheint die Devise in Sachen SUV zu lauten. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Hochsitzer seit Jahren so boomen? Und vor allem die ganz kleinen Offroader. Gutes Beispiel für so einen Mini-Matscho: der Hyundai Kona. Knackige 4,17 Meter ist der Koreaner kurz, dennoch ein stämmiges Bürschchen. Und eben hoch genug aufgebockt, um ein erhabenes Sitzgefühl zu transportieren.

Ein kleines SUV kommt locker ohne Allrad aus

Sparsam ausgestattet: Der getestete Kona hat einen ein Liter großen Dreizylinder und Frontantrieb.

Den Hyundai gibt es zudem, auch das ist ein Trend, mit kleinem Motor und schlichtem Frontantrieb. Keine 4x4-Kraftverteilung, ein Sparmaschinchen unter der Haube, Grundmaße dicht an einem Polo. Reicht das für ein wahres SUV-Gefühl? Wir klären das im Test. Vor uns steht: der 120 PS starke 1.0 T-GDI mit Sechsgangschaltung. Ihn verkauft Hyundai für relativ erfreuliche 17.500 Euro. Genau genommen ist das allerdings eine Mogelpackung. Nicht nur, dass es serienmäßig kaum Komfort gibt (selbst eine Dachreling fehlt). Viel schlimmer: Die meisten zusätzlichen Ausstattungsdetails verkaufen die Koreaner nur in Verbindung mit höherwertigen Linien. Allein der Wunsch nach einer Sitzheizung zum Beispiel käme den Kunden fast 3000 Euro teurer als geplant. Schade zudem: Das Basismodell fährt als einzige Variante ohne das wertvolle Notbremssystem vor. Erst 500 Euro zusätzlich sichern den Kona damit ab. Bevor wir beim Blättern in der Preisliste noch schlechtere Laune bekommen, gucken wir ihm lieber unters Blech.
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Große Passagiere sind im Fond nicht gut aufgehoben

Für Große ungeeignet: Wer über 1,85 Meter misst, stößt sich in Reihe zwei am Dachholm den Kopf.

Da gibt es mehr Grund zur Freude. Etwa einen variablen Kofferraum mit pfiffigen Fächern unterm Ladeboden. Das aufgeräumte Bedienkonzept mit klassischen Reglern für die Klimaanlage und ein intuitiv zu bedienendes Navigationssystem gefallen uns. Ebenso die geteilte Rückbank, die sich im Handumdrehen ganz flach zusammenfalten lässt. Der Kona wirkt aufgeräumt, aber es hapert an Kleinigkeiten: Den Vordersitzlehnen fehlen zum Beispiel deutlicher ausgeprägte Wangenkonturen. So bieten die Sitze schlicht zu wenig Seitenhalt. Die Rückbank ist zwar angenehm hoch ins Auto montiert. Wer hinten sitzt und größer als 1,85 Meter ist, stößt sich allerdings den Kopf am seitlichen Dachholm. Der Dachverlauf raubt hier wertvollen Platz. Insgesamt steht genug Raum für vier Erwachsene zur Verfügung. Der Kofferraum schluckt mindestens 361 Liter Ladung, das ist klassenüblich. Das gilt auch für die Fahrleistungen des Hyundai. Der Kona setzt sich einigermaßen flüssig in Bewegung, sein 1.0er lässt sich auch mal in den roten Bereich des Drehzahlmessers scheuchen und zieht, abgesehen von einer kleinen typischen Turboverzögerung, emsig durch.
Leider läuft der Dreizylinder arg kernig. Ein kratzender Unterton begleitet die Leistungsabgabe, Vibrationen untermalen die Laufkultur des Dreizylinders in höheren Drehzahllagen. Ebenfalls störend: Bei niedrigen Touren brummt der Motor unflätig, seichtes Dahinschnüren in den oberen Gängen wird aufgrund der dröhnenden Untermalung zum Graus.

Fahrkomfort kennt das Korea-SUV fast gar nicht

Anstrengend: Das Fahrwerk des Kona ist so hart, dass es die Insassen auf Dauer wirklich nervt.

Also: runterschalten und mindestens 1500 Touren anlegen, auch wenn der Kona dann etwas mehr trinkt. Wir haben auf unserer Verbrauchsrunde 7,6 Liter im Durchschnitt ermittelt. Das können andere besser. Die meisten Konkurrenten können übrigens auch besser federn. Sehr hölzern überrumpelt der Kona Straßenabschnitte, die zumindest optisch topfeben sind. Ständig zupft und rüttelt es an der Karosserie, gefühlt nutzt das kleine SUV nur wenige Millimeter seines Federwegs aus. Das raubt den Insassen auf längeren Strecken die Nerven. Zum Trost gibt sich der kleine SUV leichter, als er tatsächlich ist. Er legt sich griffig in Kurven, sträubt sich nicht vor schnellen Richtungswechseln und ankert ebenso zuverlässig wie wirkungsvoll. Allerdings dürfte die Lenkung gern etwas mitteilsamer sein. Kurz: Man kann ihm die Sporen geben, und das macht sogar Spaß. Und darauf kommt es schließlich an. Mehr jedenfalls als auf die Größe.

Fahrzeugdaten Hyundai
Modell Kona 1.0 T-GDI
Motor Dreizylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 998 cm³
kW (PS) bei 1/min 88 (120)/6000
Nm bei 1/min 172/1500
Vmax 181 km/h
Getriebe Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 215/55 R 17 V
Reifentyp Nexen NFera SU1
Radgröße 7 x 17"
Abgas CO2 125 g/km
Verbrauch* 6,3/5,0/5,4 l
Testverbrauch
Sportverbrauch 11,2 l S
Testverbrauch** 7,6 l/100 km
Sparverbrauch*** 5,6 l/100 km
Sportverbrauch**** 11,2 l/100 km
Tankinhalt 50 l/Super
Partikelfilter -
Kältemittel R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 69 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1200/600 kg
Kofferraumvolumen 361-1143 l
Länge/Breite/Höhe 4165/1800–2070/1565 mm
Testwagenpreis 21.550 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas

Messwerte Hyundai
Beschleunigung
0–50 km/h 3,5 s
0–100 km/h 10,4 s
0–130 km/h 17,2 s
0–160 km/h 30,9 s
Zwischenspurt
60–100 km/h (4./5. Gang) 8,1/10,8 s
80–120 km/h (5./6. Gang) 12,2/16,3 s
Leergewicht/Zuladung 1290/485 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 60/40 %
Wendekreis links/rechts 11,1/11,1 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,7 m
aus 100 km/h warm 35,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 58 dB(A)
bei 100 km/h 68 dB(A)
bei 130 km/h 71 dB(A)
Testverbrauch – CO2 7,6 l – 180 g/km
Reichweite 650 km

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Grundsätzlich trifft der Kona ins Schwarze, weil er SUV-Hochsitz-Können auf sympathische Dimensionen herunterbricht. Allerdings läuft der Motor unkultiviert, der Federungskomfort lässt zu wünschen übrig. So mögen wir den kleinen Koreaner nicht empfehlen.

Autoren: Jan Horn, Mirko Menke

Stichworte:

SUV

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