Im Januar 1886 meldet Carl Benz sein "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" zum Patent an. Die Geburt des Automobils mit Verbrennungsmotor! Und jetzt erstrahlt der Mercedes-Stern im neuen Licht. Es beginnt eine neue Ära für die Traditionsmarke. Mercedes-Entwicklungsvorstand Markus Schäfer berichtet im Interview mit AUTO BILD von den Veränderungen – und das ist erst der Anfang.
Herr Schäfer, Mercedes zeigt auf der IAA den Ausblick auf den kommenden CLA, das neue Einstiegsmodell. Bleibt es dabei, kein Modell unterhalb des CLA, also auch keine A-Klasse mehr?
Markus Schäfer:
Wir sprechen von vier Produkten. Der CLA ist das erste Fahrzeug auf dieser völlig neu konstruierten Plattform, mit komplett neuen Modulen, mit einem komplett neuen elektrischen Antrieb und einem eigenen Operating-System. Der CLA ist der Einstieg und das erste Fahrzeug. Es wird noch einen Shooting Brake und zwei SUVs geben. Aber ja, es gibt keine A-Klasse mehr.
Die MMA-Plattform des neuen CLA rückt die Software ins Herz des Fahrzeugs. Wie weitreichend können Software-Updates zukünftig die Fahrzeug-Charakteristik verändern und wird Mercedes bei der Software weiterhin mit Google zusammenarbeiten?
Zunächst bildet die neue MMA-Plattform mit dem CLA als erstes Fahrzeug ab, was die Architektur des Betriebssystems MB.OS von Mercedes zu 100 Prozent in allen vier wichtigen Domänen enthält: Autonomes Fahren, das Infotainment, das Laden und Fahren und das, was wir Body & Comfort nennen, also die gesamte Innenraumsteuerung des Fahrzeugs. Bei allen vier Domänen sind wir die Architekten, haben die Software und Steuergeräte komplett in unserer Hand.
Mercedes baut Autos um die eigene Software.
Bild: Mercedes

Wir machen eine partnerschaftliche Entwicklung in verschiedenen Bereichen, aber am Ende sind wir derjenige, der den Zugang zum Kunden hat. MB.OS entwickeln wir global, in Deutschland, Indien, in China in den USA – wir sind die Architekten dieses Systems und schaffen Geschwindigkeit bei neuen Produkten, die zum Kunden kommen. Mit permanenten Over-The-Air-Updates, die wir mit maximaler Geschwindigkeit selbst bauen und ausspielen können. Und es gibt unterschiedliche Anforderungen in den Märkten: in China ist die Navigation mit Google nicht erhältlich, da brauche ich eine chinesische Navigation. Das Video- oder das Audio-Angebot in der westlichen Welt ist anders als in China, aber auch das können wir mit der MB.OS Architektur nativ einbauen. So sind wir unheimlich flexibel, mit einer Architektur globalen Kunden ein überzeugendes Angebot zu bieten.
Und zur Partnerschaft mit Google: Wir nutzen die Navigation von Google, weil Kunden in der westlichen Welt sagen, das ist die beste Navigation, der vertraue ich. In China und Korea sind es andere Anbieter wie AMAP und T-MAP. Solange Google die beste Navigation bietet, werden wir auch mit Google zusammenarbeiten. Sollte sich das ändern, wovon ich jetzt nicht kurzfristig ausgehe, wären auch weitere oder andere Partner denkbar. Wir suchen immer den besten Partner für den jeweiligen Anwendungsfall.
Die neue E-Klasse ist das letzte Modell auf einer reinen Verbrenner-Plattform, die MMA-Plattform kann Elektro und Verbrenner, und ab 2025 soll es nur noch reine E-Plattformen EA geben. Sehen wir damit auf Basis MMA die letzten Verbrenner von Mercedes?
Ab 2025 sind alle neuen Plattformen rein elektrisch für Mercedes-Benz, für AMG und für den Van. Wir stellen dort ausschließlich auf reine Elektroplattformen um.
Zuletzt wurde ganz klar die Rückkehr des V8 für C- und E-Klasse dementiert. Wie steht es um den V8 und auch den V12 bei der S-Klasse?
Zunächst existieren diese Aggregate und sind erfolgreich. Das ist eine Frage von Euro-7 und wie Euro-7 final ausgestaltet wird. Mit welchen Restriktionen sollte der Zwölfzylinder für den Rest der Welt funktionieren? Solange er zulassungsfähig ist, könnten wir ihn anbieten, würden aber keine Neukonstruktion machen.