Jaguar Land Rover: Deutschland-Chef im Interview
"Der Durchschnittspreis eines Jaguar wird doppelt so hoch sein"

Bild: JLR
Mit dem sogenannten "House of Brands" will JLR die Identität seiner Marken stärken und sie so fit für die Mobilität der Zukunft machen. Das Rebranding von Jaguar fiel dabei besonders stark aus. Jan-Kas van der Stelt, seit 2018 Geschäftsführer von JLR Deutschland, beantwortet die wichtigsten Fragen im Interview.
Interview mit Jan-Kas van der Stelt zur Umstrukturierung von JLR
AUTO BILD: JLR steckt gerade in einer großen Umstrukturierung und positioniert die Marken im Rahmen der Reimagine-Strategie neu. Wie werden die Marken Land Rover, Range Rover und Jaguar hier künftig aufgestellt sein?
Jan-Kas van der Stelt: Im Rahmen unserer Unternehmensstrategie, die wir in 2021 aufgestellt haben und sich im Kern auf modernen Luxus durch Design und Nachhaltigkeit konzentriert, entwickelten wir das "House of Brands" bestehend aus Range Rover, Defender, Discovery und Jaguar. Unser Ziel ist es, die Marken stärker zu profilieren und zu differenzieren, um sie noch begehrenswerter zu machen.
Range Rover steht für modernen Luxus und folgt dem Motto "Lead by Example", Defender steht mit "Embrace the Impossible" für Abenteuer und Robustheit, und Discovery fokussiert sich mit "Never stop Discovering" auf Reisen mit Komfort und maximaler Variabilität. Jaguar dagegen erfindet sich als vollelektrische Luxusmarke neu und folgt der Maxime des Gründers Sir William Lyons "Copy Nothing". Die Designsprache, die wir gerade mit dem Design Vision Concept Type 00 präsentiert haben, zeigt sich mit opulentem Modernismus. Sie ist mutig und fesselnd.
Alle Marken werden elektrifiziert und bis 2030 auch einen vollelektrischen Antrieb im Angebot haben.
Welche weiteren Maßnahmen sind Teil der Umstrukturierung?
Um das House of Brand nach außen sichtbar zu machen, haben wir in unseren Autohäusern und unseren Werbeauftritten eine klare Trennung der vier Marken vorgenommen. Sie treten eigenständig unter ihrem Markennamen auf, und um die individuellen Positionierungen zu untermauern, finden starke globale Marketingmaßnahmen statt. Mit Range Rover sind wir Partner von Wimbledon – dem führenden und traditionsreichsten Tennisturnier der Welt. Defender wird ab 2025 im Rahmen einer mehrjährigen Partnerschaft offizieller Fahrzeugpartner der Rallye Dakar, dem härtesten Rallye-Event der Welt. Ab 2026 startet ein offizielles Werksteam. Discovery feierte in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag. Und Jaguar hat gerade seinen ersten Auftritt als neue Luxusmarke auf der Miami Art Week gefeiert.

Große Flächen, viele Ecken und Kanten – das Design der Jaguar-Studie Type 00 polarisiert.
Bild: Jaguar Land Rover (Jaguar Cars)
Für die Marke Jaguar steht wohl die größte Transformation an. Im Jahr 2025 gibt es die Luxusmarke nur noch vollelektrisch. Wie wird sich die Marke künftig positionieren?
Jaguar knüpft an seine glorreiche Vergangenheit an – als moderne, begehrenswerte und relevante Luxusmarke. Sie nimmt das Ethos ihres Gründers Sir William Lyons auf, nichts zu kopieren: "Copy Nothing". Das erste Modell, das der neuen Designsprache folgt, wird ein viertüriger GT sein. Diese Karosserieform ist die reinste Form eines Jaguar. Auch war Jaguar immer eine sportliche Marke, was wir ebenfalls fortführen werden. Wie man Elektromobilität mit Performance verbindet, zeigen wir in der vollelektrischen Rennserie Formel E. Jaguar war im letzten Jahr Weltmeister, und wir starten nun mit dem Jaguar I-Type 7 in unsere zehnte Saison.
Der Fokus auf Luxus bedeutet vermutlich auch eine Preissteigerung? Wird es weiterhin ein vergleichsweise günstiges Pendant zum F-Pace (ab 66.000 Euro) geben?
Jaguar positioniert sich als Luxusmarke in einem anderen Preissegment. Während der Durchschnittspreis eines Jaguar heute bei rund 70.000 Euro liegt, wird er künftig ca. doppelt so hoch sein.
Was zeichnet die neuen Elektroautos von Jaguar besonders aus?
Ein Jaguar steht schon immer für Kreativität und Design. Das differenziert ihn. Zur Elektromobilität kommen wir zu einem späteren Zeitpunkt. Aber seien Sie versichert, dass die Technologie, die wir für die Formel E entwickelt und getestet haben, in die Serienmodelle einfließen wird. Auf jeden Fall werden wir eine elektrische Reichweite von mehr als 700 Kilometern haben und eine Aufladezeit von nur etwa 15 Minuten für rund 320 Kilometer.
Wie bringen Sie Ihren Kundinnen und Kunden, die nicht zuletzt aufgrund der starken Verbrennungsmotoren der Marke treu sind, die Elektromobilität näher?
Unsere zukünftigen Kunden werden nicht nur ein Auto besitzen, sondern mehrere – und wir gehen davon aus, dass unser Design sehr begehrenswert sein wird. Was die Elektromobilität betrifft, werden wir, wie gesagt, neben hoher Leistung auch eine hohe Reichweite und schnelle Ladekapazität anbieten sowie umfassenden Service, sodass es ein Vergnügen sein wird, einen vollelektrischen Jaguar zu besitzen.
Aktuell ist das Luxussegment im Bereich der Elektroautos hart umkämpft: Neben etablierten Wettbewerbern entdecken auch neue Marken das Segment für sich und versuchen sich am Markt zu positionieren. Wie gehen Sie damit um?
Wir vertrauen auf unsere traditionsreiche britische Marke und ihre Designstärke. Und wir planen mit einem kleinen Volumen.
Nun ist der Markt für Elektroautos zuletzt etwas ins Stocken geraten. Gerade in Deutschland sehen wir wenig Bewegung. Wie gehen Sie diese Herausforderung an?
Wir wissen um die Entwicklung der Elektromobilität. Sie wird nicht linear verlaufen. Auch wird sie nicht in allen Märkten relevant sein. Wir planen, mit Jaguar in ca. 25 Ländern in den wichtigsten Regionen USA, UK, China und Europa präsent zu sein. Für uns ist es wichtig, dass Jaguar begehrenswert ist!
Was ist aus Ihrer Sicht nötig, um die Elektromobilität in Deutschland voranzubringen?
"Ease of Ownership" ist für uns der Schlüssel. Das heißt, es muss einfach sein, ein vollelektrisches Auto zu fahren und zu besitzen! Aber daran arbeiten wir als Hersteller genauso wie die Europäische Union und unsere Regierung. Es führt kein Weg an der Elektromobilität vorbei, um die Emissionsziele zu erreichen.
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