Jeep Avenger 4xe The North Face: Test
SUV-Zwerg mit Abenteuer-Flair im Test

Jeep und der Outdoor-Ausrüster The North Face vereinigen ihre Zielgruppen. Ist der 4x4-Avenger mehr als Marketing? AUTO BILD macht den Test.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die frontantriebsbasierte Plattform teilt er sich mit Fiat 600 und Alfa Junior, die ebenfalls in Tychy vom Band rollen. Die Allradtechnik beschränkt sich auf einen zusätzlichen Elektromotor mit 29 PS Leistung an der Hinterachse sowie Sand- und Matsch-Fahrprogrammen. Der Avenger ist ein Pkw mit leicht erhöhter Schlechtwegetauglichkeit, kein Geländewagen.

Das Revier des Avenger ist die Straße. Auch wenn seine 21 Zentimeter Bodenfreiheit sowie 40 Zentimeter Wattiefe gar nicht schlecht sind.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Gar nicht schlecht: 21 Zentimeter Bodenfreiheit, die erlaubte Wattiefe von 40 Zentimetern und der hintere Karosseriewinkel von 35 Grad. Die Front ist mit 22 Grad Böschungswinkel weniger günstig geformt für Geländeeinsätze.
Das kurze Format (4,09 Meter) und seine Handlichkeit machen den Avenger zu einem angenehmen Alltagsbegleiter, die straffe, etwas unnachgiebige Federung und der kleine Laderaum begeistern dagegen weniger.
Fahrzeugdaten
Modell | Jeep Avenger 4xe The North Face |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizyl., E-Motoren v + h |
Hubraum | 1199 cm³ |
Leistung | 107 kW (145 PS) |
max. Drehmoment | 230 Nm bei 1750/min |
Getriebe | 6-Gang-Doppelkupplungsaut. |
0-100 km/h | 9,5 s |
Vmax | 194 km/h |
Testverbrauch ** | 6,5 l S/100 km |
CO2-Ausstoß | 123 g/km |
Antriebsart | Front + E-Motor an Hinterachse |
Länge/Breite/Höhe | 4088/1776-1981*/1541 mm |
Radstand | 2563 mm |
Sitzhöhe ** | 640 mm |
Kofferraumvolumen | 325-1218 l |
Leergew./Zulad. ** | 1477/499 kg |
Wendekreis | 10,5 m |
Anhängelast gebr. | 920 kg |
Garantie | 2 Jahre ohne km-Begrenzung |
Preis | ab 39.000 Euro |
Hybridisierung plus Zusatz-Heckantrieb tragen ein Preisschild in Form eines geschrumpften Laderaums (325–1218 Liter), weil die Technik unter dem Ladeboden Platz beansprucht. Der Rotstift grinst uns oft an: keine einzige Verzurröse im Laderaum (was den Offroad-Anspruch infrage stellt) und nur ein einziger Klappgriff im Dachhimmel. Höhenverstellbare Gurte sucht man im kleinsten Jeep ebenfalls vergebens.
Viel Hartplastik im Innenraum
Im Interieur erwartet die Insassen eine Hartplastiklandschaft – zwar aufgehübscht mit einer aufgedruckten topografischen Karte, aber die Oberseite glänzt speckig bei tief stehender Sonne, spiegelt und erschwert so den Blick durch die Frontscheibe.

Rotstift am Arbeitsplatz: Hartplastik-Landschaft mit 10,3-Zoll-Navi und origineller, faltbarer Magnet-Abdeckung der Mittelkonsole.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ins kleinwagenhafte Bild passt das einfache TomTom-Navi. Die Sprachbedienung konnten wir nicht testen, da das Abo abgelaufen war. Recht gut funktioniert die Verkehrszeichenübernahme, sie verlangt nur nach Bestätigung mittels OK-Taste. Schön auch: die vielen physisch vorhandenen Tasten.
Im Fond fehlt es an Beinfreiheit
Die kurzen Sitze empfehlen den Avenger eher nicht für Langstrecken, zumal auch Lendenwirbelstützen fehlen. In der zweiten Reihe stimmt die Kopf-, nicht aber die Beinfreiheit – die fällt kleinwagenmäßig eher bescheiden aus. Schon mittelgroße Fahrgäste wissen trotz angenehmer Sitzhöhe nie so recht, wohin mit den Beinen. Zudem ragt die Fondlehne zu steil in die Luft.

Licht und Schatten in Reihe zwei: angenehme Sitzhöhe, aber steile Lehne. Schon mittelgroßen Passagieren fehlt es an Beinfreiheit.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Startknopf genehmigt sich mehrere Gedenksekunden, dann ein Druck auf die D-Taste, los geht die Fahrt. Unter der geländewagenartig waagerechten Haube knurrt der bei Stellantis allgegenwärtige 1,2-Liter-Dreizylinder vor sich hin.
Guter Bekannter unter der Haube
Ihm assistieren ein 29 PS leistender Elektromotor am Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und eine gleich starke zweite E-Maschine an der Hinterachse, die sich bei Schlupf an den Vorderrädern bedarfsweise am Vortrieb beteiligt und sich ab 90 km/h aus dem Geschehen zurückzieht – aus Effizienzgründen.

Stellantis-Standard: Auch im Avenger arbeitet der bekannte und oft eingesetzte 1,2 Liter große Dreizylinder mit E-Motor-Unterstützung.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Akustisch präsent ist der Hybridantrieb immer, aber nicht nervend jaulig. Leider wirken die vielen hohlen Hartplastikflächen wie Schallverstärker, zudem vernehmen wir Geräusche an der nicht komplett verkleideten Fahrertür, spätestens bei 140 km/h. Die Akustik wird dem Preis nicht gerecht.
Die Federung spricht eher ruppig an, reicht von den Unzulänglichkeiten der Straße viel an die Insassen durch, trotz der hochflankigen 17-Zoll-Räder. Mit kurzen Anregungen kommt das Fahrwerk nicht wirklich klar, lange Wellen kann es besser. Die Goodyear-Vector-Ganzjahresreifen in 215/60 R 17 könnten eine Rolle spielen – die basieren auf Winterreifen, ihre Gummimischung ist aber weniger weich.
Komfort steckt kaum im Jeep-Fahrwerk
Die Räder tauchen zwar auf heftigen Bodenwellen tief ein, bleiben aber immer am Boden. Es ist schon das Bemühen von Stellantis erkennbar, ein fahrsicheres Auto abzuliefern – das sich aber insgesamt arg viel um die Längsachse bewegt. Der Avenger fährt sich halt wie ein kurzes Auto auf großen Rädern – was er ja auch ist.

Etwas zu hart: Die Federung des Avenger spricht eher ruppig an, viel vom Straßenzustand wird direkt an die Passagiere durchgereicht.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Lenkung ist betont leichtgängig und wenig zielgenau, die Antriebseinflüsse sind zudem in der Lenkung spürbar. Zum Fahrwerk mit seinen weit ausholenden Tauchbewegungen hätte eine direkte Lenkung wohl kaum gepasst.
Sechs Gänge sind für heutige Doppelkuppler-Verhältnisse nicht sonderlich viel; da sind gelegentlich recht große Drehzahlsprünge hörbar. Wir hätten auch gerne mal einen Blick auf einen Drehzahlmesser geworfen. Der Avenger bietet fünf verschiedene Cockpitansichten an, bei keiner ist ein Drehzahlmesser dabei.
Im Sandmodus steckt Sachverstand
Da schon Jeep draufsteht, haben wir ihn auch in der Sandgrube des Kieswerks Koops in Zarrentin (wir danken!) ausprobiert. Resultat: So etwas wie Verschränkungsfähigkeit bietet das Fahrwerk nicht, da ist er ganz Pkw. Im Sand aber liefert er keine schlechte Vorstellung ab.

Bild: Rolf Klein / AUTO BILD
Denn der 29 PS schwache elektrische Zusatzantrieb hinten ist schnell genug zur Stelle, um ein Eingraben der Vorderräder zu verhindern – jedenfalls, wenn die Bodenfreiheit von 21 Zentimetern reicht. Diesen Sand-Modus haben offenbar Leute mit Sachverstand programmiert.
Im Mud-/Sand- wie im Schnee-Programm bleibt der elektrische Antrieb der Hinterachse bis etwa 30 km/h aktiv – eine bessere Anfahrhilfe, aber eben eine wirksam programmierte. Ein bisschen mehr als nur Marketing bietet der 4xe am Ende des Tages also doch.
Der Aufpreis für die North Face Edition wirkt auf den ersten Blick happig. Sie bringt aber nicht nur ein paar Aufkleber und Zierteile in Kontrastfarbe mit, sondern – anders als beim Overland zu knapp 36.000 Euro – auch Bordnavi, wasserabweisende Sitzbezüge und die (entbehrliche) E-Heckklappe. Los geht der Avenger 4xe bei 33.990 Euro – mit Ausstattungslücken.
Viel Geld für etwas zu wenig Auto
Obwohl das Auto auch abseits der Straße durchaus ein bisschen was kann, wird man den Eindruck nicht los, dass hier das knackig-kompakte Design des Avenger und ein Abenteurer-Image doch etwas teuer bezahlt werden müssen.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Man muss sich schon ein bisschen verliebt haben in die Mont-Blanc-bezogenen Zierdetails und die Seltenheit dieser Version, denn es sollen nur 4806 Stück gebaut werden. Was der Höhe des Mont Blanc in Metern entspricht. Die North-Face-Edition ist in Blech und Kunststoff gegossener Outdoor-Lebensstil – für kühle Rechner ist sie eher nicht.
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