Mittlerweile haben sich viele Firmen auf die Restaurierung älterer Porsche spezialisiert. So auch die deutsche Restomod-Manufaktur Kaege Retro aus Rheinland-Pfalz. So entstand der Kaege Retro Targa Glasdach. Und dafür musste ausgerechnet ein Porsche 993 herhalten.
Für viele Fans ist das sicher ein sensibles Thema. Schließlich handelt es sich um den letzten luftgekühlten Elfer und damit um eines der begehrtesten Modelle der 911-Historie. Wer jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, kann aber beruhigt sein: Kaege hat den Klassiker nicht einfach modernisiert, sondern versucht, die Technik des 993 mit der Optik des legendären F-Modells von 1964 zu verbinden.
Kaege Retro Targa Glasdach
Lackiert hat Kaege den 993 in einem auffälligen Blauton namens "Miami blue".
Bild: Kaege Retro
Auf den ersten Blick dürfte selbst Porsche-Kennern kaum auffallen, dass hier eigentlich ein 993 vor ihnen steht. Die Karosserie orientiert sich konsequent am F-Modell der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre. Schmale Stoßfänger und die klassischen Rundungen lassen den Restomod wie einen perfekt restaurierten Ur-Elfer wirken.
Erst beim genaueren Hinsehen wird deutlich, dass hier moderne Technik unter dem Blech steckt. Kaege setzt unter anderem auf eigens entwickelte LED-Scheinwerfer sowie passende Heckleuchten. Auch die dreiteiligen Felgen schlagen die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dazu kommen zahlreiche Carbon-Komponenten, die das Gewicht auf lediglich 1250 Kilogramm reduzieren.

Das Highlight befindet sich über den Köpfen

Die eigentliche Besonderheit des Fahrzeugs findet sich allerdings auf dem Dach, denn bei diesem blauen Porsche bleibt die originale Targa-Konstruktion des 993 erhalten. Das große Glasdach öffnet elektrisch und verschwindet unter der Heckscheibe. Zusätzlich gibt es ein elektrisches Sonnenschutzrollo.
Kaege Retro Targa Glasdach
Die Recaro-Sitze bietet die Manufaktur mit einer individuell angefertigten Lederverflechtung an.
Bild: Kaege Retro

Klassischer Innenraum mit modernem Twist

Auch im Innenraum legt Kaege Hand an. Das Cockpit wirkt auf den ersten Blick altmodisch, verzichtet aber nicht auf moderne Annehmlichkeiten. Eine speziell entwickelte Instrumententafel und Recaro-Sportsitze sorgen für den passenden Retrolook. Gleichzeitig sind Airbags, ein Navigationssystem im Vintage-Stil und Apple CarPlay an Bord.
Kaege Retro Targa Glasdach
Die klassischen Instrumente bleiben im Cockpit erhalten.
Bild: Kaege Retro

Motoroptimierung mit 300 PS

Statt eines modernen Turbomotors arbeitet weiterhin ein luftgekühlter Sechszylinder-Boxer im Heck. Bereits die serienmäßige 3,6-Liter-Version leistet 286 PS. Wer möchte, kann den Motor auf 3,8 Liter Hubraum erweitern lassen. Dann stehen 300 PS zur Verfügung. Geschaltet wird klassisch per Hand über ein Sechsgang-Getriebe, die Kraft gelangt ausschließlich an die Hinterräder.
Mit weniger als 1250 Kilogramm Gewicht verspricht der Kaege Retro entsprechend agile Fahrleistungen. Den Sprint auf Tempo 100 soll der Restomod in unter fünf Sekunden erledigen, die Höchstgeschwindigkeit liegt laut Hersteller bei bis zu 275 km/h. Ein speziell abgestimmtes KW-Fahrwerk soll zusätzlich für moderne Fahreigenschaften sorgen.

Fazit

Ich glaube, beim Thema Restomods scheiden sich die Geister gewaltig. Die einen nennen es Sünde, einen Klassiker überhaupt nur anzufassen; die anderen finden es schön, den Fahrzeugen neues Leben einzuhauchen und ihnen einen modernen Touch zu verpassen. Ich persönlich finde diese Form des Fahrzeugumbaus grundsätzlich cool – aber es hängt auch vom Fahrzeug ab. Im Falle des Kaege Retro Targa Glasdach bleibt am Ende nur eine Frage: Haben die Rheinland-Pfälzer einen der begehrtesten Porsche 911 veredelt oder an einem automobilen Heiligtum Hand angelegt? Die Antwort darauf muss wohl jeder Porsche-Fan für sich selbst finden.