Neben dem Focus ist der Kuga das wichtigste Modell für Ford. Jetzt geht die dritte Generation an den Start, erstmals gibt es einen Mild- sowie Plug-in-Hybrid. Wir schauen uns das SUV genauer an.
 
Die neue kölsche Aufholjagd!
Vorn erinnert der neue Kuga ein wenig an den Porsche Macan, hinten an den Jeep Grand Cherokee.
Was für ein Zufall! Der Dauertest-Abschlussbericht unseres bis Dezember 2019 getesteten Ford Kuga rauscht noch durch die Druckerpresse, da steht bereits die dritte Generation von Fords Dauerbrenner in unserer Tiefgarage. Schauen wir uns den Neuankömmling mal an, der uns in seinem Chroma-Blau-Metallic (650 Euro) vorn ein wenig an den Porsche Macan und hinten an den Jeep Grand Cherokee erinnert. Eine gelungene Mischung! Das belegen im Übrigen auch zahlreiche Blicke im Verkehr oder auf dem Supermarktparkplatz. Überrascht zeigen sich Interessenten, wenn sie auf Nachfrage einen Blick in die Preisliste werfen. 49.050 Euro kostet unser 225 PS starker Plug-in-Hybrid mit ST-Line X und optionalen Extras. So weit muss es allerdings nicht kommen, denn bereits die Linien Cool & Connect (ab 28.350 Euro) oder Titanium (ab 32.150 Euro), für etwas mehr Bling-Bling, bieten grundsätzlich all das, was das Autofahrerherz von heute begehrt.  Obwohl das jetzt abgelöste Modell schon ein ordentliches Platzangebot bereithält, verschenkt Ford mit dem voluminösen Armaturenträger reichlich Platz. Hier liegt eine der wohl größten Stärken des neuen Kuga. Wie auch beim aktuellen Fiesta oder Focus fällt vieles deutlich schlanker und teilweise auch übersichtlicher aus. Freuen dürfen sich vor allem die Reisenden rechts im Fond, denn das steil fallende Handschuhfach lässt selbst Vornsitzenden mit sehr langen Beinen viel Platz, und durch die um bis zu 14 cm verschiebbare Rückbank (bereits ab Basislinie Trend) reisen gleich zwei dem Durchschnitt entwachsene Personen bequem hintereinander.
Die neue kölsche Aufholjagd!
Verarbeitungs- und Materialqualität gehen in Ordnung, wobei der Einsatz von Hartplastik im Fond gern etwas geringer hätte ausfallen dürfen.
 Einziger Kritikpunkt bezüglich des Fonds: Fast die gesamte Türverkleidung besteht aus wenig anschaulichem Hartplastik, einzig die Armauflage  kann hier dank schmaler Belederung noch ein bisschen was retten. An anderer Stelle können wir dagegen fast nur Positives berichten. Die Ladekante liegt mit 70 cm (- 2 cm) erfreulich niedrig und auf einem Niveau mit dem Kofferraumboden. Die unpraktische Stufe bei umgeklappter Rückbank ist einem weichen Übergang gewichen, was das Durchschieben großer Objekte nun deutlich erleichtert. Abstriche müssen Sie beim Kofferraumvolumen hinnehmen; es sinkt von 456 auf 435 Liter, beim Hybrid auf 405 Liter.

Vollhybrid folgt Ende des Jahres

Die neue kölsche Aufholjagd!
Sonnenanbeter ordern das großflächige Panorama-Glasdach für vertretbare 1200 Euro.
Zum Marktstart offeriert Ford zwei Benziner mit 120 und 150 PS, den eingangs erwähnten Plug-in-Hybrid mit 225 PS sowie drei Diesel, deren Leistungsspektrum von 120 bis 190 PS reicht. Die goldene Mitte mit 150 PS darf sich zusätzlich mit dem Titel Mildhybrid (48-Volt-Technik) schmücken. Mit unserem kölschen Doppelherz, das im spanischen Almusaffes bei Valencia vom Band läuft, rollen wir emissionsfrei aus der Tiefgarage. Der Akku mit 14,4 kWh reicht laut Ford für bis zu 56 Kilometer rein elektrisches Fahren und erreicht seine maximale Kapazität an der Haushaltssteckdose nach rund sechs Stunden, an der Ladesäule nach etwa dreieinhalb. Der E-Motor mit 96 kW gibt den knapp über 1,8 Tonnen beim Tritt aufs Gas ordentlich die Sporen, während sich der Benziner, sofern nicht anders gewünscht, vornehm zurückhält. Erst wenn das volldigitale Kombiinstrument die Null anzeigt, übernimmt der 2,5-Liter-Vierzylinder. Er meldet sich beim ersten Start hör-, aber kaum spürbar, klingt erst unter Volllast etwas angestrengt. Über die EV-Taste in der Mittelkonsole können Sie den Benziner anweisen, den Akku zu laden, oder dem E-Motor vermitteln, seine Energie für rein elektrisches Fahren in der Stadt zu speichern.
Die neue kölsche Aufholjagd!
Der neue Ford Kuga bietet einen bequemen Fond mit reichlich Kopf- und Beinfreiheit.
Steht Fahrwerkskomfort bei Ihnen ganz hoch im Kurs, dann gilt es, folgende Kombination zu vermeiden: den Plug-in-Hybrid in Verbindung mit der ST Line. Gibt es grundsätzlich an Fords Fahrwerksabstimmungen kaum etwas auszusetzen, reicht die Union aus sportlicher Abstimmung, hohem Fahrzeuggewicht und üppigen 19-Zöllern (750 Euro im Styling-Paket) Unebenheiten praktisch ungefiltert an die Insassen weiter. Tendieren Sie in diesem Fall eher zu Titanium (ab 32.150 Euro) oder gleich zur Top-Linie Vignale (ab 38.400 Euro). Darüber hinaus gibt sich der Kuga kaum die Blöße, lenkt zielsicher, neutral, so wie wir es von Ford kennen und erwarten. Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Assistenz: Der aktive Spurhalteassistent orientiert sich sauber an der weißen Fahrbahnmarkierung, tingelt nicht stetig von links nach rechts, der Adaptivtempomat dürfte dagegen gern eine Nuance sanfter abbremsen beziehungsweise beschleunigen, wenn ein vorausfahrendes Auto einschert.

Überzeugender Einstand

Fazit: Hatte die Konkurrenz den gerade abgelösten Kuga II schon frühzeitig auf die rechte Spur abgedrängt, kann der Neuankömmling wieder zum Überholvorgang ansetzen. Mit gelungenem Design, neuen Antrieben und umfangreicher, wenn auch meist aufpreispflichtiger Ausstattung verdient er sich einen Platz im Favoritenkreis der Kompakt-SUVs.

Von

Christoph Richter