Autos aus China haben einen kleinen, aber doch stetig wachsenden Anteil am deutschen Markt. Vor allem bei den Elektromodellen punkten Marken wie BYD, MG oder Leapmotor mit vergleichsweise günstigen Einstiegspreisen. Geht es dagegen um die Kosten für die Kfz-Versicherung, haben chinesische Autos oft das Nachsehen gegenüber deutschen oder europäischen Modellen. Der Grund dafür ist die bei neuen Marken und Modellen noch begrenzte Datenlage über Schadensverläufe und Diebstähle, weswegen Versicherer häufig auf Nummer sicher gehen, um ihr Risiko möglichst gering zu halten. Darüber hatte vor Kurzem zum Beispiel die "Automobilwoche" berichtet.
Doch trifft es grundsätzlich immer zu, dass die Versicherungsbeiträge für chinesische Modelle höher sind. Wie stark fällt der Mehrbetrag also wirklich ins Gewicht? AUTO BILD hat das zusammen mit dem Vergleichsportal Verivox für elf Modelle aus China einmal durchgerechnet und jedem China-Auto ein vergleichbares europäisches Modell oder auch das eines anderen asiatischen Herstellers (z. B. Toyota, Hyundai) gegenübergestellt.

Höhere Beiträge für die Mehrzahl der chinesischen Automodelle

Das Ergebnis: In acht von elf Fällen war die Versicherung für das chinesische Modell teurer. Für den BYD Seal etwa belaufen sich Haftpflicht und Vollkasko auf rund 1353 Euro pro Jahr (siehe Tabelle unten). Für einen VW ID.4 Pure fallen dagegen nur 865 Euro an – ein Unterschied von fast 500 Euro. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele. Beim Leapmotor C10 etwa liegt die Versicherungsprämie bei 1135 Euro pro Jahr, während für den Kia EV6 im Vergleich 1380 Euro fällig werden. Damit ist das China-Modell sogar günstiger.

Warum sind viele chinesische Modelle teurer in der Versicherung?

Der wichtigste Faktor für die Höhe der Versicherungsprämie ist die sogenannte Typklasse. Sie wird jedes Jahr vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) neu berechnet. Grundlage dafür sind die Schadenquoten und Reparaturkosten eines Modells. Je mehr Schäden ein Fahrzeugtyp verursacht und je teurer die Reparaturen ausfallen, desto höher wird er eingestuft. Bei neuen Autos – also auch bei vielen chinesischen Modellen – fehlen jedoch Erfahrungswerte. Deshalb greifen die Versicherer auf Daten ähnlicher Fahrzeuge oder auf Ergebnisse aus Crashtests zurück. Diese Schätzungen können dazu führen, dass Risiken zunächst eher vorsichtig, also höher eingestuft werden. In den ersten Jahren nach der Markteinführung sind deshalb auch stärkere Umstufungen möglich.
BYD Seal
BYD Seal: Für das chinesische Modell fallen für Haftpflicht und Vollkasko im Jahr rund 500 Euro mehr an als etwa für einen VW ID.4.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
"Bei chinesischen Herstellern fehlt es Versicherern oft an Erfahrung mit Ersatzteilen und Lieferketten. Sind noch keine europäischen Vertriebsnetze vorhanden, erhöhen sich durch Zoll und Transportkosten die Reparaturpreise. Längere Standzeiten der Fahrzeuge sowie zusätzliche Kosten für Ersatzfahrzeuge verschärfen das Problem", erklärt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH.
"Dabei fehlen nicht nur die Erfahrung mit den Modellen, sondern auch mit den Herstellern", ergänzt Ziller. Auch die Hersteller selbst sind sich des Problems bewusst. So betont etwa BYD gegenüber AUTO BILD, dass man gemeinsam mit dem Allianz Zentrum für Technik daran arbeite, Fahrzeuge so zu konstruieren, dass Schäden nach Unfällen schneller und günstiger repariert werden können.

Vor dem Kauf Unterhaltskosten prüfen

Autokäufer sollten grundsätzlich die Unterhaltskosten – und damit auch die Versicherung – in ihre Entscheidung einbeziehen. Die Typklasse eines Autos hängt nicht unmittelbar vom Neupreis eines Fahrzeugs ab. Zwar sind bei teuren Modellen auch die Wiederbeschaffungswerte höher, entscheidend für die Einstufung sind aber die realen Schadenquoten. Teurere Autos werden zudem oft sicherer abgestellt oder vorsichtiger gefahren, was die Schadenbilanz sogar verbessern kann. Neben dem Blick auf die Typklasse lohnt es sich, verschiedene Versicherer zu vergleichen. Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind groß. Wer einen günstigen Anbieter wählt, kann die Mehrkosten zum Teil wieder wettmachen.

Versicherungsbeiträge China-Modelle vs. andere Modelle

Versicherungsbeiträge China-Modelle vs. andere Modelle
Modell
Beitrag HP + VK*
Modell
Beitrag HP + VK*
chinesische Modelle vs. andere
BYD Seal U Hybrid 1.5 AWD 
1389,17 €
Skoda Kodiaq Hybrid 1.5 TSI
750,36 €
638,82 €
BYD Seal
1352,85 €
VW ID.4 Pure
                        865,48 €
487,37 €
BYD Sealion 7
1992,68 €
Hyundai Ioniq 5
1396,99 €
595,70 €
MG RX6 PHEV
1134,33 €
Hyundai Tucson 1.6 T-GDI PHEV
                        852,31 €
282,02 €
MG4 Electric
877,55 €
VW ID.3 Pure
                        775,36 €
102,19 €
MG ZS Hybrid
837,72 €
Toyota C-HR PHEV
                        956,22 €
-118,50 €
Leapmotor T03
664,01 €
Fiat 500 Elektro
                        555,76 €
108,25 €
Leapmotor C10
1135,18 €
Kia EV6
1380,52 €
-245,34 €
Polestar 4
1722,64 €
Tesla Model Y
1100,52 €
622,12 €
Xpeng G6
1421,09 €
VW ID.5
                        965,90 €
455,19 €
GWM Ora 03
867,71 €
Peugeot E-308
                        940,55 €
-72,84 €

Fazit

Im aktuellen Vergleich sind chinesische Autos in der Mehrzahl teurer in der Kfz-Versicherung. Angesichts der meist niedrigeren Kaufpreise relativiert sich dieser Unterschied allerdings. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte nicht nur den Kaufpreis, sondern die gesamten Unterhaltskosten – die sogenannten "Total Costs of Ownership" im Blick behalten. Nur so lässt sich eine fundierte Entscheidung treffen.