Das hässliche Entlein kennt wohl jeder. Aus dem Märchen, dem eigenen Umfeld oder vom Kia Sorento. Das koreanische Kompakt-SUV startete 2002 sehr, äh, brav gezeichnet.
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Erst mit der vierten Auflage 2020 ließ er so etwas wie Design erkennen und sorgt mit dem aktuellen Facelift für optische Wow-Momente.

Sorento hat viel Platz für die Familie

Markante Front, stattliche Erscheinung, unverwechselbarer Auftritt – so erregt man Aufsehen. Hübsch, doch wir erwarten natürlich mehr, vor allem innere Werte. Also rein in den Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD Platinum und knallhart testen.
Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD
Geräumiges SUV: Der mittlerweile auf 4,82 Meter gewachsene Sorento hat bei 2,82 Metern Radstand reichlich Platz für Kind und Kegel.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Gegenüber dem Ur-Sorento macht sich die aktuelle Generation um 25 Zentimeter länger, auf 4,82 Metern lässt sich dank 2,82 Meter Radstand mit der ganzen Familie entspannt verreisen – und auch noch genug Gepäck mitnehmen. Zwischen 697 und 2041 Liter passen in den Fünfsitzer. Wer wie in unserem Fall die dritte Sitzreihe für 990 Euro extra ordert (nicht für Basistrimm "Vision"), muss 89 Liter Stauraum abziehen. Und kann hinter den Lehnen der letzten Reihe nur noch 179 Liter (fensterhoch) einladen.

Hoher Sitzkomfort in Reihe eins

Ganz vorn ist der Sitzkomfort angenehm, man thront satte 71 Zentimeter über der Fahrbahn auf großen, gemütlichen Polstern samt Heizung, Ventilation und elektrischer Lordosenstütze.
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD
Arbeitsplatz: Die Vordersitze sind groß, gemütlich und bequem, bieten Annehmlichkeiten wie Ventilation und Massagefunktion.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Premium-Paket für 1490 Euro (nur für "Platinum") verwöhnt den Fahrer zudem mit einem digitalen Schlüssel übers eigene Smartphone, toller Massagefunktion und verstellbaren Sitzwangen. Auf die Relax-Position, bei der für entspannte Pausen eine Wadenstütze hochfährt, könnten wir dagegen glatt verzichten.

Fahrzeugdaten Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD

Fahrzeugdaten Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Turbo, Hybrid 
Einbaulage 
vorn quer 
Hubraum 
1598 cm³ 
Leistung Verbrennungsmotor 
118 kW (160 PS) 
Leistung Elektromotor 
44 kW (60 PS) 
Systemleistung 
158 kW (215 PS) 
Systemdrehmoment 
367 Nm 
Vmax
183 km/h 
Getriebe 
Sechsstufenautomatik 
Antrieb 
Allradradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
235/55 R 19 V 
Reifentyp 
Continental PremiumContact 6 
Radgröße 
7,5 x 19" 
Abgas CO2 
162 g/km 
Verbrauch* 
7,2 l/100 km 
Tankinhalt 
67 l 
Kraftstoffsorte 
Super 
Partikelfilter 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
68 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1110/750 kg 
Stützlast 
100 kg 
Kofferraumvolumen 
179–1996 l 
Länge/Breite/Höhe 
4815/1900–2170**/1695 mm 
Radstand 
2815 mm 
Grundpreis
55.690 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
65.180 Euro
Auch die Dreierbank in der Mitte (zwei Einzelsitze nur für Diesel und Plug-in) verspricht sehr gechilltes Reisen. Platz bleibt reichlich, da sich die Bank längs verschieben lässt, die in der Neigung verstellbare Lehne sorgt für den entsprechenden Sitzkomfort. Erst ganz hinten erleben wir echte Holzklasse. Schon der Zustieg in Reihe drei ist beschwerlich, das Platzangebot für Kinder zwar noch okay, bei 21 Zentimeter Sitzhöhe über dem Fahrzeugboden hocken hier aber auch kleine Gäste nicht wirklich gern.

Sprachsteuerung ist nicht immer verständig

Das Multimediasystem gefällt mit einem 12,3 Zoll großen Touchdisplay, kabellosem Apple CarPlay und Android Auto, im Navisystem grün hinterlegten freien Strecken und Sitzheizung sowie elektrischer Heckklappe. Es gehorcht aufs Wort. Allerdings versteht der Kia das Gesagte nicht immer sofort, eine Sprachaktivierung fehlt.
Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD
Gut ausgestattet: Im gekonnt gemachten Innenraum des Sorento fehlt es bis auf ein paar Assistenz-Features an fast nichts.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Bei den Sicherheitsassistenten bietet der Sorento eine ganze Menge, darunter aktiver Totwinkelassistent mit Kameraprojektion im Fahrerdisplay, Frontkollisionswarner, Autobahnassistent. Ein paar interessante Features fehlen aber doch. Im Stau folgt der Koreaner nicht dem Vordermann, der Tempomat passt die Geschwindigkeit bei Kurven oder Kreisverkehren nicht automatisch an, die Spurführung neigt in Kurven zum Pendeln.

Im Antrieb steckt viel Sparpotenzial

Subjektiv wirkt der Sorento durchaus stattlich, die straffe Lenkung und immerhin 1,90 Meter Breite verleihen ihm etwas Souveränes. Im Alltag erfreut der Vollhybrid dann vor allem als entspannter Begleiter ohne weitere sportliche Ambitionen. Ja, die 215 PS bringen den Zweitonner dank Allrad in 8,1 Sekunden auf Tempo 100, die Sechsstufenautomatik schaltet aber stets mit Bedacht und obenrum wird es dann schon mal zäh.
Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD
Ordentlich: Der Hybrid-Sorento ist in 8,5 Sekunden auf Tempo 100, wer es gelassen(er) angeht, schafft auch sehr niedrige Verbräuche.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Spitze gibt Kia mit 183 km/h an. Was absolut reicht und dem Sorento einen guten Testverbrauch von 7,6 Litern auf 100 Kilometer sowie fast 900 Kilometer Reichweite einbringt. Wer beim Fahren in meditative Ruhe verfällt, kommt sogar mit knapp sechs Litern aus, auf der linken Spur der Autobahn lässt sich dieser Wert leicht verdoppeln.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,0 s 
0–100 km/h 
8,1 s 
0–130 km/h 
12,8 s 
0–160 km/h 
20,1 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,3 s 
80–120 km/h 
5,3 s 
Leergewicht/Zuladung 
1971/669 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
56/44 % 
Wendekreis links/rechts 
12,3/12,2 m 
Sitzhöhe 
710 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,8 m 
aus 100 km/h warm 
34,8 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A) 
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
bei 130 km/h 
68 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
5,9 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
7,6 l S/100 k
(+6 %)
Sportverbrauch 
10,8 l S/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
180 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
880 km 
Das grundsätzlich ausgewogene Fahrwerk leidet auf Kanten und Absätzen unter den zuweilen herb anfedernden 19-Zoll-Rädern (Serie für Vollhybrid), in schnellen Wechselkurven kann es schon mal deutlich schaukeln. Und werden Kurven tatsächlich zu übermütig angegangen, flüchtet sich der Sorento ganz brav ins Untersteuern.

Korea steht nicht mehr für Schnäppchen

Das mit den Schnäppchen aus Korea können wir hier getrost vergessen. Der als "Platinum" voll ausgestattete Sorento Hybrid mit Allrad und sieben Sitzen kostet mal eben 65.180 Euro. Auch beim Leasing lockt das Fulllsize-SUV nicht mit Niedrigstraten.
Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD
Teuer: Der Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD steht ab 55.690 Euro in der Liste, das Testexemplar kostete stolze 65.180 Euro.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Für so viel Geld gibt es natürlich auch viel Auto, Bankberater und Familienrat müssen dennoch heftig schlucken. Und dann auch noch jährliche Wartung, alternativ alle 15.000 Kilometer hinnehmen.

Wertung

Wertung
Karosserie
Großzügiges Platzangebot, hohe Variabilität, vernünftige Zuladung, Verarbeitung/Materialien okay.
4/5 Punkten
Antrieb
Ausreichende Fahrleistungen, insgesamt nicht gerade spritziger, aber harmonischer Antrieb.
3,5/5 Punkten
Fahrdynamik
Sicher unterwegs, aber eher gemütlich und wenig sportlich. Bremse gut, Wendekreis groß.
3,5/5 Punkten
Connected Car
Apple CarPlay und Android Auto kabellos, Kartennavi Serie, Sprachassi nicht immer hellwach.
4/5 Punkten
Umwelt
Verhältnismäßig groß und schwer, CO2-Ausstoß durchschnittlich, kann als Vollhybrid rekuperieren.
2,5/5 Punkten
Komfort
Bequeme Sitze, brauchbare Federung, als Topmodell gut ausgestattet, dritte Reihe ungemütlich.
4/5 Punkten
Kosten
Verhältnismäßig teuer in Anschaffung und Unterhalt (Versicherung/Wartung), top Garantie.
2/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
3+
Stimmungsaufhellend wirken da zumindest die sieben Jahre Garantie (bis 150.000 Kilometer). Und vielleicht der Umstand, dass es zum Basispreis des Sorento 1.6 T-GDI AWD (ab 55.690 Euro) noch nicht mal einen deutlich kleineren (und auf A-Klasse-Technik basierenden) Mercedes GLB 250 4Matic mit 225 PS gibt, der kostet nämlich mindestens 59.161 Euro.

Bildergalerie

Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD
Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD
Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD
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Kia Sorento Hybrid im Test

Fazit

Der Sorento macht seine Sache auch als Vollhybrid ordentlich. Viel Platz und hohe Variabilität erfreuen Familien und Freizeitaktive. Wer sich auf den gemütlichen Antrieb einlässt, reist entspannt und nicht mal mit hohen Spritkosten. Nur der Preis ist beim Topmodell recht abgehoben.
AUTO BILD-Testnote: 3+