Kräftig, belastbar und genügsam – so wünscht sich wohl jeder Landwirt seine Erntehelfer. Und findet sie immer seltener. Das ist bei Autos anders: Da wird die Auswahl immer größer. Die kompakten Kombis sind so ein Beispiel: Nicht nur der VW Golf Variant 1.4 TSI erfüllt die Einstellungsbedingungen, sondern auch der neue Kia cee'd Sporty Wagon 2.0 CVVT. Und auf den ersten Blick steht fest: Diese beiden taugen für viel mehr als nur den Kürbis-Transport. Etwa für den gemütlichen Herbstausflug zu fünft. Vorn sitzen wir in beiden Kompakt-Kombis bequem, aber der Golf verdient sich wegen seiner gut ausgeformten Sitze und der besseren Materialqualität noch ein Sternchen extra. Hinten gibt es ebenfalls wenig Grund zu klagen.

Die Transportwertung geht an den kürzeren Kia

Selbst zu dritt kommt keine Platzangst auf. Golf-Reisende sitzen angenehm hoch und wegen der größeren Beinfreiheit sehr entspannt, für lange Kerls dürfte überm Scheitel aber ruhig noch eine Handbreit mehr Luft bleiben. Die gewährt uns der 21 Millimeter höhere cee'd, bei dem es um die Knie allerdings etwas enger wird und die Haltung mehr in Richtung Hocken abdriftet. Perfekt wäre hier die Mischung aus beiden Raumkonzepten. Die Transportwertung sichert sich dagegen eindeutig der Kia – obwohl er außen immerhin neun Zentimeter kürzer ausfällt. Das Motto der Koreaner: Große Klappe und viel dahinter. Die weit ins Heck reichende Ladeluke lässt sich auch in engen Lücken öffnen und erleichtert selbst Sperrguttransporte. Kartons und Kisten zwischen 534 und 1664 Liter gehen ohne Probleme mit – beim Golf liegen die Packmaße zwischen 505 und 1495 Liter. Die Verwandlung der geteilten Rückbank in eine ebene Ladefläche wird bei keinem der beiden zur Fummelei, beim Kia müssen allerdings die Kopfstützen entfernt werden – das kann der Golf eine Stufe besser.

Beim Fahren spielt der Golf seine Trümpfe aus

VW Golf Variant 1.4 TSI
Seine stärksten Trümpfe spielt der VW aber erst beim Fahren aus. Der 1,4-Liter-TSI schüttelt putzmuntere 140 PS aus den vier Zylindern, das dynamische Duo aus Turbolader und Kompressor sorgt in allen Drehzahllagen für mächtig Mumm. Dabei klingt der kleine Twincharger nur untenrum etwas rau, nach oben dreht er willig und fröhlich pfeifend aus. Wie perfekt der doppelt geladene Mini-Motor arbeitet, beweist der direkte Vergleich mit dem deutlich hubraumstärkeren Kia Sporty Wagon. Volle zwei Liter bemühen die Koreaner, um 143 PS an die Vorderräder schicken zu können. Im Sprint schlägt sich der spritzige Vierzylinder mehr als anständig. Auch wenn er beim Ausdrehen etwas lustloser wirkt und angestrengter knurrt, liegt er bis Tempo 100 sogar ein Zehntel vor dem Golf. Erst beim Überholen muss der Korea-Kombi den wieselflinken Golf ziehen lassen.
Die Erklärung dafür ist leicht gefunden. Während der cee'd seine 186 Nm Drehmoment erst bei 4600 Touren entwickelt, protzt der Golf schon bei 1500 Umdrehungen mit 220 Nm. Da kann die Sechsgangbox des Variant einmal öfter Pause machen – auch wenn sie mehr Spaß bereitet als die etwas hakelige Fünfgang-Schaltung im Kia. Auch in der Bewertung des Fahrwerks steht der Golf besser da. Die Abstimmung des Variant erlaubt dynamischen Familienvätern sowohl die Ausfahrt mit der Schwiegermutter als auch die flotte Sause mit den Kumpels vom Motorsport-Klub – und zwar ohne Beschwerden von irgendeiner Seite. Die meisten Straßenschäden werden souverän geschluckt, schnelle Kurven trotzdem mit Anstand gemeistert. Und wie beim Kia hält das serienmäßige ESP einen sicheren Kurs.

Der Sporty Wagon nimmt seinen Namen zu wörtlich

Kia ceed Sporty Wagon
Der Kia-Kombi überzeugt ebenfalls mit erstaunlicher Beweglichkeit – auch wenn seine Lenkung weniger feinfühlig wirkt als die des Golf und das Stabilitätsprogramm viel unsensibler ins Geschehen eingreift. Zudem geht die Sportlichkeit zu Lasten des Komforts. Der Beiname Sporty Wagon scheint bei den koreanischen Entwicklern leider zu sehr Programm gewesen zu sein. Insbesondere kurze Stöße kann der Golf-Kontrahent nur halbherzig filtern, seine Passagiere bekommen es zu spüren. Speziell der Langsamfahrkomfort erreicht absolut nicht das hohe Golf-Niveau – schade eigentlich: Denn Schwiegermama hatte sich mit dem cee'd gerade angefreundet. Schon deshalb, weil er die Familienkasse schont.
Seine schlechteren Versicherungs-Einstufungen bei Haftpflicht und Teilkasko sind da zwar Schönheitsfehler, die bessere Serienausstattung sowie großzügige fünf Jahre Vollgarantie summieren sich schon. Zumal die Schutzfrist beim Antriebsstrang – einschließlich Motor und Getriebe – sogar sieben Jahre gilt. Und dann ist Kias kompakter Kombi auch noch in der Anschaffung billiger. Der cee'd Sporty Wagon 2.0 EX kostet mit 20.700 Euro exakt 2000 Euro weniger als der VW Golf Variant 1.4 TSI Comfortline (22.700 Euro). Und für zwei Riesen muss ein fleißiger Landwirt schon etliche Kürbisse verkaufen.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Wie so oft geht der Golf aus einem Vergleich als Sieger hervor. Der komfortable, fahrsichere und geräumige Variant leistet sich einfach keine ernsthaften Schwächen. Die wirkliche Überraschung in diesem Vergleich liefert aber der Sporty Wagon von Kia. Obwohl noch Feinschliff an Federung und Verarbeitung nötig ist, empfiehlt sich der cee'd Kombi durchaus als ernst zu nehmende Alternative zum Golf Variant. Der Korea-Kombi schluckt jede Menge Gepäck, bietet einen vernünftigen Motor und kostet bei besserer Ausstattung weniger.