Wer glaubt, dass nur die Chinesen preiswerte Elektro-Kleinwagen bauen können, irrt. Auch die Koreaner – genauer gesagt Kia – haben mit dem EV2 ein solches Fahrzeug im Portfolio. Ab 26.600 Euro startet das Basismodell.
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Kia

EV2 42,2 kWh

Kia EV2
Das klingt zunächst gut, liegt aber weit entfernt von dem, was Kia für die von uns getestete Topversion GT-Line verlangt. Mindestens 36.890 Euro werden hier für ein Auto fällig, das mit seinem Design auch im Spielzeugladen für Furore sorgen könnte.

Viel Platz in Reihe zwei

Dabei misst der EV2 nur 4,06 Meter, bietet aber erstaunlich viel Platz für fünf Personen. Vor allem die Passagiere in der zweiten Reihe profitieren von der vertikal verschiebbaren Sitzfläche, die sich individuell anpassen lässt.
Kia EV2
Erstaunlich geräumig: Die Passagiere in der zweiten Reihe profitieren von der vertikal verschiebbaren Sitzfläche des Kia EV2.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Entsprechend klein fällt bei Platz bietender Bestuhlung das Gepäckabteil aus. Erst wenn die Rückbank bis an den Anschlag Richtung Vordersitze geschoben wird und der Fond praktisch nicht mehr nutzbar ist, stehen maximal 362 Liter Stauraum zur Verfügung.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Einbaulage
vorn
Spitzenleistung
108 kW (146 PS)
Dauerleistung
36 kW (49 PS)
maximales Drehmoment
250 Nm
Vmax
161 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
215/50 R 18 H
Reifentyp
Hankook iOn Evo EV
Radgröße
7 x 18"
Reichweite*
308 km
Verbrauch*
15,5 kWh/100 km
Batteriekapazität
42,2 kWh
Ladeleistung AC/DC
11/118 kW
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung)
29 Minuten
Ladeanschluss
vorn rechts
Fach unter Frontklappe
Serie
Vorbeifahrgeräusch
63 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
750/750 kg
Stützlast
100 kg
Kofferraumvolumen
362–1201 l
Länge/Breite/Höhe
4060/1800–k. A**/1575 mm
Radstand
2565 mm
Grundpreis
26.600 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
36.300 Euro
Grundsätzlich wäre das kein Problem, denn Kia sieht den EV2 vor allem als Stadtauto. Allerdings liegt genau hier der Denkfehler der Koreaner: Nur wenige Menschen werden bereit sein, fast 37.000 Euro für ein Fahrzeug auszugeben, das überwiegend für den Stadtverkehr gedacht ist.

Die WLTP-Reichweite schafft der EV2 nicht

Blenden wir den Preis kurz aus und schauen uns an, was der EV2 GT-Line sonst zu bieten hat. Verbaut ist hier der kleine 42,2-kWh-Akku, der theoretisch bis zu 308 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Nach unseren Messungen bleibt das allerdings Wunschdenken.
Kia EV2
Im Testdurchschnitt genehmigte sich der EV2 17,7 kWh/100 km. Daraus ergibt sich eine maximale Reichweite von 238 Kilometern.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auf unserer 155 Kilometer langen Testrunde im Drittelmix ermittelten wir einen Durchschnittsverbrauch von 17,7 kWh. Daraus ergibt sich eine maximale Reichweite von 238 Kilometern. Gemessen wurde bei einer Außentemperatur von 17 Grad Celsius – also unter Idealbedingungen für die Batterie.
Noch geringer fällt die Reichweite auf der Autobahn aus. Hier kann der Fahrer bei einem Verbrauch von 21,3 kWh nach unseren Messungen mit maximal 198 Kilometern rechnen, bevor der nächste Ladestopp fällig wird.
Kia EV2
Der Kia EV2 füllt seinen 42,2-kWh-Akku mit maximal 118 kW Ladestrom. Von 10 auf 80 Prozent ist der Stromspeicher in 29 Minuten geladen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Geladen wird dank 400-Volt-Architektur mit bis zu 118 kW. So steigt der Batteriestand in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Die letzten 20 Prozent benötigen deutlich mehr Zeit. Knapp 40 Minuten dauert eine Vollladung, weil die Ladeleistung zum Schutz des Akkus auf etwa 23 kW reduziert wird

One-Pedal-Driving bis zum Stillstand

Natürlich sammelt der EV2 über Rekuperation auch Energie ein. Die Stärke der Energierückgewinnung lässt sich über die Schaltwippen am Lenkrad manuell in vier Stufen einstellen. Wer es komfortabler mag, nutzt die i-Pedal-Funktion.
Das "intelligente" System ermöglicht sogenanntes One-Pedal-Driving und macht den Griff zur Bremse weitgehend überflüssig. Das funktioniert sogar im Rückwärtsgang. Positiv: Das System speichert die zuletzt gewählte Einstellung, sodass der Fahrer genau in dem Modus startet, in dem er das Fahrzeug abgestellt hat.

Ladepunkte werden in die Route integriert

Wer mit dem EV2 auf Reisen gehen möchte, bekommt vom integrierten EV-Routenplaner passende Ladestationen entlang der Strecke vorgeschlagen. Erkennt das System, dass die Energie bis zum Ziel nicht ausreicht, werden Ladepunkte automatisch in die Route integriert.
Kia EV2
Übervorsichtige Reichweitenanzeige: Bereits bei 27 Prozent Akkustand mahnt das System zum Ladestopp.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Nach welchen Kriterien das geschieht, blieb im Test allerdings unklar. Fakt ist: Bereits bei 27 Prozent Akkustand mahnt das System recht eindringlich, den Ladestopp bald einzulegen.

Fahrleistungen absolut ausreichend

Fahrdynamisch zeigt sich der EV2 durchaus ausgereift. In der GT-Line leistet der E-Motor 135 PS und schickt 250 Newtonmeter Drehmoment an die Vorderachse. Einen Sportwagen ersetzt das kleine E-Auto damit nicht, aber an der Ampel steht er keineswegs schlecht da.
Kia EV2
Zügig unterwegs: Auf Tempo ist der EV2 in 8,6 Sekunden, maximal sind 161 km/h drin. Dabei bleibt der Kia angenehm leise.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Nach Auto-BILD-Messungen geht es in flotten 8,6 Sekunden auf Tempo 100. Wer auf der Autobahn mitschwimmen möchte, kann das bis 160 km/h tun. Bemerkenswert: Selbst bei höherem Tempo hält sich der Kia mit Windgeräuschen angenehm zurück.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,3 s
0–80 km/h
6,0 s
0–100 km/h
8,6 s
0–130 km/h
14,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,6 s
80–120 km/h
6,3 s
Leergewicht/Zuladung
1622/398 kg
Gewichtsverteilung v./h.
58/42 %
Wendekreis links/rechts
10,8/10,9 m
Sitzhöhe
645 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,3 m
aus 100 km/h warm
35,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A)
bei 100 km/h
65 dB(A)
bei 130 km/h
69 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
12,7 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
17,7 kWh/100 km
(+14 %)
Sportverbrauch
21,3 kWh/100 km
CO2 (Testverbrauch)
0 g/km
Über den Fahrmodusschalter am Lenkrad stehen vier Programme zur Wahl: Eco, Normal, Sport und Snow. Viel Erklärung braucht es dazu nicht. Die Modi sprechen für sich, müssen aber immer im Kontext eines frontgetriebenen, 1,7 Tonnen schweren Fahrzeugs mit 135 PS gesehen werden. Wichtig sind vor allem Eco zur Reichweitenoptimierung und Snow für bessere Traktion auf glatter Fahrbahn. Sport sorgt für ein direkteres Ansprechverhalten und eine etwas straffere Lenkung.
Tatsächlich wirkt der EV2 auch ohne Sport-Modus erstaunlich agil. Das griffige Lenkrad arbeitet feinfühlig, und selbst in schnellen Kurven bleibt die Karosserie ruhig. Auch das Fahrwerk überzeugt. Federn und Dämpfer sind komfortabel abgestimmt und halten Unebenheiten weitgehend vom Innenraum fern. Selbst kurze harte Stöße werden sauber weggefiltert – trotz der in der GT-Line montierten 19-Zoll-Räder.

GT-Line bietet eine wohnliche Atmosphäre

Die elektrisch verstellbaren Sitze sind zwar wenig konturiert und bieten kaum Seitenhalt, bleiben aber auch auf längeren Strecken angenehm. Überhaupt hat sich Kia im Innenraum viel Mühe gegeben, dem EV2 eine wohnliche Atmosphäre zu verleihen. Gerade in der GT-Line sind Türverkleidungen und Armaturenbrett mit Stoff bezogen. In den Türgriffen findet sich der Schriftzug "Have a nice Day", auf der Türbrüstung leuchtet ein Smiley neben dem Wort "Hallo". Kleine Details, die sympathisch wirken, funktional aber keine Rolle spielen.
Kia EV2
Hübsch gemacht: Der Arbeitsplatz des Fahrers ist gemütlich eingerichtet. In der GT-Line-Ausstattung sind Türverkleidungen und Armaturenbrett mit Stoff bezogen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wichtiger sind da schon die haptischen Tasten der Menüleiste oder der manuelle Lautstärkeregler in Walzenform. Ebenfalls positiv: die separaten Bedientasten für die Klimaanlage. Das ist intuitiv und angenehm, ändert aber nichts daran, dass die meisten Fahrzeugfunktionen weiterhin über das Zentraldisplay gesteuert werden.
Kia EV2
Erleichtert die Bedienung enorm: Im EV2 gibt es noch viele echte Schalter und Tasten – das sorgt für wenig Ablenkung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das führt zum einen dazu, dass der Aufmerksamkeitswarner ständig Alarm schlägt, weil der Fahrer zu oft auf das Display schaut. Zum anderen wächst der Frust, weil man sich zunehmend damit beschäftigt, die bevormundenden Assistenzsysteme abzuschalten. Doch das gelingt nur über eine wenig intuitive Menüführung mit zahlreichen Untermenüs. Schade eigentlich, denn der erste Eindruck des 12,3-Zoll-TFT-Displays wirkt aufgeräumt und modern.

Wertung Kia EV2

Wertung Kia EV2
Karosserie
Hohe Variabilität dank verschiebbarer Rückbank, kleiner Frunk (15 l), maximal 750 kg Anhängelast.
3 / 5
Antrieb
Mit 160 km/h schnell genug, mäßige Ladeleistung, gute Verbrauchswerte, geringe Reichweite.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Angenehm agil, kann sogar Fahrspaß bringen. Gute Bremsen, geringe Dauerleistung.
3,5 / 5
Connected Car
Großes Zentraldisplay, gut erreichbar, mit großen Kacheln gut zu bedienen, verschachtelte Menüs.
3 / 5
Umwelt
Kleine Verkehrsfläche, gute Raumausnutzung, geringes Gewicht. Recycelte Rohstoffe verbaut.
4 / 5
Komfort
Komfortabler Einstieg, angenehme Sitzposition, üppige Ausstattung, ausgewogenes Fahrverhalten.
3,5 / 5
Kosten
Hoher Wiederverkaufswert (Schwacke), sieben Jahre Garantie, Preis des Testwagens recht hoch.
3,5 / 5
AUTO BILD-Testnote
1,7
Auch andere Assistenzsysteme hinterlassen gemischte Gefühle. Immerhin lässt sich der Spurhalte- und Lenkassistent per langem Druck auf die entsprechende Lenkradtaste deaktivieren, damit er nicht permanent ins Lenkrad greift. Besser funktioniert der EV2 im Stop-and-Go-Verkehr. Hier folgt er vorausfahrenden Fahrzeugen zuverlässig, hält den Abstand, bremst bis zum Stillstand und fährt selbstständig wieder an.
Richtig gut gelungen ist der Totwinkelassistent. Unterstützt von Kameras in den Außenspiegeln blendet das System den nicht sichtbaren Bereich beim Setzen des Blinkers direkt im ebenfalls 12,3 Zoll großen Fahrerdisplay ein.

Testwagenpreis bei knapp 37.000 Euro

Am Ende kann man über die Optik des Kia EV2 diskutieren. Fahrtechnisch präsentiert sich das Auto jedoch erstaunlich ausgereift. Vielleicht ließe sich sogar der Einstiegspreis von 26.600 Euro noch rechtfertigen. Doch selbst dann stellt sich mit Blick auf die Reichweite die Frage, ob das nicht bereits zu viel Geld ist.
Kia EV2
Für den EV2 verlangt Kia mindestens 26.600 Euro. Inklusive aller testrelevanten Extras und GT-Line-Ausstattung steigt der Preis auf stolze 36.300 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Bei knapp 37.000 Euro für die GT-Line erübrigt sich die Diskussion eigentlich von selbst. Da hilft es auch nur bedingt, dass Kia sieben Jahre Garantie und acht Jahre auf die Batterie gewährt.

Fazit

von AUTO BILD
Wer überwiegend in der Stadt oder auf der Kurzstrecke unterwegs ist, kann mit dem Kia EV2 durchaus glücklich werden. Das Platzangebot überzeugt, die Fahreigenschaften ebenfalls. Die Ladeleistung hängt vor allem vom persönlichen Zeitmanagement ab. Damit ist der Einsatzbereich allerdings klar definiert: Für lange Strecken ist der EV2 nur bedingt geeignet. AUTO BILD-Testnote: 1,7