Kia EV2 GT-Line: Test
Nur sein Preis könnte dem Kia EV2 GT-Line den Stecker ziehen

Der Kia EV2 GT-Line fährt erstaunlich gut, bietet viel Platz und moderne Technik. Doch spätestens beim Preis könnten viele schon vorher den Stecker ziehen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wer glaubt, dass nur die Chinesen preiswerte Elektro-Kleinwagen bauen können, irrt. Auch die Koreaner – genauer gesagt Kia – haben mit dem EV2 ein solches Fahrzeug im Portfolio. Ab 26.600 Euro startet das Basismodell.
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Das klingt zunächst gut, liegt aber weit entfernt von dem, was Kia für die von uns getestete Topversion GT-Line verlangt. Mindestens 36.890 Euro werden hier für ein Auto fällig, das mit seinem Design auch im Spielzeugladen für Furore sorgen könnte.
Viel Platz in Reihe zwei
Dabei misst der EV2 nur 4,06 Meter, bietet aber erstaunlich viel Platz für fünf Personen. Vor allem die Passagiere in der zweiten Reihe profitieren von der vertikal verschiebbaren Sitzfläche, die sich individuell anpassen lässt.

Erstaunlich geräumig: Die Passagiere in der zweiten Reihe profitieren von der vertikal verschiebbaren Sitzfläche des Kia EV2.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Entsprechend klein fällt bei Platz bietender Bestuhlung das Gepäckabteil aus. Erst wenn die Rückbank bis an den Anschlag Richtung Vordersitze geschoben wird und der Fond praktisch nicht mehr nutzbar ist, stehen maximal 362 Liter Stauraum zur Verfügung.
Fahrzeugdaten
Modell | Kia EV2 |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 108 kW (146 PS) |
Dauerleistung | 36 kW (49 PS) |
maximales Drehmoment | 250 Nm |
Vmax | 161 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/50 R 18 H |
Reifentyp | Hankook iOn Evo EV |
Radgröße | 7 x 18" |
Reichweite* | 308 km |
Verbrauch* | 15,5 kWh/100 km |
Batteriekapazität | 42,2 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11/118 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | 29 Minuten |
Ladeanschluss | vorn rechts |
Fach unter Frontklappe | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 63 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/750 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 362–1201 l |
Länge/Breite/Höhe | 4060/1800–k. A**/1575 mm |
Radstand | 2565 mm |
Grundpreis | 26.600 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 36.300 Euro |
Grundsätzlich wäre das kein Problem, denn Kia sieht den EV2 vor allem als Stadtauto. Allerdings liegt genau hier der Denkfehler der Koreaner: Nur wenige Menschen werden bereit sein, fast 37.000 Euro für ein Fahrzeug auszugeben, das überwiegend für den Stadtverkehr gedacht ist.
Die WLTP-Reichweite schafft der EV2 nicht
Blenden wir den Preis kurz aus und schauen uns an, was der EV2 GT-Line sonst zu bieten hat. Verbaut ist hier der kleine 42,2-kWh-Akku, der theoretisch bis zu 308 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Nach unseren Messungen bleibt das allerdings Wunschdenken.

Im Testdurchschnitt genehmigte sich der EV2 17,7 kWh/100 km. Daraus ergibt sich eine maximale Reichweite von 238 Kilometern.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auf unserer 155 Kilometer langen Testrunde im Drittelmix ermittelten wir einen Durchschnittsverbrauch von 17,7 kWh. Daraus ergibt sich eine maximale Reichweite von 238 Kilometern. Gemessen wurde bei einer Außentemperatur von 17 Grad Celsius – also unter Idealbedingungen für die Batterie.
Noch geringer fällt die Reichweite auf der Autobahn aus. Hier kann der Fahrer bei einem Verbrauch von 21,3 kWh nach unseren Messungen mit maximal 198 Kilometern rechnen, bevor der nächste Ladestopp fällig wird.

Der Kia EV2 füllt seinen 42,2-kWh-Akku mit maximal 118 kW Ladestrom. Von 10 auf 80 Prozent ist der Stromspeicher in 29 Minuten geladen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Geladen wird dank 400-Volt-Architektur mit bis zu 118 kW. So steigt der Batteriestand in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Die letzten 20 Prozent benötigen deutlich mehr Zeit. Knapp 40 Minuten dauert eine Vollladung, weil die Ladeleistung zum Schutz des Akkus auf etwa 23 kW reduziert wird
One-Pedal-Driving bis zum Stillstand
Natürlich sammelt der EV2 über Rekuperation auch Energie ein. Die Stärke der Energierückgewinnung lässt sich über die Schaltwippen am Lenkrad manuell in vier Stufen einstellen. Wer es komfortabler mag, nutzt die i-Pedal-Funktion.
Das "intelligente" System ermöglicht sogenanntes One-Pedal-Driving und macht den Griff zur Bremse weitgehend überflüssig. Das funktioniert sogar im Rückwärtsgang. Positiv: Das System speichert die zuletzt gewählte Einstellung, sodass der Fahrer genau in dem Modus startet, in dem er das Fahrzeug abgestellt hat.
Ladepunkte werden in die Route integriert
Wer mit dem EV2 auf Reisen gehen möchte, bekommt vom integrierten EV-Routenplaner passende Ladestationen entlang der Strecke vorgeschlagen. Erkennt das System, dass die Energie bis zum Ziel nicht ausreicht, werden Ladepunkte automatisch in die Route integriert.

Übervorsichtige Reichweitenanzeige: Bereits bei 27 Prozent Akkustand mahnt das System zum Ladestopp.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Nach welchen Kriterien das geschieht, blieb im Test allerdings unklar. Fakt ist: Bereits bei 27 Prozent Akkustand mahnt das System recht eindringlich, den Ladestopp bald einzulegen.
Fahrleistungen absolut ausreichend
Fahrdynamisch zeigt sich der EV2 durchaus ausgereift. In der GT-Line leistet der E-Motor 135 PS und schickt 250 Newtonmeter Drehmoment an die Vorderachse. Einen Sportwagen ersetzt das kleine E-Auto damit nicht, aber an der Ampel steht er keineswegs schlecht da.

Zügig unterwegs: Auf Tempo ist der EV2 in 8,6 Sekunden, maximal sind 161 km/h drin. Dabei bleibt der Kia angenehm leise.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Nach Auto-BILD-Messungen geht es in flotten 8,6 Sekunden auf Tempo 100. Wer auf der Autobahn mitschwimmen möchte, kann das bis 160 km/h tun. Bemerkenswert: Selbst bei höherem Tempo hält sich der Kia mit Windgeräuschen angenehm zurück.
Messwerte
Modell | Kia EV2 |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,3 s |
0–80 km/h | 6,0 s |
0–100 km/h | 8,6 s |
0–130 km/h | 14,6 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,6 s |
80–120 km/h | 6,3 s |
Leergewicht/Zuladung | 1622/398 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 58/42 % |
Wendekreis links/rechts | 10,8/10,9 m |
Sitzhöhe | 645 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,3 m |
aus 100 km/h warm | 35,4 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 12,7 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 17,7 kWh/100 km (+14 %) |
Sportverbrauch | 21,3 kWh/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 0 g/km |
Über den Fahrmodusschalter am Lenkrad stehen vier Programme zur Wahl: Eco, Normal, Sport und Snow. Viel Erklärung braucht es dazu nicht. Die Modi sprechen für sich, müssen aber immer im Kontext eines frontgetriebenen, 1,7 Tonnen schweren Fahrzeugs mit 135 PS gesehen werden. Wichtig sind vor allem Eco zur Reichweitenoptimierung und Snow für bessere Traktion auf glatter Fahrbahn. Sport sorgt für ein direkteres Ansprechverhalten und eine etwas straffere Lenkung.
Tatsächlich wirkt der EV2 auch ohne Sport-Modus erstaunlich agil. Das griffige Lenkrad arbeitet feinfühlig, und selbst in schnellen Kurven bleibt die Karosserie ruhig. Auch das Fahrwerk überzeugt. Federn und Dämpfer sind komfortabel abgestimmt und halten Unebenheiten weitgehend vom Innenraum fern. Selbst kurze harte Stöße werden sauber weggefiltert – trotz der in der GT-Line montierten 19-Zoll-Räder.
GT-Line bietet eine wohnliche Atmosphäre
Die elektrisch verstellbaren Sitze sind zwar wenig konturiert und bieten kaum Seitenhalt, bleiben aber auch auf längeren Strecken angenehm. Überhaupt hat sich Kia im Innenraum viel Mühe gegeben, dem EV2 eine wohnliche Atmosphäre zu verleihen. Gerade in der GT-Line sind Türverkleidungen und Armaturenbrett mit Stoff bezogen. In den Türgriffen findet sich der Schriftzug "Have a nice Day", auf der Türbrüstung leuchtet ein Smiley neben dem Wort "Hallo". Kleine Details, die sympathisch wirken, funktional aber keine Rolle spielen.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wichtiger sind da schon die haptischen Tasten der Menüleiste oder der manuelle Lautstärkeregler in Walzenform. Ebenfalls positiv: die separaten Bedientasten für die Klimaanlage. Das ist intuitiv und angenehm, ändert aber nichts daran, dass die meisten Fahrzeugfunktionen weiterhin über das Zentraldisplay gesteuert werden.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das führt zum einen dazu, dass der Aufmerksamkeitswarner ständig Alarm schlägt, weil der Fahrer zu oft auf das Display schaut. Zum anderen wächst der Frust, weil man sich zunehmend damit beschäftigt, die bevormundenden Assistenzsysteme abzuschalten. Doch das gelingt nur über eine wenig intuitive Menüführung mit zahlreichen Untermenüs. Schade eigentlich, denn der erste Eindruck des 12,3-Zoll-TFT-Displays wirkt aufgeräumt und modern.
Wertung Kia EV2
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Hohe Variabilität dank verschiebbarer Rückbank, kleiner Frunk (15 l), maximal 750 kg Anhängelast. | 3 / 5 |
Antrieb | Mit 160 km/h schnell genug, mäßige Ladeleistung, gute Verbrauchswerte, geringe Reichweite. | 3,5 / 5 |
Fahrdynamik | Angenehm agil, kann sogar Fahrspaß bringen. Gute Bremsen, geringe Dauerleistung. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Großes Zentraldisplay, gut erreichbar, mit großen Kacheln gut zu bedienen, verschachtelte Menüs. | 3 / 5 |
Umwelt | Kleine Verkehrsfläche, gute Raumausnutzung, geringes Gewicht. Recycelte Rohstoffe verbaut. | 4 / 5 |
Komfort | Komfortabler Einstieg, angenehme Sitzposition, üppige Ausstattung, ausgewogenes Fahrverhalten. | 3,5 / 5 |
Kosten | Hoher Wiederverkaufswert (Schwacke), sieben Jahre Garantie, Preis des Testwagens recht hoch. | 3,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,7 |
Auch andere Assistenzsysteme hinterlassen gemischte Gefühle. Immerhin lässt sich der Spurhalte- und Lenkassistent per langem Druck auf die entsprechende Lenkradtaste deaktivieren, damit er nicht permanent ins Lenkrad greift. Besser funktioniert der EV2 im Stop-and-Go-Verkehr. Hier folgt er vorausfahrenden Fahrzeugen zuverlässig, hält den Abstand, bremst bis zum Stillstand und fährt selbstständig wieder an.
Richtig gut gelungen ist der Totwinkelassistent. Unterstützt von Kameras in den Außenspiegeln blendet das System den nicht sichtbaren Bereich beim Setzen des Blinkers direkt im ebenfalls 12,3 Zoll großen Fahrerdisplay ein.
Testwagenpreis bei knapp 37.000 Euro
Am Ende kann man über die Optik des Kia EV2 diskutieren. Fahrtechnisch präsentiert sich das Auto jedoch erstaunlich ausgereift. Vielleicht ließe sich sogar der Einstiegspreis von 26.600 Euro noch rechtfertigen. Doch selbst dann stellt sich mit Blick auf die Reichweite die Frage, ob das nicht bereits zu viel Geld ist.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Bei knapp 37.000 Euro für die GT-Line erübrigt sich die Diskussion eigentlich von selbst. Da hilft es auch nur bedingt, dass Kia sieben Jahre Garantie und acht Jahre auf die Batterie gewährt.
Fazit
Wer überwiegend in der Stadt oder auf der Kurzstrecke unterwegs ist, kann mit dem Kia EV2 durchaus glücklich werden. Das Platzangebot überzeugt, die Fahreigenschaften ebenfalls. Die Ladeleistung hängt vor allem vom persönlichen Zeitmanagement ab. Damit ist der Einsatzbereich allerdings klar definiert: Für lange Strecken ist der EV2 nur bedingt geeignet. AUTO BILD-Testnote: 1,7
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