Koreaner bauen praktische Autos. Günstig, geräumig, genügsam und mit jeder Menge Garantien. Lust und Laune, Fahrspaß und Frohsinn können sie eher nicht, vom Image mal ganz zu schweigen. So weit, zusammengefasst, ein paar gepflegte Vorurteile. Spätestens mit dem Wirken der deutschen Designer Peter Schreyer und Thomas Bürkle bei Kia und Hyundai verblassen solche Klischees jedoch zunehmend. Autos aus Korea können gut aussehen, verdammt gut sogar. Für die Formgestaltung – und zwar innen und außen – von Hyundai i30 oder i40, Kia Venga oder Soul gibt es nicht nur von AUTO BILD viel Lob.

Schon volle sechs Jahre hat der Scirocco auf dem Coupé-Buckel

VW Scirocco
Wirkt fast schon etwas angegraut: Der VW Scirocco läuft bereits seit sechs Jahren vom Band.
Die Form stimmt also inzwischen, weniger begeistert waren wir jedoch weiterhin von Motoren und Fahrwerken. Ordentliche Technik, gewiss, besonders im direkten Vergleichen mit den Deutschen attestierten wir aber stets Nachholbedarf. So ist die Lage. Und jetzt kommt Kia mit einem Auto wie dem pro_cee'd GT. Mit einem 204-PS-Turbo unter der Haube und optisch auf Krawall gebürstet. Dieser Auftritt macht klar: Hier will es jemand ganz genau wissen. Das kann spannend werden, denn VW hat als Gegner nur den angegrauten, inzwischen sechs Jahre alten Scirocco im Angebot. Doch, doch, sie bauen ihn noch, auch wenn man ihn selten sieht. Hier ist er mit dem Zweiliter-TSI und 210 PS dabei. Zur genauen Standortbestimmung des Kia fährt auch noch der Opel Astra GTC mit. Jetzt vom neuen, modernen 1,6-Liter-Turbo mit 200 PS befeuert, formal dem Kia überraschend ähnlich.
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Der Look des Kia lässt keinen Zweifel an seiner Mission

Kia Pro cee'd
Klare Kante: Der Kia Pro cee'd GT setzt mit seiner Optik sehr deutlich auf Angriff – zu Recht übrigens.
Den pro_cee'd hat Kia mit jeder Menge Schwellern, Schürzen und Spoilern ausgerüstet. Vorn gibt es dazu zweimal vier eckige, auffällige Strahler mit Leuchtdioden, hinten zwei Endrohre, dazu 18-Zoll-Leichtmetallräder, rot lackierte Bremssättel und manches mehr. Das alles wirkt etwas überzeichnet – Fans werden es gerade deshalb mögen. Auf genau dieser Klaviatur spielt Kia beim Cockpit weiter. Viel Klavierlack, viele Softtouch-Oberflächen, hier und dort etwas Leder und allerlei Chromeinfassungen – es macht Spaß, das anzuschauen. Eine schöne Show bietet auch das hochauflösende Sieben-Zoll-Display in der Instrumentenmitte. Dort lässt sich der Tacho entweder analog – als Rundinstrument – oder digital in leuchtend gelben Ziffern einspielen, dann gibt es putzige Anzeigen für Drehmoment und Ladedruck dazu. Wie gesagt, vielleicht etwas übertrieben, es wirkt aber nicht aufgesetzt und wird jüngeren oder jung gebliebenen Leuten gefallen. Umso besser, dass hinter der schicken Optik auch ein durchdachtes Bedienkonzept steckt – Bordcomputer oder Hi-Fi und Navi lassen sich mühelos einstellen.
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Der Kia verfügt dazu über reichlich Platz und erstklassige Recaros mit viel Seitenhalt vorn, im Fond ist er sogar knapp der Geräumigste – selbst Erwachsene überstehen dort längere Strecken schmerzfrei.  Davon kann im Scirocco nicht die Rede sein, zumindest Freunden möchte man die kargen Platzverhältnisse dort nicht zumuten. Vorn fühlt man sich dagegen wohl, die strammen Sportsitze und die tiefe Position passen bestens.

Beim Opel fällt nach wie vor das Bedienkonzept auf

Opel Astra
Der Opel ist dem Kia formal überraschend ähnlich. Leider wiegt er mehr und ist schwerer zu bedienen.
Eingerichtet ist der Scirocco mit der typischen VW-Ernsthaftigkeit. Das Cockpit ist natürlich tadellos bedienbar und ordentlich verarbeitet, aber eben auch nüchtern und emotionslos gebaut. Zu so einem Auto würde etwas mehr Verwegenheit passen. Traut Euch mal, VW. Und wir hätten noch eine Aufgabe. Der Scirocco ist – mehr noch als die beiden anderen – unübersichtlich, die Sicht schräg nach hinten und direkt rückwärts einfach nur eine Zumutung. Das wäre allerdings auch eine Aufgabe für die Opel-Ingenieure, beim Astra GTC sieht es nicht viel besser aus. Der Opel ist ähnlich geräumig wie der Kia, im Fond sind selbst größere Leute anständig untergebracht. Vorn empfehlen wir wie stets die wunderbar bequemen Sportsitze mit AGR-Gütesiegel (Aktion Gesunder Rücken e. V., 685 Euro). Weniger schön sind die vielen kleinen Tasten auf der Mittelkonsole und die verschachtelten Menüs zur Steuerung von Hi-Fi, Navi und einigen Fahrzeugfunktionen. Bei den neueren Modellen hat Opel dieses antiquierte Bedienkonzept ja auch aussortiert.
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Weitere Details zu den drei Coupé-Konkurrenten gibt es in der Bildergalerie.

Fazit

Überraschung perfekt – der Kia liegt klar vor dem VW, auch der Opel hat keine Chance. Das Ergebnis ist umso bemerkenswerter, weil es nicht um Kleinwagen oder Kombis geht, wo man den Koreanern solche Erfolge eher zutraut. Sondern um Sport und Spaß. Und den kann man mit dem Kia haben. Der VW fährt hier zwar eindeutig am besten, ist aber schlichtweg zu teuer, viel zu teuer. Der Opel ist mit dem neuen Motor besser als früher, kommt aber an den Kia nicht heran.