Wie lädt man das E-Auto in engen Innenstädten? Für Ladesäulen ist nicht überall Platz – und das Laden an der eigenen Steckdose ist nicht erlaubt, wenn das Stromkabel dafür über den Bürgersteig verläuft. Das sind die beiden größten Hindernisse fürs Elektroauto-Laden in städtischer Umgebung.
Seit einiger Zeit lässt der neuartige "Ladebordstein" des Herstellers Rheinmetall aufhorchen: Auf Bordsteinhöhe ermöglicht er das Laden mit bis zu 22 kW. Der Technikkonzern plant nun mit dem Dienstleister für Ladeinfrastruktur TankE eine strategische Partnerschaft, um die Ladebordsteine in großem Stil in die Städte zu bringen.
Die Technik stammt von Rheinmetall. Im Gegenzug will TankE, eine Tochter des Kölner Energieversorgers Rheinenergie, Ladeanlagen in den Städten planen, installieren und betreiben. Konkrete Standorte stehen bislang noch nicht fest.

Wo kann man bereits am Ladebordstein laden?

Der Unterschied durch den Ladebordstein: Er spart die komplette Ladesäule ein, stattdessen stöpselt man das Ladekabel vom E-Auto direkt in eine Steckdose im Boden an. Die ersten sind in Düsseldorf, Dortmund und im Kölner Raum im öffentlichen Einsatz installiert – Nutzer zeigen sich begeistert. Nach dem erfolgreichen Abschluss mehrerer Pilotprojekte im Ballungsraum Köln/Bonn ist die Ladelösung vom Straßenrand serienreif. Die Stadtwerke Düsseldorf sind bereits Kunde: 20 Stück gingen bis Ende 2025 in Betrieb. Die ersten sind in der Derendorfer Allee 19-21 nördlich vom Zentrum installiert. Auch in Dortmund, Köln, Neuss und Nörvenisch sind bereits welche in Betrieb.
Rückmeldungen von Nutzern zeigen: "Die Frequentierung ist sehr hoch", so ein Stadtwerke-Mitarbeiter gegenüber der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Die hohe Qualität und gute Zugänglichkeit werden als großer Vorteil wahrgenommen. Nachteilig hingegen sei, dass die Anschaffungskosten höher sind als bei klassischen Ladestationen. Das wird jedoch durch geringere Betriebskosten kompensiert, zumal sie weniger anfällig für Störungen und Vandalismus sind.

Typ-2-Ladekabel im Vergleich

Redaktionstipp
Alternative
Vielseitig
Preistipp
Mennekes
36247
Lapp Mobility
61792
Juice
Booster 2 Deutschland (EL-JB2E2)
GreenCell
EV11
Mennekes
36292
Lapp Mobility
65311
Lapp Mobility
61790
Mennekes
36245
Amazon Logo
Amazon Logo
Amazon Logo
Amazon Logo
Amazon Logo
Amazon Logo
Amazon Logo
Amazon Logo
7,5 Meter
7 Meter
5 Meter, verlängerbar auf bis zu 25 Meter
5 Meter
4 Meter
10 Meter
7 Meter
7,5 Meter
3,5 Kilogramm
3,01 Kilogramm
4,1 Kilogramm
2,4 Kilogramm
2,87 kg
4,79 Kilogramm
1,85 Kilogramm
2,73 Kilogramm
22 Kilowatt
22 Kilowatt
22 Kilowatt
11 Kilowatt
11 Kilowatt
22 Kilowatt
11 Kilowatt
11 Kilowatt
32 Ampere
32 Ampere
32 Ampere
16 Ampere
20 Ampere
32 Ampere
20 Ampere
20 Ampere
3-phasig
3-phasig
3-phasig
3-phasig
3-phasig
3-phasig
3-phasig
3-phasig
  • 3,5 Kilogramm leicht, 7,5 Meter lang
  • Bis zu 22 Kilowatt Ladeleistung
  • 3 Kilogramm leicht, 7 Meter lang
  • Bis zu 22 Kilowatt Ladeleistung
  • Geschützt nach IP55
  • Viele Adapter im Lieferumfang
  • Bis zu 22 kW Ladeleistung
  • 2,4 Kilogramm leicht
  • Für 11-Kilowatt-Laden geeignet
  • Kompakt durch Spiralform
  • Für 11-Kilowatt-Laden geeignet
  • Lädt mit bis zu 22 Kilowatt
  • Mit 10 Metern auch für größere Fahrzeuge lang genug
  • Geschützt nach IP55
  • Für 11-Kilowatt-Laden geeignet
  • Mit knapp 1,9 Kilogramm leicht, 7 Meter lang
  • 2,7 Kilogramm leicht, 7,5 Meter lang
  • Für 11-Kilowatt-Laden geeignet
  • Nur Spritzwasserschutz (IP44)
    • Teuer
    • Nur 5 Meter lang, aber verlängerbar
    • Nur 5 Meter lang
    • Lädt nicht mit 22 Kilowatt
    • Lädt nicht mit 22 Kilowatt
    • Nur nach IP20 geschützt
    • Knapp 4,8 Kilogramm schwer
    • Lädt nicht mit 22 Kilowatt
    • Nur Spritzwasserschutz (IP44)
    • Lädt nicht mit 22 Kilowatt
    Ein Pilotprojekt in Köln-Lindenthal mit vier solcher Lademöglichkeiten auf Gehweghöhe hat binnen eines Jahres rund 2800 erfolgreiche Ladevorgänge ermöglicht. Auch bei Wind und Wetter bewiesen die Ladebordsteine ihre Praxistauglichkeit, waren zu 99 Prozent verfügbar. Mit Abschluss des Feldversuchs bleiben die elektrischen Bordsteine weiterhin in Betrieb.
    Betrieben werden die direkt in die Bordsteinkante integrierten Ladestationen in Köln vom Ladeinfrastruktur-Anbieter TankE, gefördert von der Stadt Köln. Ein weiteres Projekt in Nörvenich und Eschweiler unterstützt der Energiedienstleister Westenergie. Die dortigen Ladebordsteine liefern Strom mit 11 kW Leistung.

    Wie verlief ein Feldversuch?

    Rheinmetall hat nach dem einjährigen Feldversuch in Köln viele Kunden befragt, die den Ladebordstein für ihr E-Auto nutzten. 100 Nutzer lieferten ein "positives Stimmungsbild". Gelobt wurden Platzersparnis, weniger Vandalismus und einfache Nutzbarkeit. Einziger Kritikpunkt: Ladesäulen sieht man zumeist schon von Weitem, den unauffälligen Ladebordstein hingegen mussten Kunden oft suchen. Hier wirkt sich der geringe Platzbedarf der Ladebordsteine als Nachteil aus – sie werden übersehen.
    Gibt es Probleme mit Schmutz oder Hinterlassenschaften von Hunden? Für die befragten Ladekunden offenbar kein Thema. Die Sauberkeit der Steckdose war Gegenstand von Kritik, allerdings nur relativ selten. Das liegt auch an der ausgeklügelten Abdeckung: Ist sie entsperrt, lässt sie sich mit dem Typ-2-Stecker vom Elektroauto-Ladekabel aufschieben – ohne mit der Hand den Ladebordstein zu berühren. Einzelne Kunden hielten die Beleuchtung für unzureichend. Doch letztendlich fand in beiden Punkten die große Mehrheit der Befragten die Ladebordsteine "befriedigend", "gut" oder sogar "sehr gut".
    Im Abstand von zwei Wochen untersuchten Rheinmetall-Mitarbeiter den Zustand der Ladebordsteine. Mit dem Ergebnis, dass alles funktionierte und die Steckverbindung keinerlei Verschmutzung aufwies. Lediglich äußerlich wurden "feine Verschmutzungen im Einsteckbereich" dokumentiert. Lob fand auch der Aspekt, dass sich die Steckdose erst dann öffnet, wenn der Nutzer sich beim Netzbetreiber angemeldet hat. "Diese Art von Ladestationen können ja kaum kaputt gemacht werden [...] – das ist super", kommentierte ein Nutzer.

    Wie ist der Ladebordstein aufgebaut?

    Der Ladebordstein ist einen Meter lang und besteht wie ein gewöhnliches Bordsteinsegment aus Beton. In einer Aussparung befindet sich das Lademodul mit einem Gehäuse aus Edelstahl und Aluminium. Ist das Modul beschädigt oder defekt, kann es über eine Schnellkupplung entnommen und durch ein neues ersetzt werden.
    Das bedeutet nicht nur vereinfachte Wartung, sondern auch Planung: Bei Straßenausbesserung könnten zukünftig in regelmäßigen Abständen Ladebordstein-Dummys verlegt werden – mit der Option, später daraus nach und nach funktionierende Ladestationen – auch für die benachbarten Haushalte – zu machen.

    Wie funktioniert der Ladebordstein?

    Das Aufladen funktioniert wie bei anderen Ladestationen: also das E-Auto am Straßenrand parken, Ladekabel raus, Stecker rein – fertig. Der Unterschied: Steckdose, Elektrik und Elektronik sind komplett im Bordstein integriert, also unter dem Kantstein verborgen. Sichtbar ist nur die Klappe für den Ladestecker und ein kleines Kontrollfeld zum Kartenlesen sowie ein Display.
    Rheinmetall Ladebordsteine
    Am Ladebordstein kann mit bis zu 22 kW Wechselstrom (AC) geladen werden. Schnellladen ist dagegen nicht möglich.
    Bild: Rheinmetall AG
    Eine Herausforderung ist die Stromversorgung der Ladebordsteine: In Köln wird der Bordsteinlader über eine sogenannte Zähleranschlusssäule an das öffentliche Niederspannungsnetz angeschlossen. Wie andere Ladestationen auch schaltet man den Ladebordstein mit einer Karte oder per Lade-App frei. Das Anschließen und Abmelden funktioniert wie an jeder anderen Ladesäule auch, also per RFID-Karte oder App. Wer weiß, wie ein E-Auto funktioniert, der kommt auch mit dem Ladebordstein klar.
    Geladen wird mit bis zu 22 kW Wechselstrom (AC). Der Zugang funktioniert per Open Charge Point Protocol (OCPP) in bestehende Backend-Systeme und kann in vorhandene Ladesystemstrukturen integriert werden.

    Was sind die Vorteile des Ladebordsteins?

    Vor allem der geringe Platzbedarf macht das Rheinmetall-System attraktiv für Innenstädte und Ballungsräume, wo die öffentliche Infrastruktur vielerorts noch ausbaufähig ist. Das Laden im Winter wird durch eine eingebaute Heizung ermöglicht, die Schnee und Eis schmelzen kann. Bei starker Sonneneinstrahlung kann auch gekühlt werden. Der Einbau ist zudem deutlich unkomplizierter als bei einer Ladesäule.
    Auch der Denkmalschutz spricht vielerorts für eine platzsparende Alternative zur zwei Meter hohen, in den städtischen Raum ragenden öffentlichen Ladestation. Deren Flächenbedarf verhindert vielerorts öffentliche Ladepunkte. (Hintergrund: Diese vier Lademöglichkeiten gibt es!)

    Ladebordstein für Elektroautos in Köln
    Beim neuen Ladebordstein öffnet man die Klappe mit dem Stecker und lädt das Auto direkt am Straßenrand. Ein stabiler Deckel hält Schmutz und Wasser draußen.
    Bild: Maximilian Schönherr

    Funktioniert der Ladebordstein bei Regen?

    Die Ladeelektronik ist innerhalb des Bauteils extra wasserdicht gekapselt. Das heißt, bei Regen oder Schneefall kann kein Wasser in die sensiblen Bereiche vordringen, das Laden wird einfach fortgesetzt. Außerdem gibt es einen Wasserstandssensor. Sollte durch ein außergewöhnliches Ereignis, zum Beispiel Überschwemmung, der Ladebordstein unter Wasser liegen, alarmiert der Sensor die Ladeelektronik. Dann wird der Ladevorgang unterbrochen, anschließend schaltet ein integrierter FI-Schutzschalter den gesamten Ladebordstein stromlos.

    Kann ich mir einen Ladebordstein für zu Hause kaufen?

    Ein anderer Vorteil des Ladebordsteins könnte ihn zur unschlagbaren Lösung für Wohngebiete machen, bei denen zwischen Stromleitung und Straße ein Bürgersteig liegt. Denn im Bordstein eingelassen erspart der Stromkantstein das zeitweise Verlegen eines Ladekabels quer über den Fußgängerweg. Das hat sich zwar vielerorts eingebürgert, ist aber verboten. Damit eignet sich der Ladebordstein als Lademöglichkeit für Mieter in Mehrfamilienhäusern oder Eigenheimbesitzer ohne Stellplatz auf dem eigenen Grundstück.

    E-Auto-Prämienrechner 2026

    Berechnet die voraussichtliche Förderung anhand bekannter Regeln

    Zusätzliche Angaben für Hybridfahrzeuge
    Kinder im Haushalt
    Rechner basiert auf Informationen aus dem Bundesumweltministerium (BMUKN)
    Allerdings sei die Ladelösung für Privatnutzer noch in Planung, teilte ein Rheinmetall-Sprecher auf Nachfrage von AUTO BILD mit. Es sei aber grundsätzlich denkbar: "Der Ladebordstein ist elektrisch wie eine Wallbox installierbar und könnte daher in der aktuellen Ausführung problemlos etwa von Hausbesitzern auf dem eigenen Grundstück verbaut und betrieben werden."

    Was würde der Ladebordstein für Privatpersonen kosten?

    Der Ladebordstein ist zuallererst auf die Anforderungen einer öffentlichen Lademöglichkeit bis 22 kW Ladeleistung zugeschnitten, die die Voraussetzungen für private Wallboxen übersteigen. Daher ist er nach Rheinmetall-Aussage teurer als eine klassische Wallbox. Der Rheinmetall-Sprecher fügte aber hinzu: "Derzeit evaluieren wir, ob es zukünftig für private Anwendungsfälle eine kostenoptimierte Variante geben wird, und wie ein entsprechendes Vertriebsmodell aussehen könnte."
    Der Preis für den aktuell verfügbaren Ladebordstein für den öffentlichen Raum liegt leicht über dem einer Ladesäule im AC-Bereich, das sind rund 5000 Euro. Und der Preis für die Privatversion? "Die Preise für einen (möglichen) kostenoptimierten Ladebordstein für den Privatmarkt können noch nicht genauer benannt werden", so der Sprecher. Rheinmetall will durch "höhere Stückzahlen und gezielte Optimierungen" den Stückpreis weiter drücken. Gebaut wird die bodennahe Ladestation in einem Rheinmetall-Werk in Frankreich.

    Was bedeutet der Ladebordstein für Smart-City-Konzepte?

    Der Ladebordstein bedeutet vor allem eine deutlich verbesserte Integration der Ladeinfrastruktur in den städtischen Raum. So kann er ohne zusätzlichen Platzbedarf ins Straßenbild integriert werden und mit zunehmender Digitalisierung auch bei Smart-Grid-Konzepten in Verbindung mit bidirektional ladenden Autos eine Rolle spielen.
    Rheinmetall Ladebordsteine
    Kein Kabel auf dem Fußweg: Die Lademodule werden am Bordstein in direkter Nähe zum Elektroauto installiert.
    Bild: Rheinmetall AG

    Wo kann man den Ladebordstein installieren?

    Im Grunde überall dort, wo schon Ladestationen im öffentlichen Raum stehen. Komplette Straßenzüge oder Parkplätze könnten für die Integration von Ladebordsteinen vorbereitet werden – mit verringerten Installationskosten durch einheitliche Planung, Bewilligung oder Baumaßnahmen.
    Beim Straßenbau oder bei der Sanierung könnte man Dummy-Bordsteine an den gewünschten Ladestandorten vorinstallieren, die Elektronikmodule können später nachgerüstet werden. Das Nachrüsten dauert nur wenige Minuten. Zur Wartung kann die Elektronikeinheit komplett entnommen werden.
    Die Installation dürfte allerdings nicht überall ohne zusätzliche Vorbereitungsarbeiten funktionieren. Denn in vielen Städten ist das Stromnetz der Straßenbeleuchtung zu schwach für E-Autos. Außerdem gibt es Städte – beispielsweise Hamburg –, die das Laternennetz für ganze Straßenzüge tagsüber stromlos schalten. Auch hier ist kein Straßenlaternenladen möglich.
    Der Ladebordstein ist die Lösung vieler Probleme beim E-Auto-Laden. Er könnte helfen, dort Ladepunkten zu installieren, wo konventionelle Säulen zu sperrig sind – besonders in Städten mit engen Straßen. Das Konzept ist sicher auch für Privatnutzer interessant.