Das Phänomen ist noch neu, aber es macht leider Schule: Mit Akkuflex oder Bolzenschneider fallen Kupferdiebe nachts über öffentliche Ladesäulen her und knipsen die Kabel ab. Jetzt reagieren die Netzbetreiber und rüsten ihre Ladestationen auf. "Wir können uns vor Aufträgen nicht retten", sagt Jonas Radau vom mittelständischen Betrieb Gridzon aus Hamm, der ein Schutzprogramm für Ladekabel entwickelt hat. Kein Wunder, denn der Kabelklau grassiert.
Allein im Oktober 2025 wurden dem Hersteller Alpitronic, in Deutschland führend auf dem Markt für Schnellladestationen, im Schnitt 13 Kabelverluste pro Tag gemeldet. Die Diebe werden nicht einmal reich davon: Der reine Kupfer-Materialwert liegt bei 40 Euro pro Kabel, so der Hersteller Alpitronic.

Schaden übersteigt Beutewert um das 200-fache

Doch der Schaden kann bis zu 200-mal höher sein, also 8000 Euro betragen. Denn das neue Kabel muss beschafft, montiert und die Anlage anschließend einer Eichrechtsprüfung unterzogen werden – abgesehen vom Umsatzverlust für die Netzbetreiber, denn bis zur Wiederinbetriebnahme können Wochen verstreichen.

Die besten Elektroautos bis 48.000 Euro

Allein EnBW, mit aktuell 11.226 Ladepunkten Marktführer in Deutschland, sind 2025 bislang mehrere Hundert Ladekabel gestohlen worden. Und für Elektroauto-Fahrer ist es frustrierend, wenn sie umsonst vor einer defekten Ladesäule stehen.

Innovativer Mittelständler wehrt Ladekabel-Klau ab

Gridzon ist ein Familienbetrieb in Westfalen, der selbst von der neuen Kriminalität betroffen ist: Das mittelständische Unternehmen arbeitet als Zulieferer im Bereich der E-Mobilität und betreibt über eine Tochterfirma mehrere eigene Ladestationen. "Daher haben wir uns mit einer Möglichkeit zur nachträglichen Installation einer Alarmanlage beschäftigt", sagt Firmenchef Jonas Radau gegenüber AUTO BILD. Ihr neues Produkt wird ihnen aus den Händen gerissen.
Ladezon gridzon hamm ladekabel-klau ladesäulen
Ein Blinklicht in Kombination mit ohrenbetäubendem Sirenengeheul soll Kabeldiebe verscheuchen.
Bild: gridzon
Sie haben eine Ummantelung für die dicken Kabel entwickelt, die es buchstäblich in sich hat. Die Hülle besteht aus schnitthemmendem Material, an dem Kabelscheren scheitern. Darin integriert wurde eine Alarmanlage, die mit 117 Dezibel Radau macht und ein Blitzlicht auf der Ladesäule aktiviert. Auf Wunsch wird auch nur ein stiller Alarm ausgelöst. Hinzu kommt Platz für Tracker wie z. B. Apples AirTags.
Wichtig für den Betreiber: Das Kabel ist nicht mit der Säule verschraubt, sodass bei Entwendung die Eichrechtsprüfung entfallen kann. Die Schutzhülle inklusive Alarmanlage kann in 1,5 Stunden nachgerüstet werden, verspricht der Anbieter.

Diese Gegenmaßnahmen testen Ladenetzbetreiber

Alpitronic hat inzwischen mehrere Ansätze, um Kabelklau für Kriminelle unattraktiv zu machen. Dazu gehört ebenfalls ein Alarmsystem. Die Software erkennt sofort, wenn ein Kabel durchtrennt wird. Dann erscheint auf dem Display ein Alarmhinweis, gleichzeitig beginnt eine LED-Beleuchtung an der Kabelhalterung zu blinken. Das mag hartgesottene Diebe kaltlassen – doch zugleich meldet die Säule den Vorfall weiter. "Es wird eine Alarmkette ausgelöst", sagt eine Alpitronic-Sprecherin.
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Auf die Ummantelung ist mehrsprachig eine Warnung gedruckt, um die Kriminellen abzuschrecken.
Bild: gridzon
Außerdem kann direkt am Standort ebenfalls "Alarm" gemacht werden. So werden, wenn die Konfiguration vorhanden ist, Scheinwerfer und Sirenen aktiviert, auch Kameras können sich einschalten. "Bis hin zur automatischen Benachrichtigung der Polizei."
Parallel arbeitet Alpitronic daran, den Materialwert der Kabel zu senken. Sprich: den Kupferanteil zu reduzieren. Dies lässt sich erreichen, indem die Kühlung der Ladeinfrastruktur verbessert wird. "Hier gilt es, technische Herausforderungen wie Platzbedarf und Kühlleistung sowie Wirtschaftlichkeit miteinander in Einklang zu bringen."
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Catstrap hängt an jedes präparierte Schutz-Futteral ein Warnschild mit dem Hinweis, dass der Schlauch unter Druck steht. Wer es dennoch nicht begreift, wird nass.
Bild: Catstrap

Catstrap baut in Ladekabel fiese Fallen ein

Das US-Unternehmen Catstrap (Katzenhalsband) hat ein Produkt namens DyeDefender entwickelt. Auf ihrer Website bewirbt es die Firma aus Ohio mit launigen Worten: "Eine kleine Rache gegen Diebe." In einem dazugehörigen Video wird schnell klar, was damit gemeint ist. Da versucht eine maskierte Person, per Flex ein Kabel abzutrennen. So weit, so ungut.
In dem Augenblick, als der Plastikmantel zerstört ist, tritt eine blaue Flüssigkeit unter hohem Druck aus und bespritzt das Kabel – und auch den Täter – von oben bis unten. "Eine farbenprächtige Überraschung für Diebe", textet Catstrap. Ursprünglich wurde DyeDefender gegen Katalysator-Klau entwickelt. 2024 wurde es von den Kunden – nach Angaben des Unternehmens – zum Abwehrmittel Nummer eins gekürt.

Flüssigkeit bespritzt die Kabeldiebe

Catstrap, ein Mittelständler mit aktuell 13 Mitarbeitern, liefert einen Edelstahl-Mantel, der um das Kupferkabel gelegt wird. Im Zwischenraum befindet sich die Flüssigkeit. Sie kann erst austreten, wenn die Außenhaut verletzt wird.
Die Erfinder informieren: "Auch diejenigen, die es auf Ihr Eigentum abgesehen haben, verdienen faire Behandlung – und daher setzt sich unser Färbemittel aus organischen Bestandteilen zusammen, das keine Verletzungsgefahr gegenüber Dieben oder daneben stehenden Personen birgt."
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Die Ummantelung der Ladekabel macht sie noch ein wenig klobiger. Hersteller Brandfokus kann die Tinte darin in jeder gewünschten Farbe liefern.
Bild: Brandfokus

EVC Shield kann jede beliebige Farbe liefern

Der schwedische Brandbekämpfungs-Spezialist Brandfokus hat ein ähnliches Abwehrmittel entwickelt. Der EVC Shield wird wie ein Schlauch über das Ladekabel gestülpt – er besteht aus einem Stahlgeflecht und einer Kunststoffhülle darunter. Gefüllt ist er mit einem speziellen Farbstoff.
Ist der Schlauch bei einem Diebstahlversuch beschädigt, lässt er sich durch einen neuen austauschen. "Dazu muss man kein Elektriker sein", so Kim Kuivamäki von Brandfokus gegenüber AUTO BILD. Eine Reparatur ist nicht möglich, weil die Hülle eine Schutzklasse hat.
Als Füllung verwendet der mittelständische Hersteller Lebensmittelfarbe. "Wir können jeden beliebigen Farbton anmischen." Wenn gewünscht, könnten Ladenetzbetreiber Diebe also auch in Firmenfarben "branden". Die Flüssigkeit enthält übrigens Alkohol, um auch bei strengem Nachtfrost noch flüssig zu bleiben. "Aber in so geringen Anteilen, dass ein Dieb davon garantiert nicht betrunken wird", scherzt der Brandfokus-Sprecher.

Tesla Supercharger in Merklingen (Kreis Ulm) Schnelladestation Ladepark
Tesla rüstet seine Kabel mit einer Farb-Falle aus. Versucht ein Dieb sie abzuschneiden, wird er mit blauer Tinte bespritzt, die sich nicht abwaschen lässt. "Eine Lösung, die zurückschlägt", so der Anbieter des Systems.
Bild: Ulmer

Es wurden bereits Diebstahlversuche abgebrochen

Ionity hat diese Produkte bereits in der Anwendung und eine dreistellige Zahl von Standorten damit ausgestattet. Das europäische Netzwerk von HPC-Stromtankstellen ist mit den Ergebnissen bisher zufrieden: "Erste Erfahrungen zeigen, dass Diebstahlversuche an so gesicherten Standorten bereits abgebrochen wurden", teilt das Unternehmen mit.
Dieselbe Technik setzt auch Tesla an seinen Superchargern ein. Zusätzlich wird bei neuen Ladekabeln in das Kupfer der Stränge der Schriftzug "Property of Tesla" eingraviert – auch das soll den Weiterverkauf erschweren.

Typ-2-Ladekabel im Vergleich

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3,5 Kilogramm
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2,4 Kilogramm
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1,85 Kilogramm
2,73 Kilogramm
22 Kilowatt
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11 Kilowatt
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20 Ampere
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    • Nur Spritzwasserschutz (IP44)
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    Ein weiterer Weg, um Diebe zu erwischen: Tracking. In die dicken Ladekabel (an Ionity-Ladestationen gibt es ausschließlich Gleichstrom mit 350 kW und mehr) sind Vorrichtungen eingearbeitet, die bei gewaltsamer Entwendung stillen Alarm geben und in regelmäßigen Abständen ihre Position funken.
    So will Ionity den Weg der Kabel verfolgen und den Weiterverkauf des Kupfers erschweren. Technische Details hält der Netzbetreiber geheim, um Kriminellen keine Hinweise für Gegenmaßnahmen zu liefern.

    Ummantelung soll das Durchschneiden erschweren

    EnBW versucht es seinerseits mit aktiver Erschwerung des Klauvorgangs. Die Ladekabel des Marktführers werden – wie Panzerkabel von Fahrradschlössern – mit einer speziellen Ummantelung versehen, die mit Werkzeugen schwieriger zu durchtrennen sind. Überdies wird auch hier eine Sensorik untergebracht. Sie registriert Angriffe und löst sofort lautstarken Alarm aus, um die Täter zu vertreiben.
    "Darüber hinaus stehen wir im engen Austausch mit unseren Standortpartnern – etwa Supermärkten oder Baumärkten, auf deren Gelände sich viele Ladepunkte befinden", teilt EnBW mit. Gemeinsam würden spezifische Sicherheitskonzepte erarbeitet, denn jeder Standort ist individuell und erfordert eine eigene Absicherung.
    Naheliegende Präventionsmaßnahmen sind die Ausleuchtung des Standorts und Kameraüberwachung. Das soll die Täter abschrecken und eine Verfolgung erleichtern. In Rom half eine solche Maßnahme kürzlich sehr prompt: Die Täter hatten ihr Fluchtfahrzeug im Blickwinkel einer Kamera geparkt. Das Kennzeichen wurde der Polizei gemeldet, innerhalb von Stunden war die dreiköpfige Diebesbande dingfest.