Freundliche Worte über Mitbewerber fallen in der Autobranche eher selten. Vor allem in China, wo gerade ein brutaler Verdrängungswettbewerb tobt. Momentan wettert die Szene über Leapmotor. Sie nennt den Aufsteiger aus Hangzhou, der gerade ein Plus von 154 Prozent zum Vorjahr vermeldete und bereits über 700.000 E-Autos auf der Straße hat, "the Price-Butcher" – charmant übersetzt so viel wie "der Preis-Drücker".
Weil die jüngste Stellantis-Tochter über 65 Prozent der Kernkomponenten günstig selbst im Hause entwickelt und fertigt, kann sie frei vom Zulieferer-Druck die Kurse selbst bestimmen. Das führt zu Angeboten, über die wir hier nur ungläubig die Köpfe schütteln.

Die besten E-Autos bis 48.000 Euro

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So bietet Leapmotor sein neues Elektro-SUV B10 in China für umgerechnet knapp 12.000 Euro an. Für ein Auto im Tiguan-Format mit voller Ausstattung! Ein großes Panorama-Glasdach ist immer an Bord, zudem reichlich moderne Assistenten und vieles, was bei westlichen Konkurrenten grundsätzlich in der Aufpreisliste steht. Nach nur einer Stunde sollen 10.000 Bestellungen eingegangen sein, nach 48 Stunden waren es 32.000.

Leapmotor B10: unter 30.000 Euro

Wenn das 4,51-Meter lange E-SUV im Herbst zu uns kommt, werden unter 30.000 Euro auf dem Preisschild stehen. Zumal Leapmotor den B10 kurzfristig auch in Europa fertigen will, um so die Import-Zölle zu vermeiden. Einige, nicht ausgelastete Stellantis-Werke bemühen sich aktuell um den Zuschlag. Die besten Karten soll das Opel-Werk im spanischen Saragossa haben, wo auch der Corsa gebaut wird.
Leapmotor B10: E-SUV im Test
Im Herbst bringt die Stellantis-Tochter Leapmotor den B10 im Tiguan-Format zum Golf-Preis.
Bild: Leapmotor
Mit Ramsch hat das Ganze übrigens herzlich wenig tun. Wie zum Beweis laufen gerade Gespräche mit Ferrari, die gerne die B10-Plattform 3.5 für ein eigenes SUV übernehmen möchten. Die neue Architektur, auf der auch der kommende ID.3-Konkurrent B05 basieren wird, der im September auf der IAA sein Debüt gibt, ist komplett neu entwickelt und weckt offensichtlich Begehrlichkeiten.
Eine bessere Vernetzung sowie ein effizienterer E-Antrieb sollen die wesentlichen Vorteile sein. Aktuell verfügt die Basis über eine 400-Volt-Ladetechnologie, bei entsprechender Nachfrage könnte Leapmotor schnell reagieren. Die Plattform ist bereits für 800 Volt ausgelegt.

Gute Verarbeitung und aktuelle E-Technologie

Typen wie der B10 rücken dem lange Zeit verwöhnten deutschen "Erfolgsmodell Auto" zunehmend auf die Pelle. Sie sind gut verarbeitet und bieten zum erschwinglichen Kurs aktuelle E-Technologie. Die Optik des China-SUV ist mehrheitsfähig, schlicht und modern, mit schmalen LED-Bändern vorne und hinten.
Innen gibt es reichlich Platz, der Kofferraum fasst 420 bis 1415 Liter Gepäck, unter der vorderen Haube bietet ein Frunk zusätzlich Stauraum für Kabel. Alles ist klar und clean gestaltet, jede Aktion muss allerdings China-typisch über das 14,6-Zoll-Touch-Display oder den Sprachassistenten erfolgen. Lediglich am Lenkrad finden sich noch ein paar Schalter und Drehrädchen aus der alten Welt.
Leapmotor B10: E-SUV im Test
Erste exklusive Testkilometer am Rande der Autoshow Shanghai lassen auf ein problemloses Auto schließen.
Bild: Tomas Hirschberger
Für den grundsätzlich heckgetriebenen B10 stehen zunächst zwei Leistungsstufen und zwei Batteriegrößen zur Wahl. 180 PS oder 238 PS, 56,2-kWh-Akku oder 67,1 kWh. Mit der kleineren Batterie soll der B10 nach chinesischer Norm 510 Kilometer weit kommen, für die große Batterie verspricht Leapmotor eine Reichweite von rund 600 Kilometern.
Da Plug-in-Hybride im Reich der Mitte gerade durch die Decke gehen, wird später zum gleichen Preis eine Version mit Range-Extender und kleinerem Akku nachgereicht. Hier treibt der zusätzliche Vierzylinder-Verbrenner nicht direkt die Räder an, sondern lädt während der Fahrt die Batterie, das Auto ist so stets elektrisch unterwegs. Reichweiten von rund 1000 Kilometer ohne Nachladen sollen bei der sogenannten REEV-Version möglich sein.

E-Motor schnurrt wie ein Kätzchen

Erste exklusive Testkilometer am Rande der Autoshow Shanghai lassen auf ein problemloses Auto schließen. Der E-Antrieb ist für den erst 2015 gegründeten Elektro-Spezi Leapmotor fast schon ein alter Hut und schnurrt wie ein Kätzchen. Dass der Newcomer ordentliche Autos baut, hat er bereits beim größeren Bruder C10 bewiesen.
Der kleinere B10 benötigt sicher noch ein wenig Detailpflege an Fahrwerk (etwas schaukelig) und Lenkung (nicht besonders direkt), bis er bei uns aufschlägt. Die Feinabstimmung für Europa erfolgt gerade. Weitere Anpassungen spielt Leapmotor "over the Air" in die Fahrzeuge. Daran müssen wir uns gewönnen, speziell Autos aus China werden zunehmend online und über Nacht ständig auf den neuesten Stand gebracht.
Leapmotor B10: E-SUV im Test
Objektiv gesehen könnte der B10 einer dieser "Gamechanger" werden.
Bild: Leapmotor
Den größten Vorteil aber hat sich der "Price-Butcher" über das Joint-Venture mit Stellantis gesichert. Service und freundliche Worte gibt es quasi beim Händler um die Ecke. 90 Standorte kümmern sich deutschlandweit aktuell um den Verkauf von Leapmotor-Modellen, 2026 sollen es 140 sein. Gute Argumente, die neidische chinesische Mitbewerber gerne hätten.

Fazit

von

Tomas Hirschberger
Okay, man muss China-Autos nicht mögen. Aber objektiv gesehen, könnte der B10 einer dieser "Gamechanger" werden. Für bezahlbares Geld bietet das SUV aktuelle E-Technologie, gute Qualität und eine Komplettausstattung zum konkurrenzlosen Kurs. Zudem gibt es ihn bei vielen Stellantis-Händlern mit Servicegarantie.