Leeze Boom Board Pro im Test
Indoorcycling: So können Sie das Fahrgefühl verbessern

Der Trend ist ungebrochen: Im Winter, bei schlechtem Wetter oder nach einem langen Arbeitsalltag weichen viele sportliche Radfahrer auf den praktischen Smarttrainer in den heimischen vier Wänden aus. Sie wollen die Lautstärke reduzieren, den Komfort erhöhen oder das Fahrgefühl realistischer gestalten? Das Leeze Boom Board Pro macht all das möglich. Wir haben die Rockerplate aus vollständig recyceltem Kunststoff getestet.
Bild: BIKE BILD
- Daniel Eilers
Indoorcycling ist längst keine Nische mehr für ein paar Verrückte oder Hardcore-Sportler. Immer mehr Radfahrer entdecken (nicht nur mehr im Winter) die Vorzüge dieser modernen Spielart des Spinnings. Das hat auch mit smarten Rollentrainern von Wahoo, Zwift und Co. zu tun, die das Treten auf der Stelle und in virtuellen Welten so angenehm wie möglich gestalten. Doch ein Problem bleibt, wenngleich neueste Geräte beweglicher werden: Man tritt auf der Stelle und ist fest verbunden mit dem statischen Rollentrainer. Mikro- und Ausgleichsbewegungen wie üblich auf der Straße fehlen fast vollständig. Das beansprucht die Muskulatur ganz anders und vielfach deutlich mehr.
Mehr Komfort und Bewegung
Laufradhersteller Leeze hat das Problem erkannt – und eine Lösung entwickelt. Mit dem Boom Board Pro soll unter dem Schlagwort "Bionic Flow" das Outdoor-Fahrgefühl in geschlossene Räume gebracht werden. Das Prinzip des Boom Boards ist so simpel wie einleuchtend: Zwei übereinander gelagerte Platten werden durch Federn miteinander verbunden; während die untere Platte starr ist, bewegt sich die obere. Gehalten werden beide Platten durch Schrauben und fünf Gummi-Elemente. Somit kann das Board vor allem in hinteren Teil federn. Die Federhärte kann indes verändert werden, hierfür stehen insgesamt zwölf Positionen zur Auswahl. Praktisch: Wem selbst die härteste Einstellung noch zu weich ist (bei schweren Sprintern zu empfehlen), kann zwei weitere im Lieferumfang enthaltene Federn installieren.

Mit Spanngurten wird der Trainer auf dem Leeze Boom Board Pro befestigt. Verrutschen ausgeschlossen!
Bild: BIKE BILD
Aufbau des Leeze Boom Board Pro
Der Aufbau war mit Hilfe der Anleitung nach rund 30 Minuten erledigt. Die einzige Schwierigkeit besteht drin, beide Kunststoffplatten sauber miteinander zu verschrauben. Es bedarf nicht zwangsläufig einer zweiten Person, auch wenn zwei weitere Hände sehr hilfreich sind. Mit 17,5 Kilogramm Gesamtgewicht ist das Board wahrlich kein Leichtgewicht und nimmt etwas mehr Platz ein als ein Set-up bestehend nur aus Fahrrad und Rollentrainer. Konkret: In der Länge werden 1,55 Meter und in der Breite 0,85 Meter benötigt. Aber das klingt schlimmer als es ist. Denn unser Eindruck war: Steht das Set-up erst einmal und sind Fahrrad und Rollentrainer montiert, wirkt das Boom Board Pro viel weniger wuchtig als beim Aufbau noch vermutet. Tatsächlich gibt die Basis dem Ganzen sogar etwas Aufgeräumtes.
Bei der Fixierung von Smarttrainer und Fahrrad ist darauf zu achten, dass das Duo möglichst zentral auf dem Board stehen. Dass man sich bei Leeze viele Gedanken gemacht hat, zeigt sich am mitgelieferten Kontergewicht, womit die asymmetrische Gewichtsverteilung von einigen Smarttrainern (zum Beispiel Wahoo Kickr) ausgeglichen werden kann. Die Löcher können mit den mitgelieferten, sogenannten Dots geschlossen werden. Die Dots sind in acht gängigen Farben erhältlich, unter anderem weiß, schwarz und blau. Der Smarttrainer wird über Spanngurte fixiert, was – auch ein bisschen zu unserer Überraschung – extrem gut und sicher gelingt. Das Vorderrad mussten wir mithin nicht mal mit einem Spanngurt fixieren, so stabil ist die aufgebaute Konstruktion. Planen Sie für die Montage von Fahrrad und Rollentrainer weitere 15 Minuten ein.

Das Gegengewicht kommt bei asymmetrischen Smarttrainern zum Einsatz. Es kann über Drehen feinjustiert werden.
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Geräuschentwicklung und Fahrgefühl
Zugegeben, der Aufstieg bedarf etwas Überwindung beim ersten und wohl auch beim zweiten Mal, weil man es beim häuslichen Set-up nicht gewohnt ist, dass das Fahrrad "wippt". Aber keine Sorge: Fahrrad, Smarttrainer und Boom Board sind bombensicher miteinander verbunden. Das Board spielt insofern auch sein hohes Eigengewicht aus, weil dadurch viel Stabilität gegeben ist. Das erste Mal "zwiften" auf dem Boom Board ist gewöhnungsbedürftig, vielleicht sogar ungewohnt und auch ein bisschen unangenehm. Zunächst will man gegen das ständige Wippen – an dieser Stelle sei angemerkt, dass der 67 Kilogramm leichte Fahrer die Federung besonders weich eingestellt hat – in gewisser Weise entgegenarbeiten. Das geht beim Testfahrer so gute 20 bis 30 Minuten. Doch irgendwann gibt sich dieser Zustand und man bewegt sich sanft im Rhythmus der Wippe mit. Das Positive: Alles ist in Bewegung, vom Oberkörper und Rumpf bis in die Arme. Wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat und sozusagen mitmacht, wird man das Plus an Komfort nicht mehr missen wollen. Der Grund ist schnell gefunden: Dadurch, dass der ganze Körper stärker involviert wird, verteilen sich die wirkenden Kräfte besonders gut und entlasten die neuralgischen Punkte Gesäß und Füße.
Ob das Fahrgefühl dem auf der Straße nahe kommt, sei mal dahingestellt ist. Jedenfalls ist der positive Effekt spürbar und tut dem Indoor-Erlebnis sowie Kraftfluss richtig gut. Sprints gehen mit dem Boom Board auch gut – wenngleich koordinatives Geschick hilfreich ist. Wer etwa ein Zwift-Rennen fährt oder vielfach Sprints trainiert, dem würden wir zu einer grundsätzlich härteren Federung raten. Dies gilt umso mehr, je höher das Eigengewicht des Fahrers ist. Grundsätzlich finden wir, dass das Boom Board im Sitzen am stärksten punktet. Man kann also sicher sein, dass man mit dem Boom Board in den eigenen vier Wänden länger trainieren und damit letztlich besser trainieren kann.
Ein mindestens genau so großer Pluspunkt ist die geringere Geräuschentwicklung. Hierfür sollte man allerdings die mitgelieferten EPDM-Dämpfer (selbstklebend) ans Bord anbringen, den Rest übernimmt die Konstruktion mit ihren Druckfedern aus Stahl und Gummi-Elementen. Was den meisten nicht bewusst ist: Entscheidend ist gar nicht sos ehr die Lautstärke des Smarttrainers (sofern er nicht 90 Dezibel überschreitet, was kein modernes Gerät mehr tut), sondern die für Nachbarn störende Unterbodenvibration. Die wird mit dem Leeze Boom Board Pro sehr deutlich gesenkt. Wer also beispielsweise schon mal einen Rüffel vom Nachbarn bekommen hat oder seine Nachbarn schonen will in der Früh oder Spät, hat mit dem Board ein effektives Tool zur Hand.

Die Position der Stahlfeder zwischen der oberen und unteren Platte bestimmt die Federhärte.
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Fazit
Das Leeze Boom Board Pro ist besser, gefälliger und hilfreicher beim Indoorcycling, als ich es vermutet hätte. Die 329,90 Euro sind deswegen sehr gut investiert, wenn ...
- ... Sie beim Indoorcycling schon nach kurzer Zeit oder grundsätzlich Probleme mit dem Gesäß oder der Muskulatur haben;
- ... Sie im Winter ein Großteil des Fahrradtrainings in die heimischen vier Wände verlegen;
- ... Sie auch mal mehrere Stunden auf dem Smarttrainer verbringen wollen;
- ... Ihnen das Fahren auf dem Smarttrainer zu statisch ist;
- ... Sie die Geräuschkulisse und insbesondere die Vibrationsentwicklung deutlich verringern wollen.
Einziger Nachteil des Leeze Boom Board Pro ist, dass das Board, einmal aufgebaut und montiert, besser an seinem Platz verharren sollte. Die Rockerplate ist nicht darauf ausgelegt, häufig transportiert oder verstaut zu werden.
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