Mercedes-Benz baut den Marco Polo künftig erstmals in Eigenregie aus und setzt dabei auf mehr Kontrolle über Entwicklung, Produktion und Qualität. Im Interview spricht Van-Chef Thomas Klein über die Eigenfertigung, Kundenwünsche, die neue Van-Architektur und die Zukunft des Campings mit Stern.
AUTO BILD: Sie haben entschieden, den Marco Polo im eigenen Werk in Ludwigsfelde herzustellen und nicht mehr bei Ausbaupartner Westfalia. Was war ausschlaggebend für diesen Schritt?
Thomas Klein: Für uns ist dieser Schritt ein Signal in die Reisemobilbranche, für deren Relevanz und unseren Anspruch, Trends mitzugestalten. Denn mit dem neuen Marco Polo, den wir der Presse kürzlich vorgestellt haben, holen wir zukünftig den Camper-Ausbau erstmals in unser eigenes Produktionsnetzwerk. Die V-Klasse-Basis kommt weiterhin aus unserem Werk in Vitoria, der Umbau zum Camper erfolgt zukünftig in Ludwigsfelde.

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Dadurch verzahnen wir Entwicklung, Fertigung und Qualität enger und können unsere Standards noch konsequenter umsetzen. Gleichzeitig gewinnen wir Flexibilität in den Prozessen und schaffen die Basis dafür, die hohe Kundennachfrage noch schneller und flexibler bedienen zu können.
Der Marco Polo ist im Premiumsegment positioniert. Gleichzeitig scheint sich die Marke Mercedes-Benz von einer reinen Luxusstrategie zu lösen. Ist mittelfristig auch ein zugänglicherer Einstiegscamper auf Mercedes-Basis denkbar?
Wir decken bereits heute vielfältige Bedarfe ab, von Premiumangeboten für Kunden, die Wert auf das gewisse Extra an Komfort und Stil legen, bis hin zu funktionalen Konzepten für grundlegende Bedürfnisse. Unsere Marco-Polo-Modelle adressieren als vollwertig ausgestattete kompakte Camper vorrangig gehobene Kundenansprüche.
"Was unsere Van Architektur so innovativ macht, sind ihre Modularität und ihre Antriebsflexibilität."
Thomas Klein, Head of Mercedes-Benz Vans
Bild: Mercedes
Mit dem Marco Polo Horizon bieten wir im eigenen Produktportfolio zudem eine attraktive Einstiegsvariante in die Welt unserer Camper. Daneben komplettieren wir das Angebot durch unsere Zusammenarbeit mit zahlreichen Reisemobilherstellern als Anbieter von Basisfahrzeugen im Zweirechnungsgeschäft.
Welche Innovationen wünschen sich Camping-Kunden heute besonders häufig – mehr Digitalisierung, mehr Autarkie oder mehr Komfort?
Reisemobilkunden legen zunehmend Wert darauf, dass ihre Reisemobile den gleichen Komfortanspruch erfüllen wie ihre Pkw. Ebenso legen sie vermehrt Wert auf Digitalisierung, die diesen Wunsch nach Komfort unterstützt. Das gilt vor allem für Fahrer von Mercedes-Benz-Fahrzeugen. Entsprechend haben wir uns bei der Entwicklung unserer Vans verstärkt am Pkw-Baukasten im Unternehmen bedient, auch bei der Einführung des MBUX-Multimediasystems. So war der Sprinter das zweite Fahrzeug im Unternehmen nach der A-Klasse, das mit dieser Technik ausgestattet wurde.
Das Cockpit als moderne Schaltzentrale – edel, wie in einer Luxuslimousine.
Bild: Mercedes
Besonders stolz sind wir auch auf die Einführung der Mercedes-Benz Advanced Control im Marco Polo. Als erster Hersteller überhaupt haben wir damit eine Bedieneinheit in ein Reisemobil gebracht, mit der sich nahezu alle Camping-Features, wie z. B. die Niveauregulierung, zentral und intuitiv bedienen lassen. Die Mercedes-Benz Advanced Control macht den Marco Polo zu einem echten Smart Home auf Rädern.
Komfort kommt in unseren Marco-Polo-Modellen auch in puncto Wohnlichkeit zum Tragen. Gerade in unseren neuen Marco Polo haben wir viele neue Details integriert, um den Wohnbereich insgesamt noch durchdachter zu gestalten. Ein neues Aufstelldach und ein neues Licht- und Verdunkelungskonzept sind nur ein paar Beispiele.
Die neue "Mercedes-Benz Van Architektur" hat große Aufmerksamkeit bekommen und wurde positiv aufgenommen. Wovon profitieren Camper bei dieser Architektur ganz konkret?
Ab diesem Jahr bringen wir Fahrzeuge auf den Markt, die auf unserer neu entwickelten Van Architektur basieren. Damit läuten wir eine neue Ära ein. Den Anfang macht der VLE, unsere Grand Limousine. Was unsere Van Architektur so innovativ macht, sind ihre Modularität und ihre Antriebsflexibilität. Neben vollelektrischen Modellen werden mit der zweiten Ausprägung der Architektur auch hochmoderne Verbrenner-Vans erhältlich sein.
Auch in Sachen Konnektivität und Software setzt die Van Architektur neue Maßstäbe. Sie wird vollständig auf dem unternehmenseigenen, KI-gestützten Mercedes-Benz Operating System laufen. Die tiefe Integration der Chip-to-Cloud-Architektur erlaubt eine präzise Kontrolle aller Aktuatoren und Sensoren, vom Infotainment über Komfort bis hin zum Laden. Das sorgt für ein unvergleichliches Fahrerlebnis und ermöglicht die intelligente Integration von Fahrzeugfunktionen in die Benutzeroberfläche.
MB.OS ermöglicht zudem Over-the-Air-Updates der Fahrzeugsoftware, einschließlich der Assistenzsysteme. Modelle auf Basis der Van Architektur werden dadurch immer intelligenter. Unsere Reisemobile mit Stern basieren perspektivisch auf dieser Architektur und werden von diesen Innovationen profitieren. Bleiben Sie gespannt.
Wenn Sie ein freies Wochenende mit dem Marco Polo planen könnten: Berge, Küste oder Stadt, was würden Sie unternehmen?
Das ideale Wochenende wäre ein Kurztrip im Marco Polo mit der Familie Richtung Italien. Ein Stopp in den Alpen und dann Entspannung am Gardasee genießen.