Mazda CX-6e im ersten Test: Platzt jetzt der Elektro-Knoten?
Mazda überrascht mit dem CX-6e: endlich ein Elektroauto für die Masse

Mit dem 6e hat Mazda einen Achtungserfolg erzielt – wenn auch eher wegen des Designs als der Technik. Wenn jetzt bald der CX-6e kommt, könnte der Knoten endgültig platzen!
Bild: Mazda
Sie haben auf den Wankelmotor geschworen, als sonst keiner mehr etwas von ihm wissen wollte, den Diesel mit dem Benziner verheiratet und ihrem ersten Elektroauto schon einen Range Extender eingebaut, als in China noch keiner ahnen konnte, dass daraus einmal ein Trend werden würde: Kein anderer Japaner stemmt sich so tapfer gegen den Mainstream wie Mazda.
Entsprechend schwer tut sich der Hersteller aus Hiroshima auch mit dem Trend zur Elektromobilität. Der elektrische Erstling MX-30 sah zwar cool aus und war mit seinen gegenläufigen Türen wieder ein Sonderling, hat es aber zu nicht viel mehr gebracht als zu einer Fußnote und ist deshalb auch schon wieder Geschichte.
Als Mazda 2025 dann mithilfe des chinesischen Kooperationspartners Changan den Sechser elektrifiziert und als 6e zu uns gebracht hat, sammelte der zwar für seine elegante Linienführung viel Lob ein – als mehr oder minder klassische Limousine in der Schwemme der SUV war er trotzdem nahezu chancenlos. Erst recht, weil uns ausgerechnet ein Auto aus China weismachen wollte, Bildschirme seien hoffnungslos überbewertet und ein paar hübsche Oberflächen aus Kork & Co doch viel wichtiger als Digitalisierung. Von den bescheidenen Ladeleistungen ganz zu schweigen.
SUV statt Limousine
Entsprechend gedämpft waren die Erwartungen vor ein paar Wochen bei der Erstbegegnung mit dem CX-6e in China, der bei uns nach den Sommerferien an den Start geht. Umso positiver fiel die Überraschung aus. Denn der 4,85 Meter lange Fünftürer ist nicht nur das SUV-Pendant zum Stufenheck und schon deshalb das aussichtsreichere Auto – selbst wenn der Einstiegspreis um rund 5000 Euro auf 49.990 Euro klettert. Mazda macht in jeder Hinsicht einen Sprung, nähert sich bei Antrieb wie Ambiente zaghaft dem Mainstream und schwimmt plötzlich ganz gelassen im Mittelfeld der Mittelklasse mit.

E‑SUV statt Limousine: Der neue Mazda CX-6e soll endlich den Durchbruch bringen.
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Anders als den 6e gibt es den CX-6e bei uns deshalb nur in einer Konfiguration: An der Hinterachse arbeitet eine E-Maschine mit 258 PS, im Fahrzeugboden steckt ein Akku mit 78 kWh Kapazität, der für 484 Normkilometer reichen soll. Geladen wird zwar an der Wallbox mit wenig flotten 11 kW, am Schnelllader legt das SUV gegenüber der Limousine aber deutlich zu: Wo beim Sechser je nach Akku nur 90 oder 165 kW fließen, sind es jetzt deutlich konkurrenzfähigere 200 kW.
Fahrspaß statt China-Einerlei
Typisch Mazda ist das Fahrgefühl im CX-6e: Obwohl in China entwickelt und produziert, haben die Japaner offenbar die Oberhand behalten und sogar einen Hauch der MX-5-Gene gerettet. Klar fährt sich – Heckantrieb hin, 290 Nm sofort abrufbares Drehmoment her – ein SUV mit mindestens 2205 Kilogramm nicht so handlich wie ein Roadster mit weniger als einer Tonne. Aber gemessen an all den völlig gleichgültigen China-Abstimmungen, die uns bei BYD, Geely oder Chery begegnen, wird Fahrspaß hier tatsächlich deutlich größer geschrieben. Die Federung ist straffer, die Lenkung mitteilsamer und man fühlt sich am Steuer eher als Macher denn als Mitfahrer. Nicht umsonst zieht die Elektronik erst bei 185 km/h den Stecker.
Mazda entdeckt die große Bildschirmwelt
Ja, schon mit der Entscheidung fürs SUV wagt Mazda den Flirt mit dem Mainstream, und mit der konkurrenzfähigen Ladeleistung steigen die Chancen weiter. Am markantesten ist der Kurswechsel aber beim Blick ins Cockpit. Denn wo die Japaner bei der Limousine noch ein halbwegs klassisches Cockpit eingebaut und daneben einen Standardschirm geschraubt haben, machen sie jetzt einen auf Tesla: Hinter dem Lenkrad herrscht gähnende Leere, dafür gibt es über der Mittelkonsole einen 32:9-Breitbildschirm wie im Kino.

Head-up-Display und optionale Kameraspiegel sollen Technikfans überzeugen.
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Fast 27 Zoll machen das Display zum größten, das die Japaner bislang eingebaut haben. 5K-Technik sowie eine smarte Aufteilung für Fahrer und Beifahrer garantieren dem einen Information und dem anderen Unterhaltung ohne Interferenzen. Damit der Blick trotzdem nicht allzu sehr abgelenkt wird, gehört ein Head-up-Display zur Serienausstattung. Optional gibt es zudem digitale Außenspiegel, mit denen Mazda ein paar Kilometer mehr Reichweite herausholen und sich zugleich als Tech-Company à la Audi und Co inszenieren will. Nur passt die Positionierung der Bildschirme irgendwie nicht so richtig.
Viel Platz, aber kein Raumwunder
Dazu gibt es bei 2,90 Meter Radstand ein solides Platzangebot auch im Fond, kuschelige Klimasitze mit integrierten Lautsprechern in der ersten Reihe und einen ordentlich dimensionierten Gepäckraum. Was dem Kofferraum mit 468 bis 1434 Litern zum Raumwunder fehlt, kompensiert der Japan-Chinese mit einem Frunk von respektablen 80 Litern, die für deutlich mehr reichen als nur fürs Ladekabel und das Warndreieck.

Zusätzlicher Stauraum vorne: 80-Liter-Frunk für Kabel und mehr.
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Auch wenn Mazda bei Formen und Farben seinen eigenen Stil wahrt und in der Kommunikation zum Beispiel auf ein ungewöhnliches Lila setzt, machen die Japaner beim CX-6e Schluss mit ihrer Rolle als Exot und Eigenbrötler. Zuschnitt, Antrieb, Ausstattung und Bedienung sind deshalb endlich mehrheitstauglich.
Aber so ganz ohne Eigensinn geht es dann offenbar trotzdem nicht: Während sich alle Welt langsam von der Gestensteuerung verabschiedet hat, kann man im CX-6e die Songs mit einem Winken wechseln, mit dem Victory-Zeichen die Selfie-Kamera aktivieren und mit einem Okay-Zeichen den Weg nach Hause starten. Zumindest bei der ersten Testfahrt in China ist das vielleicht gar keine so schlechte Idee. Denn Fingerzeichen sind leichter zu lernen als Mandarin-Vokabeln.
Fazit
Na also, so langsam läuft es auch bei Mazda mit der Elektromobilität. Technisch fährt zwar auch der CX-6e eher mit der Masse statt ihr voraus. Doch das SUV hat deutlich bessere Chancen als das Stufenheck – erst recht mit diesem scharfen Design. Die überschaubare Reichweite tut dank der besseren Ladeleistung nicht mehr ganz so weh. Und dass Mazda bei der Bedienung endlich stärker auf große Bildschirme setzt, ist ebenfalls kein Nachteil.
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