Zwei Sommer lang konnte AUTO BILD SPORTSCARS das Fahrspaß- und Freiluftpotenzial des Mazda MX-5 in tiefen Zügen inhalieren. So kamen rund 60.000 Kilometer zusammen!
Er war schneller da als erwartet, kam "direkt" von der Präsentation in den Dauertestfuhrpark, quasi vom Regen in die Traufe: Nachdem sie ihn gnadenlos über die Rennstrecke geprügelt hatten, musste er nun durch die Mühlen der Redaktion. 5582 km hatte er da schon in den Knochen. Wir schreiben Ende April 2017, und er, das ist ein 160 PS starker Mazda MX-5 RF in Vollausstattung: Topniveau Sports-Line plus SportPaket, gehüllt in die Sonderfarbe Rubinrot. Macht summa summarum 34.640 Euro (bei Carwow 6792 Euro günstiger).
Gespannt sind wir vor allem auf das "Retractable Fastback" (RF) – so bezeichnet Mazda das Klapp-Hardtop, das den Zweisitzer um 2700 (aktuell: 2600) Euro gegenüber dem Stoffdach verteuert. So viel vorweg: Die voll elektrische Konstruktion, die sich in Sandwichmanier in die Mulde des Stoffverdecks verkrümelt, hat stets tadellos funktioniert. Sie nimmt kaum mehr Platz ein als die Stoffmütze, und wie beim Roadster bleibt der Kofferraum davon unbehelligt. Doch warum ist es nur bis zehn km/h bedienbar?
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Geräusche von Hinterachse oder Differenzial? Normal!
Dickes Lob: Schaltung, Getriebe und Motor arbeiten hervorragend zusammen.
Als einer der ersten Einträge im Fahrtenbuch findet sich die Bemerkung: "Lenkrad steht leicht schief." Da Felgen und Reifen keinerlei Spuren eines Bordsteinmalheurs aufweisen, vermuten wir als Grund das harsche Räubern über die Curbs auf besagter Pressevorstellung. Mazda-Vertragshändler Staudt in Zirndorf bei Nürnberg nimmt das Fahrwerk ins Visier und stellt die Spur neu ein. Im Zuge dessen wird der erste Service vorgezogen. Ganz Hellhörige in der Redaktion vernehmen schon bald "Geräusche von Hinterachse oder Differenzial" – auch eine Folge der harten Kinderstube? Werkstattleiter Thomas Reinl winkt ab: "Normal – unsere Vorführwagen machen das auch." Zurück von einer Dienstreise lobt Testredakteur Florian Neher die perfekte Schaltung samt ideal abgestuftem Getriebe und den spontan am Gas hängenden, drehfreudigen Zwoliter-Sauger. Auch die "wunderbar präzise Lenkung" hat es dem MX-5-Kenner angetan, der aber auch mit Kritik nicht hinterm Berg hält. So nerven nicht nur ihn die unsensibel ansprechende Federung und die starken Windgeräusche in Höhe der B-Säule bei geschlossenem Dach. Während der Abrollkomfort mit steigendem Tempo immer besser wird, hilft gegen die penetranten Windgeräusche eine Werksmaßnahme. Auf Nachfrage beim Händler montiert dieser für RF-Modelle des Produktionszeitraums 14.5.2015 bis 7.1.2017 kostenlos ein Dämmstreifen-Kit, das die Windgeräusche hörbar reduziert. (Überblick: Alles zum Mazda MX-5!)
Fahrer ab 1,85 Meter haben ein Platzproblem
Großgewachsene haben ein Problem: Entweder passt die Position der Beine oder die der Arme. Da muss man sich entscheiden.
Gegen die knappen Platzverhältnisse im Innenraum ist freilich kein Kraut gewachsen. "Wäre dieses Auto nicht von Japanern entwickelt worden, ein groß gewachsener Mitteleuropäer könnte sogar Spaß damit haben", mokiert sich etwa Alexander Bernt über die Krux, entweder den Sitz ganz zurückzufahren und dann das Lenkrad nur noch mit ausgestreckten Armen zu erreichen, weil es allein in der Höhe, nicht aber in der Weite einstellbar ist (das kam erst mit der Modellpflege). Oder bei angewinkelten Armen nicht zu wissen, wohin mit den langen Beinen. Die kleineren Kollegen bis 1,85 m freut's, kommen sie so doch öfter in den Genuss des Offenfahrens. Bei km 17.511 taucht im Fahrtenbuch die erste Eintragung zum ungewöhnlichen Ölverbrauch des Vierzylinders auf. Zwar gibt die Fehlmenge von einem Liter auf 7500 km noch keinen unmittelbaren Anlass zur Sorge, doch der Werkstattleiter informiert vorsichtshalber die Mazda-Zentrale in Leverkusen. Dort rät man zur aufmerksamen Beobachtung des Ölpegels. Verlässlich am Messstab ablesen lässt sich der jedoch nur bei kaltem Motor. Im weiteren Verlauf wird klar, dass der MX-5 den 0W20-Schmierstoff nur verbrennt, wenn man ihn hetzt. Mit zunehmender Laufleistung löst sich das Problem in Luft auf.
Da sich die Fahrerfußmatte immer wieder in den Pedalen verheddert, fixiert der Händler ein neues Exemplar zusätzlich mit einer Klettmatte im Absatzbereich. Zugleich erhält das mitunter orientierungslose Navi ein Update, das auch die gelegentlichen Abstürze behebt. Die Frontscheibe reißt bei km 27.500 zum ersten Mal – ohne ersichtlichen Grund. Der Austausch ist mit 1650 Euro teuer, auch weil die Assistenztechnik neu justiert werden muss.
Die Materialreserven bemisst Mazda recht knapp
Ungewöhnlich früh mussten alle vier Bremsscheiben samt Belägen erneuert werden.
Ein Jahr nach Dienstantritt hat der MX-5 die 40.000er-Marke erreicht. Im Rahmen einer Serviceaktion wird das Kombiinstrument neu programmiert. Das Problem lautet Batterieentladung: Unser Auto ist davon nicht betroffen, erhält das Update aber trotzdem. Gute 10.000 km später steht der dritte Service an. Die Rechnung hat es in sich: Neben dem Ölwechsel mussten alle vier Bremsscheiben samt Belägen erneuert werden. Ungewöhnlich früh für solch ein kleines und leichtes Auto, das zudem aufgrund seines Cabrio-Charakters nicht ständig über die Autobahn gejagt wird (das verleidet einem allein schon der hohe Geräuschpegel). Mazda bemisst die Materialreserven offenbar nicht allzu großzügig, denn auch zuvor von uns dauergetestete Mazda6 fielen mit frühzeitigem Bremsenverschleiß auf. Der MX-5 neigt zudem bei stärkeren Bremsungen schnell zum Fading.Die nächste Windschutzscheibe wird kurz vor Schluss nach Befahren einer Tiefgaragenrampe fällig. Wieder ist kein zuvoriger Steinschlag auszumachen. Der horizontale Riss zieht sich mitten durchs Sichtfeld; Testfahrer Guido Naumann legt den Rest seiner Fahrt lieber geschlossen zurück, um ein weiteres Ausdehnen zu verhindern. Auf das Scheibenproblem angesprochen sieht Mazda keinen Handlungsbedarf: Nach Aussage der Technikabteilung "sind Schäden an der Windschutzscheibe des MX-5 Roadster und RF kein überdurchschnittlich oft auftretendes Problem". Immerhin: Ein bei AUTO BILD gestresster 131-PS-Roadster überstand 100.000 km ohne Scheibenwechsel. Am 14. November 2018 tritt "LEV-MX 548" nach 58.960 Kilometern die Heimreise an. Dass der Winter im Anmarsch ist, erleichtert uns den Abschied nicht wirklich.
Bildergalerie
Dauertest Mazda MX-5 RF G 160
Fazit von Torge Eßer: Zwei gerissene Frontscheiben ohne sichtlichen Anlass und die frühzeitige Bremsenrenovierung schlagen ins Kontor. Ansonsten nur Peanuts. Alltag im Winter macht auch im RF nur bedingt Spaß. Als Roadster-Alternative ist er eher ein Fall für Laternenparker.
Dauertest Mazda MX-5 RF G 160
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Ende April 2017 kam er in die Testwagen-Garage von AUTO BILD SPORTSCARS: ein 160 PS starker Mazda MX-5 RF in Vollausstattung (34.640 Euro). Gespannt waren wir vor allem auf das "Retractable Fastback" (RF) – so bezeichnet Mazda das Klapp-Hardtop, das den Zweisitzer um 2700 (aktuell: 2600) Euro gegenüber dem Stoffdach verteuert.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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Nach Ende des Dauertests können wir sagen: Die voll elektrische Konstruktion, die sich in Sandwichmanier in die Mulde des Stoffverdecks verkrümelt, hat stets tadellos funktioniert. Sie nimmt kaum mehr Platz ein als die Stoffmütze, und wie beim Roadster bleibt der Kofferraum davon unbehelligt. Allerdings ist es nur bis 10 km/h bedienbar.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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Als einer der ersten Einträge im Fahrtenbuch findet sich die Bemerkung: "Lenkrad steht leicht schief." Da Felgen und Reifen keinerlei Spuren eines Bordsteinmalheurs aufweisen, vermuten wir als Grund das harsche Räubern über die Curbs auf einer vorausgegangenen Pressevorstellung. Ein Mazda-Vertragshändler stellt die Spur neu ein.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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Ganz Hellhörige in der Redaktion vernehmen schon bald "Geräusche von Hinterachse oder Differenzial" – auch eine Folge der harten Kinderstube? Werkstattleiter Thomas Reinl winkt ab: "Normal – unsere Vorführwagen machen das auch."
Zurück von einer Dienstreise lobt Testredakteur Florian Neher die perfekte Schaltung samt ideal abgestuftem Getriebe und den spontan am Gas hängenden, drehfreudigen Zwoliter-Sauger. Auch die "wunderbar präzise Lenkung" hat es dem MX-5-Kenner angetan. Er hält aber ...
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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... auch mit Kritik nicht hinterm Berg: So nerven nicht nur ihn die unsensibel ansprechende Federung und die starken Windgeräusche in Höhe der B-Säule bei geschlossenem Dach. Während der Abrollkomfort mit steigendem Tempo immer besser wird, hilft gegen die penetranten Windgeräusche eine Werksmaßnahme.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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Großgewachene haben die Wahl: Entweder sie fahren den Sitz ganz zurück und können dann das Lenkrad nur noch mit ausgestreckten Armen erreichen, weil es allein in der Höhe einstellbar ist (das kam erst mit der Modellpflege) – oder sie wissen bei angewinkelten Armen nicht, wohin mit den langen Beinen.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
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Bei km 17.511 taucht im Fahrtenbuch die erste Eintragung zum ungewöhnlichen Ölverbrauch des Vierzylinders auf. Zwar gibt die Fehlmenge von einem Liter auf 7500 km noch keinen unmittelbaren Anlass zur Sorge, doch der Werkstattleiter informiert vorsichtshalber die Mazda-Zentrale in Leverkusen. Dort rät man ...
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
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... zur aufmerksamen Beobachtung des Ölpegels. Im weiteren Verlauf wird klar, dass der MX-5 den 0W20-Schmierstoff nur verbrennt, wenn man ihn hetzt. Mit zunehmender Laufleistung löst sich das Problem in Luft auf.
Das mitunter orientierungslose Navi bekommt ein Update, das auch die gelegentlichen Abstürze behebt. Ein Jahr nach Dienstantritt wird im Rahmen einer Serviceaktion das Kombiinstrument neu programmiert. Das Problem lautet Batterieentladung: Unser Auto ist davon nicht betroffen, erhält das Update aber trotzdem.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
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Die Frontscheibe reißt bei km 27.500 zum ersten Mal – ohne ersichtlichen Grund. Der Austausch ist mit 1650 Euro teuer, auch weil die Assistenztechnik neu justiert werden muss.
Gute 10.000 km später steht der dritte Service an. Die Rechnung hat es in sich: Neben dem Ölwechsel mussten alle vier Bremsscheiben samt Belägen erneuert werden. Ungewöhnlich früh für solch ein kleines und leichtes Auto, das zudem aufgrund seines Cabrio-Charakters nicht ständig über die Autobahn gejagt wird.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
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Die nächste Windschutzscheibe wird kurz vor Schluss nach Befahren einer Tiefgaragenrampe fällig. Wieder ist kein zuvoriger Steinschlag auszumachen. Auf das Scheibenproblem angesprochen sieht Mazda keinen Handlungsbedarf: "Schäden an der Windschutzscheibe des MX-5 Roadster und RF sind kein überdurchschnittlich oft auftretendes Problem".
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
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Raus und rein: Der rote Keder der linken Fahrersitzwange zeigte schnell Abnutzung.
Fazit von Torge Eßer: Zwei gerissene Frontscheiben ohne sichtlichen Anlass und die frühzeitige Bremsenrenovierung schlagen ins Kontor. Ansonsten nur Peanuts. Alltag im Winter macht auch im RF nur bedingt Spaß. Als Roadster-Alternative ist er eher ein Fall für Laternenparker.