Erfolg macht sexy. Und weckt den Wunsch nach Wiederholung. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, als der Mazda3 vor knapp zwei Jahren bei AUTO BILD zum Dauertest antrat. Zwei Markenkollegen, der Van Mazda5 und der Mittelklässler Mazda6, hatten den 100.000-Kilometer-Marathon zuvor als mängelfreie Musterknaben absolviert. Daher waren nun alle gespannt, ob auch der "Dreier" das Zeug zum Einser-Kandidaten hat. 24 Monate später steht die Antwort fest: er hat. Fast schon die größte Auffälligkeit, die sich der japanische Golf-Rivale während seines Gastspiels in der Redaktion leistete, war der arktosblaue Metalliclack, mit dem er in der Testwagengarage einen knalligen Farbtupfer setzte.
Mazda 3
Die Frontscheibenheizung erspart im Winter das Eiskratzen. Doch die Vorderräder drehen auf Schnee leicht durch.
Der Rest: Routine. Dass die Bremsbeläge an der Vorderachse bei Kilometerstand 62.089 ersetzt werden mussten, fällt in die Kategorie "normaler Verschleiß". Verwunderlich, dass die Stopper überhaupt so lange durchhielten, schließlich wurde der mit straffem Fahrwerk und direkter Lenkung betont sportlich auftretende Kompakte eher flott als sanft bewegt. "Wunderbar leichtfüßig", schwärmte Produktioner und Nordschleifen-Crack Mario Puksec – und er war nicht der Einzige. Die Liste der Reparaturen und Macken blieb erfreulich kurz, die Werkstatt sah der Mazda nur zu den Inspektionen. Im letzten Viertel der Testdistanz zeigte das Radio-Display wiederholt Buchstabensalat.
Mazda 3
Anders, aber gefällig: Das Design des Japaners fällt auf – vor allem in Arktosblau. Nun erhält der Mazda3 ein dezentes Facelift.
Neue Reifenventile mit Drucksensoren waren bei 82.987 Kilometern fällig – reine Vorsichtsmaßnahme von Mazda, defekt waren sie nicht. Und auf der Zielgeraden, der Fahrt zur Zerlegungswerkstatt, flackerte mehrfach die Airbag-Leuchte. Diagnose auch hier: falscher Alarm. Unterm Strich also: Peanuts. Kein Liegenbleiber, keine Defekte, keine teuren Überraschungen. Nur ein paar ... sagen wir mal: Eigenheiten, die nicht jedem in der Redaktion gefielen. Da wäre zum Beispiel der drehfreudige, aber beklagenswert durchzugsschwache Benziner. "Wo sind die 105 PS versteckt?", schrieben einige Redakteure enttäuscht ins Bordbuch, zumal das kurvenfreudige Fahrwerk mit der Motorleistung eher unterfordert schien.
Mazda 3
Unterwegs auf der Deutschen Fachwerkstraße: Der Mazda3 war ein treuer Begleiter quer durch Europa.
Ein weiterer Stein des Anstoßes: die kurze Getriebeübersetzung, die den Spritverbrauch bei flotter Fahrt in zweistellige Höhen trieb. Schon der im Testmittel gemessene Wert fiel mit 9,6 Litern für einen Kompaktwagen zu hoch aus. "Hier fehlt ein sechster Gang", lautete die einhellige Meinung. Wenig Gegenliebe fand auch der herbe Federungskomfort. Vor allem kurze Stöße stellte der Japaner ziemlich ungefiltert an die Passagiere durch. Geschmacksache: die präzise, direkte Lenkung. Ruhigere Naturen fanden, dass sie fast schon eine Spur zu spitz auf Lenkbefehle reagiere. Sportliche Fahrer dagegen freuten sich am Ausgang jeder Kurve bereits auf die nächste.
Begeisterungsstürme erntete die kurz gestufte Schaltung: "Ein echter Joystick", stellte Redakteur Willi Kock – bekennender Automatik-Fan – über den präzise rastenden Hebel fest. "Ich kenne kaum ein Auto, bei dem Schalten mehr Spaß macht!" Auf Kritik stießen hingegen die geringe Reichweite (oft mahnte die übervorsichtige Tankanzeige schon nach 400 Kilometern zum Boxenstopp) und die dünnblechig wirkende Karosserie mit ihrer mäßigen Geräuschdämmung. Letzteren Punkt hat Mazda sich bei der Modellpflege genauso vorgenommen wie die Materialauswahl für das Cockpit. Der hohe Hartplastikanteil stört Ästheten.Andererseits spricht für die Qualität des Mazda-Innenraums, dass auch der häufig wenig rücksichtsvolle Redaktionsalltag kaum nennenswerte Narben hinterließ. Lobend äußerte sich die Mehrheit der Tester über die – auch für groß gewachsene Fahrer – bequeme Sitzposition und sinnvolle Ausstattungsdetails wie die heizbare Frontscheibe: "Schnelle Abtauwirkung, erspart bei leichter Vereisung das Kratzen", freute sich ein Kollege im Winter. "Warum haben das nicht alle?" Eher enttäuschend war, wie in vielen Tests vorher bereits kritisiert, die Raumausnutzung des 4,46-Meter-Japaners: "Ein Golf ist 20 Zentimeter kürzer, bietet aber vor allem hinten viel mehr Platz", rügte Tester Daniel Gau.Mäßig auch die Übersicht: "Ohne Parkpiepser ist man beim Rückwärts-Rangieren aufgeschmissen", notierte Online-Redakteur Michi Voß ins Fahrtenbuch. Einige Einträge befassten sich mit dem eingebauten Navigationssystem. Bemängelt wurden der zu kleine Bildschirm sowie die nur über Lenkradtasten mögliche Zieleingabe. Für die letzte Dienstfahrt lautete sie: Hitdorfer Straße 73, Leverkusen. Von dort aus startete unser blauer Freund nach der Zerlegung in ein zweites Leben; die Mazda-Schraubertruppe setzte ihn in rekordverdächtigen 20 Arbeitsstunden wieder zusammen. Wir haben nicht den geringsten Zweifel, dass der Bursche auch die nächsten 100.000 Kilometer läuft und läuft und läuft.Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.

Fazit

von

Manfred Klangwald
Was seine Geschwister Mazda 5 und Mazda 6 in früheren Dauertests bereits erahnen ließen, hat der "Dreier" jetzt eindrucksvoll bestätigt: Mazda gehört zu den ersten Adressen für alle, die ein "Rundum-sorglos-Auto" suchen. Die legendäre japanische Zuverlässigkeit – hier gibt es sie noch. Allzu lange sollten sich die Autobauer aus Hiroshima jedoch nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Denn wenn sich bei einem zwei Jahre jungen Auto bereits Rostansätze zeigen, besteht Handlungsbedarf. Technisches Stehvermögen ist das eine, Langzeitqualität das andere. Schließlich ist ein Autoleben nach 100.000 Kilometern noch nicht zu Ende.

Von

Manfred Klangwald