Mazda3 gegen Ford Focus im Testvergleich
Duell der Fahrspaß-Kompakten mit Benziner: Mazda3 vs. Focus

Dynamik zu bezahlbaren Preisen gesucht? Der sanft geliftete Mazda3 muss sich im Vergleichstest gegen den Ford Focus beweisen. An Bord: Mildhybrid-Benziner.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Diese zwei Hersteller, da war doch mal was. In den 1990er- und 2000er-Jahren arbeiteten beide eng zusammen, Ford besaß zeitweilig über ein Drittel der Mazda-Aktien. Eines der Produkte dieser Ehe: Die ersten beiden Mazda3-Generationen standen auf der Bodengruppe des 2004er Focus, teilten sich auch ansonsten so manches Teil mit dem Kölner Kompakten.
Heute? Ist diese Kooperation zwar längst wieder Geschichte – wer die Nase vorn hat, bleibt aber spannend. Zum Vergleich treten beide mit Mildhybrid-Benzinern an.
Auf dem Fahrersitz wird deutlich, wie unterschiedlich sich die Grundmission "sportlicher Kompakter" doch interpretieren lässt. Der Mazda gibt sich klassisch-reduziert. Die Änderungen, die seine Macher ihm wohl bewusst unauffällig zum neuen Modelljahr implementiert haben, muss man schon mit der Lupe suchen.
Dabei sind es einige: 10,25-Zoll-Zentralmonitor (größer und jetzt während der Fahrt touchbedienbar), neu belegte Klimaknöpfe, Müdigkeitswarner, CarPlay und Android Auto jetzt kabellos. Außerdem spiegelt das serienmäßige Head-up-Display nun Navi-Hinweise vom Smartphone in die Frontscheibe, allerdings nur von bestimmten Apps, zum Beispiel Apple Karten.
Der Mazda bietet eine Top-Sitzposition
Was geblieben ist, ist die Top-Sitzposition. Mazda spricht ja oft von Jinba Ittai, also der Einheit zwischen Pferd und Reiter als Designinspiration für ihre Modelle. Im Mazda3 wird das tatsächlich spürbar: Sein Cockpit richtet sich ganz auf den Fahrer aus, Lenkrad und Pedale sitzen an exakt den richtigen Stellen, nehmen ihn in die Zange. Selbst mit den Händen am Lenkrad lassen sich die Ellenbogen bequem auf Türverkleidung und Mittelarmlehne abstützen.

Mazda-Cockpit mit sanften Änderungen wie größerem Bildschirm und neuer Belegung der Klimatasten. Der Müdigkeitsassistent erkennt auch, wenn der Fahrer aufs Smartphone schaut.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Leider unverändert: Die Mazda-Sprachsteuerung lehnt etwas freier formulierte Befehle noch immer stoisch ab. Und lässt sich selbst manch unverwechselbare Adresse gern noch mal extra bestätigen. Letzte wirklich relevante Neuerung: Wer will, bekommt im Mazda3 gegen 750 Euro Aufpreis jetzt ein Glasschiebedach, das der ansonsten etwas düsteren Kabine ein Oberlicht verschafft.
Riesiger 13,2-Zoll-Screen im Ford Focus
Das Spiel mit den Navigationshinweisen vom Smartphone beherrscht der Ford übrigens auch, seit er im letzten Jahr eine umfangreiche Überarbeitung erfahren hat. Seine Macher haben ihn dabei radikaler digitalisiert, die Klimatasten in den wahrlich riesigen 13,2-Zoll-Screen integriert. Gut: Sie bleiben immer da, verschwinden nicht in irgendeinem Untermenü.

Der 13,2-Zoll-Screen im Focus erschlägt einen zunächst ein wenig. Die wesentlichen Funktionen sind schnell zu finden. Das viele Hartplastik mutet noch immer etwas zu günstig an.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Insgesamt fragt man sich aber doch, ob ein paar echte Tasten mehr die Ästhetik des Focus-Innenraums nun nachhaltig geschädigt hätten. Zumal das System noch immer eher träge reagiert.
Während der oberflächliche Qualitätseindruck des Ford noch immer unter dem vielen Hartplastik im Innenraum leidet, erweist er sich im Detail an vielen Stellen als hochwertiger gemacht.

Die Kniefreiheit im Focus-Fond geht in Ordnung, die Kopffreiheit fällt großzügiger aus als im Mazda. Hinten gibt's einen USB-A- und einen USB-C-Anschluss.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Hinten zum Beispiel haben die Kölner harte Radhausschalen verbaut, während dort beim Mazda nur ein Stück loser Teppich sitzt. Auch werden dort bei geöffneten Türen und offener Heckklappe teilweise Farbunterschiede im Lack deutlich.

Platz für Knie und Kopf sind im Mazda3 deutlich eingeschränkter. Das kleinere Fenster lässt weniger Licht ins Auto. Lademöglichkeiten fehlen ganz.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Mehr Platz bietet trotz sieben Zentimeter weniger Außenlänge ebenfalls der Focus. Vor allem hinten stehen mehr Knie- und geringfügig mehr Kopffreiheit zur Verfügung. 392 bis 1354 Liter Kofferraumvolumen sind sicher kein Klassenbestwert, aber hinnehmbar. Störend fällt eine Stufe beim Umlegen der Bank auf. Die 351 bis 1026 Liter des Mazda rangieren dagegen eher auf Kleinwagenniveau, die sportliche Fensterlinie verdunkelt den Fond.
Sportlich ist der Focus die Benchmark
Auf der Straße merkt man dem Focus an, dass er seit mittlerweile 25 Jahren im Kompaktgeschäft mitmischt. Er zählt in dieser Hinsicht zum Besten, was die Klasse zu bieten hat. Das sportliche ST-Line-Schuhwerk dämpft und federt im Alltag kernig-straff, münzt diesen Kompromiss über einen hilfreichen Lastwechsel aber auch in Agilität um. Einlenken, vom Gas gehen und der Ford dreht sich sanft um die Hochachse ein.
Fahrzeugdaten
Modell | Ford Focus 1.0 EcoBoost Hybrid | Mazda3 e-Skyactiv G 150 |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizylinder, Turbo, Mildhybrid | Vierzylinder, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 999 cm³ | 1998 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 114 (155)/6000 | 110 (150)/6000 |
Nm bei 1/min | 240/2500 | 213/4000 |
Vmax | 211 km/h | 206 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung | Sechsgang manuell |
Antrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/50 R 17 V | 215/45 R 18 W |
Reifentyp | Continental SportContact 5 | Michelin Pilot Sport 4 |
Radgröße | 7 x 17" | 7 x 18" |
Abgas CO2 | 121 g/km | 128 g/km |
Verbrauch* | 5,1 l/100 km | 5,4 l/100 km |
Tankinhalt | 52 l | 51 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super |
Partikelfilter | Serie | - |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) | 66 dB(A) |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 1500/690 kg | 1300/600 kg |
Stützlast | 75 kg | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 392–1354 l | 351-1026 l |
Länge/Breite/Höhe | 4392/1825–1979**/1440 mm | 4460/1795–2028**/1435 mm |
Radstand | 2700 mm | 2725 mm |
Grundpreis | 35.100 Euro | 28.190 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 38.400 Euro | 32.090 Euro |
Der Einliter-Turbobenziner hat mittlerweile den 1,5-Liter-EcoBoost abgelöst. Im Focus mobilisiert das kleine Aggregat 155 PS, ist ausschließlich in Verbindung mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe zu haben.
Insgesamt fährt sich diese Kombination – trotz halben Hubraums im Vergleich zum Mazda – spritzig, was wir vor allem dem 48-Volt-Mildhybridsystem zuschreiben. Wie viel genau es leistet, spezifizieren die Kölner nicht, aber es boostet mal hier und mal da mit, macht sich durch leises Fiepen bei Leistungsabgabe und ein sanftes "Huuuu" beim Rekuperieren akustisch bemerkbar.

Focus (links) im ST-Line-Look, Mazda mit Mini-Heckscheibe. Eine Rückfahrkamera zählt jetzt zum Serienumfang.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
So gerüstet, marschiert man in 8,3 Sekunden auf Tempo 100 und dann weiter bis 211 km/h. Der Testverbrauch von 6,3 Litern kann sich dabei durchaus sehen lassen. Auch wer länger im Stadtverkehr unterwegs ist, erblickt nur selten eine Sieben vorm Komma auf dem Bordcomputer. Mit Bremswegen knapp über 34 Meter lässt sich weder Ford noch Mazda etwas vorwerfen.
Der Mazda liegt weicher, lässt mehr Bewegung zu
Dessen Philosophie fühlt sich grundsätzlich anders an. Der Japaner liegt weicher, lässt mehr Bewegung zu. Vorteil: Gullydeckel und herbe Fahrbahnkanten ziehen oft beinahe unbemerkt vorüber. Das ebenfalls agile Heck wird vom ESP im Grenzbereich etwas früher wieder eingefangen. Besser gefallen hat uns seine rund abgestimmte Lenkung, die um die Mittellage mehr Ruhe vermittelt als die des Ford.
Messwerte
Modell | Ford Focus 1.0 EcoBoost Hybrid | Mazda3 e-Skyactiv G 150 |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 3,0 s | 3,2 s |
0–100 km/h | 8,3 s | 9,0 s |
0–130 km/h | 13,6 s | 14,6 s |
0–160 km/h | 22,1 s | 22,9 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 4,5 s | 4,8 s |
80–120 km/h | 5,7 s | 6,2 s |
Leergewicht/Zuladung | 1365/545 kg | 1390/485 kg |
Gewichtsverteilung vorn/hinten | 61/39 % | 62/38 % |
Wendekreis links/rechts | 11,2/11,0 m | 11,6/11,6 m |
Sitzhöhe | 550 mm | 515 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,1 m | 34,6 m |
aus 100 km/h warm | 34,3 m | 34,4 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 58 dB(A) | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) | 69 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 5,4 l/100 km | 5,6 l/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,3 l S/100 km (+24 %) | 6,6 l S/100 km (+22 %) |
Sportverbrauch | 8,0 l/100 km | 8,5 l/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 150 g/km | 156 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 820 km | 770 km |
Den gelasseneren Eindruck unterstützt sein Zweiliter-Saugbenziner. Er läuft – im Unterschied zum Kölner Dreizylinder – im Teillastbereich fast geräuschlos, dreht sanfter hoch. Sein Problem: das lang übersetzte Handschaltgetriebe, mit dem er zum Test anrollte.
Um die 4000 Umdrehungen zu erreichen, bei denen das maximale Drehmoment von 213 Newtonmetern anliegt, braucht's lang. Für volle Leistung schaltet man bei Tempo 80 bis in den zweiten Gang zurück. Der Sprint auf 100 km/h braucht glatte neun Sekunden.
Dabei unterstützt auch im Mazda ein Mildhybrid, der mit 24-Volt-Netz arbeitet. Vom lautlosen Anlassen des Verbrenners abgesehen tut man sich aber schwer, ihn überhaupt wahrzunehmen. Insgesamt wirkt der Japaner also müder, verbraucht aber trotzdem mehr: 6,6 Liter Super.
Der Mazda ist über 6000 Euro günstiger
An der Kasse bringen vor allem der günstige Anschaffungspreis und die umfangreiche Serienausstattung den Mazda nach vorn: Wie getestet, also samt elektrisch verstellbaren Ledersitzen und allem Klimbim, kostet er gute 6000 Euro weniger als der Ford. Selbst wenn man gedanklich das optionale Automatikgetriebe hinzuaddiert, bleiben also rund 4000 Euro Preisvorteil.
Und auch die längere Sechsjahresgarantie spricht für den Mazda, der am Ende Preis-Leistungs-Sieger wird. Der Focus punktet mit längerem Wartungsintervall und durchweg günstigerer Versicherung. So geht der Gesamtpokal dieses Mal also nach Köln.
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