Mercedes C 63 AMG/Audi RS 5/Lexus IS-F: Test
Sie drehen noch mal richtig auf

Der Ökotrend lässt die Motoren schrumpfen, aber es gibt sie noch, die echten Ballermänner: Audi RS 5, Lexus IS-F und Mercedes C 63 AMG im Vergleich.
Mad Max? Kennt man, oder? Ein auf Rache gebürsteter Ex-Polizist scheucht marodierende Motorradbanden durchs Endzeit-Australien. Den Verbrechern ist er mit seinem Interceptor auf den Fersen – einem aufgemotzten Ford XB Coupé. "Der letzte große V8", gibt der Werkstatt-Chef seinem Kumpel Max verschwörerisch mit auf den Weg. Zwei brüllende Gasstöße später ist die Botschaft auch beim Kinopublikum angekommen: Ohne den Dampfhammer unter den Kraftmaschinen stottert jeder Rachefeldzug. Auf Vergeltung sind wir hier beim Vergleich von Audi RS 5, Lexus IS-F und Mercedes C 63 AMG natürlich nicht aus. Und doch verbindet etwas diese Sportwagen mit dem grantigen Verfolger aus dem Actionfilm: Sie gehören mit ihren Maschinen zu einer aussterbenden Art.
Überblick: Alle News und Tests zum Lexus IS-F
Video: C 63 AMG, RS 5, IS-F
V8-Ballermänner
Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes C 63 AMG

Knüppelhart: Von Restkomfort ist beim Fahrwerk des Mercedes C 63 AMG nur wenig zu spüren.
Bild: Roman Raetzke
Die Maschine – ach was, eher das Drehmomentkatapult – schleudert die Kraft lässig heraus. Direkter, müheloser und schneller geht es kaum. Entsprechend umrundet das Coupé unsere Handling-Teststrecke – radiert mit 1:33,69 Minuten Rundenzeit die Bestzeit in den Asphalt. Das Ganze natürlich lautstark vom pochenden Sound des handgefertigten V8 untermalt. Gleichfalls mit beeindruckendem Spektakel, bloß einen Wimpernschlag langsamer, nimmt sich der Audi RS 5 unseren Kurs vor. Der 4.2er im Bug des Coupés bringt zwar weniger Leistung und hängt beim Drehmoment hinterher. Das macht er dafür mit entfesselter Gier nach Drehzahlen wieder wett.
Überblick: Alle News und Tests zum Audi RS 5

In engen Kurven schiebt der Audi RS 5 über die Vorderräder, in schnellen bleibt er neutral.
Bild: Roman Raetzke
Beeindruckend nachdrücklich zieht dabei auch der Fünfliter-Sauger durch. Passt – das F im Beinamen des Lexus steht schließlich für Fuji-Raceway, Japans legendären Rennkurs. Da kann man Getriebe und Motor nicht nach Bielefelder Wohnstraße abstimmen. Auch den Rest vom IS-F schärften die Entwickler nach dieser Vorgabe. Fahrwerk stramm, Bremsen hitzestabil, Vmax ungehemmt (270!). Der Lenkung hätten die Techniker allerdings mehr Präzision eingravieren, dem strengen ESP eine spaßbringendere Stufe und den Sitzen mehr Kontur geben können. Absolut kritikfrei nehmen wir dagegen das Vorsingen der mit Sinter-Pleueln und Schmiedekolben verfeinerten Maschine hin. Sensationell auch: Spätestens beim Überklettern der 4000er-Drehzahlmarke öffnen Saugklappen im Ansaugtrakt, und aus dem bis dahin entspannt summenden Fünfliter wird ein bellender Höllenhund. Erst kurz vor 7000 Umdrehungen greift der elektronische Drehzahlbegrenzer ein.
Dass der IS-F seine Kraft ausgangs enger Kehren nur mit Mühe auf die Straße bringt, hilft zwar beim spektakulären Driften. Schneller wird er dadurch aber nicht. Den Konkurrenten hechelt der IS-F auf dem rund vier Kilometer langen Rundkurs der Teststrecke Contidrom 0,7 beziehungsweise. 1,4 Sekunden hinterher. Im Grunde könnte man das kleine Tempo-Manko ja mit dem deutlich günstigeren Preis entschuldigen – schließlich liegen allein zwischen dem Audi und dem Lexus rund 12 000 Euro. Der extrem hohe Unterhaltsanspruch des IS-F macht das leider zunichte – Versicherungsprämien und Wartungsaufwand liegen auf höchstem Nivau. Sei's drum. Mad Max wäre das ja auch egal.
Fazit
Für mich sind alle drei Sieger – weil sie (noch) herrlich hemmungslos mit ihrer Leistung hantieren, unnachahmlich mechanisch arbeiten und natürlich faszinierend schnell fahren. Nach Punkteschema gewinnt der Mercedes nur knapp – weil wir auch die Alltagsqualitäten der Konkurrenz würdigen. Gefühlt siegt der Mercedes aber mit größerem Abstand. Der bärige V8 im Zusammenspiel mit dem kompromisslosen Fahrwerk katapultiert ihn nach vorn.
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