Wie gut der neue CLA EQ ist, klärt der erste Einzeltest – wir geben es in Punkte gefasst in dieser Geschichte wieder.

TOP-ANGEBOT

Kennzeichnung für einen externen LinkMercedes-Benz CLA EQ

Mercedes-Benz CLA EQ

55.727 EUR

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Spoiler: Die brandneue elektrische Limousine ist ziiiemlich gut! Wie sich der CLA dagegen in seinem Umfeld positioniert, wollen wir an dieser Stelle mit einigen "Übersetzungen" veranschaulichen.

Beim Preis ein typischer Mercedes

Erstes Beispiel: 792 Kilometer Reichweite – das hat früher ein Mercedes 190 E mit 118 PS im Leben nicht geschafft. Oder: 800 Volt britzelnd-gewaltige Spannung – die Berliner S-Bahn saust mit gleicher Voltzahl durch die Stadt. Weiter geht's: 320 kW Ladeleistung – kein einziger Tesla hält so viel Saft auf der Ladeleitung aus.
Mercedes CLA 250+
Teuer: Für den CLA 250+ verlangt Mercedes mindestens 55.859 Euro. Inklusive aller testrelavanten Extras werden 66.516 Euro fällig.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Noch ein Beispiel: In 6,7 Sekunden sollen die 100 km/h geknackt sein – da muss niemand nach mehr Leistung fragen. Zu guter Letzt: Zweifuffziger – dieser Mercedes-Zahlencode stand einst für mindestens Mittelklasse. Passt, der CLA EQ 250+ kostet mindestens 55.859 Euro und summt damit zügigst aus der Kompaktklasse heraus. Packen wir diese herausragenden Elemente des elektrischen CLA doch in ein Wort: Meilenstein. Glückwunsch, Mercedes!

Bedienung wie am Smartphone

Aber: Das reicht uns natürlich noch nicht, bei Weitem nicht. Wir drücken Kompetenz in Punkten und Gesamtnote aus. Eine 1+ mit Sternchen erntet der CLA bereits über seine beeindruckend intelligente Vernetzung. Mercedes Operating System nennen die Schwaben die digitale Basis – darin stecken das MBUX der vierten Generation, Vernetzung per und mit KI (ChatGPT),
Mercedes CLA 250+
Touchen und Wischen: Im CLA steckt ein KI-gestütztes Bedienkonzept, basierend auf MB.OS. Es ist die vierte Generation des MBUX-Systems.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Google-Funktionen sowie ein hervorragend verständiger virtueller Assistent. Das Ganze findet seine optische Bündelung auf einem gigantischen Berührbildschirm – hier wischen Fahrer und Beifahrer wie beim Smartphone die Apps und Funktionsumfänge hin und her, aktivieren Systeme per Fingertipp oder eben per Stimme.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Einbaulage
hinten
Spitzenleistung
200 kW (272 PS)
Dauerleistung
145 kW (197 PS)
max. Drehmoment
335 Nm
Vmax
210 km/h
Getriebe
Zweiganggetriebe
Antrieb
Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/45–255/40 R 18 W
Reifentyp
Michelin Pilot Sport 5
Radgröße
7,5–9 x 18"
Reichweite*
711 km
Verbrauch*
13,8 kWh/100 km
Batterieart
Lithium-Ionen
Batteriekapazität netto
85 kWh
Ladeleistung AC/DC
11 (22 optional)/320 kW
Ladezeit (10-80 %; DC-Ladung)
22 Minuten
Ladeanschluss
hinten rechts
Vorbeifahrgeräusch
67 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1500/750 kg
Stützlast
80 kg
Kofferraumvolumen
405 l (+101 l vorn)
Länge/Breite/Höhe
4723/1855–2021**/1468 mm
Radstand
2790 mm
Grundpreis
55.859 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
66.516 Euro
Das ist im Prinzip logisch, verlangt (ausgenommen über Sprachkommando) dennoch nach einiger Eingewöhnung und nach einem langen Arm. Um an Icons auf der rechten Hälfte des riesigen Bildschirms zu gelangen, muss man sich aus dem Sitz heben und strecken. Die haptisch unschönen kleinen "Wisch-Tasten" in den Lenkradspeichen kennen wir aus anderen Modellen. Im neuen CLA kommen sie uns jedoch nochmals empfindlicher und schwieriger zu beherrschen vor.

Sprachsteuerung mit kleinen Schrullen

Dafür arbeiten die Fahrassistenten (bis hin zum nahezu selbstfahrenden Modus) ausgesprochen feinfühlig, wenig maßregelnd und in unserem Test fehlerfrei. Den zielgenauen Einparkassistenten braucht man dank bester Kameraunterstützung (allein zwei Linsen im Außenspiegelgehäuse) nicht wirklich – doch er sortiert das Auto enorm lässig in Lücken hinein.
Kleine Schrullen des neuen MBUX-Systems: Auf die sprachliche Bitte nach Regulierung der Lordosenstütze antwortet der CLA mit dem Hinweis, wo die Tasten "normalerweise" angebracht sind, Rechenaufgaben löst er mit dem Zusatz "ungefähr". Nix Schlimmes, doch für ein derart aktuelles Softwarepaket dann doch etwas lieblos.

Platzangebot im Fond etwas knapper

Was uns zu den praktischen Qualitäten des CLA führt. Wirklich herausragende Merkmale haben wir nicht gefunden. Vorn gibt es genügend Platz, hinten geht es dagegen deutlich enger zu. Der Einstieg in den Fond unter dem ausladenden Dachholm hindurch gelingt erst nach würdelosen Verrenkungen, die Scheiben der hinteren Türen lassen sich nur halb versenken, und Passagiere der zweiten Reihe müssen sich an einer unbequemen – weil von kantig geformten Getränkehaltern belegt – Mittelarmlehne abstützen.
Mercedes CLA 250+
Das Platzangebot im Fond des CLA ist vor den Knien knapp, dazu klappt der Einstieg nicht mühelos – man muss sich krumm machen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Außerdem sind die Fondbanklehnen nicht vom Kofferraum aus klappbar, nur 405 Liter Volumen des Gepäckabteils und 464 Kilogramm Zuladung stufen wir als allenfalls mäßig ein. Immerhin: Vorn steht im Frunk ein tiefes Fach für das Ladekabel zur Verfügung. Diese sauber eingepasste Vertiefung fasst weitere 100 Liter Ladung. Das große Panorama-Glasdach (Serie bei allen CLA) lässt viel Licht herein, bietet jedoch außer einer leichten Tönung keine weitere Verdunklungsmöglichkeit.

Testreichweite über 500 Kilometer

Genug gemäkelt. Viel wichtiger beim 250+: Sein elektrisches Können liegt auf ähnlich hohem Niveau wie seine Vernetzung. Zwar hat der Testwagen die versprochenen 792 Kilometer Reichweite (gilt für das Basismodell 250+) in unserer Prüfung nicht erreicht, doch das hat Gründe. Zum einen kommt es auf die Reifen an. Unser Testwagen war mit kräftezehrenden Sportreifen (Michelin Pilot Sport 5) bestückt. Nur mit den speziell für den 250+ angepassten Leichtlaufreifen wäre es möglich, den WLTP-Wert zu "schaffen".
Mercedes CLA 250+
Sehr ordentlich: Im Testdurchschnitt verbrauchte der CLA 250+ 17,8 kWh/100 km. Das reicht für eine Strecke von 508 Kilometern.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zudem belastet das Gewicht der zusätzlichen Ausstattung (AMG Line). Wir haben rund 70 Kilogramm mehr Masse als vom Werk versprochen gemessen. Unterm Strich kommt der CLA also auf 17,8 kWh Energieverbrauch auf 100 Kilometer (statt versprochener 13,8 kWh). Macht "echte" 508 Kilometer Reichweite. Wer schleicht, kann noch etwas rausholen: 13,9 kWh sind bei zarter Fahrweise möglich – was rund 600 Kilometer Aktionsradius entspräche.
Mercedes CLA 250+
Schnelllader: Im Optimalfall füllt der Mercedes CLA 250+ seinen Akku in schlanken 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent – das ist reisetauglich.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die schnellen Ladestopps des CLA sind das Ergebnis hoher zulässiger Stromaufnahme. 320 kW Leistung bei 800 Volt Spannung verkürzen eine "Tankpause" trotz recht üppigem Akkupaket (85 kWh) entsprechend auf gute 22 Minuten. Eine Wärmepumpe und schlaue Routenplanung inklusive Vorkonditionierung der Batterie sind ab Werk an Bord. So gesehen halten wir den CLA für eines der reisetauglichsten E-Autos derzeit.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,9 s
0–100 km/h
6,6 s
0–130 km/h
10,7 s
0–160 km/h
15,7 s
0–200 km/h
25,0 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,1 s
80–120 km/h
4,4 s
Leergewicht/Zuladung
2046/464 kg
Gewichtsverteilung v./h.
46/54 %
Wendekreis links/rechts
11,4/11,3 m
Sitzhöhe
575 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,6 m
aus 100 km/h warm
33,0 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A)
bei 100 km/h
65 dB(A)
bei 130 km/h
69 dB(A)
bei 160 km/h
72dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
13,9 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
17,8 kWh/100 km
(+29 %)
Sportverbrauch
22,7 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite
508 km
Zumal auch der Fahrkomfort stimmt. Ausreichend leise geht's voran, auch bei hohem Tempo (bis 210 km/h lässt die Elektronik zu) wuschelt der Fahrtwind maßvoll um die Kabine herum. Die breiten Reifen steuern jedoch bei allen Tempi ein deutliches Grundrauschen hinzu. Insgesamt wirken sich die aerodynamische Glättung der Karosserie – leider inklusive unpraktischer versenkter Türgriffe – sowie die gute Schallisolierung bestens aus.

Handlich trotz hohem Gewicht

Gleichermaßen federt der Wagen ausgesprochen fein, hat Reserven auf derben Verwerfungen, rollt trotz 18 Zoll großer Bereifung geschmeidig ab und bietet erstklassigen Sitzkomfort über eine perfekte Polsterung und starken Seitenhalt durch stabil geformte Wangen.
Mercedes CLA 250+
Schwer in Fahrt: Der CLA 250+ bringt 2046 Kilo auf die Waage. Das merkt man ihm auf der Straße nicht an – er ist handlich und aktiv.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Noch einige Worte zum Fahrwesen: Trotz rund zwei Tonnen Leermasse fühlt sich der CLA handlich und aktiv an, die Lenkung reagiert zwar um die Mitte herum merkwürdig verschwommen, spätestens nach leichtem Einschlag jedoch angenehm sensibel und direkt übersetzt, gleichfalls ohne hektische Reaktionen bei schneller Fahrt. Das Ausweichverhalten – auch von einem telepathisch reagierendem ESP reguliert – stufen wir dank tiefem Schwerpunkt und guter Balance als perfekt ein.
Dazu kommt das typische spontane und besonders kraftvolle Beschleunigungsvermögen der E-Maschine. Bis zur Höchstgeschwindigkeit zieht der CLA – mit Ausnahme einer winzigen, als leichten Ruck spürbaren Schaltpause knapp über 100 km/h beim Übergang in den zweiten Gang – sehr linear und anhaltend satt durch.

Wertung Mercedes CLA 250+

Wertung Mercedes CLA 250+
Karosserie
Für die Klasse sehr gutes Raumangebot vorn, hinten eng, schwieriger Zustieg zum Fond.
3,5 / 5
Antrieb
Stark und leise, Zweiganggetriebe (unter Last Schaltpause), gute Ladetechnik, Top-Rekuperation.
4,5 / 5
Fahrdynamik
Agiles Fahrgefühl, tiefer Schwerpunkt, hervorragende ESP-Abstimmung, Lenkgefühl nicht optimal.
4 / 5
Connected Car
In Sachen Multimedia und Assistenz auf höchstem Niveau, manche Funktionen nur optional.
5 / 5
Umwelt
Üppig dimensioniertes Auto mit zwei Tonnen Leergewicht, geringe Außengeräusche.
4 / 5
Komfort
Sehr gute Federung, bequeme Vordersitze, hohes Ausstattungsniveau. Ablenkendes Bedienkonzept.
4 / 5
Kosten
Kaufpreis heftig, dafür wertstabil. Nur zwei Jahre Garantie, zweijährige Inspektionsintervalle.
2,5 / 5
AUTO BILD-Testnote
1,6
So souverän, wie der CLA nach vorn geht, so zuverlässig und effektiv ankert der kompakte Stromer auch. 33 Meter aus 100 km/h bis zum Stillstand haben wir erfasst – ein hervorragender Wert. Wir hatten ja bereits "gespoilert": Der Mercedes CLA 250+ macht seine Sache in fast allen Belangen tadellos. Übersetzt heißt das dann 1,6 – eine Super-Note.

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Fazit

von

AUTO BILD
Ein außergewöhnlich modernes, sicheres und komfortables Auto. Die elektrischen Fähigkeiten sind top – allerdings nicht ganz so rosig wie das WLTP-Versprechen. Absolut klasse: die hohe Ladeleistung. AUTO BILD-Testnote: 1,6