Mercedes E 450 d 4Matic T-Modell: Test
T wie (fast) perfekt: Beim Mercedes E 450 d T stört nur der Preis

Die E-Klasse gilt als DER Mercedes. Ein T-Modell läuft unter Funktionskönig. In Verbindung mit dem besten Dieselmotor derzeit wird aus diesem Typ das begehrenswerteste Auto überhaupt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Den Begriff "universal" hat Mercedes zwar nicht erfunden. Allerdings haben die Schwaben äußerst früh (nämlich bereits 1965) erkannt, dass man einen geräumigen Kombi wunderbar mit einer edlen Kutsche vermischen darf und daraus eine äußerst universelle Angelegenheit entsteht.
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Dann darf man das auch so benennen, geboren war der Mercedes 190 Universal. Der alte Name ist Geschichte, doch das Prinzip haben die Stuttgarter Ingenieure bis in die Neuzeit gezogen. Dabei immer dickere Teppiche in die Laderäume geschlagen, stetig feinere Motoren unter die "Transporter"-Haube gehängt, emsig die Brücke zwischen alltagstauglicher Haltung und Premium-Attitüde ausgebaut.
Testwagenpreis bei über 100.000 Euro
Wir wissen das. Schließlich haben wir seit AUTO BILD-Gründung 1986 wirklich viele T-Modelle aller Baureihen getestet und für SEHR gut befunden. Und nun das! Erneut steht ein Testwagen der T-Klasse auf dem Redaktionsparkplatz, und alle Redakteure des Testressorts pochen liebevoll aufs Blech und murmeln ein passendes wie liebevolles "Hammer".

Das beste Auto der Welt? Die Mercedes E-Klasse – zumal als T-Modell – wäre wohl ziemlich nahe dran. Leider ist sie aber auch ziemlich teuer.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Es ist ein E 450 d 4Matic, und wir hauen mal einen raus: Dieser Benz hat das Zeug zum besten Auto der Welt. Auf jeden Fall unter subjektiver Betrachtung. Denn das Einzige, was ihm zum Über-Auto fehlt, sind ein empfindlich geringerer Kaufpreis – zu haben ist der Wagen ab 88.762 Euro, der gewertete Testwagenpreis liegt bei üppigen 107.166 Euro – und natürlich ein reiner Elektroantrieb.
Fahrzeugdaten
Modell | Mercedes E 450 d 4Matic T-Modell |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | R6, Biturbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 2989 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 270 + 17 (367 + 23)/4000 |
Nm bei 1/min | 750/1350 |
Vmax | 250 km/h |
Getriebe | Neunstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 245/40–275/35 R 20 Y |
Reifentyp | Pirelli P Zero |
Radgröße | 8,5–9,5 x 20" |
Abgas CO2 | 162 g/km |
Verbrauch* | 6,2 l/100 km |
Tankinhalt | 66 l |
Kraftstoffsorte | Diesel |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | S/24 l |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2100/750 kg |
Stützlast | 84 kg |
Kofferraumvolumen | 615–1830 l |
Länge/Breite/Höhe | 4949/1880–2065**/1469 mm |
Radstand | 2961 mm |
Grundpreis | 88.762 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 107.166 Euro |
Lassen wir das kleinliche Geldthema und den politisch korrekten Elektro-Leitgedanken also mal beiseite und konzentrieren wir uns in diesem Test auf das gesamte Können und die einzig wichtige Frage: Was macht das 450er-T-Modell der E-Klasse zu einem derart universellen und umgänglichen Alleskönner?
MBUX lässt sich Mercedes teuer bezahlen
Zuerst zur Technik des großen T. Traditionell hält eine E-Klasse die Fahne weit hoch, wenn es um Sicherheit und Komfort geht. Entsprechend steckt viel Ausstattung und pralle Assistenz im Auto. Doch Achtung: Den gesamten Umfang dieser Fahrhilfen liefert Mercedes typischerweise erst gegen Zuzahlung. Genauer: 1773 Euro kostet die "große" MBUX-Ausführung mit drittem Bildschirm für den Beifahrer. Dazu kommen 1297 Euro für das – sehr empfehlenswerte – Head-up-Display. Alle Assistenten arbeiten sehr gut.

Infotainment in Reihe: Drei Bildschirme informieren, unter dem Haupt-Touchscreen steht noch eine kleine Tastenleiste zur Verfügung.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
So haben wir festgestellt, dass die Spurhaltefunktionen besonders feinfühlig regeln und mit- beziehungsweise gegenlenken. Außerdem funktioniert die automatische Temporegelung hervorragend. Hier hält der 450er den Abstand zum Vordermann ideal ein, korrigiert und bremst zart, findet zudem am Stauende die passende Rettungsgassen-Einordnung. Gleiches gilt für die Unterhaltungs-Seite. Tadelloser Klang aus der Burmester-Anlage und eine sauber programmierte Sprachsteuerung mit Online-Vernetzung und KI-Unterstützung erleichtern den Umgang, verbannen den Stress aus langen Reisen.
Viel Komfort auf allen Plätzen
Nicht nur die Funktion an sich ist gelungen – auch die Bandbreite der Darstellung hat uns beeindruckt: Vor dem Beifahrer macht sich ein "eigener" Superscreen breit, die Satellitendarstellung der Navigationskarte wirkt hochwertig, und das Head-up-Display ist üppig dimensioniert, was Inhalte angeht, mehrfach belegbar, lässt sich vielfach einstellen.

Das T-Modell bietet mit einem Radstand von 2961 mm viel Platz im Innenraum. Auch in Reihe zwei ist das Angebot erwachsenentauglich.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
In diese Dienstbarkeit des 450 d passt das ausgeprägte Komfortgefühl. Perfekte Sitze mit justierbarer Polsterung und erstklassiger Massagefunktion stützen Fahrer und Beifahrer, der elektrische Verstellbereich ist bei Mercedes traditionell üppig. Im Fond steht genügend Platz (auch für Erwachsene) zur Verfügung, und die Rücksitze selbst sind angenehm groß dimensioniert. Als Krönung: Das akustische Niveau der E-Klasse ist sehr niedrig – sowohl was Motor- als auch Wind- und Rollgeräusche angeht.
Fahrleistungen auf sportlichem Niveau
Dieser Wohlfühl-Atmosphäre spendet das Chassis weitere Zutaten: Luftfedern, Verstelldämpfung, trotz 20 Zoll Durchmesser noch erträglich samtig abrollende Reifen, eine nicht zu direkte Lenkung bei sauber ertastbarer Mittellage – Reisen ist der größte Genuss in dieser Sänfte. Je nach Adaption des elektronisch geregelten Fahrwerks geht es flauschig oder stramm geführt zu, beides bereitet großen Spaß.

Beeindruckend: Der 2,1 Tonnen schwere E 450 d T geht in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Maximal sind 250 km/h drin.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Klare Sache: Diesen Spagat aus Luxusreise und Dynamikfahrt beherrscht eine E-Klasse perfekt. Die 4Matic (elektronisch überwachter Allradantrieb) beschert dem Mercedes zudem absolute Traktion und ein hervorragend trittfestes Anfahrverhalten. In unter fünf Sekunden prescht der Kombi auf Tempo 100 – klasse! Die von uns ermittelten stolzen 2,1 Tonnen Leermasse verpuffen ohnehin unter dem feinen Fahreindruck, das Auto fühlt sich handlich und willig an.
Messwerte
Modell | Mercedes E 450 d 4Matic T-Modell |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 1,8 s |
0–100 km/h | 4,8 s |
0–130 km/h | 7,5 s |
0–160 km/h | 11,2 s |
0–200 km/h | 18,3 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,5 s |
80–120 km/h | 3,4 s |
Leergewicht/Zuladung | 2114/631 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 53/47 % |
Wendekreis links/rechts | 11,8/11,8 m |
Sitzhöhe | 525 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,7 m |
aus 100 km/h warm | 33,4 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 66 dB(A) |
bei 160 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 5,8 l D/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 7,3 l D/100 km (+18 %) |
Sportverbrauch | 10,1 l D/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 193 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 904 km |
Unter sechs Liter Verbrauch sind möglich
In exakt diese Kerbe schlägt die Maschine. Ein Reihenmotor mit sechs Zylindern und intelligent beisteuernder Elektrokraft (23 PS aus einem 48-Volt-System) agiert perfekt. Enorm kräftig aus dem Keller, gigantisch unter vollem Ladedruck und immer aktiv am Gas – so wuchtet der Dreiliter das große T-Modell mühelos voran.

Im Testdurchschnitt genehmigte sich der E 450 d T 7,3 l/100 km. Auf unserer Sparrunde mit viel Landstraßen kamen wir auf 5,8 l/100 km.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dabei geht es enorm kultiviert zu, meist auch enorm sparsam. Den gemischten Betrieb mit schnellem Autobahnanteil absolviert der 450 d mit einem Dieselverbrauch von 7,3 Litern auf 100 Kilometer.
Wertung Mercedes E 450 d 4Matic T-Modell
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Viel Platz, großer Kofferraum, Zuladung und Anhängelast hoch, top verarbeitet, sehr funktional. | 4 / 5 |
Antrieb | Starker Antrieb mit Laufkultur, tolle Fahrleistungen, fehlerloses Getriebe, hohe Reichweite. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Zielgenaue Lenkung, aktives Fahrverhalten, passable Bremsen, Top-Traktion, stabile Lage. | 4 / 5 |
Connected Car | Fahrassistenz, Navigation und Multimedia auf bestem Stand, gutes Anzeigekonzept. | 5 / 5 |
Umwelt | Großes und schweres Auto, leicht hybridisiert, kann verhältnismäßig sparsam fahren. | 2 / 5 |
Komfort | Federungsverhalten sehr gut, geringes Geräuschniveau, viel Ausstattung, beste Sitze. | 4,5 / 5 |
Kosten | Kaufpreis – speziell beim Testwagen – sehr hoch, Wertverlust unverhältnismäßig, Fixkosten enorm. | 1,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,8 |
Es geht sogar noch besser. Auf unserer von Landstraßen dominierten Testroute "Sparverbrauch" begnügt sich der Mercedes mit gerade mal 5,8 Liter auf 100 Kilometer. Das wäre letztlich gut für über 1000 Kilometer Reichweite. Dies ist nicht zuletzt ein weiterer positiver Aspekt bei der Ermittlung seiner Note. Trotz Wahnsinns-Preis und auch ganz ohne gigantisches Akkupaket im Wagenboden ermitteln wir eine 1,8 – perfekt getroffen.
Fazit
Funktional wie kaum ein anderer, luxuriös, sicher und schnell wie wenige (außer Sportwagen), dazu komfortabel bis zum Gehtnichtmehr – im T-Modell mit 450er-Dieselmotor sehen wir einen Typen für jede(n) und jeden Einsatzzweck. Klarer Fehler dieses Mercedes 450 d: Als Testwagen ist er über 100.000 Euro teuer. AUTO BILD-Testnote: 1,8
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