Schwaben von seiner schönsten Seite trägt ganz oft einen Stern und dafür kein festes Dach überm Kopf. So wie das Mercedes E-Klasse-Cabriolet (A 207), das sich optisch eng an die damalige E-Klasse der Baureihe 212 anlehnt. Technisch basiert der ab 2010 im Werk Bremen gebaute Viersitzer jedoch, wie auch sein Coupé-Bruder, auf der im AUTO BILD-Dauertest seit über 500.000 Kilometern bewährten kleineren C-Klasse-Baureihe des Typs 204. Alles andere als mittelklassig ist aber die Optik des immerhin 4,70 Meter langen Cabrios. Auch nach zehn Jahren wirkt der Auftritt dank des großformatigen Kühlergrills und der Seitenlinie mit ihren muskulösen Radhäusern bullig-elegant.

Am Verdeck des E-Klasse-Cabrios nagt der Zahn der Zeit

Mercedes E 350 CGI Cabriolet
Schöner wohnen: elektrisch ausfahrbarer Windabweiser, aufpreispflichtiges Leder, praktische Gurtreicher.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Fahrwerksabstimmung fällt eindeutig in die Kategorie "souveräner Gleiter". Selbst auf Kopfsteinpflaster bleibt der penibel verarbeitete Wagen trotz 98.500 Kilometern auf der Uhr nahezu knisterfrei. Die Karosseriestruktur ist steif und zeigt auch auf den zweiten Blick keinerlei Rostprobleme. Lediglich bei höherem Tempo können die manchmal nicht mehr sauber justierten rahmenlosen Fenster für Verdruss sorgen. Ganz ohne Windgeräusche am geschlossenen Dach fuhr unser gut zehneinhalb Jahre altes Cabrio nicht. Und auch an der Verdeckaußenhaut nagte der Zahn der Zeit sichtbar. Wer Risse ignoriert und dadurch Wassereinbrüche riskiert, der nimmt schlimmstenfalls Schimmelprobleme oder durch Feuchtigkeit beschädigte Steuergeräte billigend in Kauf! Ansonsten ist der Ärger jedoch eher gering und der Fahrkomfort hoch. Der vollwertige Viersitzer verfügt über ein ausgeklügeltes System zur Vermeidung von Luftturbulenzen an Bord. Oberhalb der Frontscheibe sitzt der (im Alter manchmal etwas zickige) elektrisch ausfahrbare, sechs Zentimeter hohe Windabweiser namens Aircap. Ergänzt wird dieser durch ein ebenfalls elektrisch betätigtes Windschott hinter den Fondpassagieren. So werden in diesem Cabriolet selbst windempfindliche Sonnenanbeter glücklich. Keine Frage, maximal kultiviertes Offenfahren ist die Paradedisziplin des noblen Daimlers.

Die Motorenpalette ist riesig

Mercedes E 350 CGI Cabriolet
Der kräftige E 350 CGI BlueEfficiency wurde nur bis März 2011 verbaut.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Aufpreisliste war einst lang und preistreibend. Sie ermöglichte reichlich Individualisierung durch zusätzliche Luxusgimmicks an Bord: vom Harman/Kardon-Soundsystem über vielfach verstellbare Multikontursitze bis zu AMG-Rädern lauter Leckerlis, die das E-Klasse-Cabriolet-Fahren noch exklusiver machten. Unser Testwagen verfügte über den etwas rau laufenden, dreieinhalb Liter großen V6-Benziner mit serienmäßigem Siebenstufen-Automatikgetriebe 7G-Tronic. Der 292 PS starke Direkteinspritzer erfüllt die Abgasnorm Euro 5, klingt sechszylindertypisch charismatisch und beherrscht sowohl die entspannte als auch die zügige Gangart. Notfalls geht es sogar in unter sieben Sekunden auf hundert. Bei geschlossenem Verdeck sind theoretisch 250 Spitze drin. Die Motorenpalette ist riesig: Wahl der Vernunft unter den Benzinern ist die Einstiegsvariante E 200 mit immerhin 184 PS und 270 Newtonmetern Drehmoment. Sie ist alles andere als lahm, beherrscht jedoch nur profane Vierzylinderklangfarben und wurde – so berichten Händler oft – besonders gern ohne Modellschriftzug bestellt. Leistungshungrige V8-Fans kommen mit dem Topmodell E 500 voll auf ihre Kosten: Bärenstarke 388 PS (408 PS ab September 2011) machen aus der E-Klasse ein schwäbisches Muscle Car, das jedoch im Gegenzug zusätzliche finanzielle Reserven für den Unterhalt voraussetzt.

Das Facelift im Mai 2013 brachte eine modernere Optik

Nicht ganz unkritisch sind trotz sensationell niedriger Normverbrauchswerte zwischen 4,8 Litern (E 220 CDI) und 7,2 Litern (E 350 CDI) die frühen Common-Rail-Dieselmodelle. Mit der Abgasnorm Euro 5 ist ein Abstecher in die Daimler-Heimat Stuttgart mittlerweile rechtlich unzulässig. Frühe Diesel des Typs OM 651 haben außerdem häufiger Injektorenprobleme. Wer eine etwas aktuellere Optik wünscht, sollte sich auf Fahrzeuge nach dem großen Modellfacelift im Mai 2013 konzentrieren. Diese Cabriolets sind jedoch kaum unter 20.000 Euro zu bekommen: Ein überschaubares Angebot und gute Allroundqualitäten sorgen für erstaunlich hohe Preise, gerade auch in der jetzt beginnenden Cabrio-Saison.

Bildergalerie

Mercedes E 350 CGI Cabriolet
Mercedes E 350 CGI Cabriolet
Mercedes E 350 CGI Cabriolet
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Gebrauchtwagen-Test Mercedes E-Klasse Cabrio (207)
Fazit: Im gehobenen Alter wird das E-Klasse Cabriolet der Baureihe 207 bezahlbar. Die solide Grundkonstruktion und zahlreiche feine Details machen das Modell zu einem Sommertraum für Normalverdiener.