"Vor 30 Jahren hatte ich meinen letzten Mercedes, einen /8er-Diesel. Würde nun gern mal wieder eintauchen in die Mercedes-Welt", sagt Radiologe Dr. Andreas Leichert aus Ahrensburg (Schleswig-Holstein). Preislimit: 10.000 Euro. Ein echter Benz soll es sein, eine klassische Limousine mit ausreichend Leistung und Luxus. Da kommt der privat angebotene E 320 CDI gerade recht: einer der ersten W211 mit V6-Diesel und der Siebenstufenautomatik 7G-Tronic, Erstzulassung Juni 2005, Laufleistung rund 211.000 km. Das Besondere an diesem 320er: Der Erstbesitzer orderte fast alle Sonderausstattungen, die 2005 in der E-Klasse-Preisliste standen: Abstandsregelautomat Distronic, Luftfederfahrwerk Airmatic, Panorama-Glasschiebedach, fahrdynamische Multikontursitze vorn mit Belüftung, Beheizung und Massagefunktion, das Navi Comand, Parktronic ... Zum Grundpreis von 49.851 Euro addierten sich einst Extras von 27.865 Euro. Macht zusammen 77.716 Euro. Fahrzeugwert laut Marktbeobachter Schwacke heute: 10.200 Euro. Davon machen die Extras heute gerade noch einen Mehrwert von 550 Euro aus!

Der Fehlerspeicher deckt eventuelle Mängel auf

Mercedes E 320 CDI Avangarde
Der belederte, belüftete, beheizte und massierende Fahrersitz kostete 4385 Euro Aufpreis. Bequemer geht es nicht.
Bild: Thomas Ruddies
Für 9400 Euro schlägt Doc Leichert zu – und bringt den Benz gleich zum Auto-Arzt. Diagnose: Reifen hinten abgefahren, Turboladerschlauch gerissen, Ölverlust am Stirngehäuse. Die defekten Multikontursitze sind ein Fall für Daimler oder einen versierten Sattler: Sie heizen nicht mehr korrekt, die Heizmatte ist defekt. Außerdem sind sie nicht mehr zu einer Massage zu überreden – mögliche Ursachen: Kompressor defekt, Luftkammer geplatzt, Schlauch abgerutscht oder geplatzt. Dafür spuckt der Diagnose-Computer keine weiteren Fehler aus. Dieser Benz ist kerngesund! Ein Tipp für Käufer: Immer den Fehlerspeicher auslesen lassen, um eventuellen Mängeln auf die Schliche zu kommen, die während der Probefahrt vielleicht nicht auffallen. Interessenten von frühen Exemplaren, die vor der großen Modellpflege im Juni 2006 gebaut wurden, sollten vor allem darauf achten, wann der von Mercedes vorgeschriebene Austausch der SBC-Hydraulikeinheit fällig ist. Auch dazu liefert das Diagnosegerät Antworten. Anfängliche Probleme mit entladenen Batterien, Ausfall der SBC-Bremse und diversen Elektronikpannen stellte Daimler im Rahmen diverser Rückrufe spätestens bis 2005 ab.Ein rundum empfehlenswertes Auto ist der 211er jedoch spätestens nach der Modellpflege 2006: Die bescherte dem Mercedes nicht nur stärkere Motoren und eine zuverlässigere Elektronik-Architektur, sondern auch wieder eine konventionelle, hydraulisch betätigte Bremsanlage. So gilt für späte 211er, was schon für die Kult gewordenen Vorgänger /8 und W 123 galt: Der läuft und läuft und läuft. Bis der Arzt kommt.
Was bei unserem Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim gebrauchten W211 außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

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Mercedes E 320
Mercedes E 320
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Gebrauchte Mercedes E-Klasse (W211) im Test



Die Rostprobleme des Vorgängers W210 sind vergessen, die anfänglichen Schwächen des W211 behob Mercedes in Rückrufaktionen. Rundum empfehlenswert sind Exemplare ab Juni 2006. Sie bieten jene (Langzeit-) Qualität, die man von einem Mercedes erwartet.