Mercedes GLB 220 d 4Matic, Kia Sorento 2.2 CRDi AWD: Test
Zwei vom alten Schlag: Diesel-SUV mit Allrad im Test

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
So groß und dabei so gut versteckt: Verbrenner-SUV der Mittelklasse rutschen derzeit immer etwas durch, rauschen nur gelegentlich über den Rand des "Haben-wollen"-Radars.
Weil derzeit alle möglichen Elektrotypen die Gefühlslage dominieren. Dabei kann die Faktenlage der "Alten" das doch locker ausgleichen.
Klassische SUV mit Allrad und Diesel
Der Mercedes GLB zum Beispiel zeigt uns das. Den geschmeidigen Alleskönner – vor allem mit sparsamer Dieselmaschine – hat man fast gar nicht mehr auf dem Schirm. Dabei gibt es hier einen 4,63 Meter langen Typen mit Dieselpower (190 PS), Achtgang-Doppelkupplungsautomatik und bewährter Allradtechnik 4Matic.

Schattendasein: Mercedes GLB und Kia Sorento bieten viel, sind mit Diesel sparsam – und leider nicht mehr im Fokus der SUV-Käufer.
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Ähnlich liegt der Fall bei einem typischen Gegenspieler: dem Kia Sorento. Ihn haben die Koreaner jüngst überarbeitet und ihm mehr Technik implantiert. Seine Eckdaten lesen sich ähnlich solide wie beim Mercedes. Den sogar über 4,80 Meter langen Sorento drückt ein 194 PS starker 2.2 CRDi voran, die Kraft geht ebenfalls über ein Achtgang-DCT an alle vier Räder.
Fahrzeugdaten
Modell | Kia Sorento 2.2 CRDi AWD | Mercedes GLB 220 d 4Matic |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo | Vierzylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 2151 cm³ | 1950 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 142 (194)/3800 | 140 (190)/3800 |
Nm bei 1/min | 440/1750 | 400/1600 |
Vmax | 201 km/h | 217 km/h |
Getriebe | Achtgang-Doppelkupplung | Achtgang-Doppelkupplung |
Antrieb | Allradradantrieb | Allradradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 255/45 R 20 V XL | 235/50 R 19 W |
Reifentyp | Continental PremiumContact 6 | Michelin Latitude Sport 3 |
Radgröße | 8,5 x 20" | 7,5 x 19" |
Abgas CO2 | 173 g/km | 165 g/km |
Verbrauch* | 6,5 l/100 km | 6,2 l/100 km |
Tankinhalt | 67 l | 60 l |
Kraftstoffsorte | Diesel | Diesel |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | S/14 l | S/23,8 l |
Vorbeifahrgeräusch | 69 dB(A) | 69 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2500/750 | 2000/750 kg |
Stützlast | 100 kg | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 697–2085 l | 570–1805 l |
Länge/Breite/Höhe | 4815/1900–2170**/1700 mm | 4651/1845–2020**/1700 mm |
Radstand | 2815 mm | 2829 mm |
Grundpreis | 55.190 Euro | 55.424 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 65.680 Euro | 65.789 Euro |
Damit versprechen beide souveränes Vorwärtskommen bei erträglichen Spritkosten. Kurz: GLB und Sorento gehören zurück auf den Beobachtungsschirm.
Grundpreise um die 55.000 Euro
Wir testen den erneuerten Kia Sorento 2.2 CRDi im direkten Vergleich mit dem Mercedes GLB 220 d. Beide Autos sind übrigens fast gleich teuer. Den GLB liefert Mercedes ab 55.424 Euro aufwärts aus, Kia verlangt für den Sorento 2.2 CRDi ab 55.190 Euro. Wir meinen: ganz schön stolz! Steckt allerdings auch bei beiden eine Menge drin.

Stolze Preise: Sowohl bei Kia als auch bei Mercedes geht unter 55.000 Euro nichts, die Testwagen sind noch mal 10.000 Euro teurer.
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Vor allem, wenn es um die Komfortausstattung geht, punktet der Kia Sorento. Bereits in der Basislinie Vision ist er ordentlich mit Extras bestückt, so richtig luxuriös geht es dann im Rahmen des Pakets Platinum zu (aber Achtung, 9000 Euro zusätzlich). Hier fahren beispielsweise eine zweistufige Lenkradheizung, das hilfreiche 360-Grad-Kamerasystem und elektrisch verstellbare Sitze (Fahrer und Beifahrerseite) mit.
Weniger Fahrassistenz im Sorento
Gleichzeitig legt der Sorento die Sicherheitslatte hoch. So bietet ein Center-Airbag zusätzlichen Schutz beim Seitenaufprall und dank der Platinum-Linie lassen sich Navi- oder Fahrdateninfos über ein Head-up-Display ablesen. Das Thema Fahrassistenz bedienen die Koreaner zwar nicht so vollständig wie Mercedes, doch brauchbar umfangreich.

Elektronische Helfer: An Fahrassistenz ist beim Kia so ziemlich alles an Bord, was hilfreich ist – gut, aber nicht so umfangreich wie im GLB.
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Zu den spurführenden Systemen und Temporegelungsfunktionen sichert der Sorento beispielsweise auch den hinteren Querverkehr ab, kann darüber hinaus Temposchilder in die adaptive Geschwindigkeitsregelung übernehmen. Eine Ausstiegswarnung und die Möglichkeit, "ferngelenkt" einzuparken, baut Kia ebenfalls ab Werk in der Testwagenkonfiguration Platinum ein.
Beim Luxus liegt der Benz hinten
So etwas verpacken die Schwaben im zusätzlich 1369 teuren Fahrassistenz-Paket. Auch in Sachen Luxus hinkt der GLB im Vergleich zum Koreaner hinterher. Eine elektrisch betätigte Sitzverstellung gibt es nicht serienmäßig, für adaptives Licht und die Head-up-Anzeige müssen Benz-Kunden noch einmal tief in die Tasche greifen.

Serienmäßig weniger: Für vieles, das der Sorento immer an Bord hat, muss bei Mercedes extra bezahlt werden.
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Dagegen steht: Die Assistenten (zum Beispiel die Spurkorrektur) arbeiten unauffälliger und feiner, die Sprachbedienung fällt viel leichter, weil das MBUX-System des Mercedes gesprochene Befehle viel besser versteht und umsetzt als das System im Kia.
Beim Sorento erleichtern andere Funktionen den Umgang. So ist das Auto ungewöhnlich umfassend auf seine Nutzer zugeschnitten: Es bietet unzählige Ablagen, pfiffige Getränkehalter rundum, stellt sogar ganz hinten im Fond praktische USB-C-Buchsen zur Verfügung, klimatisiert aufwendig und bietet deutlich mehr Platz im Fond als der Mercedes.
Für die Vordersitze hätten wir uns jedoch mehr Führung und eine sorgfältigere Polsterung der Flächen gewünscht. Auch ist die Positionierung des Fahrersitzes unglücklich geraten, man fühlt sich sehr ins Auto hineingestellt, weniger integriert als beim GLB. In der zweiten Reihe des Sorento stehen dann allerdings sehr bequeme Sitze mit tadelloser Ergonomie zur Verfügung, das Einsteigen in die hintere Reihe fällt außerordentlich leicht.
Querdynamik liegt dem Kia nicht
Weitere Leichtigkeit hat der Sorento jedoch nicht zu bieten. Das deutlich größere Auto mit rund 150 Kilogramm mehr Masse gibt sich auch im Fahrbetrieb als mächtiger Schlitten. Das ist beim Ausweichen und in schnell gefahrenen Kurven spürbar. Deutlich weniger Tempo als beim GLB genügt, um den Kia dezent über die Vorderreifen abdriften zu lassen.

Der große und schwere Sorento liegt querdynamisch hinten. Er untersteuert eher als der GLB, seine Lenkung ist gefühlsarm.
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Die aus der Mittellage heraus indirekt und gleichzeitig gefühlsarm arbeitende Lenkung erleichtert präzises Zirkeln nicht gerade. Trost: Das Auto fährt sehr sicher, benötigt selten regulierende Eingriffe durch die Stabilitätskontrolle, schnelle Richtungswechsel steckt der Kia erstaunlich gelassen weg.
Das höhere Gewicht führt dann allerdings auch zu schlechteren Fahrleistungen. Trotz minimal mehr Leistung und Nachschlag beim Drehmoment hinkt der Kia dem Mercedes deutlich hinterher. Im Sprint auf Tempo 100 beispielsweise nimmt der GLB dem Gegner anderthalb Sekunden ab.
Mehr Spritzigkeit in der Mercedes-Maschine
Der Mercedes setzt sich dabei auch subjektiv spritziger in Bewegung, zieht auf der Autobahn satt bis zur höheren Spitzengeschwindigkeit durch. Gleichzeitig läuft der Zweiliter des GLB im Teillastbetrieb weicher und dank Freilauffunktion in weiten Teilen angenehm entkoppelt.
Beim vollen Beschleunigen jedoch knurrt der Diesel herber als die Maschine im Sorento. Dafür dreht der 220 d müheloser hoch und erleichtert Überholmanöver durch früheren Kraftaufbau. Auch dank der enorm schnellen Start-Stopp-Automatik gibt der Vierzylinder im Mercedes unterm Strich das universellere Bild ab. Sparsamer ist er auch, hier ergänzen sich Motortechnik, weniger Gewicht und kleinere Stirnfläche – was immerhin 0,3 Liter Verbrauchsvorteil ergibt.
Platzierung
Modell | Mercedes GLB 220 d 4Matic | Kia Sorento 2.2 CRDi AWD |
|---|---|---|
Punkte* | 547 | 525 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Kann Fernreisen so gut wie Alltag, läuft sparsamer und spritziger. Klar: kleiner, also weniger Platz. | Sollte komfortabler fahren. Sein hohes Ausstattungsniveau relativiert sich über das teure Platinum-Paket. |
Dass wir dem Mercedes nochmals weniger Agilität als dem Kia bescheinigen, liegt allein an der rigorosen (also supersicheren) ESP-Abstimmung. Beherzt in die Kurve? Mag die Stabilitätskontrolle gar nicht und regelt früh. Spaß ist beim GLB also gut versteckt.
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