Mercedes GLC 400 EQ 4Matic: Test
Ein Benz mit Bestnoten: Der GLC EQ begeistert beim Fahrkomfort

Im neuen Mercedes GLC 400 EQ stecken reichlich Elektro-Kompetenz und vor allem ein erstklassiger Reiseexperte. AUTO BILD hat das große SUV getestet.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Das Gegenteil von Minderwertigkeitskomplex kommt aus Stuttgart und heißt GLC 400 EQ. Das elektrische Mercedes-SUV treibt das Motto "mit vollen Hosen ist gut stinken" nämlich auf die äußerste Spitze.
Mächtig stark (exakt: 489 PS Leistung und 800 Newtonmeter Drehmoment), mit hoher Reichweite (über 600 Kilometer) gesegnet, auf allerbestem Ausstattungsstand, unheimlich luxuriös und komfortabel eingestellt
Mercedes verlangt einen hohen Preis
Zudem ist der große Benz bombig prestigebehaftet (allein dieser vollflächig LED-Kaltlicht abstrahlende XL-Kühlergrill) – so setzt sich der 400 EQ selbstbewusst in Bewegung. Fünf Sterne fahren mit, so wie es sich bei einem Auto für mindestens 71.281 Euro ja auch gehört.

Teures Vergnügen: Der Mercedes GLC 400 EQ 4Matic steht ab 71.281 Euro in der Liste. Unser Testwagen kostete satte 82.242 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Doch wir greifen vor, wollen erst einmal das Modell vorstellen. Der GLC 400 EQ ist ein Vertreter der 800-Volt-Elektroauto-Liga, ein Akkupaket mit 94 kWh Energieinhalt schickt Saft an zwei Motoren, zwei Gänge sortieren Drehzahlen, das Leistungsmanagement verwebt Kraftabgabe, Rekuperation und Wärmehaushalt zu einem schlauen Konzept – so sind (in der Stadt, dank häufiger Energierückgewinnung) sogar bis über 800 (!) Kilometer Fahrstrecke möglich. Das schreit – Pardon, summt – geradezu nach einem AUTO BILD-Einzeltest nach Punkten.
Perfektes Sitzgefühl in Reihe eins
Zum Test tritt das leicht veredelte Basismodell Avantgarde an. Wichtige Positionen der Aufpreisliste sind in diesem Exemplar verbaut. Die haben es in sich, auch preislich. Hinterachslenkung, Luftfederung, 20 Zoll üppige Mischbereifung und eine Erweiterung des Multimediasystems kosten weiteres Aufgeld. Plus Zierrat, besseren Audio-Klang und AR-Navigation summiert sich das auf 82.242 Euro Kaufpreis.

Dicke Dinger: Vordersitze üppig dimensioniert, hochwertig gepolstert, voll elektrisch betätigt – darin lässt es sich vortrefflich reisen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Gegenwert: Mercedes liefert eines der komfortabelsten SUV derzeit. Das beginnt beim Platznehmen: Einfacher Einstieg, viel Luft, sehr bequeme Polsterung, tadelloser Seitenhalt, üppige Dimensionen der Flächen, Extras wie Massage und die angenehme "variable Sitzkinetik" der elektrischen Verstellung summieren sich zu einem perfekten Sitzgefühl. Auch hinten fühlt man sich gut aufgehoben, findet Raum für Knie und Ellenbogen, lümmelt satt in die Polster gedrückt.
Fahrzeugdaten
Modell | Mercedes GLC 400 EQ 4Matic |
|---|---|
Einbaulage | je ein Motor vorn und hinten |
Spitzenleistung | 360 kW (489 PS) |
Dauerleistung | 265 kW (360 PS) |
maximales Drehmoment | 800 Nm |
Vmax | 210 km/h |
Getriebe | Zweiganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsscheiben vorn/hinten | 370/360 mm |
Testwagenbereifung | 235/50–265/45 R 20 H |
Reifentyp | Pirelli P Zero |
Radgröße | 8,0–9,5 x 20“ |
Reichweite* | 611 km |
Verbrauch* | 17,6 kWh/100 km |
Batteriekapazität netto | 94 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11(22**)/330 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | 22 Minuten |
Ladeanschluss | hinten rechts |
Fach unter Frontklappe | Serie/128 l |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2400/750 kg |
Stützlast | 100 kg |
Kofferraumvolumen | 570–1740 l |
Länge/Breite/Höhe | 4845/1913–2089***/1644 mm |
Radstand | 2972 mm |
Grundpreis | 71.281 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 82.242 Euro |
Wir fahren los. Ach was, wir legen ab. Der 400er setzt sich sanft, leise und würdevoll in Bewegung, rauscht von Außenlärm nahezu abgeschottet in Richtung Ortsausgang. Seine Luftfederung schenkt Hamburger Straßenoberflächen (die sind rekordverdächtig buckelig, aufgesprungen und geflickt) nahezu keine Beachtung.
Beim Fahrwerk macht der GLC alles richtig
Es ist erstaunlich, wie der immerhin 2,5 Tonnen schwere GLC über Asphaltwellen schnürt, dicke Buckel wegsaugt, sanft unter viel Federweg eintaucht, dennoch nie zu kräftig ausschwingt oder nachwippt. Gleichfalls rollen die Räder (20 Zoll!) hör-, aber kaum spürbar ab. Sagen wir es an dieser Stelle deutlich: Dieses Fahrwerk haben Mercedes-Ingenieure mit Professorentitel abgestimmt.

Über jeden Zweifel erhaben: Mit großem Können bügelt der 2,5 Tonnen schwere GLC sämtliche Fahrbahnunebenheiten weg.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zumal der GLC dabei auch sehr trittsicher agiert. Unsere Ausweichübungen meistert der Mercedes locker, hohe Geschwindigkeiten steckt er unbehelligt weg, das ESP reagiert schnell und effektiv auf "falsche" Fahrmanöver. Gleichzeitig können wir dem GLC 400 EQ sehr stabile Bremsen mit erstklassiger Wirkung sowie fehlerfreie Traktion attestieren. Das ist insofern erwähnenswert, weil der GLC nach vorne stürmt wie ein Sportler.
Messwerte
Modell | Mercedes GLC 400 EQ 4Matic |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 1,8 s |
0–100 km/h | 4,2 s |
0–130 km/h | 6,6 s |
0–160 km/h | 9,6 s |
0–200 km/h | 15,3 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,0 s |
80–120 km/h | 2,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 2559/481 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 47/53 % |
Wendekreis links/rechts | 11,0/11,1 m |
Sitzhöhe | 695 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 33,2 m |
aus 100 km/h warm | 31,6 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 63 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 16,4 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 21,7 kWh/100 km (+23 %) |
Sportverbrauch | 27,3 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 479 km |
Bis auf einen gelegentlich wahrnehmbaren Ruck beim Schaltvorgang macht der 400er das alles fehlerfrei. Die zwei Gänge des Getriebes sorgen für spontan-explosive Sprints aus dem Stand heraus und nachdrücklichen Schub auch oberhalb von Autobahn-Richtgeschwindigkeit.
Erst bei Tempo 210 fängt die Elektronik (Drosselung) den 400er ein. Die Geschwindigkeit ist dabei kaum zu spüren – er rauscht sehr leise und im Geradeauslauf unbehelligt über die linke Spur –, so schaffen es manche Kompakte selbst bei 100 km/h nicht.
WLTP-Reichweite klar unterschritten
Und das ist vielleicht sein größtes Problem: Das lässig abrufbare Fernreisetempo liegt immer höher, als es dem Energiehaushalt guttut. Sprich: Man fährt häufig zügig, der GLC saugt mehr Strom aus dem Akku, die maximal mögliche Reichweite schmilzt. Immerhin nicht dramatisch. Aus dem nach WLTP versprochenen Aktionsradius von 611 Kilometern (ausgehend von 17,6 kWh/100 km) werden nach unseren Tests 479 Kilometer Reichweite. Bei Tempo 200 schafft der GLC allerdings "nur" knapp 250 Kilometer.

Kommt nicht ganz so weit: Aus den versprochenen 611 Kilometern Reichweite werden im Test am Ende nur 479 Kilometer.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der dicke Trost kommt aus der Ladesäule. Mit bis zu 330 kW Leistung tankt der 400 EQ, holt sich bis 80 Prozent der Ladung in 22 Minuten wieder rein. Vorkonditionierung, Wärmepumpe und hervorragende Rekuperationsarbeit zahlen ebenfalls auf den effizienten Umgang mit dem Strom ein. Unterm Strich herausragende Fähigkeiten und auf den Alltag übertragen: fast "dieseltauglich".
Auch beim Infotainment ganz weit vorne
Fahrassistenz und Multimedia liegen auf ähnlich hohem Niveau. Dazu zählen: Das Anzeigekonzept mit einem gigantischen Bildschirm, eine herausragend klare und übersichtliche Darstellung auf dem Head-up-Display, die tolle Ampeldarstellung der Augmented-Reality-Funktion im Navisystem, auf absolute Sicherheit getrimmte Lenk- und Bremsunterstützung, kluge Vernetzung auch mit der Sprachbedienung. Kurz: Uns ist die Vernetzung selten vergebene fünf Sterne wert.

Der Innenraum des GLC EQ wird vom riesigen Bildschirm dominiert. Das Infotainment lässt kaum Wünsche offen, aber an vielen Stellen dürften die Materialien ruhig feiner sein.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Achtung: Es gibt auch Schrullen. So versteht der GLC mehrere hintereinander abgegebene Sprachkommandos nur sporadisch einwandfrei, der Spurhalteassistent greift (unter aktiver Geschwindigkeitsregelung) gelegentlich zu kräftig in den Richtungswunsch des Fahrers ein, der Spurwechselhelfer setzt arg ausgeprägte Impulse, und im Innenraum hätte Mercedes an vielen Stellen gerne feinere Materialien einsetzen dürfen.
Wertung Mercedes GLC 400 EQ 4Matic
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Viel Platz, gute Verarbeitung, doch teils durchschnittliche Materialien. Großer Kofferraum, Zuladung okay, nicht üppig. | 4 / 5 |
Antrieb | Sprint- und durchzugsstark, Schaltübergang ist unter viel Last zu bemerken, Motor weder spür- noch hörbar. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Sicher abgestimmt, guter Geradeauslauf, schweres Fahrgefühl, steckt hohes Tempo gelassen weg. | 4,5 / 5 |
Connected Car | Sehr gute Audioanlage, intelligent vernetzt, hohes Niveau bei Fahrassistenz, umfangreiches Kamerasystem. | 5 / 5 |
Umwelt | Großes und enorm schweres Auto, Verbrauch im Test deutlich über WLTP, lokal emissionsfrei. | 3,5 / 5 |
Komfort | Federung erstklassig, sehr leise, außerordentlich guter Sitzkomfort, Bedienkonzept teils ablenkend. | 4,5 / 5 |
Kosten | Kaufpreis dem Gegenwert entsprechend, Unterhaltskosten hoch, nur zwei Jahre Garantie. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,5 |
Und noch eine Kleinigkeit: Eine Fondlehne, die beim Zurückklappen das Gurtband einklemmt, gehört ins Jahr 1989, nicht in einen aktuellen Benz. Der guten Gesamtnote tut das keinen Abbruch – dieser GLC beweist im Test, dass er "minderwertig" nicht mal vom Hörensagen kennt.
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