Methanol: Durchbruch für E-Fuels?
Grünes Methanol kurz vor der Massenproduktion

Bild: C1
Welcher alternative Kraftstoff macht das Rennen um den Auto-Sprit der Zukunft? Diese Frage wird immer drängender, weil wegen der sinkenden Verkaufszahlen von Elektroautos nahe liegt, dass 2035 nicht alle neuen Autos elektrisch fahren werden. Aktuell rückt die Autoindustrie vom Verbrenner-Verbot der EU ab.
Und so stellt sich die Frage, mit welchem Kraftstoff Neuwagen mit Verbrennungsmotor nach 2035 betrieben werden könnten? Und der VDA schlug kürzlich vor, ab 2045 Kraftstoffe fossilen Ursprungs abzuschaffen. Spätestens in 20 Jahren müsste also ein Ersatz in ausreichend großen Mengen vorhanden sein.
Das könnte – neben dem alternativen Biodiesel HVO – Methanol sein. Gerade gingen zwei Produktionsstätten in Betrieb für den Alkohol, der wie Benzin im Verbrennungsmotor verheizt werden kann. Die eine davon in Leuna – seit 100 Jahren bekannt als Raffinerie-Standort und Wiege der chemischen Industrie. Tatsächlich begann in dem Industriegebiet in Sachsen-Anhalt 1923 erstmals die kommerzielle Methanol-Fertigung. Nun geht es um den nächsten Schritt: grünes Methanol.
Grünes Methanol bisher kaum vorhanden
Das Stichwort lautet E-Fuels, also Electro Fuels. Damit werden allgemein Kraftstoffe umschrieben, die konventionelle Verbrennungsmotoren antreiben, aber aus Wasser über Elektrolyse mit elektrischem Strom erzeugt werden – idealerweise aus regenerativen Quellen wie Solar- und Windkraftanlagen. Ein favorisiertes E-Fuel ist Methanol. Aber "grünes" Methanol, also nicht aus Erdgas oder Kohle. Diese Variante existiert bisher nur in homöopathischen Dosen. Der kleinste chemische Alkohol hat ähnliche Eigenschaften, wenn auch geringere Energiedichte als Benzin.
Unter grünem Methanol versteht man also nachhaltigen Kraftstoff. Der Bedarf danach kommt nicht nur von Land, sondern auch von Fliegerei und Schifffahrt. Beide Transportbranchen werden in den nächsten Jahren auf Methanol umsteigen. So hat die weltgrößte Container-Reederei Maersk im vergangenen Jahr 19 Frachtschiff-Neubauten in Auftrag gegeben, die auf den Kraftstoff ausgelegt sein sollen. Und die Kreuzfahrtreederei TUI Cruises weihte kürzlich ihr erstes Schiff ein, das Methanol verträgt. Bis 2050, hat die UN-Schifffahrtsorganisation IMO beschlossen, soll auf dem gesamten Globus klimaneutral navigiert werden.

Methanol als E-Fuel verbrennt rückstandsfreier als gewöhnliches Benzin, auch enthält es viele natürliche Zusatzstoffe nicht.
Bild: INERATEC GmbH
Flüssiger Katalysator besonders effizient
In Leuna probt das Start-up C1 Green Chemicals ein neues Verfahren, um grünes Methanol in großem Stil und kostengünstig herzustellen. Neu daran: Ein flüssiger Katalysator soll die Umwandlung von Synthesegas in Methanol, den zweiten Schritt der Produktion aus den Ausgangsstoffen Wasser und Kohlendioxid, besonders effizient bewerkstelligen. Projektpartner sind die TU Berlin und das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme. Das Bundesverkehrsministerium gab 10,4 Millionen Euro Förderung.
Typ-2-Ladekabel im Vergleich
Ein wenig weiter im Norden steht der Durchbruch für die E-Fuels-Produktion ebenfalls kurz bevor: Im süddänischen Kasso wird in industriellen Stil grünes Methanol entstehen. Im Endausbau sollen jährlich rund 42.000 Tonnen des alternativen Kraftstoffs die Raffinerie verlassen. Die Methanolfabrik soll unter anderem die Maersk-Reederei beliefern. Die Investoren richten sich auf eine große Nachfrage ein: "Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach diesem Produkt als umweltfreundlicher Kraftstoff der nächsten Generation und als chemischer Rohstoff in Zukunft stark ansteigen wird."
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