Auf der Suche nach einem exotischen Sportwagen? Aber Ferrari und Lamborghini sind Ihnen zu alltäglich, ein Porsche sowieso? Dann hätte ich da einen Vorschlag: Wie wäre es mit dem MG XPower SV-R?
Carwow

Auto ganz einfach zum Bestpreis online verkaufen

Top-Preise durch geprüfte Käufer – persönliche Beratung – stressfreie Abwicklung durch kostenlose Abholung!

Zum Angebot

MG? Die Elektroautomarke aus China? Nein! MG, die britische Traditionsmarke, die bis 2005 zur MG Rover Group gehörte! Der XPower ist noch ein MG alter Schule mit V8 statt Elektromotor! Wobei, genau genommen hat er Italo-Wurzeln – doch dazu später mehr.

MG verkauft nur noch Elektroautos

Kurioserweise hat MG, die mittlerweile zum chinesischen Großkonzern SAIC gehören und auch hierzulande mit ihren Modellen durchaus erfolgreich sind, auf dem Festival of Speed in Goodwood erst kürzlich eine besonders starke Variante des Elektroautos MG4 vorgestellt. Das 320 kW (435 PS) starke Topmodell mit Allrad trägt den Beinamen XPower. Da haben die Marketing-Leute scheinbar tief in der Historie von MG gekramt.
Denn einen MG XPower gab es bereits im Jahr 2003. Dabei handelt es sich um einen heutzutage kaum bekannten Sportwagen. Aber fangen wir vorne an. 1994 kaufte BMW die 1923 gegründete Traditionsmarke, die damals zur Rover Group gehörte. Mit dem kleinen Roadster MG F besann man sich auf die Kernkompetenz der Marke, doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Schon im Jahr 2000 trennte sich BMW von der Rover Group und somit auch von MG (Mini und Land Rover blieben im Portfolio der Bayern).
Der neue Eigentümer war die Phoenix-Venture Group, die wiederum MG Rover Group gründeten. Um für Aufmerksamkeit zu sorgen, wurde entschieden gemeinsam mit Lola einen Rennwagen für die prestigeträchtigen 24 Stunden von Le Mans zu bauen. Das Ergebnis war der MG-Lola EX257, der bis 2007 eingesetzt wurde, aber nicht wirklich erfolgreich war.

Der XPower sollte ein Halo-Car sein

Was fehlte, war ein Halo-Car. Ein Sportwagen, der es mit den etablierten Playern aufnehmen konnte. Dazu wurde das Projekt X80 ins Leben gerufen. Eine erste Studie wurde 2001 präsentiert, jedoch für nicht extrem genug befunden. Also schärfte Designer Peter Stevens nach. 2003 war der MG XPower SV (SV steht für Sport Veloce) geboren.
MG X-Power SV-R - DD Classics
Haben Sie dieses Auto schon mal live gesehen? Der MG XPower SV-R ist ein echter Exot.
Bild: DD Classics

Speziell für dieses Vorhaben kaufte MG den italienischen Autobauer Qvale Automotive. Der Hintergedanke dabei war, dass der zwischen 2000 und 2002 genau 292 Mal gebaute Qvale Mangusta (manchmal auch als De Tomaso Mangusta bezeichnet) bereits in den USA homologiert war. Bei MG wurde der US-Markt als besonders wertvoll auserkoren und auf diese Art konnten sich die Briten eine teure Homolgation sparen, da der MG XPower auf dem Qvale Mangusta basierte. Was damals noch niemand ahnte, der XPower sollte ein noch größerer Flop werden als der Mangusta.

Scheinwerfer vom Fiat Punto

MG verkaufte den XPower vollmundig als "Ultra Car", doch ganz so ultra war der britische Sportwagen mit den Scheinwerfern vom Fiat Punto der zweiten Serie und den Rückleuchten des Fiat Coupé letztendlich nicht. Der Produktionsaufwand war jedoch immens. Großteile der Karosserie bestanden aus Carbon, die in Grundzügen in Großbritannien gefertigt, in Italien zu einer gesamten Karosserie zusammengesetzt und mit dem Rahmen verbunden und dann zur Endmontage zurück nach Großbritannien transportiert wurde.
MG X-Power SV-R - DD Classics
Das schwarz/rote Interieur befindet sich praktisch im Neuzustand. Kein Wunder bei nur 4222 Kilometern.
Bild: DD Classics

Der 2003 eingeführte XPower SV hatte einen 4,6-Liter-V8 von Ford als Front-Mittelmotor verbaut, wobei es sich um den gleichen Motor wie im Qvale Mangusta handelt. Er leistet 320 PS und war wahlweise mit einer Automatik oder Handschaltung zu haben.

5,0-Liter-V8 mit 385 PS

Nur ein Jahr später schärfte MG noch mal nach und präsentierte den XPower SV-R mit großem Heckflügel und mehr Leistung. Der 4,6-Liter-Motor wurde durch einen 5,0-Liter-V8 ersetzt. Die Leistung stieg auf 385 PS. Der Topspeed wurde mit bis zu 280 km/h angegeben, von 0-100 km/h sollte es in 4,9 Sekunden gehen.
Diese Werten schienen jedoch ziemlich ambitioniert, denn im AUTO BILD-Test aus dem Mai 2005 konnte der SV-R nicht wirklich überzeugen: "Auch subjektiv geht der SV-R nicht so, wie es die Fahrzeugdaten versprechen. Und auf der Autobahn schafft er es nicht, einen 245 km/h fahrenden 5er-BMW zu überholen (...) Der Wagen ist mehr ein moderat abgestimmter, sportlicher Tourer als ein Supersportwagen, wie ihn die Engländer sehen."
MG X-Power SV-R - DD Classics
Ein Auto für Fahrer: Der XPower SV-R hat keine Airbags und nur Hosenträgergurte an Bord.
Bild: DD Classics

Die ursprünglich geplante Club Sport-Version, die mit Lachgas-Einspritzung bis zu 1000 PS leisten sollte, kam nie über den Projektstatus hinaus, denn vermutlich konnten die Verantwortlichen zu diesem Zeitpunkt bereits absehen, dass der XPower kein Erfolgsmodell werden würde. Zwar gibt es unterschiedlich Angaben zu den Stückzahlen, doch es gilt als sicher, dass deutlich unter 100 XPower zwischen 2003 und 2008 gebaut wurden.

Nur 42 Mal gebaut

Vom SV-R sollen wohl 42 Stück entstanden sein, wovon 23 als Linkslenker ausgeliefert wurden. Eines dieser 23 Exemplare wird aktuell in Großbritannien beim Händler "DD Classics" angeboten. Der MG in der Außenfarbe "Mirror Silver" wurde erstmals im Juli 2007 zugelassen und gehört somit zu den letztgebauten XPower.
Die Historie ist lückenlos belegbar und der Vorbesitzer hegte und pflegte seinen MG die letzten elf Jahre über. Viel gefahren wurde der Sportwagen allerdings nicht, denn aktuell zeigt der Kilometerstand gerade mal mickrige 4222 Kilometer. Dementsprechend gut präsentiert sich der seltene MG auf den Fotos.
MG X-Power SV-R - DD Classics
Klassische Armaturen, wobei der Tacho bis 360 km/h sehr hochgegriffen ist. Bei maximal 280 km/h soll Schluss sein.
Bild: DD Classics

Bleibt noch die Frage nach dem Preis: Auf der Händler-Homepage heißt es "Preis auf Anfrage", doch mit ein bisschen Stöbern lässt sich exakt dieser SV-R auch auf anderen Verkaufsplattformen finden, wo er 101.950 Euro kosten soll. Ein Vergleichspreis lässt sich praktisch nicht festlegen, denn in Europa wird aktuell nur ein weitere MG XPower SV-R angeboten, der hat 22.000 Kilometer auf der Uhr und soll 127.900 Euro kosten.

Seltener als die meisten Lamborghini

Verglichen mit den meisten Ferrari und Lamborghini ist der skurrile MG sogar fast schon günstig. Und seltener ist er allemal. Oder um es mit den Worten eines Kollegen von 2005 zu sagen: "Er ist das ideale Auto für betuchte, anglophil veranlagte Outlaws. Hoffentlich können einige von ihnen diese letzte Ikone englischer Automobilindustrie für die Nachwelt bewahren ...".