Milotec Skoda Octavia RS im Test
Nachgeschärfter Octavia: ein echter RS!

Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Es ist schon ein paar Tage her, genauer gesagt: 17 Jahre. Ich erinnere mich lebhaft, ich war an einem unserer Conti-Tuning-Tage auf dem Contidrom, und dann rollt da ein Skoda Fabia aus dem Anhänger, laut grölend, qualmend, breitbeinig, einfach nur böse.
Auf den Türen steht dick und fett "Milotec", der Name des damals einzigen Skoda-Tuners hierzulande. Geführt vom Tschechen Miroslav Lochman, wie der Tunername verrät. Unter der Haube ein von O.CT Oberscheider getunter 1.8-T-Motor aus dem Audi TT mit 320 PS. Allrad, klar, denn schließlich wollte Lochman damals den in der Rallye-Weltmeisterschaft fahrenden Fabia WRC, "Dragon" genannt, nacheifern. Es blieb bei einem knapp 100.000 Euro teuren Einzelstück.
Schon früher tunte Milotec den Skoda Octavia RS
Anschließend befasste sich der Tscheche mit erfolgreicheren Dingen, nämlich der optischen Verbesserung von Skodas Bestseller, dem Octava RS. Für die Limousine und den Combi hatte die in Wiesbaden ansässige Firma so ziemlich alles zu bieten, was schön macht. Sogar Leistungssteigerungen hatte man im Angebot.

TEC-Räder in 20 Zoll mit Bremsbelüftungsscheiben (Prototypen).
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Doch irgendwann Ende 2020 zog sich Lochman aus dem Geschäft zurück, und die Brüder Thomas und Fabian Erle übernahmen die Marke Milotec. Und gaben direkt Vollgas, sie erweiterten die Liste der Skoda-Modelle, für die Spoiler und Co verfügbar waren, deutlich. Um das Können und die Individualität auch einem breiten Publikum zu zeigen, hatte man sich entschlossen, wieder ein Showcar zu bauen. Nein, keinen wilden Fabia wie damals, sondern den Bestseller Octavia RS. Und meldete ihn zum Redaktionsbesuch bei uns an.
Wir waren anfangs etwas skeptisch, denn bisher wurden die tschechischen RS ihrem Logo nie richtig gerecht, fielen eher durch ihr gutes Preis-Leistungs-Paket anstatt durch Performance auf. Laut Milotec soll ihr Octavia ein Alleskönner sein, Rennstrecke inklusive.

Dank dieses kleinen Zusatzsteckers am Steuergerät leistet der Vierzylinder 30 PS mehr.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Optisch ist der Skoda schon deutlich schneller als alles andere, was wir bisher von der tschechischen VW-Tochter getestet haben. Wildes Orange, extreme Tieferlegung mit ST-Gewindefahrwerk, TEC-20-Zöller und dezente Lippen vorn und hinten. Kleine Luftein- und -auslassblenden sorgen für mehr Würze an Front und Heck. Sportauspuff gibt es aktuell keinen, dafür einen Click-Diffusor, der, wie der Name sagt, ohne Werkzeug leicht zu lösen ist und auch eine Anhängerkupplung ermöglicht.
Unter der Haube? Der vom Golf GTI bekannte Zweiliter-Turbo-Vierzylinder, der hier von 245 auf 275 PS leistungsgesteigert ist. Nur 30 PS, bringt das was? Klar, unser Messgerät attestiert ihm eine um drei Zehntel schnellere Sprintzeit auf 100 km/h. Tempo 200? Ist er in zwei Sekunden eher als die Serie, bravo! Straße? Kann er, trotz Gewindefahrwerk und 235er-Hankook-Pellen mit 30er-Querschnitt. "Das Fahrwerk ist auf medium eingestellt, funktioniert somit im Alltag und, wenn es sein muss, auf der Rennstrecke", so Fabian Erle. Es muss sein, hier und heute am Lausitzring.

Mit den Luftauslassblenden und dem Milotec-Diffusor wirkt das Octavia-RS-Heck noch aggressiver.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Für die optimale Traktion wird extra von Hankooks Ventus S1 Evo3 auf den neuen Ventus Z gewechselt. Und siehe da, der RS ist nicht wiederzuerkennen. Früher taumelten die Octavia oft über die Rennstrecken, die Fahrwerke zu weich, die Reifen nicht genügend Grip, es war einfach kein Fahrspaß, wie man es von einem Auto mit RS-Logo erwartet. Doch das Milotec-Auto funktioniert, fährt so, wie es aussieht, bleibt immer auf der Ideallinie, das Heck spielt genauso fein mit wie im aktuellen Golf GTI. Und so wundern wir uns auch nicht über die etwas schnellere Rundenzeit im Vergleich zum VW.
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